13. FULLMETAL OSTHESSEN 2026
6.-7. März 2026
Niederaula/Niederjossa, DGH

Zum mittlerweile 13. Mal lud der Verein Cross Music e.V. zum alljährlichen FullMetal Osthessen (FMO) und eröffnete – zumindest für mich – wieder die neue Festival-Saison. Über mangelnden oder stark wechselhaften Zuschauer-Zuspruch muss man sich bei diesem Festival schon seit Jahren glücklicherweise nicht mehr machen. Und das liegt ganz sicher auch daran, dass der Verein es schafft, mit bzw. trotz Liebe zum Metal-Underground und abseits von vordergründigen Kommerzgedanken Jahr für Jahr ein tolles, aufregendes Billing mit lokalen bis internationalen Acts zusammenzustellen.
Wie bereits in den Vorjahren gab es auch 2026 ein paar kurzfristige Bandausfälle, die das FMO-Team aber einmal mehr absolut souverän ausgleichen konnte. Für die ursprünglich angekündigten Samstags-Headliner SACRED WARRIOR sprangen die vielleicht sogar noch einen Tick kultigeren BARREN CROSS in Sachen „US White Metal“ ein. Und anstelle der US-Metaller DARK ARENA brachte deren Sänger und FMO-Urgestein Juan Garcia einfach sein neues Projekt STORMS OF TOMORROW mit anderen Cleveland-Recken über den Teich. Wenn das mal kein Paradebeispiel für „ebenbürtiger Ersatz“ ist…
Da kann man es auch durchaus verkraften, dass die Veranstalter die Ticket-Preise (55 € für Early Bird bis 75 € Abendkasse) erneut – aber im Vergleich zu anderen Festivals absolut moderat – anpassen mussten. Umso lobenswerter der Umstand, dass die Getränkepreise (z. B. 3 € für 0,33l Bier, 2 € für Softdrinks) weiterhin super fair und unter üblichem Festival-Niveau geblieben sind.
FullMetal Osthessen 2026 -Freitag, 6. März 2026
Am traditionsgemäß härter (stilistisch tendenziell eher Speed und Thrash bis Death und Black Metal) ausgerichteten Freitag waren diesmal die Bands Lizzord, Slechtvalk, Sintage, Extinction, Warlust und die Headliner Toranaga (UK) am Start.
Lizzord
Pünktlich um 19 Uhr sorgten die mir und vielen anderen bislang unbekannten Festival-Opener LIZZORD aus der Eifel mit ihrem agilen, teilweise melodischen Oldschool Thrash gleich für den ersten WOW-Effekt und erfreulich viel Action auf und vor der Bühne. Bezeichnend, dass die zackige Coverversion von „Phantom Lord“ gegen Ende des Gigs nicht signifikant stärker abgefeiert wurde als das starke, teilweise noch unveröffentlichte Eigenmaterial der Band. Nach diesem gelungen Festival-Einstand bin ich definitiv nicht der einzige, der sich schon auf den ersten Tonträger und weitere Live-Auftritte von LIZZORD freut.

Slechtvalk
Rein von der Bühnenpräsenz her hinterlassen die niederländischen Black-Metaller SLECHTVALK mit ihren standesgemäß martialischen Outfits inkl. Warpaint bei mir den größten Eindruck. Im krassen Gegensatz dazu leidet der Auftritt der Band imho unter einer zu leisen Abmischung und ergo fehlender Brachialität (was beim FMO sonst eigentlich nur sehr selten vorkommt). Obwohl ich den epischen Black Metal von SLECHTVALK ziemlich geil finde, will der Funke an diesem Abend bei mir als auch beim restlichen Publikum einfach nicht ganz überspringen. Leider wirkt dadurch gefühlt auch die Band gegen Ende des Auftritts nicht mehr ganz so euphorisch. Von sowas wie einem „Fiasko“ sind wir aber wohlgemerkt meilenweit entfernt. Haken wir das mal unter „hätte etwas besser laufen können“ ab.

Sintage
Danach knallen die Leipziger Headbanger SINTAGE aber wieder mit einem Bombensound und sorgen für viel Action auf und vor der Bühne. Die beiden tollen Platten ‚Paralyzing Chains‚ und „Unbound Triumph‚ haben im Metal-Underground verdientermaßen schon für einige Furore gesorgt. Live funktionieren Band und Songs sogar noch einmal einen ganzen Zacken geiler und kommen wie Stallion mit etwas mehr Hardrock-Schlagseite rüber. Das Publikum (inkl. des Verfassers) dankt und feiert vor der Bühne ordentlich und intensiv ab. In dieser Hinsicht lassen sich SINTAGE den Titel „Tagesgewinner“ auch von den nachfolgenden Bands nicht mehr wegnehmen.

Extinction
Heißt aber nicht, dass die nachfolgenden Death-Metaller EXTINCTION sich in irgendeiner Form die Butter vom Brot nehmen lassen. Die fünf Italiener haben ihr brandneues, saustarkes Album „The Horned God“ im Gepäck, dessen Songs auch gleich mal die Hälfte der heutigen Setlist ausmachen. Und gerade diese funktionieren bei mir extrem gut. Im Vergleich zu den Tonträgern kommen die Songs live noch einmal einen Zacken thrashiger rüber. Sänger Filippo „spagatet“ über die Bühne und growlt und schreit sich dabei die Seele aus dem Leib. Saugeiler Auftritt, der vom abgehenden Publikum ordentlich honoriert wird.

Warlust
Den ultimativen Härtegrad und „Boshaftigkeitshöhepunkt“ des Festivals erreichen dann aber die deutschen Black-Thrasher WARLUST, die dem Publikum unbarmherzig die Songs ihrer drei Alben um die Ohren ballern. Während das bei vielen stilistisch vergleichbaren Bands im Verlaufe eines Gigs oft zunehmend eintöniger wird, überzeugen WARLUST bis zum Ende mit ihren spannenden Songstrukturen und geschickt eingestreuten melodischeren Parts, die dann auch an abgefeierte Bands wie Chapel of Disease oder The Spirit erinnern.

Toranaga UK
Wer denkt, dass beim Publikum danach die Luft raus sein könnte (was bei früheren FMO-Ausgaben hin- und wieder der Fall war), hat sich aber geirrt. Die melodischen Oldschool-Thrasher TORANAGA (aus rein rechtlichen Gründen jetzt immer mit Zusatz „UK“) erfreuen sich in den letzten Jahren gefühlt weitaus größerer Anerkennung als noch in ihren Anfangstagen. Das einzig verbliebene Urmitglied und Sänger Mark Duffy (auch bekannt von den NWoBHM-Recken Millennium) überzeugt einmal mehr mit seiner tollen Gesangsleistung und Bühnenpräsenz. Dreh- und Angelpunkt der Setlist ist natürlich auch heute wieder der Klassiker „God’s Gift“ – und dessen abgefeierter Kultsong ‚The Shrine‘ ist der perfekte Abschluss eines saugeilen ersten Festivaltages.

FullMetal Osthessen 2026 – Samstag, 7. März 2026
Am zweiten Festivaltag laden traditionsgemäß eher „klassische“, traditionelle und melodischere Metalbands zum harmonischen Headbangen ein. Diesmal waren dies: BOC, Axe Victims, Steelpreacher, Storms of Tomorrow, KEOPS, Mega Colossus, Paragon und die Headliner Barren Cross.
Den musikalischen Auftakt zum zweiten Festivaltag übernimmt die regionale Coverband BOZ, die wir aufgrund Regeneration, Essensaufnahme und Geschwätz vor der Halle trotz der katerfreundlichen Startzeit von 14:30 Uhr leider komplett verpassen. Sorry dafür, Leute. Was mir zu Ohren kam: Solide Interpretationen gängiger Hardrock- und Metalklassiker, keine negativen Stimmen, immer etwas undankbarer Job. Evtl. sollten sich die FMO-Leute mal wagen, Samstags gleich zu Beginn einen absoluten Knaller zu platzieren, um die Leute sofort zu aktivieren?
Axe Victims
Denn schon bei den deutschen, 2024 reanimierten 80er-Kulthardrockern AXE VICTIMS ist vom ersten Ton an teilweise euphorische Stimmung vor der Bühne. Von der Originalbesetzung sind immerhin noch Gitarrist Roland Hag, Bassist Holger George und Drummer Martin Rocco am Start. Dass das alles so gut funktioniert, hat die Band aber auch ihrem sympathischen Frontmann A.H. Son (Witz am Rande, O-Ton vor der Halle: „Die haben jetzt so einen blutjungen Sänger“…) zu verdanken. Da kann man auch verkraften, dass er dem 1985 eingespielten, aber erst vor einigen Wochen veröffentlichten Zweitwerk der Band „Hypnotized“ bei einer Ansage bereits ein Alter von 45 Jahren attestiert :-). Das macht Spaß, das geht gut ins Ohr und nicht nur die Oldschool-Fans haben tierisch Spaß. Was für eine geile und sinnvolle Reunion! Die Band gehört jetzt schon zu den Tagessiegern.

Steelpreacher
Danach sorgen STEELPREACHER für eine fette Überraschung: Im Gegensatz zu bislang stark sozialkritischen Themen fokussiert sich die Songauswahl der Rheinland-Pfälzer heute überraschenderweise auf philosophische Brennpunkte wie „Metal“, „Bier“ und „Hölle“. OK, kleiner Scherz. Was soll man sagen? STEELPREACHER sind wie immer Metal/Bier-Party pur und damit an diesem Abend nicht jedermans Fall – sorgen aber mit gewohnter Best-of Setlist und Bier-Verköstigung für Stimmung vor und auf der Bühne. Band feiert, Publikum feiert – das kann man dann auch eine gelungene Party nennen.
Storms Of Tomorrow
Wie schon eingangs erwähnt ersetzen die US-Metaller STORMS OF TOMORROW die leider verhinderten DARK ARENA. Wenn ich richtig mitgezählt habe, ist das damit das fünfte Fullmetal Osthessen, auf dem uns der charismatische Sänger Juan Ricardo jetzt mit seiner fünften Band die Ehre erweist – und ein Nachholgig von DARK ARENA im nächsten Jahr könnte gar nicht so abwegig sein. Mit im Gepäck hat die Band ihr brandneues Album „A Moment In Silence“, das auch komplett runtergezockt wird. Als Blickfang neben Ricardo erweist sich Gitarrist und Ritual-Kollege (und damit ebenfalls FMO-Veteran) Bobby Allerton, der wirklich jeden Ton seiner Gitarre mit verzückten Grimassen begleitet und auf der Bühne den Spaß seines Lebens hat (Zitat: „I really needed that!). Diese gute Laune überträgt sich natürlich auch aufs Publikum. Super-Gig.

KEOPS
Nur teilweise bekomme ich danach den Auftritt der Kroaten KEOPS um die junge und brandneue Frontfrau Vana mit. Deren leicht sinfonischer Power Metal mit sporadischen Arch-Enemy-Ausflügen ist persönlich jetzt nicht so mein Ding, wird aber vom Publikum tierisch abgefeiert. Und erfreulicherweise klingt deren Sound als auch Vanas Gesang um einiges räudiger als auf den mir etwas zu glattgebügelten Studioproduktionen. Musikalisch geben KEOPS auch schon einen ersten Vorgeschmack auf das im Mai erscheinende Album „Bitter Story For Humanity“ und haben alles richtig gemacht. Hut ab.
Mega Colossus
Danach geben auch die US-Metaller MEGA COLOSSUS, die gerade auf ausgedehnter Europa-Tour sind, alles und bringen ausschließlich Songs vom gerade erschienenen Überalbum „Watch Out!“ und dessen Vorgänger „Showdown“ – und dazwischen noch eine fantastische Coverversion des Blue-Öyster-Cult-Hits ‚Burnin‘ For You‘. Da gehen nicht nur die im Publikum zahlreich vertretenen US-Metal-Fans frenetisch mit. Nach dem Auftritt sind die mega-sympathischen Jungs dann fleißig damit beschäftigt, Ihre Platten zu signieren.

Paragon
Vielleicht noch etwas voller vor der Bühne wird es dann bei den Heavy-/Speed-Metallern Paragon. Die Hamburger Urgesteine zocken sich durch einen Großteil ihrer bereits 13 Longplayer, die sie in den letzten dreissig Jahren veröffentlicht haben und bieten somit einen tollen Mix aus alten Klassikern wie ‚Law Of The Blade‘ oder ‚Chalice Of Steel‘ und neuerem Material, wobei das letzten Album „Metaliation“ auch nur spartanisch berücksichtig wird. Vom Auftritt und den Publikumsreaktionen her hätten PARAGON auch locker die Headliner-Position übernehmen können.

Barren Cross
Diese Ehre erwiesen die FMO-Veranstalter aber dann doch den kalifornischen White-Metallern BARREN CROSS, von denen ich nicht wüsste, dass sie es in den letzten drei Jahrzehnten überhaupt mal über den große Teich geschafft hätten. Und auch, wenn sich die hinteren Reihen langsam ein wenig ausdünnen, kann die Band, bei der mit Sänger Mike Lee, Gitarrist Mike Paris und Bassist Jim LaVerde immerhin noch drei Urmitglieder aus den 80ern am Start sind, das Stimmungslevel bis zum Abschlusskracher ‚Imaginary Music‘ hochhalten. Zwar hätte ich mir vielleicht noch den ein oder anderen Song der 80er-Klassiker „Atomic Arena“ und „State Of Control“ gewünscht, aber auch das „neuere“ Material sowie ein tolles Cover von Maidens ‚Stranger In A Strange‘ Land ließen live keine Langeweile aufkommen. Würdiger Headliner, toller Festival-Abschluss.

Fazit
Auch das 13. FullMetal Osthessen kann man wieder als vollen Erfolg bezeichnen – mit vielen Highlights und bekannten Gesichtern, einigen Überraschungen und wirklich keinerlei Ausfällen. Man muss sich wirklich über jedes Underground-Festival freuen, dass heutzutage noch so toll organisiert und von den Fans auch supportet wird. Herzlichen Dank an alle Bands und die gesamte FMO-Crew!
Texte und Bilder: Joe Nollek


