EVANESCENCE – POPPY – NOVA TWINS, Dortmund
EVANESCENCE – POPPY – NOVA TWINS
20. September 2026
Dortmund, Westfalenhalle
Vor über zwei Jahrzehnten haben sich EVANESCENCE und ihr moderner, stimmgewaltiger, teilweise düsterer Alternative Metal schon mit ihrer Debütsingle und dem ersten Album „Fallen“ quasi über Nacht in die erweiterte Weltspitze gespielt und dieses Standing kontinuierlich ausgebaut. Mit dem aktuellen Studiodreher „Sanctuary“ im Gepäck hat der Fünfer auf seiner Welttournee Station in der Dortmunder Westfalenhalle gemacht und diese mehr als gut gefüllt. Da hat es sicher auch nicht geschadet, dass man als Supports zwei junge, ebenfalls weiblich angeführte Acts aus der Generation Tik Tok verpflichtet hat: NOVA TWINS, Rap Rock Duo aus London, sowie die Bostoner Sängerin POPPY.
NOVA TWINS
Das britische Duo besteht Gitarristin Amy Love und der Bassistin Georgia South, Freundinnen von Kindesbeinen an und live verstärkt durch einen Drummer. Mit ihrem basslastigen Grime/Punk/Elektro Mix mit wütenden Rap Vocals und dynamischen Songs wie `Cleopatra´ und `Choose Your Fighter´ machen die Beiden ganz schön Betrieb auf der riesigen Bühne der Westfalenhalle, was der bereits ganz gut gefüllte Stehplatzbereich sicht- und hörbar goutiert. `Hummingbird´ zeigt die eher ruhige, balladeske Seite der Band und ruft erstmals die Feuerzeuge bzw. Handys auf den Plan, bevor das hymnische `Glory´ den halbstündigen, energetischen Auftritt beschließt.
POPPY
Die US Künstlerin POPPY wurde nicht zuletzt als Youtuberin bekannt und erfreut sich mit ihrem Experimental Pop/Metalcore Mix seit mehr als einer Dekade stetig wachsender Beliebtheit. Hatte ich den Satz über ihr gewöhnlich schneeweißes Outfit schon beinahe fertig, so überrascht sie uns dieses Mal mit einem schwarzen Black Swan-artigen Dress, in dem sie wie ein Derwisch über die Bühne fegt und mit `Have You Had Enough´ in ihr Set startet. POPPY und ihre Band schaffen es, die Bühne auszufüllen, und die Sängerin selbst verfügt über ausreichend Ausstrahlung und eine vor allem bei den anfangs recht seltenen Screams und Growls kraftvolle Stimme, um Songs wie `Bruised Sky´ und `Crystallized´ vorzustellen. Das Publikum im nun sehr gut gefüllten Rund und dem zu etwa drei Vierteln vollen Innenraum geht jedenfalls begeistert mit und feiert weitere Tracks wie das Bad Omens Cover `V.A.N.´ und das finale `New Way Out´. Manchem dürfte das „all eyes on me“ Auftreten der Protagonistin, die nebenbei bemerkt auch keine Fotoaufnahmen ihres Auftritts zuließ, mit ihren maskierten Bandkollegen ein Dorn im Auge und „zuviel Tiktok“ sein, zum heutigen Headliner passte es musikalisch und atmosphärisch ziemlich gut und sorgte für ausgelassene Stimmung und begeisterten Applaus. Auch wenn die grandiose aktuelle Single `Dying To Forget´ überraschenderweise in der Songauswahl fehlte.

EVANESCENCE
EVANESCENCE steigen angeführt vom Titeltrack mit einem Viererpack Songs von ihrem aktuellen “Sanctuary“ Dreher, von dem sie im Laufe des Abends ganze elf Stücke performen, was schon für die ein oder andere Länge sorgt, in ihren über anderthalbstündigen Auftritt ein. Dies bleibt aber der einzige kleine Kritikpunkt an einem packenden Gig. Kein Wunder, wenn man im Folgenden Hits und Bandklassiker wie `Going Under´, `Call Me When You´re Sober´ und das überraschend früh angestimmte Überding `Bring Me To Life´ zum Besten geben kann, der Amy Lee den obligatorischen Rap-Part höchstpersönlich übernimmt. Vor allem technisch wird hier so einige aufgefahren. Vor der riesigen Vidiwall, die mit stimmungsvollen Clips und Animationen, bespielt wird, die immer wieder mit Live-Bildern von der Bühne angereichert werden, heben mehrere Raiser Drumkit und die anderen Bandmitglieder immer wieder in die Höhe und bei `Calm Down´ wird mit einem grandiosen Effekt die halbe Bühne in Brand gesetzt. Der schräg gestellte hintere Teil der Stage, den die Musiker ein ums andere Mal „erklimmen“, bietet zudem weitere visuelle Möglichkeiten und verlängert das Videobild optisch bis an den Bühnenrand.

Für die musikalischen Highlights und Gänsehautmomente wie `Lithium´, `Forever Without You´ und das tausendfach aus überwiegend weiblichen Kehlen kraftvoll mitgesungene `My Immortal´ sorgt Frontfrau Amy Lee neben ihrer großartigen Stimme mit ihren Ansagen, die vor allem vor diesen leisen Momenten emotional den Inhalt ihrer Songs erklären und einleiten, um selbige dann nur von sich selbst an Keyboard oder Klavier begleitet maximal gefühlvoll zu performen. Zu diesem Zweck schnellt jedes Mal in Windeseile ein in dem kleinen, in den Zuschauerraum ragenden Teil der Bühne versenktes Piano in die Höhe. Für ein weiteres Glanzlicht sorgt die aktuelle Amy Lee Solo-Single `End Of You´, die sie mit Poppy und Courtney LaPlante (Spiritbox) aufgenommen hat und bei der sie live von Poppy gesanglich unterstützt wird, bevor mit `Wide Open Heart´ ein ebenfalls recht neuer Song die glückliche Menge selig in die dunkle Dortmunder Nacht entlässt.
Setliste EVANESCENCE:
Sanctuary
Tell Me When You’ve Had Enough
Afterlife
Rapture
Going Under
Lithium
Like You
Self Destruct
Calm Down
Call Me When You’re Sober
Beautiful Lie
Wasted on You
Forever Without You
Bring Me to Life
Imaginary
Better Without You
About Us
End of You (mit Poppy)
Who Will You Follow
My Immortal
Wide Open Heart
Text: Michael Gaspar
Photo Credits: Sven Bernhardt




























