Mit “Darkborne” melden sich EYE OF PURGATORY zurück. Das schwedisch-amerikanische Death-Metal-Trio um Rogga Johansson veröffentlicht am 13. Februar 2026 über Apostasy Records ein Album, das tief im klassischen schwedischen Death Metal verwurzelt ist. EYE OF PURGATORY wurden 2018 im schwedischen Gamleby gegründet und waren von Beginn an als Studio-Projekt angelegt. Rogga Johansson, einer der umtriebigsten und prägendsten Musiker der Szene, übernahm von Anfang an die kreative Kontrolle, mit dem klaren Ziel, erdigen, morbiden Death Metal mit einer leicht rätselhaften, atmosphärischen Note zu verbinden. Das Debüt “The Rotting Enigma” erschien noch im Gründungsjahr als kompromisslose Ein-Mann-Produktion und etablierte das Projekt schnell als ernstzunehmende Größe innerhalb der Szene.
Mit dem zweiten Album “The Lighthouse” folgte 2021 die Weiterentwicklung zur festen Bandformation. Gemeinsam mit Jeramie Kling und Taylor Nordberg gewann der Sound an Tiefe, Dynamik und Struktur, ohne den massiven Death-Metal-Kern aufzugeben. Dieses Line-up besteht bis heute und geht mit “Darkborne” den nächsten logischen Schritt. Geschmiedet von Johansson, Nordberg und Kling, pflegt das Album die Wurzeln des schwedischen Death Metal, ohne zur Nostalgieübung zu werden. Das Artwork von Dan Goldsworthy unterstreicht die Mischung aus Melancholie und Bedrohung visuell, während die Musik klar auf Fans von düsterem, ehrlichem Death Metal mit schwedischer DNA zielt.

Im Gespräch mit Rogga Johansson geht es u. a. um die Entstehung von “Darkborne”, die Entwicklung von EYE OF PURGATORY vom Solo-Projekt zur festen Band und die Frage, wie man klassischen Death Metal lebendig hält.
Tobias:
Bevor wir in “Darkborne” eintauchen: Wie geht es dir momentan, und wie fühlt sich diese Wartephase kurz vor der Veröffentlichung an? Überwiegen Vorfreude, Anspannung oder inzwischen eher Gelassenheit?
Rogga:
Mir geht es gut hier, bald ist Taco-Freitag mit der Familie, haha. Also ein paar Bier trinken und mich durch diesen Fragenblock arbeiten. Die Wartephase ist eigentlich nicht besonders schwer, das Album ist ja schon seit ein paar Jahren fertig. Deshalb ist es jetzt vor allem ein sehr schönes Gefühl, wenn die ganze harte Arbeit endlich genossen werden kann.
Tobias:
Um EYE OF PURGATORY und euch als Band besser kennenzulernen: Rogga, möchtest du euch unseren Lesern vorstellen? Wer übernimmt welche Aufgaben in der Band?
Rogga:
Jamie und Taylor sind Amerikaner, und ich spiele nun schon seit einigen Jahren mit ihnen zusammen, in verschiedenen Kollaborationen, hauptsächlich bei RIBSPREADER. Jamie ist normalerweise Schlagzeuger, aber bei EYE OF PURGATORY spielt er Bass, und Taylor übernimmt sowohl das Schlagzeug als auch die Leadgitarren. Heute spielen sie bei DEICIDE beziehungsweise OVERKILL. Und dann bin da noch ich an Gitarre und Gesang, natürlich.
Tobias:
Was passiertbei euch normalerweise in der Phase vor einer Albumveröffentlichung, wenn Platten gepresst werden, Interviews stattfinden und Tourpläne geschmiedet werden?
Rogga:
In meinem Alter und zu diesem Zeitpunkt bin ich wahrscheinlich ziemlich abgestumpft, haha, also passiert eigentlich nicht viel. Normalerweise ist man aber schon von einer gewissen nervösen Energie erfüllt und versucht, alles zu sortieren. Bei diesem speziellen Album hatten wir jedoch sehr viel Zeit, alles fertigzustellen, deshalb ist es jetzt einfach nur ein gutes Gefühl, wenn alles endlich veröffentlicht wird und genossen werden kann.
Tobias:
Mit “The Lighthouse” im Jahr 2021 habt ihr einen wichtigen Schritt gemacht und EYE OF PURGATORY erstmals als vollwertige Band präsentiert. Wie blickst du heute auf dieses Album zurück, gerade im Hinblick darauf, dass “Darkborne” nun das nächste Kapitel markiert?
Rogga:
Ja, absolut. “The Lighthouse” war ein riesiger Schritt nach vorne im Vergleich zum Debüt, das im Grunde ein Soloalbum war. Jamie und Taylor dazuzuholen war wie ein Schub frischer Energie sowie enorm viel zusätzlicher Erfahrung und Können. Ich finde dieses Album bis heute wirklich großartig. Es ist das erste Kapitel, und jetzt kommt das zweite. Beide Alben passen perfekt zusammen.
Tobias:
Im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen wirkt “Darkborne” noch geschlossener und atmosphärischer, gleichzeitig aber auch direkter im Songwriting. Was hat sich im Entstehungsprozess verändert, und welchen Einfluss hatte das inzwischen seit über fünf Jahren bestehende Line-up auf den Sound von “Darkborne”?
Rogga:
Die Songs dieses Albums sollten ganz klar eine Weiterführung des vorherigen Albums sein, und wir haben einfach versucht, sie so gut wie möglich zu machen. Was die Atmosphäre betrifft, muss ich Taylor besonders hervorheben, denn er ist bei diesem Album richtig aufgegangen, was den Einsatz von Keyboards angeht. Das sorgt für einen tieferen Sound und macht alles epischer. Wir wussten genau, wie wir am besten zusammenarbeiten, da wir zuvor schon ein starkes Album gemacht hatten, also lief alles sehr leicht. Ich habe das Album geschrieben und den Jungs übergeben, und sie haben es außergewöhnlich gut gemacht. Sie haben all die Magie hinzugefügt.
Tobias:
Gab es Momente, in denen ihr bewusst neue Wege eingeschlagen habt, oder war früh klar, dass ihr den eingeschlagenen Pfad weiter vertiefen wollt?
Rogga:
Ich wollte, dass das Album einfach mehr von allem bietet, und ich denke, das haben wir erreicht. Die Songs sollten eingängiger und härter sein, und all die Extras wie Keyboards und Soli sollten ebenfalls einfach mehr von allem liefern. Ich glaube, genau das ist uns gelungen.
Tobias:
Was macht für dich den Geist des schwedischen Death Metal aus, und welche aktuell aktiven Bands verkörpern ihn am stärksten?

Rogga:
Ich denke, es ist vor allem die Vielfalt. Es gibt keinen festgelegten Sound, man kann fast alles einbauen, und es funktioniert. Denk nur an Bands wie EDGE OF SANITY, FURBOWL und HYPOCRISY und vergleiche sie mit GRAVE und ENTOMBED oder mit AT THE GATES und THE CROWN – alles ist völlig unterschiedlich und trotzdem alles großartig. Was aktuelle Bands angeht, bin ich nicht besonders up to date, haha, aber eine Band, die immer die Fahne hochgehalten und durchgehend außergewöhnliche Alben veröffentlicht hat, ist HYPOCRISY. Diese Band kann eigentlich jeden Death-Metal-Fan ansprechen, egal welche Spielart er bevorzugt.
Tobias:
Welche schwedischen Bands haben dich persönlich am meisten beeinflusst?
Rogga:
Persönlich würde ich EDGE OF SANITY und GRAVE nennen, wenn es um Death Metal geht, außerdem Crust-Bands wie DISFEAR. Und natürlich HYPOCRISY. Eine meiner absoluten Lieblingsbands mit großem Einfluss ist auch VOMITORY, die wie ich eine Vorliebe für Crust-Einflüsse im Metal hatten. Eine weitere Band ist FURBOWL, deren zweites Album meiner Meinung nach ein völlig unterschätzter Klassiker ist.
Tobias:
AT THE GATES sind für dich … ?
Rogga:
Ich war nie wirklich ein Fan des Göteborg-Sounds, mit der Ausnahme von AT THE GATES. “Terminal Spirit Disease” ist ein großartiges Album, aber sie haben mit “Slaughter of the Soul” den Death Metal neu definiert. Für mich ist das eines der besten Alben aller Zeiten.
Tobias:
Zur Einordnung der vorherigen Frage: Viele vom schwedischen Death Metal beeinflusste Bands nennen AT THE GATES als große Inspiration. Deshalb frage ich nach ihrer Bedeutung, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Sänger Tomas Lindberg so früh verstorben ist.
Rogga:
Ich liebe ihre Musik, aber sie waren kein riesiger Einfluss auf mich, auch wenn es natürlich irgendwie einen Einfluss gab, ohne dass ich groß darüber nachgedacht habe. Tomas hätte noch viele Jahrzehnte leben und viel mehr Musik machen sollen.
Tobias:
Gibt es auch deutsche Bands, die dich inspiriert haben oder noch immer inspirieren?
Rogga:
Ich war schon immer ein großer Fan von FLESHCRAWL, eine in jeder Hinsicht solide Band. Später hatte ich immer das Gefühl, dass REVEL IN FLESH das Banner übernommen und gut hochgehalten haben. Abseits des Death Metal gibt es aber auch viele deutsche Bands, die ich liebe, zum Beispiel THE VISION BLEAK und PYOGENESIS.
Tobias:
“Darkborne” enthält neun Songs. Mit welchen Themen beschäftigt sich das Album textlich?
Rogga:
Es ist eine direkte Fortsetzung des vorherigen Albums “The Lighthouse”. Es ist eine durchgehende Konzeptgeschichte, die dort beginnt, über ein verfluchtes Dorf und all die Schrecken, die dort geschehen und sich entwickeln. Es ist ein großes Konzept, und es wird erst mit dem nächsten Album enden.
Tobias:
Was können Metal-Fans, die EYE OF PURGATORY noch nicht kennen, musikalisch von “Darkborne” erwarten?
Rogga:
Von allem etwas und noch mehr. Es ist vielleicht ein bisschen so, wie EDGE OF SANITY es gemacht haben. Schwedischer Death Metal, aber mit zusätzlichen Elementen. Es gibt harte Songs, epische Songs und sogar das, was ich als echten Death-Metal-Hit bezeichnen würde: ‘Formless Figures Dance’. Auf diesen Song werde ich immer besonders stolz sein.
Tobias:
Mit ‘Formless Figures Dance’ und zuletzt ‘The Slithering’ wurden bereits zwei Singles veröffentlicht. Wie zufrieden bist du mit den Reaktionen, und wird es weitere Singles geben?
Rogga:
Sehr zufrieden. Es scheint, als würden die Leute die Musik wirklich mögen. Ob es noch weitere Singles geben wird, weiß ich nicht. Das Album erscheint bald, also sehen wir weiter.
Tobias:
Gibt es einen Song, der den Sound von EYE OF PURGATORY am besten repräsentiert?
Rogga:
Der Opener ‘The Darkborn’ vereint alles: Härte, Epik und Eingängigkeit. Wenn dir dieser Song gefällt, wirst du den Rest des Albums lieben.
Tobias:
EYE OF PURGATORY waren bisher vor allem als Studioprojekt bekannt. Wird das so bleiben oder gibt es Pläne für Live-Auftritte?
Rogga:
Aktuell nicht. Wenn man bedenkt, dass die Jungs bei DEICIDE und OVERKILL spielen, gibt es kaum Möglichkeiten, diese Band live umzusetzen.
Tobias:
Ein YouTube-Nutzer schrieb: “Getting a Bloodborne vibe from this.” Beeinflussen Videospiele deine Arbeit?
Rogga:
Okay, ich bin wohl dumm genug zu sagen, dass ich nicht einmal weiß, was das ist, haha. Also nein, Spiele beeinflussen mich nicht. Das letzte Spiel, in das ich wirklich eingetaucht bin, war das erste RESIDENT EVIL, damals auf der PS1.

Tobias:
Spielst du selbst Videospiele?
Rogga:
Ja, schon. Ich spiele das alte Nintendo-Zeug, mit dem ich als Kind aufgewachsen bin. Wir haben die Neuauflagen gekauft, die vor ein paar Jahren erschienen sind, und spielen das als Familie. Mein Sohn ist Teenager und Gamer, dadurch bekomme ich neue Sachen mit, aber selbst spiele ich kaum.
Tobias:
Was machst du, wenn du keine Musik machst?
Rogga:
Wenn ich spiele, dann nur aus purer Nostalgie, alte 8-Bit-Nintendo-Spiele. Ansonsten schaue ich gerne Horrorfilme, trinke Bier und grille. Ich bin leicht zufriedenzustellen, haha.
Tobias:
Was sind die nächsten musikalischen Schritte mit EYE OF PURGATORY?
Rogga:
Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Die Jungs sind sehr beschäftigt, das neue Album ist schon seit ein paar Jahren fertig, und wir haben noch nichts weiter besprochen. Es wird aber einen dritten Teil geben, der die Geschichte abschließt, das weiß ich.
Tobias:
Gibt es zum Abschluss noch etwas über EYE OF PURGATORY oder “Darkborne”, das wir noch nicht angesprochen haben und das dir besonders wichtig ist?
Rogga:
Ich denke, wir haben eigentlich alles abgedeckt. Wichtig ist mir nur, dass das Konzept des Albums ernst genommen wird. Wenn man gute Geschichten mag, sollte man sich darauf einlassen und am besten auch mit dem vorherigen Album beginnen.
Tobias:
Möchtest du den Lesern von OBLIVEON noch etwas mit auf den Weg geben?
Rogga:
Ich hoffe, ihr bekommt Lust, euch das Album anzuhören. Wenn ihr Death Metal mögt, stehen die Chancen sehr gut, dass euch dieses Album gefallen wird.
Interview: Tobias Stahl
Photocredit: EYE OF PURGATORY/Bandcamp

