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DIE ENTERBTEN – Über Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Haltung

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Mit „Niemals Zu Spät“ veröffentlichen DIE ENTERBTEN am 18. September ihr Debütalbum bei NRT Records. Die Band verbindet New Wave, Art-Punk und Alternative Rock mit ihrem eigenen „Neonpunk“ und liefert dabei zehn Songs, die sich ebenso mit Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Leistungsdruck beschäftigen wie mit den kleinen Absurditäten des täglichen Lebens. Im Gespräch erzählt Michaela Ansey von der Entstehung des Albums, den Geschichten hinter Songs wie ‚Niemals Zu Spät‘, ‚Nein‘, ‚Stark Wie Ein Shark‘, ‚Mädchen‘ und ‚Frei‘ sowie von der Bedeutung persönlicher Erfahrungen für ihre Texte. Gleichzeitig kommen auch die anderen Bandmitglieder zu Wort: Mario, Guido, Galal und Ingo geben eigene Einblicke in den Sound von DIE ENTERBTEN, ihre Instrumente und die gemeinsame Arbeit an den Songs. Dabei geht es natürlich auch um die Frage, wohin sich der „Neonpunk“ der Band in Zukunft noch entwickeln kann.

Tobias:
Hallo Michaela! Mit „Niemals Zu Spät“ steht euer Debütalbum in den Startlöchern. Für mich ist das gleichzeitig der erste Kontakt mit DIE ENTERBTEN und ihr habt mit eurem Mix aus New Wave, Art-Punk und Alternative Rock direkt einen eigenen kleinen Kosmos geschaffen. Wie fühlt es sich für dich an, das erste Album jetzt endlich mit der Welt zu teilen?

Michaela Ansey:
Ehrlich gesagt: ziemlich großartig – und gleichzeitig ein bisschen surreal. Man arbeitet lange an solchen Songs, probiert aus, verwirft Dinge, nimmt wieder etwas auf und irgendwann kommt dieser Moment: Jetzt ist es nicht mehr nur unser Album. Jetzt gehört es auch ein Stück weit den Leuten, die es hören. Das ist spannend, aber natürlich auch aufregend. Man macht sich schließlich mit seinen Songs ein Stück weit verletzlich. Für uns ist „Niemals Zu Spät“ aber vor allem ein Statement. Wir wollten kein Album machen, das sich an irgendeinem aktuellen Trend orientiert, sondern Musik, auf die wir selbst richtig Bock haben. Wenn dann andere Menschen die Songs hören, mitsingen, tanzen oder vielleicht sogar etwas für sich darin entdecken, ist das für uns das Schönste daran. Und ganz ehrlich: Für eine Band ist das erste Album schon ein ziemlich großer Meilenstein. Jetzt wollen wir natürlich auch sehen, was daraus entsteht.

Tobias:
Schon der Bandname DIE ENTERBTEN ist ziemlich auffällig und auch „Neonpunk“ beschreibt euren Stil ziemlich treffend. Wie ist diese Mischung aus New Wave, Art-Punk und Alternative Rock entstanden und wann habt ihr gemerkt, dass daraus euer ganz eigener Sound wird?

Michaela Ansey:
Der Name DIE ENTERBTEN war tatsächlich von Anfang an als kleiner Seitenhieb gedacht. Wir wollten einen Namen, der hängen bleibt und vielleicht auch ein bisschen provoziert. Musikalisch haben wir nie gesagt: „Wir machen jetzt New Wave plus Punk plus Alternative Rock.“ Das hat sich eher entwickelt. Jeder bringt seine eigenen Einflüsse mit und irgendwann merkt man: Das funktioniert zusammen. Da kommen Punk-Attitüde, New Wave, Achtziger-Sounds, Alternative Rock und jede Menge Keyboard zusammen. Und irgendwann haben wir gemerkt, dass wir gar nicht mehr darüber nachdenken müssen, in welche Schublade ein Song gehört. Wenn es nach DIE ENTERBTEN klingt, dann passt es. 

Mario:
Der perfekte Basslauf fällt dir gar nicht auf, wenn du ihn hörst – er fällt dir erst auf, wenn der ganze Club plötzlich anfängt zu tanzenv. „Neonpunk“ beschreibt das für uns ziemlich gut: bunt, manchmal schrill, ein bisschen überdreht, aber trotzdem mit der Energie und Haltung des Punk.

Tobias:
‚Niemals Zu Spät‘ ist gleichzeitig der Titeltrack und eine ziemlich positive Ansage: Dinge anpacken, Träume nicht aufschieben und einfach loslegen – egal, wie alt man ist. Was steckt für dich persönlich hinter dieser Aussage und warum sollte ausgerechnet dieser Song den Namen des Albums tragen?

Michaela Ansey:
Der Titel ist für mich tatsächlich eine Haltung. Man kann sich unglaublich viele Gründe suchen, warum man etwas nicht machen sollte: zu alt, zu spät, zu schwierig, keine Zeit, falscher Zeitpunkt. Und irgendwann stellt man fest, dass man damit eigentlich nur darauf wartet, dass das Leben an einem vorbeizieht. ‚Niemals Zu Spät‘ sagt für mich: Mach es einfach. Fang an. Du musst nicht wissen, wie alles ausgeht. Und genau deshalb musste der Song auch der Albumtitel werden. Er steht eigentlich über dem ganzen Album. Es geht um Selbstbestimmung, darum, sich nicht ständig selbst kleinzumachen und darum, das Leben nicht auf irgendwann später zu verschieben. Wir wollten mit dem Album auch zeigen, dass Punk keine Frage des Alters ist. Haltung hat kein Ablaufdatum.

Tobias:
Eure Texte greifen viele Themen auf, die im Alltag tatsächlich eine Rolle spielen – Selbstbestimmung, Selbstliebe, Leistungsdruck, Gleichberechtigung oder einfach die kleinen Katastrophen des täglichen Lebens. Wie entstehen deine Texte und gibt es bestimmte Situationen, bei denen du sofort denkst: Daraus könnte ein Song werden?

Michaela Ansey:
Sehr oft sind es tatsächlich Situationen aus dem ganz normalen Leben. Dinge, die man beobachtet, Gespräche, Erlebnisse oder manchmal auch einfach ein Satz, der irgendwo hängen bleibt. Ich mag es, wenn ein Text nicht alles erklären muss. Manchmal reicht eine gute Beobachtung oder ein etwas schräger Gedanke und plötzlich steckt darin ein ganzer Song. Und ich finde, gerade die Mischung aus ernsten Themen und Alltagshumor macht es interessant. Das Leben ist schließlich auch nicht permanent tiefgründig. Manchmal ist es einfach nur komplett absurd. (lacht) Wenn ich beim Schreiben merke, dass ich selbst über eine Zeile grinsen muss, ist das meistens ein gutes Zeichen.

Tobias:
‚Nein‘ setzt ihr euch mit einer der wichtigsten Vokabeln überhaupt auseinander. Gerade in einer Welt, in der viele Menschen lernen müssen, Grenzen zu ziehen und für sich einzustehen, ist die Botschaft ziemlich klar. Wie wichtig ist dir diese Haltung und wolltest du bewusst einen Song schreiben, der so direkt sagt: Bis hierhin und nicht weiter?

Michaela Ansey:
Ja, und inzwischen wissen wir, dass dieser Song bei ganz unterschiedlichen Menschen etwas auslöst. ‚Nein‘ geht für mich zunächst einmal darum, Grenzen setzen zu dürfen. Nicht nur gegenüber anderen, sondern auch gegenüber Erwartungen, Situationen oder Dingen, die einem nicht guttun. Das Spannende ist, dass der Song mittlerweile sogar getanzt wird. Und gleichzeitig wurde er in einer Therapiegruppe eingesetzt, um sich mit dem Thema Abgrenzung auseinanderzusetzen – aber auch ganz bewusst, um einfach einmal laut „NEIN“ schreien zu dürfen. Das hat mich sehr berührt. Denn genau dafür kann Musik da sein: Manchmal braucht man keine komplizierte Erklärung. Man braucht einen Moment, in dem man etwas fühlen und ausdrücken kann. Und manchmal muss ein „Nein“ eben nicht leise und höflich sein. Manchmal muss man es einfach laut hinausschreien. Für mich ist das keine negative Botschaft. Im Gegenteil. Ein klares Nein kann der Anfang von sehr viel Selbstbestimmung sein.

Tobias:
‚Stark Wie Ein Shark‘ musste mich schon wegen des Titels schmunzeln lassen, gleichzeitig steckt dahinter eine ernsthafte Botschaft über das Weitermachen und den eigenen Mut. Wie wichtig ist dir dieser Mix aus Humor und einer klaren Aussage? Darf ein Song über ein ernstes Thema bei DIE ENTERBTEN auch einfach Spaß machen?

Michaela Ansey:
Unbedingt. Gerade wenn ein Thema schwer ist, kann Humor helfen, überhaupt einen Zugang dazu zu finden. ‚Stark Wie Ein Shark‘ ist in einer Zeit entstanden, in der wir in unserem Bekanntenkreis und auch im Kreis befreundeter Menschen immer wieder mit der Diagnose Krebs konfrontiert wurden. Plötzlich bekommt man eine schlimme Nachricht und weiß überhaupt nicht, was jetzt passiert und wohin die Reise geht. Dieses Gefühl von Hilflosigkeit war ein Ausgangspunkt für den Song. ‚Stark Wie Ein Shark‘ setzt genau dort an: Stell dich dem Problem mit all deiner Kraft entgegen und sag ihm den Kampf an. Natürlich können wir damit keine Krankheit wegmachen. Aber wir können eine Haltung vermitteln: Lass dich nicht sofort von der Angst überwältigen, sondern stell dich dem, was kommt. Und weil wir nun einmal DIE ENTERBTEN sind, wird selbst aus unserer Ente kurzerhand eine Baby-Hai-Ente. Der grüne Iro wird zur Haifischflosse – und fertig ist unser persönlicher Kampf-Hai. (lacht) Ich glaube, genau diese Mischung macht uns aus: Eine Botschaft darf ernst sein, ohne dass man dabei den Spaß verliert.

Tobias:
‚Mädchen‘ ist für mich einer der Songs mit der klarsten Haltung auf dem Album. Die Botschaft zur Gleichstellung ist unmissverständlich und gleichzeitig funktioniert der Song musikalisch sehr leichtfüßig. Wie ist dieser Song entstanden und was möchtest du jungen Mädchen und Frauen mit dieser Nummer mitgeben?

Michaela Ansey:
‚Mädchen‘ ist ursprünglich für einen Auftritt zum Weltmädchentag entstanden. Damals war uns schon wichtig, das Thema Rechte und Gleichstellung von Mädchen nicht nur irgendwie zu besingen, sondern wirklich sichtbar zu machen. Und inzwischen hat der Song tatsächlich ein Eigenleben entwickelt, was uns unglaublich freut. Mädchen aus der Tanzwerkstatt „fair & cool“ haben eine eigene Choreografie zu dem Song erarbeitet und treten damit öffentlich für die Rechte von Mädchen auf. Das ist für mich etwas ganz Besonderes, weil der Song dadurch nicht mehr nur unser Song ist. Auch für unser Musikvideo, das bald erscheinen wird, haben viele Mädchen und Jugendliche mitgemacht – neben der Tanzgruppe auch weitere Gruppen und einzelne Mädchen und Jugendliche. Wir haben dafür zwei Tage sehr intensiv an dem Thema und an der Umsetzung gearbeitet. Und es gab dabei unglaublich viele Gänsehautmomente. Die Mädchen haben uns von ihren eigenen Erfahrungen erzählt, während wir gemeinsam T-Shirts gestaltet und Schilder mit Parolen wie „Cool“ und „Gleichgestellt“ gemacht haben. Dadurch wurde aus einem Song plötzlich etwas sehr Reales und Persönliches. Was ich Mädchen mitgeben möchte, ist eigentlich ganz einfach: Du musst dich nicht kleiner machen, damit andere größer wirken. Du darfst deinen eigenen Weg gehen, deine Meinung sagen, Grenzen setzen und deine Träume verfolgen. Gleichberechtigung bedeutet für mich nicht, dass alle gleich sein müssen, sondern dass alle die gleichen Möglichkeiten und den gleichen Wert haben. Und wenn Mädchen zu unserem Song tanzen und dabei für ihre Rechte öffentlich auftreten, dann ist das wahrscheinlich die schönste Form, die ein Song annehmen kann.

Tobias:
Mit ‚Frei‘ nehmt ihr anschließend bewusst Tempo heraus und beschäftigt euch mit Leistungsdruck, Erwartungen und dem Gefühl, einfach einmal stehen bleiben zu müssen. Wie wichtig ist dir diese ruhigere Seite von DIE ENTERBTEN und warum braucht ein Album wie „Niemals Zu Spät“ auch solche Momente?

Michaela Ansey:
‚Frei‘ ist einer unserer ersten Songs und für mich steckt darin ein Gedanke, der eigentlich sehr grundlegend für unser Verständnis von Freiheit ist. Im Refrain hieß es ursprünglich einmal: „Ich bin frei, wenn du mich nur lässt.“ Irgendwann haben wir daraus „Ich bin frei, wenn ich es zulass“ gemacht. Und dieser kleine Unterschied ist für mich ziemlich entscheidend. Denn Freiheit kann nicht davon abhängen, wer sie mir gibt. Natürlich gibt es äußere Grenzen und Situationen, in denen andere Menschen oder Umstände Einfluss auf unser Leben haben. Aber die eigene innere Freiheit darf nicht davon abhängig sein, dass jemand anderes mir die Erlaubnis dazu gibt. Deshalb ist ‚Frei‘ auch einer dieser Songs, die nicht unbedingt laut sein müssen. Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, durchatmen und sich fragen, was man eigentlich selbst will – und was man vielleicht nur tut, weil es von einem erwartet wird. Ich finde, genau solche Momente braucht ein Album. „Niemals Zu Spät“ soll Energie haben und Spaß machen, aber das Leben besteht eben nicht nur aus Vollgas. Manchmal ist es genauso wichtig, einfach einmal stehenzubleiben und sich selbst zuzuhören.

Tobias:
Die Synthies und Keyboardklänge sind ein wichtiger Teil eures Sounds und geben vielen Songs dieses Achtzigerjahre-Flair. Gleichzeitig wollt ihr nicht einfach nur nostalgisch klingen. Wie wichtig sind euch diese Einflüsse und wie schafft ihr es, daraus etwas Eigenes und Modernes zu machen?

Michaela Ansey:
Die Achtziger sind für uns definitiv eine wichtige musikalische Quelle. Ich liebe diese Sounds, diese teilweise sehr eigenwilligen Keyboardflächen und dieses Gefühl, dass Synthesizer nicht nur Hintergrunddekoration sein müssen, sondern ein richtiges Instrument sein können. Aber wir wollen keine Achtziger-Coverband sein. Für mich ist es eher so, als würden wir uns aus dieser Zeit bedienen und das Ganze mit Punk, Alternative Rock und unseren eigenen Ideen mischen. Die Synthies dürfen bei uns auch mal ganz vorne stehen. Gleichzeitig kommen Bass, Gitarre und Schlagzeug dazu und bringen ihre eigene Energie mit.

Guido:
Als Keyboarder finde ich es richtig super, erst am Ende eines jeden Songs gemeinsam mit der gesamten Band die entsprechenden Sounds zu integrieren, die dem Song dann den finalen Feinschliff an Neonpunk verpassen.

Michaela Ansey:
Genau darum geht es eigentlich: Nicht einfach einen alten Sound zu kopieren, sondern ihn so einzusetzen, dass daraus unser eigener Sound entsteht.

Tobias:
Ihr habt „Niemals Zu Spät“ selbst produziert, während Peter Dümmler Mix und Mastering übernommen hat. Warum war es euch wichtig, die Produktion zunächst selbst in die Hand zu nehmen, und wie stark hat Peter anschließend noch in den finalen Klang eingegriffen?

Michaela Ansey:
Wir wollten zunächst einmal genau den Sound festhalten, den wir als Band selbst hören. Gerade bei einem Debüt finde ich es wichtig, nicht sofort alles aus der Hand zu geben und am Ende eine Produktion zu bekommen, die zwar technisch perfekt ist, aber vielleicht nicht mehr nach der eigenen Band klingt. Wir haben deshalb sehr viel selbst ausprobiert, geschraubt und Entscheidungen getroffen. Peter Dümmler hat anschließend beim Mix und Mastering dafür gesorgt, dass aus diesem Material ein runder und professioneller Gesamtklang wird. Dabei war uns wichtig, dass die Eigenheiten der Band erhalten bleiben. Wir wollten nicht glattgebügelt werden.

Galal: Jetzt weiß ich, was Neon Wave Punk sein kann, und finde es richtig geil. Meine Gitarre übrigens auch.

Michaela Ansey:
Ich glaube, besser kann man es eigentlich kaum zusammenfassen.

Tobias:
Songs wie ‚Bock Auf Dieses Leben‘, ‚Einzigartig‘ oder ‚Im Bett Geblieben‘ haben sehr unterschiedliche Themen, funktionieren aber jeweils auf ihre eigene Art. Wenn du auf die zehn Songs blickst: Gibt es einen Titel, der dir persönlich besonders nahegeht oder der vielleicht sogar mehr über dich erzählt, als man beim ersten Hören vermuten würde?

Michaela Ansey:
Das ist schwierig, weil jeder Song irgendwo ein Stück von uns enthält. Wenn ich einen herausgreifen müsste, wäre es wahrscheinlich ‚Niemals Zu Spät‘. Nicht unbedingt, weil er der emotionalste Song ist, sondern weil er für mich die Haltung hinter DIE ENTERBTEN am besten zusammenfasst. ‚Bock Auf Dieses Leben‘ beschreibt vielleicht noch stärker dieses Gefühl, das Leben einfach zu feiern und sich nicht ständig von irgendwelchem Mist die Laune verderben zu lassen. Aber ‚Niemals Zu Spät‘ geht für mich noch einen Schritt weiter: Es geht darum, tatsächlich etwas zu tun. Vielleicht ist das auch das, was man beim ersten Hören nicht unbedingt merkt: Hinter der ganzen bunten, lauten und manchmal verrückten Oberfläche steckt schon eine ziemlich klare Haltung.

Tobias:
Für mich funktioniert „Niemals Zu Spät“ als Debüt bereits richtig gut, auch wenn an manchen Stellen für meinen Geschmack noch etwas mehr Kante und Druck kommen dürfte, ohne euren bunten und verspielten Charakter plattzubügeln. Wenn du selbst nach vorne blickst: Was möchtest du mit DIE ENTERBTEN auf dem nächsten Album weiterentwickeln und welche Seite eures „Neonpunk“ wollt ihr noch stärker ausleben?

Michaela Ansey:
Ich finde Kritik wie diese grundsätzlich gut, weil man sich als Band ja nicht auf dem ausruhen sollte, was man gerade gemacht hat. Mehr Kante und Druck kann ich mir gut vorstellen. Gerade live merken wir, wie gut es funktioniert, wenn die Songs richtig nach vorne gehen.

Ingo:
Als Schlagzeuger machen mir unsere Songs besonders viel Freude, weil sie sehr vielseitig sind und ich die Band im richtigen Moment ordentlich antreiben darf. Da kommt Bewegung in die Band – und ins Publikum.

Michaela Ansey:
Gleichzeitig wollen wir aber die melodische und verspielte Seite behalten. Das ist schließlich ein Teil unserer Identität. Vielleicht wird der nächste Schritt deshalb ein bisschen dreckiger, ein bisschen direkter und an manchen Stellen auch kompromissloser. Aber die Synthies bleiben! Die wird uns keiner wegnehmen.

Mario:
Mario bringt den Groove, Galal die Gitarren, Guido das Neon und Ingo den Schub – und genau aus diesen unterschiedlichen Ecken entsteht unser Sound. Wir wollen auch live noch mehr von dieser Energie auf die Bühne bringen. Für uns ist ein Song nämlich nicht fertig, wenn er auf dem Album funktioniert. Wir wollen wissen, was er mit einem Publikum macht. Wir haben jedenfalls noch jede Menge Ideen. Und ich glaube, „Niemals Zu Spät“ ist genau das: ein Anfang. Wir haben gerade erst herausgefunden, was alles möglich ist.

Tobias:
Vielen Dank für deine Zeit und das Interview! Ich wünsche euch viel Erfolg mit „Niemals Zu Spät“. Die letzten Worte gehören natürlich dir.

Michaela Ansey:
Vielen Dank für die Einladung zum Interview und natürlich dafür, dass ihr euch die Zeit genommen habt, euch mit DIE ENTERBTEN und unserem Album auseinanderzusetzen. „Niemals Zu Spät“ ist für uns mehr als nur ein Albumtitel. Es ist eine Einladung, Dinge nicht immer auf später zu verschieben. Egal, ob es um Musik geht, um Träume, um Veränderungen oder einfach darum, mal wieder richtig Bock auf dieses Leben zu haben. Und vielleicht ist genau das DIE ENTERBTEN: Wir nehmen das Leben ernst – aber uns selbst nicht immer. Also: Kopf hoch, Musik an und macht, worauf ihr Bock habt.

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Lisa Berg