Du betrachtest gerade BLUTGOTT – Der Sturm auf Knochenheim: Das große Album-Interview

BLUTGOTT – Der Sturm auf Knochenheim: Das große Album-Interview

  • Beitrags-Autor:

Bereits im Juli gaben wir euch in unserem ausführlichen Preview-Interview einen ersten Vorgeschmack auf die epochale Saga rund um die Festung aus Drachenstahl. In unserer Rezension konnte das gewaltige Doppelwerk starke 8,5 von 10 Punkten abräumen – besonders das bildgewaltige Schlachten-Kopfkino und der spannende Kontrast zwischen der deutschen BALGEROTH-Fassung und dem englischen DEBAUCHERY-Black-Death-Metal überzeugten auf ganzer Linie. Einen Tag vor Halloween bricht nun das bisher dunkelste Kapitel im BLUTGOTT-Universum offiziell über die Metal-Welt herein: Mit „Die Schlacht um Knochenheim Teil 1 – Death Of The Bloodking“ liegt die komplette Saga vor. Nach den ersten Vorboten sprechen wir mit Thomas Gurrath im großen Hauptinterview ausführlich über den kräftezehrenden Entstehungsprozess, die tiefere Mythologie der drei Blood-God-Fraktionen, die Dramaturgie der beiden CDs und den bevorstehenden Tod des Bloodkings Balgeroth.

Tobias:
Im Preview-Interview kannten wir bereits einige Singles. Jetzt habe ich das komplette Album gehört: Wie fühlt es sich für dich an, wenn die komplette „Die Schlacht um Knochenheim“-Geschichte endlich als fertiges Werk an deine Fans rausgehen wird – einen Tag vor Halloween?

Thomas Gurrath:
Erleichterung, haha, es war so viel Arbeit das ganze Ding fertig zu machen. Ich habe Januar 2025 gestartet und durchgehend an diesem Album gearbeitet. Also jeden Tag. Die Gitarren gingen dieses Mal ziemlich schnell, ich hatte so viele Ideen und habe gespielt wie ein Verrückter, aber danach hat es ewig gedauert bis alle Texte fertig waren in beiden Versionen, Fotos, Videos, Animationen, Organisation, Produkte usw. Die Tour zum Album habe ich noch nebenher gebucht. Wenn ich alle Vorbestellungen zur Post gebracht habe werde ich sehr erleichtert sein, und hoffe, dass alles passt. Noch jetzt wo ich hier sitze fehlen die deutschen LPs und haben momentan 3 Monate Verzug, weil die erste Lieferung verloren gegangen ist. Ich bin natürlich auch gespannt, ob es allen gefällt, und ob die Hörer dem Album genauso viel Begeisterung entgegenbringen, wie ich.

Tobias:
Du erzählst dieselbe Geschichte auf zwei CDs, aber musikalisch mit zwei deutlich unterschiedlichen Gesichtern. Nach dem vollständigen Hören wirkt die BALGEROTH-Version für mich noch düsterer und bildgewaltiger, während DEBAUCHERY diesmal stärker in Richtung Black-Death-Metal geht. Wie sehr unterscheiden sich die beiden Versionen für dich inzwischen auch emotional?

Thomas Gurrath:
Deutsch finde ich immer etwas böser. Englisch hat mehr klassischen Heavy Metal Einfluss, da erinnert einen das ein oder andere wahrscheinlich an Judas Priest oder Metallica oder an Immortal. Die deutsche Balgeroth Version ist noch eigenständiger, so etwas in dieser Art hat es ja noch nie gegeben. Deutsch ist immer sehr hart, und dazu die Texte über die gewalttätigen Kreaturen des Blutgott-Universums sind natürlich sehr böse und brutal. Ich erschrecke manchmal selbst, wenn ich es höre.

Tobias:
Die BALGEROTH-CD startet mit ‚Der Blutgott regiert in diesem Land‘ und endet mit ‚Im Schlund des Chaos‘. Dazwischen geht es von ‚Sturm der Blutdrachen‘ über ‚Wir folgen dem Blutgott‘ bis hin zu ‚Gepanzert in Drachenstahl‘ durch praktisch jede mögliche Form der Schlacht. Wie wichtig war dir beim Songwriting die Dramaturgie der kompletten CD?

Thomas Gurrath:
Ich habe die Songs nachträglich so angeordnet, wie es sich musikalisch am besten angefühlt hat. Die Texte handeln von 3 Kriegszonen: der Erde und den Welten des menschlichen Imperiums, dem Reich der Götter von Walhalla, und natürlich Knochenheim dem Tor zwischen Hölle und Eden. Im Imperium brennen die Blutdrachen des Balgeroth und des Setekh die Städte der Menschen nieder, in Asgard und Walhalla kämpfen die nordischen Götter gegen die Drachen des Balgeroth, und in Knochenheim belagern die Dämonenhorden des Luziferon die Festungsmetropole des Balgeroth. Es ist also einiges los. Wer mehr zur Geschichte um die Schlacht um Knochenheim lesen will, findet alles auf der Homepage unter „Die Schlacht um Knochenheim“, für alle anderen hoffe ich, dass sie durch die Bilder und die Musik in eine andere Welt versetzt werden. Eine düstere Fantasy-Welt im Krieg mit Drachen und Dämonen.

Tobias:
‚Wir folgen dem Blutgott‘ hat für mich das Potenzial, live komplett zu eskalieren. Allein der Refrain mit „Wir folgen dem Blutgott, hoi, hoi“ schreit geradezu nach einem Publikum, das den ganzen Laden zusammenschreit. Hattest du beim Schreiben schon diese Bilder von den Fans im Kopf?

Thomas Gurrath:
Beim Schreiben habe ich nur die Monster und die Schlachten der Kreaturen im Kopf. Da läuft ein ganzer Film ab, den ich dann versuche in Musik und Bildern weiterzugeben. Wenn sich die Hörer mit den Blutgöttern identifizieren können ist es natürlich noch cooler. Also wenn man es sich traut, in die Welt dieser Wesen einzutauchen. Es sind böse Kreaturen, die Menschen hassen oder ihnen völlig indifferent gegenüberstehen, so wie viele Menschen Insekten gegenüber.

Es gibt drei grundsätzlich verschiedene Arten von drakonischen Blutgöttern:

  • Balgeroth Blutgötter folgen oft dem dunklen Christentum, sind lebende Kriegsmaschinen aus Drachenstahl, erschaffen für den Krieg. Ihre Festung ist Knochenheim. Sie kommen in einem Sturm aus Feuer und Stahl.

  • Blutgötter des Setekh sind die Götter der Tiere, sie verachten Menschen und Zwerge, und sind animalisch und erfüllt von rechtschaffenem Zorn. Sie vernichten uns in brutalen Schlachtanlagen aus Höllenstahl und brennen Dörfer und Städte nieder. Nageln die Opfer an ihre Rüstungen oder bauen sich groteske Talismane und Ablativpanzerungen.

  • Debauchery Blutgötter sind abartig und gewaltbesessen, völlig chaotisch und ultra brutal. Sie bringen den Schmerz, sie häuten ihre Opfer, schänden sie, bevor sie die Reste verschlingen oder zerstückeln.

Die Feinde der Blutgötter sind die falschen Götter aus Walhalla, die Faschisten des katholischen Totalitarismus des Imperiums der Menschen, und natürlich der Erzfeind: die satanischen Legionen des Luziferon. Auf den Schlachtfeldern treffen sich also viele böse Wesen und Kreaturen, und bringen sich gegenseitig um. Die Guten und Rechtschaffenen sollten allerdings im dritten Teil auch noch ihren Auftritt erhalten.

Tobias:
Mit ‚Schlachtermessias‘ betritt Setekh Drakorgaur die Bühne, und musikalisch kommt der Song deutlich grooviger und rockiger daher. Warum war gerade diese dämonische Rock-Nummer die richtige musikalische Sprache für Setekh?

Thomas Gurrath:
Ich empfinde den Song gar nicht als rockig :-). Rockig ist für mich immer eher etwas mit einer positiven Grundstimmung. Schlachtermessias ist für mich sehr düster. Setekh ist der oberste Kriegsherr des Balgeroth und übernimmt nach dessen Tod das Oberkommando über die Blutgotthorden. Setekh ist der Messias der Tiere, er tötet für ihre Freiheit und rottet die Menschen und Zwerge auf Hunderttausend Welten aus.

Tobias:
‚Drachen und Götter‘ kommt dreckig, rotzig und groovig um die Ecke, während ‚Gepanzert in Drachenstahl‘ wieder deutlich aufs Tempo drückt. Du wechselst auf dem Album immer wieder zwischen Groove, Midtempo und Vollgas. Entsteht diese Abwechslung automatisch aus den jeweiligen Geschichten oder planst du solche Kontraste bewusst ein?

Thomas Gurrath:
Das ist einfach was ich mache. Also schon immer. Ich mag schnell und langsame Songs, Midtempo und krass schnelles Zeugs. Ich weiß, moderne Metalbands sind oft sehr gleichförmig, also sie machen entweder schnellen Thrash oder Mid-Tempo Hard Rock oder technical Death Metal oder krassen Deathcore und alles ist dann irgendwie in einem Stil. Aber bei den klassischen Metal Bands gibt es schon immer verschiedene Songs: Manowar, Motörhead, Priest, alles ist ganz verschieden. Daran habe ich mich immer orientiert. Allerdings muss ich sagen, dass die neue CD auf der Gitarre eigentlich schon nur schnell ist. Also die Drums geben immer wieder so einen Halftime-Groove. Aber an der Gitarre sind 220BPM Abschläge schon ganz schön fix 😀

Tobias:
Der Titeltrack ‚Death Of The Bloodking‘ markiert den Tod von Balgeroth und damit einen der wichtigsten Wendepunkte deiner gesamten World Of Blood Gods. Wie schreibt man musikalisch über den Tod einer Figur, die einen so großen Teil der eigenen Fantasy-Welt geprägt hat?

Thomas Gurrath:
Der Tod von Balgeroth hat für mich und meine Welt eine hohe Bedeutung. Balgeroth begleitet mich seit 20 Jahren, der Apostel des Krieges. Es war klar, dass das Album episch und böse sein muss. Das war die Vorgabe, ich denke das ist mir ganz gut gelungen. Es geht um einen Endkampf gegen übermächtige Kräfte. Und auch wenn Balgeroth diesen Kampf letztendlich verliert, wird er für seine Anhänger zur Legende.

Tobias:
Bei ‚Storm Of The Blood Dragons‘ und ‚Sturm der Blutdrachen‘ wird dieselbe Geschichte einmal auf Englisch und einmal auf Deutsch erzählt. Schreibst du die beiden Versionen im Grunde parallel oder verändert sich durch die Sprache automatisch auch die Wirkung und die musikalische Herangehensweise?

Thomas Gurrath:
Ich mache erst alles auf Englisch, danach übersetze ich es ins Deutsche. Heutzutage ist das ja einfach, da kann man es erst mal durch ein Übersetzungsprogramm laufen lassen, aber am Ende sind beide Texte komplett anders. Die Übersetzung hat ja einen anderen Sprachduktus, soll sich dann aber auch reimen und zur Musik passen. Da ist von der Übersetzung nachher nicht mehr viel übrig, sie bietet nur einen Startpunkt.

Tobias:
Die DEBAUCHERY-Version hat mich diesmal tatsächlich überrascht, weil sie deutlich stärker in Richtung Black-Death-Metal geht als frühere Veröffentlichungen. Was musste sich bei Gitarren, Gesang und Atmosphäre verändern, damit diese düstere Ausrichtung funktioniert, ohne dass der typische DEBAUCHERY-Charakter verloren geht?

Thomas Gurrath:
Eigentlich läuft das alles über die Stimme. Die Refrains sind epischer durch einen Mix aus Clean-Vocals und Shoutchören, die Strophen haben die übliche Debauchery Monster Stimme oder manchmal auch Black Metal Vocals. Die Gesamtatmosphäre klingt aber vielleicht auch mehr nach Black Metal, weil die Gitarren normal auf E gestimmt sind. Sonst habe ich im Blutgott Metal Universe bei den Blood God Hard Rock Alben eine E-Stimmung und bei allen bösen Debauchery und Balgeroth CDs tiefer gestimmte Gitarren. Dieses Mal habe ich das böse Album auf E aufgenommen. Ich glaube der typische Debauchery-Charakter kommt einfach von meiner Art Musik zu machen. Also das ist einfach in mir, ganz egal, ob ich Black Metal Riffs, Thrash Riffs, Hard Rock oder sonst was schreibe.

Tobias:
Was mir auf beiden CDs besonders auffällt, ist dieses permanente Kopfkino. Bei Songs wie ‚Fall Of The Skull Mountain‘, ‚Legacy Of The Bloodking‘ oder ‚Death Of The Bloodking‘ habe ich beim Hören sofort ganze Schlachtszenen vor Augen. Ist dieses cineastische Denken inzwischen genauso Bestandteil deines Songwritings wie Riffs und Refrains?

Thomas Gurrath:
Das war das Ziel. Wenn du diese Bilder im Kopf hast, hat alles funktioniert. Cool. Ich versuche natürlich durch die Artworks noch zusätzlich eine Gesamtatmosphäre zu erzeugen. Also um einen besseren Eindruck von der dystopischen und riesigen Welt zu bekommen. In den Büchern werden die einzelne Fraktionen dann noch näher beleuchtet.

Tobias:
Du hast im Preview bereits verraten, dass die Geschichte rund um Knochenheim seit Jahren feststeht. Jetzt, nachdem Teil 1 tatsächlich fertig erzählt ist: Hat das Schreiben und Aufnehmen des Albums deine Vorstellungen von Teil 2 verändert – oder steht der nächste Kriegsschauplatz bereits genauso fest wie der Fall des Bloodkings?

Thomas Gurrath:
Ja das nächste Album spielt in Knochenheim, mit dem Schwerpunkt auf Setekh Drakorgaur. 2 Songs für das nächste Album habe ich schon jetzt mit dem aktuellen Album zusammen aufgenommen, weitere 8 mache ich gerade. Release ist aber erst 2028. Völlig absurd so weit voraus zu planen, aber irgendwie hat es sich so ergeben.

Tobias:
Gibt es noch einen Aspekt des Albums, den du unseren Leserinnen und Lesern unbedingt mit auf den Weg geben möchtest?

Thomas Gurrath:
Ich hoffe, dass viele sich das Album in seiner Gesamtheit anhören, welche Version ist egal, so wie es jedem besser gefällt. Aber eben alle 10 Songs von Anfang bis Ende. Das wäre cool. In meinem YouTube Channel will ich zu jedem Song ein Video oder zumindest ein paar bewegte Bilder hochladen. Und lest euch die Geschichte zu Knochenheim auf der Homepage durch. Ich habe mit dem Album auch eine neue weitere Homepage nur für die Hintergrundwelt gemacht. Wenn man die Bilder anschaut und die Musik dazu hört, versetzt es einen hoffentlich in eine andere Welt, das Blutgott Universum.

Tobias:
Vielen Dank für deine Zeit und das erneute Gespräch! Ich wünsche dir viel Erfolg mit „Die Schlacht um Knochenheim Teil 1 – Death Of The Bloodking“. Die letzten Worte gehören natürlich dir.

Thomas Gurrath:
Vielen Dank für dein Interesse am Blutgott Metal Universe und viel Spaß mit dem Album.

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: BLUTGOTT