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ASENBLUT – Über Götter, Schlachten und nordische Wucht

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Mit „Urgewalt“ schlagen ASENBLUT das nächste Kapitel ihrer musikalischen Reise auf. Nach dem bereits starken „Entfesselt“ verbinden die Göttinger erneut Pagan-, Viking- und Melodic Death Metal mit sägenden Gitarren, hymnischen Refrains und deutschsprachigen Texten. Inhaltlich geht es um Götter, Krieger, Bruderschaft, Verrat und Schlachten, während Gäste von SAGENBRINGER, VICTORIUS und MITTEL ALTA zusätzliche Akzente setzen. Im Gespräch spricht Tetzel über die Entstehung von „Urgewalt“, den besonderen Entstehungsprozess des Titeltracks, die Rückbesinnung auf nordische Mythologie und Verbundenheit, die Zusammenarbeit mit den Gastmusikern, seine veränderte Gesangsarbeit, die Bedeutung einzelner Songs, das umstrittene Artwork und seine Sicht auf den Einsatz von KI. Außerdem verrät er, wohin die Reise von ASENBLUT nach dem neuen Album gehen soll und was zum 20. Bandjubiläum im kommenden Jahr geplant ist.

Tobias:
Hallo Tetzel! Mit „Urgewalt“ steht euer neues ASENBLUT-Album in den Startlöchern. Nach dem für mich richtig starken „Entfesselt“ habt ihr erneut ordentlich Material geschmiedet. Wie fühlt es sich für dich an, das neue Album jetzt kurz vor der Veröffentlichung endlich mit euren Fans teilen zu können?

Tetzel:
Wie die Ruhe vor dem Sturm. Es ist aktuell jeden Tag spannend. Wir konnten ja einige Musikvideos drehen und somit Songs schon vorab mit den Fans teilen. Es macht sehr viel Spaß und lässt einen auf den großen Tag hinfiebern. Wie bei einem Vulkanausbruch.

Tobias:
Schon der Titel „Urgewalt“ ist ein ziemlich klares Statement. Gleichzeitig beschreibt er ziemlich gut, was einen auf dem Album erwartet: hymnische Melodien, sägende Gitarren, treibende Drums und ordentlich Druck. Wie ist dieser Albumtitel entstanden und warum war gerade „Urgewalt“ für euch der passende Name für die neue Platte?

Tetzel:
Den Songtitel habe ich tatsächlich geträumt. Ich habe mich mit dem bereits fertigen Musikstück auseinandergesetzt und kam zu keinem klaren Ergebnis. Im Schlaf habe ich dann die entsprechenden Bilder gesehen und als der Titel und diese epischen Naturszenen klar waren, war es ein leichtes den Text zu schreiben. Im zweiten Schritt haben wir uns dann dazu entschlossen den Titel für die Platte ebenfalls zu nutzen.

Tobias:
Der Opener ‚Urgewalt‘ beginnt zunächst hymnisch, bevor ihr direkt in den Schlachtmodus schaltet. Besonders das immer wiederkehrende „Uuuuuuuuuuuuuuuuuurgeeeewalt“ bleibt sofort hängen. War von Anfang an klar, dass dieser Song nicht nur den Titel des Albums tragen, sondern auch den Opener geben sollte?

Tetzel:
Ich glaube es ist das erste mal, dass wir den Titeltrack auch als Opener auf dem Album haben. Es war allerdings eine ganz bewusste Entscheidung, denn der Song zeigt sofort wie die Marschrichtung ist – vorwärts! Hymnen, Schlachten, Natur und Verbundenheit – all das steckt in dem Song und Album.

Tobias:
Mit ‚Asgards Ruf‘ folgt direkt die nächste treibende Nummer. Der Song handelt vom Ruf Asgards und davon, dass der Schutz der Götter seine Krieger auch in der Ferne erreicht. Wie wichtig ist euch bei ASENBLUT die Verbindung zwischen den musikalischen Schlachtenhymnen und den Geschichten der nordischen Mythologie?

Tetzel

Tetzel:
Durch die liebe zu diesen Geschichten und die wunderbare verwunschene Sagenwelt der nordischen Mythologie ist ASENBLUT ja vor nun fast 20 Jahren entstanden. Es war schön nach dem Zorn auf „Entfesselt“ wieder mehr Raum dafür zu haben und Songs zu schreiben, die diese Verbundenheit zum Ausdruck bringen. Es ist, allein des Namens der Band wegen, schon eine zentrale Säule unserer Musik und Songtexte.

Tobias:
Mit ‚Der Druide‘ habt ihr SAGENBRINGER mit ins Boot geholt. Der Song wirkt mystisch und kraftvoll und fügt sich gleichzeitig sehr natürlich in die Welt von ASENBLUT ein. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und warum war SAGENBRINGER genau für diesen Song der richtige Partner?

Tetzel:
Wir konnten mit SAGENBRINGER schon bei ihrem Song ‚Berserker‘ zusammenarbeiten – nicht zuletzt dadurch hat es sich natürlich angeboten. Als Balrogh dann mit dem Song kam, so herrlich urtümlich, fast schon „Schweden-Death“ angehaucht, hat es thematisch einfach klick gemacht. Unsere Freunde von SAGENBRINGER waren da natürlich sofort die, an die wir gedacht haben. Wir selber lieben den Song und freuen uns, dass er so gut ankommt.

Tobias:
Auch VICTORIUS und MITTEL ALTA sind auf „Urgewalt“ vertreten. Während ‚Barbaren und Legionen‘ mit seinen Power-Metal-Vibes eine etwas andere Farbe bekommt, bleibt ‚Tavernenrausch‘ klar als ASENBLUT-Nummer erkennbar und erhält durch die Einflüsse von MITTEL ALTA zusätzliche musikalische Farben. Wie kam es zu diesen unterschiedlichen Kooperationen und was hat euch jeweils an der Zusammenarbeit gereizt?

Tetzel:
Mittel Alta sind schon zu Beginn ihrer steilen Laufbahn auf uns zugekommen und es war klar, wenn man den entsprechenden Song hat, muss da etwas entstehen. Ein Trinklied mit Augenzwinkern war dabei die offensichtliche, aber auch richtige Wahl! Tavernenrausch darf nun wirklich bei keiner Metal-Party fehlen.

Mit VICTORIUS sind wir schon viele Jahre bekannt und nachdem wir mit ‚Evil Mean Megalodon‘ auf ihrem neuen Album ein Feature hatten, war es auch hier naheliegend, zusammenzuarbeiten. Gerade die unterschiedlichen Gesangsstile und das absolut epische Solo-Battle machen ‚Barbaren und Legionen‘ zu etwas Einzigartigem.

Balrogh

Tobias:
Was mir beim Hören von „Urgewalt“ besonders aufgefallen ist, ist deine Stimme. Die klareren, etwas harscheren und stellenweise höheren Töne gefallen mir richtig gut und geben deinen Vocals noch einmal eine zusätzliche Kante. Hast du beim Gesang bewusst mit neuen Facetten experimentiert oder hat sich diese Entwicklung eher ganz natürlich ergeben?

Tetzel:
Inzwischen nehme ich seit einigen Jahren Gesangsunterricht, tatsächlich aber ganz klassisch, nicht für Metal-Vocals, und versuche mich technisch immer weiterzuentwickeln. Auf „Entfesselt“ ging es darum, brachial zu klingen. Für „Urgewalt“ waren mehr Nuancen gefragt und somit waren die unterschiedlichen Stile ganz klare Absicht. Mal gegrowled, mal mehr Fry-Scream. Ein dunkelbuntes Potpourri der verschiedenen Gesangsstilarten.

Tobias:
Inhaltlich bleibt ihr tief in nordischer Mythologie und kriegerischen Themen verwurzelt. Gleichzeitig geht es auf „Urgewalt“ auch um Bruderschaft, Verrat und menschliche Konflikte. Wie entstehen bei dir die Texte und gibt es auf dem Album eine übergeordnete Geschichte oder ein gemeinsames Thema, das die einzelnen Songs miteinander verbindet?

Tetzel:
Der rote Faden ist auf „Urgewalt“ die Rückbesinnung auf Werte und Verbundenheit. Zur Natur, zu den Menschen, die uns nahe sind, und zur Musik natürlich. Texte entstehen dabei immer aus unterschiedlichster Inspirationsquelle. Wie schon auf allen vergangenen Alben kommen literarische Referenzen vor, wie bei Das Ende der Pflichtund ‚Blut für den Blutgott‘. Hier war die Inspiration nach gut 20 Romanen der Grim Darkness des Warhammer-Universums ganz klar greifbar. Allerdings auch aus persönlichen Erfahrungen und Situationen, mit denen man umgehen muss, wie zum Beispiel bei ‚Drei Flüche‘.

Tobias:
‚Das Ende der Pflicht‘ klingt schon dem Titel nach wie eine große Schlachtenhymne und dürfte live einiges an Bewegung im Publikum auslösen. Welche Songs auf „Urgewalt“ haben für dich persönlich das größte Live-Potenzial und bei welchen Nummern kannst du dir den kompletten Schildwall vor der Bühne bereits vorstellen?

Tetzel:
Das ist sehr schwer zu sagen, aber ich hoffe auf rege Beteiligung bei allen alten und neuen Songs. Laute Gesänge, geschwungene Fäuste und Pommesgabeln und natürlich kräftiges Rudern! Sowohl zu Klassikern wie ‚Seite an Seite‘ als auch zu den neuen Songs wie ‚Asgards Ruf‘.

Tobias:
‚Blut für den Blutgott‘ ist ein Titel, bei dem viele Hörer wahrscheinlich automatisch an Thomas Gurrath und DEBAUCHERY denken werden. Tatsächlich geht es aber um pure Schlachtenwut, ohne dass Thomas als Gast dabei ist. Was steckt hinter diesem Song und wie seid ihr an die Umsetzung herangegangen?

Tetzel:
Wie schon gesagt ist hier die Inspirationsquelle die gleiche. Den Song von DEBAUCHERY kenne ich natürlich. Allerdings dachte ich mir, dass es nach 20 Jahren nicht schlimm ist, einen völlig anderen Track mit gleichem Titel zu haben. Mit Thomas bin ich regelmäßig in Kontakt, vielleicht machen wir mal ein Live-Feature zusammen bei dem Track ;). Ansonsten weiß, glaube ich, jeder Berserker Bescheid bei dem Song.

Tobias:
Rund um das Artwork von „Urgewalt“ gab es im Vorfeld einiges an Diskussionen über den Einsatz von KI. Mit deinem Statement dazu hast du bereits eine ziemlich klare Position bezogen. Glaubst du, dass damit das öffentliche Gerede über das Artwork für dich erledigt ist, oder musst du dich weiterhin mit solchen Diskussionen auseinandersetzen? Und grundsätzlich interessiert mich deine Meinung zu KI: Wo siehst

Chris

du sinnvolle Einsatzmöglichkeiten – gerade in der Musik, aber beispielsweise auch in Bereichen wie der Medizin – und wo liegen für dich die Grenzen?

Tetzel:
Das ist ein wirklich sensibles Thema und auch sehr umfangreich. K.I. sollte als Werkzeug gesehen und eingesetzt werden. Nicht als Ersatz für menschliche Kreativität. Jeder neue technologische Schritt wird, zumindest anfangs, mit Skepsis und Misstrauen betrachtet. Ich denke, das ist auch eine ganz gesunde Reaktion. Wichtig hierbei ist auch das Herangehen und die Botschaft. Man bestellt ja auch kein Essen im Restaurant und sagt dann mit dem fertigen Teller „das hab ich gemacht“ – aber es bei Instagram zu posten und zu sagen, hey schaut mal – leckeres Essen, ohne Anspruch auf das „Herstellen“ zu erheben – geht wohl für jeden in Ordnung. Als Musiker ist uns natürlich künstlerische Ehre und Integrität wichtig. Die Musik entsteht also weiterhin ganz traditionell. Man kann darüber sicherlich ein ganzes Buch schreiben. Für mich persönlich ist der Einsatz und eben die Intention entscheidend. Möchte man Menschen in die Irre führen und z. B. so tun, als wäre man eine echte Band, obwohl alles K.I. ist, ist das klar verwerflich. Macht ein Enkel seiner Oma einen K.I.-Song zum 60. Geburtstag und spielt das auf der Feier vor – weniger problematisch aus meiner bescheidenen Sicht.

Tobias:
Mit ‚Loki‘ endet „Urgewalt“ noch einmal episch, wütend und temporeich. Loki ist eine der wohl faszinierendsten und widersprüchlichsten Figuren der nordischen Mythologie. Warum habt ihr euch entschieden, gerade ihn zum Abschluss des Albums in den Mittelpunkt zu stellen?

Tetzel:
Du nennst die Gründe quasi selbst. Eine ambivalente Figur, ein Wesen zwischen Herkunft und Lebensrealität. Held und Anti-Held und größter Feind zugleich. Spannend und spektakulär. Eine wahre Urgewalt und damit der perfekte Rahmenschluss für das Album.

Tobias:
ASENBLUT haben sich seit „Die wilde Jagd“ und spätestens mit „Entfesselt“ immer weiterentwickelt, ohne ihre Identität zu verlieren. Wenn du heute auf eure musikalische Reise zurückblickst: Wo siehst du ASENBLUT mit „Urgewalt“ und wohin soll die Reise als Nächstes gehen? Gibt es bereits erste Ideen für das nächste Kapitel?

Alex

Tetzel:
Ich sehe uns einerseits als ein Überbleibsel einer einstigen Welle von Bands, an deren Ausläufern wir uns gegründet haben. Viele von diesen Bands sind nicht mehr übrig. Gleichzeitig sehe ich uns in einer Phase der Emanzipation, vielleicht an der Spitze einer neuen Welle mit weniger Tiefe, da weniger Bands, aber ganz neuen Höhen. Melodic Death Metal aus Deutschland und auf Deutsch ist nicht besonders breit aufgestellt. Doch unaufhaltsam. Das nächste Kapitel entsteht in diesem Moment. Wir waren seit der Fertigstellung von „Urgewalt“ nicht untätig und wollen in naher Zukunft daran anschließen. Nächstes Jahr steht unser 20. Jubiläum ins Haus und auch dafür haben wir uns ein paar Besonderheiten überlegt.

Tobias:
Vielen Dank für deine Zeit und das Interview! Ich wünsche euch viel Erfolg mit „Urgewalt“. Die letzten Worte gehören natürlich dir.

Tetzel:
Wir bedanken uns für das Interesse, die Zeit und natürlich fürs Hören von „Urgewalt“. Wir sehen uns live und in Farbe! Werde Teil der Bruderschaft.

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Michael Stahlschmidt//Baalphemor