ARROGANZ stehen seit 2008 für eine eigenständige Mischung aus Death Metal, Punk-Attitüde und düsteren, atmosphärischen Elementen, die sich über die Jahre hinweg konsequent weiterentwickelt hat. Mit ihrem neuen Album “Death Doom Punks” schlagen sie nun das nächste Kapitel auf und verbinden rohe Energie mit Tiefe und Charakter. Im Gespräch mit -K- (Vocals, Bass, Gitarre, Songwriting) geht es um die Entwicklung der Band, Veränderungen im Line-up, den intensiven Entstehungsprozess der neuen Platte sowie um die Einflüsse und Themen, die ARROGANZ bis heute prägen.
Tobias:
Hallo -K- und danke, dass du dir die Zeit für das Interview nimmst! Wie geht’s dir aktuell und wo erreiche ich dich gerade?
-K-:
Danke für deine Zeit – und danke der Nachfrage! Mir geht es gut. Du erreichst mich in Berlin.
Tobias:
Für die Leser, die euch vielleicht noch nicht kennen: Könnt ihr einen kurzen Abriss über eure Bandgeschichte geben – von der Gründung 2008 in Cottbus über die ersten Releases und die Entwicklung eures Sounds bis hin zu den Besetzungswechseln, etwa nach dem Ausstieg von -M- 2013 und den späteren Veränderungen an der Gitarre? Und wie hat sich das Ganze bis zum heutigen Line-up mit -K-, -T- und -B- entwickelt, gerade auch vor dem Hintergrund, dass ihr inzwischen aus verschiedenen Teilen Deutschlands kommt?
-K-:
Na dann versuche ich mich mal kurz zu halten: -M- und ich haben ARROGANZ 2008 gegründet. Da waren wir bereits viele Jahre befreundet und teilten lange unsere Leidenschaft für Musik. Auch wenn wir damals schon eindeutig Death Metal gespielt haben, waren unsere Black-Metal-Einflüsse anfangs ein wesentlicher Bestandteil in unseren Songs. Aber auch Thrash, Punk, Grindcore und traditioneller Doom Metal spielten zu der Zeit schon eine große Rolle für uns. Von Anfang an haben wir auf Genre-Grenzen eher geschissen. Klar, Oldschool Death Metal ist das Fundament von ARROGANZ, und das wird auch immer so bleiben, aber wir gingen und gehen nicht mit musikalischen Scheuklappen durchs Leben. Naja, und dann legten wir eben los: erste lokale Konzerte, erste Demo-Aufnahmen und so weiter.
Mit dem Einstieg von unserem Drummer -T- wurden wir live immer aktiver. (Bester Schlagzeuger ever! Er wird mich dafür hassen, dass ich das hier sage – aber isso!) Wir waren recht umtriebig und so kam eins aufs andere. 2011 das erste Album und die erste größere Tour. 2013 das nächste Album. Dann übernahm -P- die Gitarre. Wir ließen unseren unterschiedlichen musikalischen Einflüssen immer mehr Raum, schrieben weitere Alben und spielten so viele Shows, wie wir konnten – trotzdem wir alle schon längst in der halben Republik verstreut lebten. Bis heute ist natürlich unfassbar viel passiert. Das alles würde hier allerdings den Rahmen sprengen. “Death Doom Punks” ist die erste Scheibe, die wir als Duo ausgearbeitet und aufgenommen haben, kurz nachdem -P- sich dazu entschied, auszusteigen.
Das war ein unheimlich intensiver und produktiver Prozess. Zwar habe ich auch in der Vergangenheit unsere Songs und Riffs geschrieben, bis auf ein paar Ausnahmen habe ich die Gitarren-Aufnahmen aber immer den anderen überlassen. Dieses Mal habe ich die Gitarren komplett übernommen. -B- ist nach den Recordings zu uns gestoßen. Und wir sind mehr als glücklich darüber, dass er jetzt Teil von ARROGANZ ist. Wir sind schon seit vielen Jahren gute Freunde und wir wussten, wenn er zusagt, kann es nur geil werden. Und so ist es auch gekommen. Er ist eine absolute Maschine an der Gitarre, teilt unseren sehr eigenen Humor und vor allem weiß er, worum es uns bei ARROGANZ geht.
Tobias:
Vorab vielleicht noch kurz: Ihr arbeitet ja bewusst mit Namenskürzeln wie -K-, -T- oder -B- statt mit euren Klarnamen – was steckt hinter dieser Entscheidung? Geht es euch dabei um ein bestimmtes Konzept oder eher darum, die Musik stärker in den Vordergrund zu stellen?
-K-:
Richtig: Du hast deine Frage schon selbst beantwortet. Die Musik soll im Vordergrund stehen.

Tobias:
Wenn man sich eure Entwicklung anschaut – von den rohen Anfangstagen mit viel Blast und D-Beat bis hin zu den späteren Alben mit deutlich mehr Atmosphäre und doomigen Einflüssen: Wie bewusst habt ihr diesen musikalischen Wandel gesteuert, und gab es für euch einen Punkt, an dem klar war, dass ihr euren Sound in diese Richtung öffnen wollt?
-K-:
Da würde ich dir ein wenig widersprechen. Ich glaube, heute, auf “Death Doom Punks”, haben wir die höchste D-Beat-(und Blast-Beat?)-Dichte bisher. Und doomige und atmosphärische Passagen hatten wir auch schon auf unserem ersten Album. Aber das spielt für uns ehrlich gesagt auch keine große Rolle. Unsere Musik soll das ausdrücken, was wir ausdrücken wollen. Und da ist es selbstverständlich, dass es Entwicklungen gibt. Wir wachsen als Personen und so tut es auch die Band. Und entsprechend ist das auch auf den Alben zu hören. Mal geht es direkt auf die Zwölf, mal wird es etwas atmosphärischer und an anderer Stelle vielleicht sogar etwas progressiv. Wie gesagt: Wir setzen uns da selbst keine Grenzen. Und trotzdem schaffen wir es meiner Meinung nach, immer wie ARROGANZ zu klingen. Ich bin sehr froh darüber, dass wir uns kein Korsett anlegen. Musik nach Schema F und 08/15-Alben gibt es bei uns nicht. Wir folgen keinen Trends und wir folgen keinen Regeln. Musik muss für uns authentisch sein und Charakter haben.
Tobias:
Und daran anknüpfend: Was dürfen die Hörer auf “Death Doom Punks” konkret erwarten – sowohl in Bezug auf den Sound als auch auf die inhaltliche Ausrichtung? Geht ihr den eingeschlagenen Weg konsequent weiter oder setzt ihr hier nochmal neue Akzente, vielleicht auch was Atmosphäre, Härte oder Songwriting betrifft?
-K-:
“Death Doom Punks” ist für uns der logische Nachfolger von “Quintessenz”. Allerdings sind sowohl die Songs als auch der Sound noch eine gute Schippe direkter, härter und aggressiver geworden. Unser Video-Produzent Nick meinte, als er die ersten Songs hörte: ‘Das klingt so hart und direkt – das ist wie Rage Against The Machine, nur auf Death Metal.’ Auch wenn ich selbst nie auf diesen Vergleich gekommen wäre – ich finde, er passt! Inhaltlich bewegen wir uns nach wie vor zwischen persönlichen, spirituellen, philosophischen und teilweise auch gesellschaftskritischen Themen. Auf unseren Alben gibt es immer eine Art roten Faden – der ist meistens aber etwas versteckt und wird erst sichtbar, wenn man sich wirklich mit den Lyrics und der Musik auseinandersetzt. Wir wollen den Leuten nicht ihre eigenen Gedanken und Interpretationen wegnehmen. In der Vergangenheit kamen immer mal Leute zu uns und haben uns auf die Texte angesprochen und ihre Gedanken dazu geäußert. Auch wenn das oft nicht meiner Intention beim Schreiben entsprach, war es immer sehr interessant. Für solche Gespräche bin ich echt dankbar. Dadurch bekommt man nochmal eine ganz andere Perspektive auf die eigenen Songs.

Tobias:
Ihr sagt ja selbst: “What you see is what you get”. Wie wichtig ist euch diese Haltung heute noch – gerade in einer Szene, in der vieles glattgezogen wirkt? Ist das für euch einfach selbstverständlich oder auch ein bewusster Gegenentwurf zu Trends und Erwartungen?
-K-:
Wir machen uns über so etwas ehrlich gesagt nicht so viele Gedanken. Wir machen einfach unser Ding. Authentizität ist das Wichtigste bei Musik. Das sehe ich als Musiker und als Musik-Fan so. Und sobald jemand anfängt, sich von Trends, Hypes oder Erwartungen anderer leiten zu lassen, wird die Sache ganz schnell unauthentisch.
Tobias:
Das Artwork zu “Death Doom Punks” ist ja extrem stark geworden – düster, intensiv und visuell absolut auf den Punkt. Wie lief die Entstehung ab: Hattet ihr konkrete Vorstellungen und Einfluss auf das Design oder habt ihr Johnny Doe bewusst freie Hand gelassen, damit er seine eigene Vision umsetzen kann?
-K-:
Ja Mann, Johnny hat echt eine super Arbeit gemacht! Wir hatten einige Ideen und dann hat er seinen Senf dazu gegeben – mit ihm macht die Zusammenarbeit echt Spaß. Und das Ergebnis seht ihr ja! Alben-Cover sollen unserer Meinung nach unterstützend wirken, eine gewisse Grundstimmung vorgeben und auch Fragen aufwerfen – den Interpretationsspielraum aber nicht zu sehr einschränken. Johnny bekommt das super hin.
Tobias:
Mit ‘Die For Nothing’ steigt ihr ja direkt mit voller Wucht ein und gebt die Marschrichtung klar vor, während ‘Under Scarred Skin’ zunächst etwas grooviger und zurückhaltender wirkt, bevor es dann doch wieder ordentlich eskaliert: War dieser Spannungsaufbau bewusst so angelegt?
-K-:
Diesen Gedankengang hatten wir tatsächlich nicht. Allerdings freut es mich, wenn es so für dich wirkt. Die Songreihenfolge auf einem Album ist ja auch so eine kleine Wissenschaft für sich. Einerseits muss das Ganze inhaltlich Sinn machen – und das ist uns sehr wichtig – und andererseits soll das Album beim Durchhören einen gewissen Flow haben und Spannungsbögen aufbauen.

Tobias:
‘Pain Forged Armor’ knallt roh wie fünf Kilo Gehacktes auf den Death-Metal-Tresen. Worum geht es in dem Song inhaltlich?
-K-:
Das ist ein sehr persönlicher Song. Wer mich kennt, kann, denke ich, erahnen, worum es geht. Mehr möchte ich aber nicht verraten.
Tobias:
Mir ist aufgefallen, wie konstant ihr die Energie über das ganze Album haltet – kein Durchhänger, einfach durchgehend Druck. War das euer Anspruch?
-K-:
Danke dir! Wir haben noch nie irgendwelche Lückenfüller veröffentlicht. Alben denken wir immer als Gesamtwerk und nicht als lose Sammlung von Songs. Gleichzeitig soll jeder Track auch für sich funktionieren. Wie du das beschreibst, scheint uns das ganz gut gelungen zu sein.
Tobias:
Was steht live bei euch an – wann kann man ARROGANZ wieder sehen?
-K-:
Wir gehen bald mit DEHUMAN REIGN auf Release-Tour. Eine Pre-Release-Show in Cottbus haben wir schon gespielt. Das große Finale wird dieses Jahr beim WACKEN OPEN AIR stattfinden. Im Herbst folgen weitere Shows und wir sind eine Woche mit MORK und SOULBURN unterwegs.
Tobias:
Gibt es noch etwas, das wir nicht angesprochen haben?
-K-:
Supportet handgemachte Underground-Musik – da passiert die Magie! Scheißt auf Fast-Food-Metal!
Tobias:
Vielen Dank für das Interview – die letzten Worte gehören euch.
-K-:
Fick die AfD!
Interview: Tobias Stahl
Photocredits: ARROGANZ/Promo

