MORTGRIM – EVANGELIUM LUCIFERIANUM

MORTGRIM

Titel: EVANGELIUM LUCIFERIANUM

Label: Fetzner Death Records

Spieldauer: 34:19 Minuten

VÖ: 31 Oktober 2025

MORTGRIM ist ein One-Man-Projekt aus Budapest, das 2025 von Máté Nagy im ungarischen Underground ins Leben gerufen wurde, um rohen Black Metal mit atmosphärischen und doomigen Einflüssen zu verbinden. Nach dem Debütalbum „Blasphemy“, das im Februar 2026 mit sechs Songs erschien, steht Máté Nagy mit „Evangelium Luciferianum“ schon wieder vor der Tür und haut die Scheibe am 31. Oktober 2026 über MONOTHEIST / Fetzner Death Records raus. MORTGRIM möchte das Album als alternativen Kodex verbotenen Wissens verstanden wissen. Hier treffen klassischer Okkultismus, gnostisch-luziferisches Denken und düstere, destruktive Themen aufeinander, die den Rahmen für eine theologische und philosophische Reise vorgeben – vom Glanz des Lichtbringers über die Rebellion bis hin zur magischen Erfüllung. Musikalisch setzt MORTGRIM auf atmosphärische Dunkelheit, doomlastige Elemente, kalte Tremolo-Riffs und wuchtige Midtempo-Passagen. Sämtliche Vocals, Instrumente, Texte und Kompositionen stammen von Máté Nagy, der auch Mix und Mastering eigenhändig übernommen hat. „Evangelium Luciferianum“ erscheint als CD-Digipack mit zwölfseitigem Booklet sowie als limitierte Kassette.

Schleppend im positiven Sinne startet ‚Majesty of the Morning Star‘. Musikalisch schafft es MORTGRIM, eine gewisse Dunkelheit zu erzeugen, die im ersten tiefen Grunzen mündet und mit dicken, schwarzen Growls über den Hörer kommt. Ob es da schrilles Geschrei braucht, das sich wie Lamentieren anhört, weiß ich nicht – hierzu fällt mir nur „No Mercy for the Sheep“ ein. Nach einem ausgiebigen und gut gemachten Intro sind es die Spoken Words, die das Interesse für das nachfolgende ‚Helel‘ anheizen. Danach wird ins Mikro gegrunzt, als wollte MORTGRIM eine Szene aus „The Walking Dead“ neu vertonen. Für euch ein bisschen Kontext zu ‚Helel‘: Helel (hebräisch für „Morgenstern“ oder „der Leuchtende“) ist eine biblisch-mythologische Figur, die für einen tiefen Sturz aus göttlicher Höhe steht. Bei der Übersetzung des hebräischen Textes ins Lateinische wurde der Name zu Lucifer, weshalb der Begriff im christlichen Kontext direkt mit dem gefallenen Engel assoziiert wird. In Songtexten dient „Helel“ daher meist als kraftvolle Metapher für maßlose Selbstüberhebung (Hybris), Rebellion oder den tragischen Verlust von innerem Licht. Rohen Black Metal bietet ‚Fornir Andar‘. Nebst den bereits gehörten Grunzern hat MORTGRIM hier auch Lyrics für den geneigten Rohkost-Fan parat. Nach dem tiefen, metaphorischen Sturz aus göttlichen Höhen in ‚Helel‘ wechselt die Atmosphäre mit ‚Fornir Andar‘ („alte Geister“) ins Naturmystische. Wo der Vorgänger noch von Rebellion und verlorenem Licht erzählte, beschwört dieser Track nun die unheimliche, schamanische Düsternis der Ahnengeister herauf – und das mit heiserem Kehlkopfgeröhre.

Die 120 Sekunden von ‚Dead Tide‘ sollen wohl als Überleitung zu ‚Eternal Rite‘ dienen – dem ersten Lied, das mich nach dem Opener wieder fesseln kann (dachte ich zumindest). Denn hier hat MORTGRIM tatsächlich wieder einen düsteren, atmosphärischen Klang am Start, wären da nicht wieder dieses klagende, röhrende und für mich absolut nichts mit Atmosphäre zu tun habende Gekeife. Damit werde ich nicht warm, so sehr ich es auch versuche. ‚Inverted Cross‘ klingt fett, düster und nach betonhartem Black Metal, aber auch hier driftet der Künstler von gut klingendem Growlgesang in dieses Gekeife ab, das so einfach keinen Spaß macht. Ich muss leider sagen, dass es auch in ‚Corpus et Chaos‘ und ‚Rotting Souls‘ nicht viel anders wird. Einzig das instrumentale ‚Lament of Goetia‘ hebt sich ab.

Instrumentell und atmosphärisch stellt Máté Nagy „Evangelium Luciferianum“ durchaus auf ein solides Fundament – die kalten Riffs, wuchtigen Midtempo-Passagen und tiefen Growls erzeugen zeitweise echt gute, düstere Stimmung. Was die Scheibe am Ende aber runterzieht, ist das schrille, klagende Gekeife: Dieser Gesang raubt den Songs immer wieder die Atmosphäre und macht das Durchhören auf Dauer verdammt anstrengend. So bleibt ein zutiefst zwiespältiges Werk zurück, das dank guter instrumentaler Ansätze vor dem Komplettabsturz gerettet wird.

Tobi Stahl vergibt 5 von 10 Punkten