CRYSTAL EYES
Titel: THUNDER GOD
Label: MASSACRE RECORDS
Spieldauer: 39:00 Minuten
VÖ: 30. Oktober 2026
Die schwedischen Heavy Metal Veteranen (ist man das mit Bandgründung 1992 schon?) CRYSTAL EYES um Mastermind und Sänger/Keyboarder/Gitarrist Mikael Dahl stellen ihre zeitlose, traditionelle Metalmischung auf Longplayer Nummer neun vor, der den Titel “Thunder God” trägt.
Entgegen aller Trends kreiert die Band neun neue Tracks voller memorabler Gitarrenriffs, kraftstrotzender Vocals und mit einer Vorliebe für die klassische Ära unseres favorisierten Musikgenres zwischen gradlinigen Heavy Metal Bangern und der eher melodischen Seite des Vierers.
Apropos vier: Das Quartett wird vervollständigt durch den zweiten Gitarristen Jonatan Hallberg, Claes Wikander am Bass und Drummer Henrik Birgersson. Die Produktion wurde im Studio Fredman von Fredrik Nordström übernommen. Das Coverartwork hat der ungarische Künstler Gyula Havancsák erstellt.
Um einen authentischen Old-School-Heavy-Metal-80er-Sound einzufangen, wurden Vintage-Marshall-Verstärker, Boxen und Gitarrenpedale verwendet, die über vierzig Jahre auf dem Buckel haben. Das Resultat ist ein warmer, organischer und kraftvoller Gitarrenton.
Sieben Jahre nach der erfolgreichen “Starbourne Traveler” Scheibe verfeinern und perfektionieren CRYSTAL EYES ihren traditionellen, melodischen Metalsound mit Sinn für Identität und unmissverständlichen skandinavischen Einflüssen. Mehr dazu in der Track-by-Track Betrachtung:
`Whirlwind Of Doom´: der Opener ist eine schnelle kämpferische Power Metal Hymne mit Manowar Versatzstücken sowie den unverkennbaren Trademarks der Band: donnernder Doublebass, Twin-Gitarren Harmonien, packende Soli und himmelhohe Screams.
`We Came, We Saw, We Conquered´: majestätisch-triumphaler, marschierender Heavy Metal Banger, Manowar lassen erneut schön grüßen, abermals großartige Soloarbeit und Atmosphäre.
`Kids of Rock ’n‘ Roll´: klassischer Hardrock-Ohrwurm mit 80s Vibes, ansteckendem Singalong-Chorus, kurzem Solo und ausgelassener Stimmung sowie mit viel Zeug zu einem zukünftigen Setlisten-Dauergast und Live-Favoriten.
`The Battle Will Be Won´: eine weitere Battle Hymne mit einer etwas dunkleren Stimmung und einem weiteren stadiontauglichen Mitsing-Chorus sowie Maiden meet Dio Vibes mit einem dynamischen Rhythmus, treibenden Harmonien und einem melodischen Solo.
`Remembrance´: emotionale, episch-hymnische Halb-Ballade als Erinnerung und Tribut an Ronnie James Dio, Gary Moore, Ozzy Osbourne und all die anderen unsterblichen Musiklegenden mit allerlei versteckten musikalischen Referenzen an die verschiedenen Helden. Der akustische Mittelteil wurde erst nach Bekanntwerden von Ozzys Tod als Reminiszenz an Klassiker wie `Heaven and Hell´ und `Mr. Crowley´ eingefügt, als der Songs eigentlich bereits halbfertig war.
`Follow the Storm´: der schnellste Track der Scheibe mit viel Tempo, Energie, Dynamik Power und Melodien, die deutschen Bands wie Helloween, Gamma Ray, Running Wild, Rage, Heaven’s Gate, Scanner und Blind Guardian huldigen.
`Shadows of the Night´: den Sinn des Lebens erforschen die reflektierten Lyrics dieser energetischen Nummer mit mitreißenden Mitklatsch- und Solo-Parts, für die Einflüsse wie Pretty Maids, Iron Maiden, Gary Moore und Running Wild Pate standen. Die Sing-Along-Melodie des Outros basiert nach Aussage Dahls auf einer bereits beinahe vierzig Jahre alten Idee.
`Metal Bound´: ich wiederhole mich, aber: eine weitere treibende, eingängige Heavy Metal Hymne in der Tradition von Judas Priest und Accept mit einem überlebensgroßen „Fist-Raising Chorus“ wie gemacht für die Live-Situation und gnadenlos ausrastendes Publikum.
`A Silent Farewell´: das genaue Gegenteil ist diese emotionale und äußerst persönliche abschließende Ballade, in der es um die an Demenz leidende Mutter des Sängers geht. Sein Bruder und seine Tochter waren an den chorischen Aufnahmen des wundervollen Refrains beteiligt.
Starke Melodien, einprägsame Refrains und kraftvolle Hooks verleihen jedem Track seine eigene Identität, was beinahe die Konsistenz und Wirkung einer Greatest-Hits-Sammlung erreicht, aber irgendwie auch ein wenig den Charakter eines sehr, sehr gelungenen (sorry) Coveralbums mit eigenen Stücken hat. Die Songs wirken ausdefiniert, fokussiert, kraftvoll und auf das Wesentliche reduziert, und wenn auch wenig eigenständig, so doch gekonnt und begeisternd umgesetzt, ohne Füller und mit haufenweise packenden Soli, mitsingtauglichen Refrains, Atmosphäre, Emotion und klassischer Heavy-Metal-Pracht.
Michael Gaspar vergibt 8,5 von 10 Punkten


