TONY IOMMI – FROM THE DARK

TONY IOMMI

Titel: FROM THE DARK

Label: BMG

Spieldauer: 42:02 Minuten

VÖ: 23. Oktober 2026

Der Riffgott ist zurück und es bleibt stark zu bezweifeln, dass dieser Name noch weiter beschrieben werden muss. Soviel sei gesagt: ohne diesen Mann wäre die Welt im letzten, mehr als halben Jahrhundert arm dran gewesen; wirklich sehr arm. Und eine Musikwelt, wie wir sie heute haben, vollkommen unvorstellbar.

Acht neue Songs kredenzt uns der Pate des Heavy Metal auf „From The Dark“, gespickt mit einem sehr starken Line-up. Als Sänger konnte Maestro IOMMI niemand Geringeres als Jorn Lande (ex Masterplan, Jorn) gewinnen, der für seine satte, melodische Stimmfarbe bekannt und geschätzt wird. Den Bass übernimmt Becky Baldwin, die mittlerweile neben ihrer Hauptband Fury auch bei Mercyful Fate den Tieftöner bedient. Aber das sind hier schon fast Nebenkriegsschauplätze. Was bei diesem Mann zählt, sind RIFFS, RIFFS und nochmal R.I.F.F.S.!!! Natürlich in Moll statt Dur. Einer nach dem anderen, wie selbstverständlich kreiert von einem Mann, der Ende der 1960er bei einem Arbeitsunfall zwei Fingerkuppen an seiner Greifhand (rechts) verlor und zuerst seine Musikerlaufbahn an den Nagel hängen wollte. Glücklicherweise entschied er sich um…

„From The Dark“ ist das erste (TONY) IOMMI Soloalbum seit über 20 Jahren; immerhin war der Mann zwischenzeitlich mit seiner Hauptbeschäftigung ­­- sowohl in Verbindung mit Ronnie James Dio (R.I.P., 2010) als auch wieder Ozzy (R.I.P., 2025) – ausgelastet. Auf „From The Dark“ erinnern viele Songs dank der melodischen Stimme von Jorn etwas an die „vergessene“ Ära von Black Sabbath, bei der Tony Martin am Mikro stand und Meisterwerke wie „The Eternal Idol“ (1987) oder „Headless Cross“ (1989) entstanden. Doch auch ein satter Dio Einschlag bleibt nicht ganz außen vor…

Schon die beiden Vorab Singleauskopplungen ´World Alone´ –  in den Umbaupausen beim Wacken Open Air dieses Jahr groß auf Leinwand gezeigt und stark bejubelt – sowie ´Stormwatcher´ ließen Großes erahnen. Doch „From The Dark“ ist weit mehr als das: der Opener ´Over The Violent Sun´ gibt gleich majestätisch die düstere Marschrichtung vor, ´Beyond The Dead´ ist als klarer Tribut einzustufen, während bei ´Death Wake´ sogar Brian May (Queen) als Gast gewonnen werden konnte. Doch die absolute Krönung bleibt für mich der abschließende Rausschmeißer ´Legacy´ mit über sieben Minuten, der wie ein Rückblick auf das eigene Schaffen wirkt und mir das ein oder andere sentimentale Tränchen ins Auge trieb. Und wie soll es auch anders sein? Das Riff regiert! Die Essenz des Doom. Düsterer geht nicht…

Am Ende der knappen Dreiviertelstunde bleibt uns das wohl stärkste Album, welches TONY IOMMI abseits seiner Karriere mit Black Sabbath bzw. Heaven & Hell kredenzt hat. Mit 78 Jahren, sehr viel Rock’n’Roll Erfahrung, Mitstreitern vom Schlage eines Herrn John Michael Osbourne und so manchem „Sweet Leaf“ in jüngeren Jahren heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Ich habe nichts als tiefsten Respekt vor dem Mann, der die Musik erschaffen hat, die bis zum letzten Atemzug mein Lebenselixier bedeutet; und trotz hohem Alter immer noch fit im Köpfchen ist und uns mit neuer Musik beglückt.

„From The Dark“ erscheint in sämtlichen möglichen Versionen: neben der normalen CD sowie einer Mediabook Variante – inklusive den zwei instrumentalen Bonustracks ´Scent Of Dark´ von 2021 und ´Deified´ von 2024 – gibt es natürlich das Ganze auch auf Doppelvinyl (eigentlich vollkommen überflüssig bei einer Spielzeit von 42 Minuten…), auf Tape und als digitalen Download. Was man sich dann letzten Endes aussucht, bleibt einem jedem selbst überlassen.

Danke für alles, Riffgott! Es würde mich freuen, Dich mit Deinen neuen Weggefährten noch einmal auf einer Bühne zu sehen. Mit Deinem charismatischen, positiven Lächeln zu den vielleicht düstersten Riffs, die ein Mensch überhaupt erschaffen kann…. und hoffe inständig, dass „From The Dark“ nicht den endgültigen Abschied markiert.

Marius Gindra vergibt 9 von 10 Punkten