TYKETTO & CORELEONI – “Rock n Roll Salvation” Bochum
TYKETTO – CORELEONI – SURRENDER THE CROWN
Bochum, Zeche
05. Oktober 2026
Nachdem TYKETTO die Tour eigentlich im Fahrwasser von BLACK STAR RIDERS geplant hatten, sprangen nach deren Absage Leo Leonis CORELEONI als Co-Headliner ein und erwiesen sich als echter Glücksfall für die Tour. Auch wenn an diesem Montag vergleichsweise wenige Fans an dem altehrwürdigen Spielort erschienen, um die krachende Hard Rock Party live mitzuerleben, war doch von Müdigkeit keine Spur. Nein, im Gegenteil: zwei vollwertige Sows, voller Klassiker, Spaß und bestem Rock n Roll Entertainment ließen nur ein Fazit: Die, die ihr nicht da wart, ihr habt definitiv was verpasst.
SURRENDER THE CROWN
Damit sind leider nicht unbedingt die saarländischen Rocker SURRENDER THE CROWN gemeint, die hier und heute den Opening Slot übernehmen. Aller Anfang ist schwer und so müht sich die Truppe mit ihrem modernen Sound, ein wenig Bewegung in die kleiner Schar der Anwesenden zu bringen. Noch dazu leiden die doppelte Gitarrenpower und die Vocals von Matthias Braun unter dem ein wenig matschigen Sound. Dennoch wird der düster-melodische, an Alternative der Marke Creed und Shinedown erinnernde, Sound mit Groove und Power vom Auditorium durchaus wohlwollend aufgenommen.
CORELEONI
Gotthard Gitarrist Leo Leoni war mit seiner eigenen Band CORELEONI lange ausschließlich mit Neuauflagen von Gotthard Songs unterwegs, was sich aber dank des neuen “Generection“ Albums gelegt hat. Entsprechend bot der Bochumer Abend auch eine Mischung aus Gotthard Hits und eigenen Songs, die keinen Vergleich zu scheuen brauchen, sondern in Punkto Tiefe häufig sogar gewinnen.
Dennoch, los geht der Abend mit `Walk On Water`, `Standing In The Light` und `Downtown` Triplett. Von Moment eins präsentierte sich Sänger Eugent “Gent“ Bushpepa, der übrigens auch schon als Vocal Coach arbeitete, in absoluter Topform und war trotz der nicht gerade großen Massen – wie übrigens die komplette Band auch – richtig gut gelaunt. Was soll man sagen, der Mann verfügt über alles, was ein Frontmann braucht: Erfahrung, Agilität, eine echte Bühnenpräsenz und nicht zuletzt eine hervorragende Stimme, die auch die höchsten Töne perfekt trifft. Auch Bassmann Mila Merker und Leos Gitarrenpartner Jgor Gianola bieten fehler- und absolute tadellose Performances. Allesamt Vollprofis im allerbesten Sinne, die den Bandkopf perfekt ergänzen.
An CORELEONI Originalsongs kommen `Generation Rock´ , `Sister Moon` und das regelrecht metallisch aus der P.A. drückende `Howling At The Moon´ zum
Einsatz. Stimmungsabfall Null! Für den Hard Rockig umgebauten Disco-Song `Lady Marmelade` (Voulez-vous coucher avec moi ce soir?) holte sich die Band dann auch passend drei Wesen des weiblichen Geschlechts als Party-Tänzerinnen auf die Bühne. (Steelpanther lassen schön grüßen) Und ja, alle Beteiligten hatten ganz offensichtlich ihren Spaß an der gemeinsamen Einlage.
Richtig emotional wird es dann bei der großen Ballade `Let It Be` und auch das funktioniert. Wie eigentlich alles an diesem Abend. Apropos, eine klassische Rockshow ohne Drumsolo? Geht ja quasi nicht, also kommt auch Schlagzeuger Alex Motta bei `Like It Or Not` zu seinen paar Minuten Ruhm, in dem ihm die alleinige Aufmerksamkeit des Publikums gehörte. Einer der besten Gotthard Tracks überhaupt, `Firedance`, leitet danach das nahende Ende der Show ein. Das große `Mountain Mama` sowie der CORELEONI Track `Last Goodye` brachten den Teil der Schweizer zu einem überaus würdigen Ende.
Fazit, CORELEONI in dieser Form sind für mich persönlich die besseren, weil härteren Gotthard, die eben nicht hauptsächlich auf Balladen, sondern auf Druck und echten Rock n Roll Spaß setzen.
TYKETTO
Und wer nun dachte, dies ließe sich heute Abend nicht mehr toppen oder zumindest ein stimmungsmäßiges Unentschieden herstellen, der sah sich von TYKETTO schnell eines besseren belehrt. Im Vergleich zu CORELEONI schwingen TYKETTO angeführt von Bandgründer Danny Vaughn die eine wenig feinere Melodic/Glam Rock Klinge, gehen aber mit unverminderter Energie, Dynamik und Spielfreude zu Werk. Das überträgt sich aufs Publikum, wie man überhaupt das Gefühl hat, auch wenn wenige Fans gekommen sind, die, die da sind haben richtig Bock ihre Lieblinge und ihre zeitlosen Hits wie `Wings´, `Rescue Me´ und `Reach´ zu feiern, mitzusingen und einfach eine gute Zeit an diesem Montagabend zu verbringen.
Der Sänger scherzt, er selbst sei bei Erscheinen des Erfolgsalbums „Don´t Come Easy“ 1991, von dem im Folgenden weitere Klassiker wie `Sail Away`, `Seasons´, `Standing Alone´ und das grandiose `Lay Your Body Down´ zelebriert werden, ja erst zehn Jahre alt gewesen und präsentiert sich sowohl stimmlich als auch optisch durchaus, als wäre er in den berühmten Jungbrunnen gefallen. Bei `Seasons´ werden im Trio die Äxte geschwungen, bevor das jüngste Bandmitglied, Gitarrist Harry Scott Elliott sein Solo beisteuern darf. Und überhaupt präsentiert der Fünfer sich als eingespielter, sympathischer Haufen. Sei es der vielfach um seine fancy Frisur beneidete Gitarrist/Keyboarder Ged Rylands mit seiner instrumentalen Klasse, der Ruhe und Spaß an der Freude ausstrahlende Basser Chris Childs oder Energiepaket Johnny Dee hinter den Kesseln, allesamt Meister ihres Fachs, bestens aufgelegt und gewillt, den Leuten eine unvergessliche Show zu bieten.
Auch die neueren Songs wie das hymnische `Higher Than High´, der
großartige Ohrwurm `We Rise´ sowie der Titeltrack der aktuellen Langrille `Closer To The Sun´ fügen sich nahtlos in den Reigen starker Songs ein. Der „Front-Gandalf“ fegt über die Bühne und unterhält mit mal launigen, mal emotionalen Ansagen seine Crowd in bester Art und Weise. Bei der Einleitung zu `Lay Your Body Down´ darf Elliott sein Tanztalent offenbaren, bevor Vaughn seinem Schlagwerker mit einem Handtuch Luft zufächert und anschließend damit das Becken bearbeitet. Mit dem unverzichtbaren und vielfach lautstark mitgesungenen `Forever Young´ endet um kurz nach elf ein fantastisches Konzert zweier hochkarätiger Genrevertreter, das definitiv deutlich mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.
Text: Sven Bernhardt, Michael Gaspar
Photo Credits: Sven Bernhardt












































