AMON AMARTH
Titel: THE ALLFATHER AWAKENS
Label: Metal Blade Records
Spieldauer: 46:05 Minuten
VÖ: 02. Oktober 2026
AMON AMARTH aus Tumba sind seit über drei Jahrzehnten unterwegs und haben sich mit ihrem Mix aus Melodic Death Metal, nordischer Mythologie und mächtigen Hymnen längst ihren festen Platz an der Speerspitze erspielt. 2022 legten die Nordmänner mit „The Great Heathen Army“ ihr 12. Studioalbum vor und drehten damals für mich wieder ein Stück weiter in Richtung ihrer Todesstahl-Wurzeln. Ich schrieb seinerzeit, dass die Schweden mit der Scheibe härter, düsterer und mit etwas mehr Death Metal in der DNA unterwegs waren als auf „Berserker“, wenn auch weiterhin in kleinen Schritten. Jetzt folgt mit „The Allfather Awakens“ das 13. Studiowerk – und erneut dreht sich vieles um Odin und die nordische Mythologie. Allerdings handelt es sich nicht um ein klassisches Konzeptalbum, sondern um verschiedene Geschichten und Blickwinkel rund um den Allvater. An der Besetzung hat sich nichts geändert: Johan Hegg übernimmt weiterhin die Vocals, Olavi Mikkonen und Johan Söderberg liefern die Gitarren, Ted Lundström zupft den Bass und Jocke Wallgren sitzt hinter den Drums. Auch beim Songwriting und bei den Aufnahmen gingen AMON AMARTH etwas anders zu Werke: Ideen entstanden bereits auf Tour, die Aufnahmen fanden später in zwei Sessions bei Jacob Hansen in Dänemark statt und die einzelnen Songs wurden nacheinander komplett fertiggestellt. Dazu gibt es mit ‚Upphaf‘ erstmals in der Bandgeschichte einen rein akustischen Song, während der Rest natürlich weiterhin auf die bewährte Mischung aus Riffs, Growls, Melodien und nordischem Schlachtenstahl setzt. Nach „The Great Heathen Army“ darf man also gespannt sein, ob AMON AMARTH erneut ein paar Schritte in Richtung ihrer härteren Wurzeln machen oder auf „The Allfather Awakens“ wieder neue Wege beschreiten.
Mit ‚Gjallarhorn‘ starten wir ins 13. Album der Schweden, die uns Gitarren, Bass, Schlagzeug und die gnadenlos hämmernden Vocals von Johan Hegg direkt um die Ohren knallen. Hinter diesem Brett steckt die Geschichte um Odin und den weisen Riesen Mimir, wobei es bei ‚Gjallarhorn‘ unter anderem um Odins Opfer für die Weisheit geht. Ein bockstarker Einstieg, der sofort klarmacht, dass AMON AMARTH nichts von ihrer Wucht eingebüßt haben! Pferde haben vier Beine, nicht so Odins Sleipnir, das in ‚Eight Legs of Thunder‘ besungen wird. Sleipnir hat acht Beine und trägt den Allfather – vielleicht galoppiert der Nackenbrecher deshalb so temporeich und wuchtig durch die Gehörgänge. Böser und dichter ist ‚Kvasir’s Blood‘ geraten. Der Dampfhammersong erzählt die Geschichte um Verrat und Betrug an Kvasir, dessen Blut zum legendären Skaldenmet wurde. Für mich ein echter Banger, der ordentlich Druck aufbaut und sich direkt im Schädel festbeißt. Nach ‚We Rule the Waves‘, das mit seinem eingängigen Refrain auftrumpft, kommt mit ‚Upphaf‘ die erste rein akustische Nummer der Bandgeschichte, die mit ihrer Lagerfeuerromantik richtig gut gefällt. Ruhiger, atmosphärischer und komplett anders als die üblichen Brecher der Schweden – aber genau deshalb funktioniert das Teil für mich so gut. Mit ‚Die With a War Cry‘ kommt anschließend genau jene druckbetankte Hymne, die den Hörer selbst zum Berserker macht und im Gym für ein paar Kilo mehr auf der Hantel sorgt. Infernalisch darf Heggs Opening-Scream in ‚Raven God‘ bezeichnet werden, einem Song, der mit Mythologie und Pathos überzeugt. Headbanger aufgepasst: ‚The Allfather Awakens‘ ist der Titeltrack der neuen Langrille und macht unglaublich Bock! Der Song war das letzte Stück, das für die Platte geschrieben wurde und schließlich auch deren Namen lieferte. ‚Oden’s Hunt‘ geizt ebenfalls nicht mit AMON-AMARTH-Trademarks und erinnert an frühere Tage. Das epische ‚Ascending Like an Eagle‘ schließt das Album ab und knüpft inhaltlich an ‚Serpent’s Trail‘ von „The Great Heathen Army“ an.
Skål auf AMON AMARTH – „The Allfather Awakens“ legt den Gehörgang in Schutt und Asche!
Ein Drachenschiff voller treibender Songs, eingängiger Refrains, gnadenloser Vocals, jeder Menge nordischer Mythologie und Hymnen, die mächtig Wellen schlagen – genau das macht „The Allfather Awakens“ aus! Knüpften die Schweden auf dem Vorgänger noch spürbar an ihre düstere und härtere Gangart an, führen sie genau diese Intensität hier weiter, schrauben jedoch den Hymnenfaktor noch einmal eine Stufe nach oben. Neben kompromisslosen Schädelspalter-Tracks und epischen Nackenbrecher-Hymnen ist auch das typische Row-Row-Row-Potenzial für die anstehenden Liveshows vorhanden! Mit ‚Upphaf‘ beweisen AMON AMARTH zudem, dass sie sich auch nach über drei Jahrzehnten noch etwas Neues trauen, was ich prima finde. Stillstand führt unweigerlich ins Reich von Hel. Die neue Langrille macht von der ersten bis zur letzten Minute mächtig Druck, kennt kaum einen schwachen Moment und reiht sich nahtlos in die starke Diskografie der Schweden ein. Hoch die Tassen… äh, Hörner!
Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten


