FVNERAL FVKK – INDECENT IDOLS

FVNERAL FVKK

Titel: INDECENT IDOLS

Label: DYING VICTIMS PRODUCTIONS

Spieldauer: 42:17 Minuten

VÖ: 23. Oktober 2026

„Indecent Idols“ lautet der Titel der zweiten Scheibe der norddeutschen Doomer FVNERAL FVKK. Gegründet von Mitgliedern von Ophis, Fäulnis und Voidhaven im Jahre 2015 in der Hansestadt Hamburg. So bezeugen FVNERAL FVKK die Mächtigkeit des Doom Metals, der im vorliegenden Falle tradierten Mustern folgt aber jederzeit einen zeitgemäßen Anspruch verwirklicht. Lyrisch werden ausschließlich Verfehlungen und Straftaten im Kontext des sexuellen Missbrauchs religiöser Institutionen insbesondere der katholischen Kirche verarbeitet. Dabei spielt es keine Rolle ob aus der Historie oder aktueller Befasstheit. FVNERAL FVKK beschreiten lyrisch somit abermals ein heißes Pflaster, das viel zu oft und mit einigem Fleiß verzerrt wird.

Musikalisch herrscht mächtiger bisweilen feierlicher Doom Metal dessen Atmosphäre aus Melancholie, Verzweiflung und Wut eindringlich und prägend erscheint. Die bandeigene Einordnung lautet Epic Pastoral Doom Metal. Vieles wird über den überragenden Gesang von Cantor Cinaedicus transportiert, vieles liegt aber im Gesamtkunstwerk und dem hervorragend pointierten Songwriting. 

Ein kurzes Intro stimmt schon direkt auf die kommenden 40 Minuten ein. ‚Crosses to the Gallows‘ eröffnet mit einem Riff, das an selige altenglische Trauerweiden erinnert. Der Song ist durchzogen von Schwermut und Bitterkeit. Sowohl songwriterisch als auch an den Instrumenten zeigen sich FVNERAL FVKK deutlich gereift. War der Vorgänger Carnal Confessions (2019) schon eine echte Überraschung und war eingeschlafen wie eine Artilleriegeschoss so kann der Nachfolger direkt nachziehen. Besonders im Bereich der Harmonien und dem Gesang haben sich Hamburger Epic Doomer enorm entwickelt.

Egal ob ‚A hidden Threnody‘ oder das zaghaft startende und nachdenkliche ‚The Beasts of Speyer‘ – beides sind absolute Prädikatssongs, die mit emotionaler Tiefe, musikalischer Mächtigkeit und lyrischen Inhalten überzeugen. So abscheulich, traurig und abstoßend die Inhalte der Texte sein mögen, so real sind sie. Die Universität Mannheim hat zu den Vorkommnissen im Bistum Speyer eine Studie angestrengt, deren Ergebnisse die systematische und strukturierte Missbrauchsanschuldigungen bestätigte. FVNERAL FVKK erschaffen eine würdevolle und intensive, musikalische Aufarbeitung. 

Als weiteres Herzstück der Scheibe entpuppt sich ‚Bishop of the Iron Guard‘. Mächtige Riffs, präzise Drums und vielleicht noch traurigere und packendere Harmonien. Unglaublicher Gänsehautsong mit ganz starken Vocals von Cantor Cinaedicus.  Zwei starke Doomer in Form von ‚Leichensynode‘ und ‚Even in Death (We possess you)‘ beschließen dieses fantastische Werk. Sie zeigen nochmals die unheimliche Tiefe und Epik dieser Platte aber auch ihre bittere Traurigkeit.

Ein epochales Meisterwerk. Ein packender Ritt durch menschenverachtende Abscheulichkeit unter dem Deckmantel höchster Moralethik. Episch, tief, wuchtig und gleichzeitig aufwühlend und nachdenklich machend. Meine Verneigung vor diesem Werk!

Ingo Holzhäuser vergibt 9,5 von 10 Punkten