HKSPK – HEIMKEHR

HKSPK

Titel: HEIMKEHR

Label: EIGENPRESSUNG

Spieldauer: 25:51 Minuten

VÖ: 11. September 2026

Manchmal stolpert man über Bands auf ziemlich ungewöhnliche Art und Weise. HKSPK habe ich tatsächlich kennengelernt, als ich auf der Suche nach neuen Followern war, um die 900 vollzumachen. Die Brandenburger waren dabei nicht einfach nur irgendein neuer Name in meiner Liste, denn sie haben mir damals geholfen, dieses kleine Ziel zu erreichen. Das hat mir imponiert und so habe ich mich anschließend auch etwas genauer mit der Band beschäftigt. Und genau deshalb sitzen wir heute hier und beschäftigen uns mit dem kommenden Album „Heimkehr“. HKSPK gibt es seit 2023. Jim, Leon und Arne trafen sich zunächst zu einer Jamsession und zockten bei der ersten Probe noch einfache Black-Metal-Cover. Bereits bei der zweiten Probe entstand mit ‚Holy Scum‘ der erste eigene Song, der die Richtung vorgab. 2024 folgte das gleichnamige Debütalbum, 2025 die EP „The Human Butcher“ und nun steht mit „Heimkehr“ der nächste Brocken aus Brandenburg vor der Tür. Acht Songs und gerade einmal 25:21 Minuten Spielzeit sind dabei zwar kein ausuferndes Metal-Epos, dafür wollen HKSPK auf ihrem zweiten Album ordentlich Druck machen.

Die Informationen zu „Heimkehr“ stammen dabei aus einer wirklich verdammt detaillierten Bandinfo, und das muss ich an dieser Stelle einfach mal lobend erwähnen. HKSPK liefern hier nicht nur ein paar blumige Promo-Sätze ab, sondern gehen richtig ins Detail und erklären sowohl die musikalische als auch die inhaltliche Ausrichtung des Albums. Klasse, wenn sich eine Band beziehungsweise ihr Umfeld diese Mühe macht – so bekommt man als Schreiber tatsächlich einen vernünftigen Einblick in das, was hinter einer Veröffentlichung steckt.

Black und Death Metal bilden das Fundament, dazu kommen Melodie, doomige Schwere, Atmosphäre sowie eine direkte, gelegentlich punkige Energie. Dabei soll der Sound bewusst nicht glattgebügelt werden. Inhaltlich geht es um Menschen, die zurückkommen, aber eben nicht heil ankommen. HKSPK verarbeiten eigene Erlebnisse, Geschichten aus ihrem Umfeld und frei verarbeitete historische Motive. Krieg, Kontrollverlust, mentale Erschöpfung, Rache, Erinnerung und schwarzer Humor treffen dabei aufeinander – und selbst gescheiterte Auftritte finden ihren Platz. „Heimkehr“ ist also kein Konzeptalbum, das eine Geschichte brav von A bis Z erzählt, sondern eher eine Reise durch ziemlich unterschiedliche Abgründe. Auch wer wissen möchte, wer musikalisch hinter den einzelnen Stücken steckt, bekommt von HKSPK erfreulich genaue Informationen. Jim Kalubba ist bei allen acht Songs am Songwriting beteiligt und zeichnet bei ‚Prelude‘ sogar allein für Musik und Text verantwortlich. Bei ‚Torture‘, ‚White Secretions II‘, ‚Sonnenjäger‘ und ‚Rot In Despair‘ entsteht die Musik gemeinsam mit Leon Sabiers und Arne Ising, während Jim die Texte übernimmt. ‚Kill The Weak‘ entsteht musikalisch aus der Zusammenarbeit von Jim und Arne, ‚Rain In The Face‘ stammt musikalisch und textlich von Jim und Leon, und beim abschließenden ‚Heimkehr‘ sind wieder alle drei an der Musik beteiligt, während Jim den Text beisteuert. Auch das ist für mich eine angenehme Detailtiefe, die man bei Promos nicht unbedingt selbstverständlich bekommt.

Musikalisch verspricht die Scheibe einiges an Abwechslung. Kurze, aggressive Stücke treffen auf melodische und atmosphärische Passagen, klassischer Death Metal bekommt ebenso seinen Platz wie Black Metal, Punk, Hardcore und Thrash. Mit ‚White Secretions II‘ wird sogar eine Verbindung zum Debüt geschlagen, während ‚Rot In Despair‘ seine Schwere aus Reduktion zieht und der über sechs Minuten lange Titeltrack das Album mit Atmospheric Black Metal beschließt. Also dann: Heimkehr, aber offensichtlich nicht heil – schauen wir mal, was HKSPK nach gut 25 Minuten in meinen Gehörgängen hinterlassen.

Das Vorspiel ‚Prelude‘ ist musikalisch das Gegenteil von dem, was HKSPK dem Hörer in den folgenden Songs vor den Latz ballern, und die kurze Spoken-Word-Passage ist die Ansage dazu! In und mit ‚Torture‘ beginnt die krasse Fahrt im HKSPK-Bus des rohen Sounds, der mit deftigen gutturalen Vocals und Screams die Gehörgänge aufreißt. In unter zwei Minuten fetzen die Brandenburger eure Nervenbahnen entlang und laden zum Tanz im Moshpit. In ‚White Secretions II‘ erzählt die Band von einem Gig, der wohl erst spät am Abend war und feuchtfröhlich endete – auch wenn nicht jeder den Alk im Körper behalten konnte – haha. Sehr geile Idee, seinen Tourtag in Blackened Death Metal zu vertonen und auf CD zu pressen – ‚White Secretions I‘ gibt’s übrigens auf dem Debüt „Holy Scum“ zu hören. Die Death-Metal-Abrissbirne ‚Sonnenjäger‘ beschäftigt sich mit Krieg und Zerstörung, lässt jedoch ein Fenster der Hoffnung offen. ‚Kill The Weak‘ ist nicht irgendeine Punknummer, sondern DIE Punk-Abrissbirne des Albums, bewusst im Genremix mit Black Metal gehalten und on top garniert mit Hardcore und Thrash.

Als Single wurde ‚Rot In Despair‘ bereits vorab veröffentlicht und gibt einen guten Einblick in die andere Seite von HKSPK. Während ‚Torture‘ kurz, aggressiv und direkt nach vorne geht, nimmt ‚Rot In Despair‘ Tempo raus und setzt dafür auf Schwere und tiefe Atmosphäre. Persönlicher, düsterer und emotional intensiver zeigt die Nummer, dass HKSPK ihren rohen Blackened-Death-Sound auch mit doomigen Anteilen anreichern und dem Hörer pechschwarz servieren können. Wer vorab wissen will, wohin die Reise auf „Heimkehr“ geht, sollte sich den Song auf den gängigen Streamingdiensten unbedingt mal reinziehen. Von der Doom-Wucht ziehen HKSPK den Hörer mit ‚Rain In The Face‘ ins kalte Reich des Black Metal und erzählen eine Kriegergeschichte, die ich hier nicht spoilern werde – lasst euch an die Hand nehmen und lauscht den eindringlichen deutschen Lyrics. Das sechs Minuten lange Finale ‚Heimkehr‘ ist soundgewaltig, emotional, tiefgehend und spiegelt die Reise durch das bisher Gehörte wider. Das Lied fesselt von der ersten Sekunde an, hat einen überragenden Spannungsaufbau, der sich in Gitarrengewitter und Schlagzeughagel entlädt – mit den entsprechend donnernden Gesangslinien.

„Heimkehr“ ist für mich ein abwechslungsreicher und tiefgründiger Silberling, der mich fesselt und dabei positiv überrascht. Die Mischung aus Blackened Death Metal, doomiger Schwere, tiefer Atmosphäre und den Ausflügen in Punk, Hardcore und Thrash steht HKSPK verdammt gut. Mal gibt es die kurze Abrissbirne direkt vor den Latz, dann wird es düster und schwer, bevor HKSPK wieder die Brechstange auspacken. Gutturale Vocals, fette Gitarren, Screams und ordentlich Druck aus der Schießbude sorgen dafür, dass hier keine Langeweile aufkommt. Besonders spannend finde ich, dass die Band ihre eigenen Erlebnisse, Geschichten und auch schwarzen Humor in die Songs packt und daraus kein glattgebügeltes Konzeptalbum macht, sondern eine Reise durch Krieg, Verzweiflung, Rache, Erinnerung und Kontrollverlust. Von der kurzen Vollgasnummer ‚Torture‘ über die feuchtfröhliche Tourgeschichte in ‚White Secretions II‘ und die Punk-Black-Metal-Abrissbirne ‚Kill The Weak‘ bis zum atmosphärischen Gitarrengewitter des Titeltracks bleibt ordentlich Bewegung in der Kiste. HKSPK haben mich schon durch ihre sympathische Art neugierig gemacht, mit „Heimkehr“ haben sie mich musikalisch endgültig am Haken. Roh, dreckig, pechschwarz, abwechslungsreich und tiefgründig – so darf gerne mehr Blackened Death Metal aus Brandenburg kommen!

Tobi Stahl vergibt 9 von 10 Punkten