RISING INSANE
Titel: DEATHRACE
Label: Long Branch Records
Spieldauer: 33:51 Minuten
VÖ: 21. August 2026
RISING INSANE haben sich seit ihrer Gründung 2012 im Oldenburger Land einen Namen in der deutschen Metalcore-Szene gemacht. 2017 erschien mit „Nation“ ihr Debütwerk, 2019 folgte „Porcelain“, bevor 2021 „Afterglow“ und 2024 „Wildfires“ die Diskografie erweiterten. Dazwischen veröffentlichten die Niedersachsen mit „Recovered“, „Porcelain Acoustic“ und „Demons“ auch mehrere EPs.Auf der Bühne standen RISING INSANE unter anderem mit ANNISOKAY, DEEZ NUTS, PAPA ROACH und OF MICE & MEN. Das aktuelle Line-up besteht aus Aaron Steineker am Mikro, Sven Polizuk und Florian Köchy an den Gitarren, Ulf Hedenkamp am Bass sowie Robert Kühling am Schlagzeug. Mit „Deathrace“ steht nun das fünfte Studioalbum der Band in den Startlöchern. Elf Songs sollen dabei laut Band das bislang radikalste Kapitel von RISING INSANE bilden. Also dann: Motor starten, Gurt anlegen und dann geht sie ab, die wilde Fahrt mit RISING INSANE hinterm Steuer und mir auf dem Beifahrersitz – 3, 2, 1, Feuer frei für „Deathrace“!
Schritte sind im ‚Intro‘ zu hören und nach einem Huster knallt auch schon das Feuer aus dem Auspuff des Metalcore-Boliden von RISING INSANE. In ‚Deathrace‘ legen die Jungs den Finger in die Wunde und zeigen auf, wo es in unserer Gesellschaft hapert: am Zusammenhalt. Der Monsterbreakdown kurz vor Ende des „richtigen“ Openers macht Bock auf das, was da noch kommt. In ‚Countdown‘, das angepisst aus den Boxen kommt und mit seinen tiefen Growls die Eingeweide vibrieren lässt, liegt eine gewisse Düsternis. Das Lied nimmt sich des Themas Krieg an und erteilt der Herzlosigkeit und Brutalität, mit denen viele Menschen scheinbar keine Probleme haben, eine klare Hartstahl-Breitseite. ‚Outrage‘ ist dann ein bisschen anders als das bisher Gehörte: bisschen punkig, bisschen Hardcore, dazu Sprechgesang und diese schiere Wucht, die der Nummer innewohnt und einem ordentlich die Synapsen zerfetzt. Interessant ist auch die Entstehungsgeschichte, denn man war kurz davor, den Song komplett zu canceln. Zum Glück kam es anders, denn Steven Jones von BLEED FROM WITHIN erkannte das Potenzial der Nummer und half dabei, den Song fertigzustellen. Und was soll ich sagen: Die Entscheidung, ‚Outrage‘ nicht in die Tonne zu kloppen, war goldrichtig – alleine der Breakdown am Ende, schmackofatzo! In der Speedramme ‚Traumatized‘ wird es persönlich, während bei ‚Dark‘ Moshpit-Pflicht herrscht – wild, unberechenbar und bretthart, garniert mit kurzen ruhigen Passagen. Die Nummer stand ebenfalls lange Zeit auf der Abschussliste, bevor RISING INSANE einen zweiten Anlauf wagten und aus dem Instrumental letztlich das wurde, was euch jetzt um die Ohren fliegt. Dass dabei mit ACCVSED aus Wiesbaden eine zusätzliche Core-Kante aus Hessen mit an Bord ist, passt wie der Äppler in den Bembel. Das Feature gibt der Nummer noch einmal ordentlich Druck und macht ‚Dark‘ endgültig zu einem brettharten Moshpit-Brett! Der Titel ‚Narcissist‘ steht für sich selbst – die Lyrics wirken ausgefeilt, hier gibt’s die Ansagen mit dem Vorschlaghammer in die Fresse.
‚Dirt‘ geht an die Substanz und zeigt, wie beschissen es sein kann, wenn man die Wahrheit kennt, aber Schiss davor hat, sie auszusprechen. Ungerechtigkeit sorgt für Hass, Wut, Frust und Furcht, doch einfach alles runterzuschlucken, macht die Sache auch nicht besser. So oder so zerfrisst einen das Ganze und am Ende gibt’s nur einen Ausweg: „Face down to the dirt“. Sehr geil sind ein paar HATEBREED-Vibes, die zumindest ich hier höre – das ändert aber nix daran, dass diese druckbetankte Vollgas-Nummer einschlägt, wie eine Bombe und so oder so nur einen Ausweg kennt. Wer kennt sie nicht, TBS – THE BUTCHER SISTERS? In ‚Grey‘ ist David Schneider mit von der Metalcore-Partie und zockt ein Gitarrensolo, das sich sehen lassen kann – und das in einem Lied, das zu den „sanfteren“ Songs gehört. Mit ‚Error‘ feat. Steven Jones und ‚Good Enough‘ feat. Caskets schließt „Deathrace“ und bleibt der deftigen Gangart, den gut getimten Breakdowns und der klasse Balance zwischen harschen und klaren Vocals treu. ‚Error‘ bleibt mit seiner einprägsamen Zeile „Do you think I think too much“ direkt im Kopf hängen, während ‚Good Enough‘ mit seinem emotionalen Ansatz noch einmal eine andere Facette zeigt. Zwei starke Nummern zum Abschluss, die ein starkes Album ausklingen lassen, mit dem sich RISING INSANE in die Herzen der Fans katapultieren und noch mehr verdiente Aufmerksamkeit bekommen werden.
„Deathrace“ ist ein gutes und abwechslungsreiches Metalcore-Album geworden, das RISING INSANE von ihrer rohen, brachialen, aber auch einfühlsamen Seite zeigt. Fette Riffs, gut getimte Breakdowns, harsche und klare Vocals sowie die unterschiedlichen Gastbeiträge von ACCVSED, Steven Jones, David Schneider und Caskets sorgen dafür, dass die elf Songs ordentlich Abwechslung in die Gehörgänge bringen. RISING INSANE sind für mich eine verdammt vielversprechende Band, bei der ich gespannt bin, was da noch kommt. Mit „Deathrace“ haben die Niedersachsen jedenfalls ordentlich vorgelegt und sich damit einen Platz auf den großen Bühnen mehr als verdient. Dass sie künftig auch die Festivalbühnen stürmen werden, ist für mich nur noch eine Frage der Zeit.
Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten


