CRYING STEEL – AGENT STEEL

CRYING STEEL

Titel: AGENT STEEL

Label: Pride & Joy Music

Spieldauer: 41:17 Minuten

Mit zu den heißesten Geheimtipps des diesjährigen Taunus Metal Festivals in Oberursel gehörten die Old School Heavies von CRYING STEEL, die das Publikum mit ihrem stark Judas Priest/early Accept geschwängerten Traditional Metal sofort im Sturm nahmen. Obwohl die Truppe aus Bologna zur ersten Generation italienischer Stahlschmieden gehört und in den 80ern bereits mit einigen Demos, einer EP und einem Album namens „On The Prowl“ (1987) auf sich aufmerksam machte, erschienen sie mir tatsächlich erst dort auf den Radar, wo ich mir im Anschluss gleich die „Steel Alive“ CD-Compilation ihrer Frühtage (2019, Jolly Roger Records) eintütete.

Seit ihrer Reunion Mitte der 2000er ist „Agent Steel“ das vierte Langeisen, das letzte erschien 2018 mit dem nur ein Jahr später verstorbenen Gastsänger Tony Mills (u.a. Shy & TNT). Seit einigen Jahren steht Angel Martyr- und ehemaliger Etrusgrave Frontmann Tiziano Sbaragli hinter dem Mikro. Mit seinen kauzigen, leicht „quakigen“ und eigenwilligen Vocals in bester high pitched Klangfarbe – frei nach Vorlage der namensgebenden, mittlerweile arg schwächelnden Band des Albumtitels – gibt er ein bockstarkes Bild ab. Zehn knackig straighte Tracks mit Spielzeiten um die drei bis vier Minuten, simplen Riffs, starken Doublebass Grooves, viel Rock, massig „Leder und Nieten“ Spirit der „Defenders Of The Faith“ Coleur und merklich Spaß inne Backen: auch mit zunehmenden Alter merkt man den beiden verbliebenen Urmitgliedern Luca (Drums) und Franco (Gitarre) an, dass Heavy Metal eben keine Lebensphase, sondern eine Einstellung ist. Klar, einen großen Innovationspreis kannste damit heute nicht mehr gewinnen. Es macht dennoch einen Heidenspaß, zu sehen, wie die alte Garde der ersten Stunde mit frischem Wind unserer „Nachwuchsgeneration“ zusammen eine Leidenschaft auslebt, die man als chronisch Betroffener mit ins Grab nimmt.

Traditional Heavies sollten bei „Agent Steel“ definitiv mehr als nur ein Ohr riskieren…

Marius Gindra vergibt 8 von 10 Punkten