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OLD RUINS – Die nächste Quest beginnt

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Mit „Mount Arreat“ ist die Reise des Dunklen Wanderers noch lange nicht beendet. Nach den Ereignissen von „Always Heading East“ führt der Pfad hinauf zum legendären Mount Arreat, wo sich das Schicksal Sanktuarios erneut entscheidet. Zwischen den Legionen Baals, dem heiligen Berg Arreat und der Zerstörung des Weltensteins schlagen OLD RUINS das nächste Kapitel ihrer ganz eigenen Interpretation der „Diablo“-Saga auf. Dabei verbinden die Gelsenkirchener Black-Metaller atmosphärisches Storytelling mit Heavy-, Doom- und melodischen Metal-Einflüssen. Bevor wir uns selbst in diese düstere Reise stürzen, hat sich Christian „Kraje“ Krajewski der nächsten Quest gestellt und spricht über die Entstehung von „Mount Arreat“, den neuen Schlagzeuger Mike Gelnar, das Konzept hinter den Songs, die aufwendigen Vinyl-Editionen und darüber, welche Abenteuer OLD RUINS nach dem Gipfel des Mount Arreat noch erwarten.

Tobias:
Hallo Kraje! Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Drei Jahre nach eurem Debüt „Always Heading East“ kehrt ihr mit „Mount Arreat“ zurück und setzt die Geschichte des Dunklen Wanderers fort. Wie fühlt es sich an, dieses neue Kapitel bald mit euren Fans teilen zu können?

Kraje:
Hallo Tobi! Also erstmal vielen Dank, dass wir dieses Interview zusammen machen. Die Fans mit in dieses neue Kapitel zu nehmen bedeutet uns und besonders mir persönlich sehr viel. Für mich als Hauptsongwriter stand schon mit dem Outro unseres ersten Albums fest, wo die Reise hingehen wird. Nämlich in den Norden, zum „Mount Arreat“. An den Ort, an dem ich endlose Stunden in meiner Jugend verbracht habe. Und den wir mit diesem Album hoffentlich gut musikalisch vertont haben.

Tobias:
Zum Zeitpunkt unseres Interviews war für „Mount Arreat“ lediglich ein Release Mitte September angekündigt. Gibt es inzwischen ein konkretes Veröffentlichungsdatum, das ihr mit euren Fans teilen könnt, und verlief die Produktion bis zur Fertigstellung so, wie ihr euch das vorgestellt hattet?

Kraje:
Der offizielle Release-Termin ist Freitag, der 18.9.2026. Ab da gibt es die Platte zu kaufen und digital zu hören. Was die Produktion angeht, da lief es so entspannt, dass wir teilweise selbst gar nicht glauben konnten, wie schnell wir vorangekommen sind. Die Hauptsongwriting-Phase ist letztes Jahr nach unserem Auftritt beim DONG Festival gestartet. Der Sommer stand an und es war nicht viel geplant, also hatten wir endlich Zeit, unsere Ideen zu sammeln. Abgeschlossen haben wir das Songwriting dann tatsächlich Ende November und haben dann nach einem Termin gesucht, um im LIQUID AETHER STUDIO die Drums aufzunehmen. Das war so Mitte/Ende Februar. Gitarren und Bass haben wir dann zu Hause bei mir aufgenommen und für die Vocals bin ich dann nochmal ins Studio gefahren. Das war so Ende April. Joa und danach kam so eins zum anderen. Es war also entspannt, aber sehr produktiv, würde ich sagen.

Tobias:
Mit eurer selbstbetitelten 6-Track-EP und „Always Heading East“ habt ihr den Grundstein für eure musikalische Reise durch die Welt von „Diablo“ gelegt. War euch damals bereits klar, dass daraus eine zusammenhängende Geschichte über mehrere Alben entstehen würde, oder hat sich dieses Konzept erst im Laufe der Zeit entwickelt?

Kraje:
Wie ich schon anfangs erwähnt hatte, war die Vision von diesem Album schon lange in meinem Kopf. Ich liebe das Expansion Pack von Diablo 2 – Lord of Destruction. Es war also für mich ganz klar, dass wir diesem Teil nicht nur ein paar Songs, sondern schon ein ganzes Album widmen müssen. Es hat aber schon ein wenig gedauert, bis man alles richtig sortiert hat, damit das Konzept auch aufgeht. Sowohl musikalisch als auch lyrisch.

Tobias:
Mount Arreat gehört zu den ikonischsten Orten der gesamten „Diablo“-Reihe. Warum fiel eure Wahl ausgerechnet auf diesen Abschnitt der Geschichte und welche Möglichkeiten hat euch dieses Kapitel musikalisch und lyrisch eröffnet?

Kraje:
Naja, zum einen haben wir das am Ende des ersten Albums ja bereits angeteasert. Das Outro ist ein Dialog zwischen einem Barbaren aus der Stadt Sescheron und Baal, kurz bevor er die Stadt dem Erdboden gleichmacht. Bis heute begeistert mich die Atmosphäre, wenn man im Spiel in der Stadt Harrogath startet. Die letzte Bastion zwischen den Legionen von Baal und dem heiligen Berg Arreat. Dazu die packende Story mit dem grandiosen Ende mit der Zerstörung des Weltensteins. Diese kalte Atmosphäre einzufangen und dann musikalisch wiederzugeben, war auch für uns aufregend. Aber auf jeden Fall haben wir durch die Geschichte auch selbst eine Entwicklung gemacht. Wir haben schließlich auch hier wieder viel ausprobiert.

Tobias:
Beim Hören des Albums fällt auf, dass die Songs nicht einfach nur einzelne Geschichten erzählen, sondern wie ein zusammenhängender Soundtrack wirken. Wie entwickelt sich bei OLD RUINS ein Song?

Kraje:
Ich finde es super, dass du das so empfindest. So sollte es sein, damit auch alles gut zusammenpasst. Ich glaube trotzdem, dass man die Songs einzeln hören kann, also z. B. nicht den Song davor braucht, um den Song danach zu verstehen. Aber wenn man sich darauf einlässt und alles zusammen hört, erlebt man eine Reise mit vielen Überraschungen.

Bei diesem Album hatten wir einen roten Faden genutzt. Das Thema war ja klar und wir haben dann zuerst ausgearbeitet, bei welchem Song was passieren soll. Also auch noch gar kein Text, aber halt, worum es in den Tracks gehen soll. Dann ist die Musik dazu entstanden und wir haben angefangen zu basteln und geschaut, welche Parts wohin passen. Da kann es auch schon mal sein, dass wir einen Song komplett neu aufstellen, bis wir zufrieden sind.

Tobias:
Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Art und Weise, wie ihr Atmosphäre erzeugt. Viele instrumentale Passagen transportieren Bilder und Emotionen, ohne dass überhaupt gesungen wird. Wie wichtig ist euch dieses musikalische Storytelling und arbeitet ihr gezielt auf solche Momente hin?

Kraje:
Für mich ist es natürlich wichtig, dass man die Musik so empfinden kann, wenn man sie hört. Die instrumentalen Passagen haben wir sehr lange ausgearbeitet, damit genau eben dieser Effekt eintritt. Ich wollte, wenn ich die Augen schließe, die Szenerie vor mir sehen können. Dadurch kommen dann auch die Stellen, wo die Vocals wieder einsetzen, kraftvoller. Jeder Part von jedem Song sollte ein Puzzlestück sein, was am Ende ein schlüssiges Bild ergibt.

Tobias:
Euer Sound vereint erneut Black Metal mit Heavy-, Doom- und melodischen Metal-Einflüssen. Gleichzeitig wirkt „Mount Arreat“ homogener und reifer als euer Debüt. Habt ihr eure Herangehensweise beim Songwriting verändert?

Kraje:
Ja, erstmal sind die Songs in kürzerer Zeit hintereinander entstanden. Dadurch wirkt die Platte natürlich, als wenn alles aus einem Guss ist. Wir haben tatsächlich etwas anders gearbeitet als bei der ersten Platte. Ich hatte ja schon von dem roten Faden gesprochen. Das war unser Leitfaden, wo drin stand, was in welchem Song passieren soll. Und das hat uns irgendwie sehr gut dabei geholfen, die Songs entstehen zu lassen.

Wenn also das Thema von dem Song klar war, haben wir einfach die Riffs durchprobiert, bis wir gemerkt haben, wenn wir jetzt die Augen schließen, sehen wir genau das, worum es in dem Song gehen soll, vor uns. Wir haben auf dem zweiten Album, würde ich sagen, unseren Stil verfeinert. Alles ist mehr zusammengewachsen, könnte man sagen.

Tobias:
Mit Mike Gelnar sitzt ein neuer Schlagzeuger hinter den Trommeln. Wie hat sein Einstieg die Dynamik innerhalb der Band verändert und welchen Einfluss hatte er auf das Songwriting und die Aufnahmen?

Kraje:
Ein neuer Schlagzeuger würfelt immer alles neu aus. Auch wenn er die alten Songs versucht, so zu spielen, wie sein Vorgänger das gemacht hat, jeder Drummer hat seinen eigenen Groove. Das ist sehr wichtig und auch deutlich hörbar. Und man merkte auch, dass die Songs, die er selbst mitgestalten konnte, schneller einstudiert waren. Es ist manchmal leichter, etwas Eigenes zu spielen, als etwas nachzuspielen. Er bringt sich aber auch sonst gut mit in die Band ein und wir sind da alle zusammen auf einer äußerst guten Welle unterwegs.

Tobias:
Parallel dazu habt ihr euch entschieden, künftig mit Sick Taste Records zusammenzuarbeiten. Was waren die ausschlaggebenden Gründe für den Labelwechsel und welche neuen Möglichkeiten ergeben sich dadurch für OLD RUINS?

Old Ruins 002Kraje:
Es war für uns klar, dass wir die Platte wieder auf Vinyl bringen wollen. Wir haben zuerst mit Doc Gator Records gesprochen, es gab zwar Interesse, aber man konnte uns keine feste Zusage geben. Allerdings wurde uns ans Herz gelegt, dass wir auch anderweitig nach Labels schauen können. Und dann habe ich mit dem Andi von Sick Taste Records gesprochen, von dem ich wusste, dass er unsere Musik mag. Er war schon auf einigen Gigs und hat auch die erste Platte. Der war dann sofort Feuer und Flamme und dann haben wir uns zusammengesetzt wegen der Details. Jetzt kommt die Platte in einer auf 100 Stück limitierten Box, fünf weiteren Farben und als Digipack raus. Wir sind sehr zufrieden mit allem und freuen uns auf den Release. Darüber hinaus hat uns Andi auch nochmal ein paar Leuten ans Herz gelegt, die uns sonst wahrscheinlich gar nicht auf dem Schirm gehabt hätten.

Tobias:
Neben der Musik stechen sofort die verschiedenen Vinyl-Editionen ins Auge. Health, Mana, Nihlathak, Tyrael und Baal – jede Variante greift Elemente aus der Welt von „Diablo“ auf. Wie stark wart ihr selbst in die Gestaltung dieser Editionen eingebunden und wie wichtig sind euch solche Details für Sammler?

Kraje:
Die Farben durften wir uns alle selbst aussuchen und wir haben direkt gesagt, dass wir gerne jede Farbe auch mit etwas in Verbindung bringen wollen. So sind dann die unterschiedlichen Editionen entstanden. Das ist hier natürlich mehr etwas für die Diablo-Nerds, sollte aber auch so zu gefallen wissen.

Tobias:
Auch das Artwork von Timon Kokott passt perfekt zur Atmosphäre des Albums. Wie eng verlief die Zusammenarbeit und wie wichtig ist euch generell, dass Artwork, Logo und Musik eine gemeinsame Geschichte erzählen?

Kraje:
Das ist eine interessante Frage. Denn tatsächlich stand das Artwork schon lange, bevor das eigentliche Songwriting losging. Als ich die Idee zu dem Album hatte, hab ich Timon mitgeteilt, was ich mir in etwa vorstelle, und das Endergebnis ist der absolute Wahnsinn. Als wenn er in meinen Kopf geguckt hätte. Das Artwork hat uns quasi erst einmal inspiriert, die Songs so zu schreiben, wie wir es dann tatsächlich getan haben. Man findet auch das ganze Album, also jeden Song, in dem Artwork wieder. Für uns ist es absolut wichtig, dass Artwork, Musik und Texte zusammen eine Geschichte erzählen und den Zuhörer auf eine Reise mitnehmen.

Tobias:
Obwohl sich „Mount Arreat“ tief in der Lore von „Diablo“ bewegt, funktioniert das Album auch für Hörer, die nie einen Teil der Spielereihe gespielt haben. War es von Anfang an euer Anspruch, beide Welten miteinander zu verbinden?

Kraje:
Es war uns eigentlich immer nur wichtig, dass die Songs unabhängig voneinander funktionieren. Wir haben schon oft von Fans auf Konzerten gehört, dass sie gar nicht in der Diablo-Thematik drin sind, trotzdem gefällt denen unsere Musik.

Darum geht es. Gute Musik zu schreiben und wer dann im Thema ist, der hat nochmal ein intensiveres Hörerlebnis.

Tobias:
Beim Schreiben meiner Rezension hatte ich mehrfach das Gefühl, dass ihr nicht einfach Songs komponiert, sondern regelrecht Szenen vertont. Gibt es bestimmte Filmsoundtracks, Komponisten oder andere musikalische Einflüsse außerhalb des Metal, die euch bei dieser cineastischen Herangehensweise inspirieren?

Kraje:
Wir haben ja generell viele Einflüsse, die unsere Musik beeinflussen, aber da könnte ich jetzt speziell nichts nennen. Es hat sich einfach so ergeben, würde ich sagen.

Tobias:
Welcher Song auf „Mount Arreat“ hat euch während des Songwritings oder der Aufnahmen am meisten gefordert und warum?

Kraje:
‚Once There Was Light!‘ Mit großem Abstand. Wir haben den Song bestimmt achtmal komplett umgestellt, bis er endlich so wirken konnte, wie er es jetzt tut. In der Ursprungsversion war der Aufbau ganz anders. Dann haben wir einen Beat geändert, dann passte die Gitarre auf einmal nicht mehr so cool dazu usw. Aber jetzt sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis und auch froh, so oft nochmal an dem Song gearbeitet zu haben.

Tobias:
Nach dem beeindruckenden Finale von ‚Tyrael’s Despair‘ drängt sich fast automatisch die Frage auf: Ist die Geschichte des Dunklen Wanderers bereits komplett durchgeplant oder lasst ihr bewusst Raum, um zukünftige Kapitel organisch entstehen zu lassen?

Kraje:
Das Finale sollte episch werden und trotzdem nichts Endgültiges haben. So ist es im Spiel ja auch. Man gewinnt und hat trotzdem das Gefühl, verloren zu haben. Das war so der Grundgedanke. Und natürlich sind wir nicht am Ende unserer Geschichte. Von hier aus kann es in alle möglichen Richtungen gehen. Die Geschichte auch mal aus einem anderen Blickwinkel erzählen, z. B.

Tobias:
Wie sehen die kommenden Monate für OLD RUINS aus? Sind bereits Release-Shows, Festivals oder vielleicht sogar eine Tour geplant und dürfen sich eure Fans darauf freuen, „Mount Arreat“ schon bald live erleben zu können?

Kraje:
Es wird zwei Singleauskopplungen mit Video dazu geben. Am Samstag, 19.9.2026, werden wir hier bei uns im Plattenbau Schermbeck ein wenig zusammen die Platte hören, Fragen beantworten, Platten signieren und nett quatschen.

Und am Sonntag, den 20.9.2026, werden wir das Album offiziell im Kulttempel Oberhausen releasen. Bei dieser Releaseshow werden wir Scraper im Vorprogramm haben. Coole Typen, die auch ein fantastisches Konzeptalbum rausgebracht haben. Joa und ansonsten können alle eine vollgepackte Setlist mit einigen Überraschungen erwarten, die es nur auf diesem Gig geben wird.

Danach stehen noch zwei Shows in diesem Jahr an, auf denen wir das Album natürlich präsentieren werden. Einmal beim Consol Metal Attack in Gelsenkirchen und einmal beim Spirit of Metal in Lünen.

Und was dann in 2027 alles kommt, daran arbeiten wir grade.

Tobias:
Bevor wir zum Ende kommen: Haben wir aus deiner Sicht alles Wichtige rund um „Mount Arreat“ angesprochen oder gibt es noch etwas, das du unseren Leserinnen und Lesern unbedingt mit auf den Weg geben möchtest?

Kraje:
Wir haben, finde ich, sehr ausführlich über alles gesprochen. Danke für die detaillierten Fragen und dass ich dir ein wenig erzählen dürfte, wie wir so funktionieren. Ich hoffe, dass wir hier ein paar Leute neugierig gemacht haben, und wünsche viel Spaß beim Durchhören von dem Album.

Tobias:
Vielen Dank für deine Zeit und das Interview! Ich wünsche euch viel Erfolg mit „Mount Arreat“. Die letzten Worte gehören natürlich dir.

Kraje:
Stay awhile… and listen.

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: OLD RUINS