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A COLD PARADISE – Ein Neuanfang ohne Kompromisse

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Mit seiner Band A COLD PARADISE beginnt für Antonio Calanna nach seiner Zeit bei ALL FOR METAL ein völlig neues musikalisches Kapitel. Gemeinsam mit Paolo Avanzini, Luca Birocco, Fortunato De Negri und Daniele Motta verbindet die Band modernen Metal mit atmosphärischen Klanglandschaften, elektronischen Elementen, cineastischen Arrangements und großen Melodien. Im Gespräch spricht Antonio offen über den Wunsch nach künstlerischer Freiheit, die Entstehung des Debütalbums, autobiografische Texte, den bewussten Bruch mit musikalischen Schubladen und die Vision hinter A COLD PARADISE. Außerdem verrät er, warum dieses Album für ihn die Verwirklichung eines lang gehegten Traums ist, welche Rolle Produzent Jarno Bellasio gespielt hat und weshalb die Reise von A COLD PARADISE gerade erst begonnen hat.

Tobias:
Hallo Antonio! Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst. Viele Fans waren überrascht, als dein Abschied von ALL FOR METAL bekannt wurde. Kurz darauf folgte die Ankündigung von A COLD PARADISE. Wie erleichtert bist du, dass das Debütalbum nun endlich kurz vor der Veröffentlichung steht?

Antonio:
Zunächst einmal vielen Dank für die Einladung!

Es ist definitiv eine Mischung aus Erleichterung, Vorfreude und Stolz. An diesem Album haben wir ziemlich lange gearbeitet und zu sehen, wie es nun endlich Wirklichkeit wird, ist ein unglaubliches Gefühl. Meine Zeit bei ALL FOR METAL war ein sehr wichtiges Kapitel meiner Karriere. Sie hat mir die Möglichkeit gegeben, auf großartigen Bühnen zu stehen, fantastische Musiker kennenzulernen und wertvolle Erfahrungen als Live-Künstler zu sammeln. Dafür werde ich immer dankbar sein. Gleichzeitig hatte ich aber schon immer den Traum, etwas zu erschaffen, das vollkommen mein eigenes ist. A COLD PARADISE hat mir die Möglichkeit gegeben, mich ohne künstlerische Einschränkungen auszudrücken – meine eigenen Songs zu schreiben, meine eigenen Geschichten zu erzählen und einen Sound zu entwickeln, der wirklich widerspiegelt, wer ich als Künstler bin.

Ja, da ist definitiv ein Gefühl der Erleichterung. Jeder Künstler kommt irgendwann an den Punkt, an dem er etwas zutiefst Persönliches mit der Welt teilen möchte, und genau dafür steht dieses Album. Es ist die Verwirklichung eines Traums, den ich seit meiner Jugend in mir getragen habe. Jetzt kann ich es kaum erwarten zu sehen, wie die Menschen eine Verbindung zu dieser Musik aufbauen, denn sobald ein Album veröffentlicht ist, gehört es nicht mehr nur uns – es wird Teil all jener, die es hören.

Tobias:
Als deine Trennung von ALL FOR METAL bekannt wurde, haben viele Fans gerätselt, wie deine musikalische Zukunft aussehen würde. Wann war für dich persönlich klar, dass du mit A COLD PARADISE bewusst einen völlig anderen Weg einschlagen möchtest, anstatt einfach dort weiterzumachen, wo du aufgehört hast?

Antonio:
Um ehrlich zu sein, war A COLD PARADISE keine Reaktion auf meinen Abschied von ALL FOR METAL. Die Idee zu diesem Projekt trug ich schon lange vorher in mir. Ich habe viele Jahre im Musiktheater und in Bands gearbeitet, in denen ich die Visionen anderer interpretiert habe. Ich habe diese Erfahrungen geliebt und sie haben mich sowohl als Sänger als auch als Performer enorm weitergebracht. Irgendwann verspürte ich jedoch den Wunsch, meine eigene künstlerische Identität zum Ausdruck zu bringen.

Die entscheidende Gelegenheit ergab sich, als Jochen Richert, damals Leiter von Perception, an mich glaubte und mich ermutigte, mein eigenes Projekt zu entwickeln. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich endlich die Chance hatte, genau die Musik zu erschaffen, die ich mir immer vorgestellt hatte – Musik, die kraftvolle Melodien, modernen Metal, elektronische Einflüsse und sehr persönliche Texte miteinander verbindet.

Als meine Zeit bei ALL FOR METAL schließlich zu Ende ging, hatte ich deshalb nicht das Bedürfnis, denselben Weg einfach weiterzugehen. Stattdessen fühlte es sich wie der richtige Zeitpunkt an, mich voll und ganz dem Projekt zu widmen, das schon immer mein Traum gewesen war. A COLD PARADISE soll nichts aus meiner Vergangenheit ersetzen. Es geht vielmehr darum, endlich meine eigene Geschichte zu erzählen – mit meiner eigenen Stimme und gemeinsam mit Musikern, die dieselbe Vision teilen. Genau das macht dieses Projekt für mich so besonders.

Tobias:
A COLD PARADISE sind für viele unserer Leserinnen und Leser noch ein unbeschriebenes Blatt. Kannst du uns die Band etwas näher vorstellen? Wer sind die Mitglieder, wie habt ihr zusammengefunden und gibt es musikalische Hintergründe oder frühere Projekte, aus denen man den einen oder anderen von euch vielleicht bereits kennen könnte?

Antonio:
A COLD PARADISE ist eine Modern-Metal-Band, die auf der Idee basiert, kraftvolle Melodien, harte Riffs, elektronische Elemente und eine cineastische Atmosphäre miteinander zu verbinden. Wir möchten Musik erschaffen, die emotional berührt und gleichzeitig die Energie und Wucht liefert, die man von einer modernen Metal-Band erwartet. Das Projekt begann mit mir, aber von Anfang an war mein Ziel nie, als Solokünstler aufzutreten. Ich wollte eine echte Band mit Menschen aufbauen, denen ich sowohl musikalisch als auch menschlich vertraue. Für mich ist die Chemie innerhalb einer Band genauso wichtig wie das technische Können. Die ersten Musiker, die an diesem Projekt beteiligt waren, waren Tim Hansen und Dominik Gusch, die viele aus INDUCTION kennen. Sie haben in der Anfangsphase von A COLD PARADISE eine wichtige Rolle gespielt und bleiben ein Teil der Geschichte dieses Projekts. Als ihre Terminkalender immer voller wurden, haben wir gemeinsam beschlossen, unsere Zusammenarbeit auf andere Weise fortzuführen und gleichzeitig eine feste Live-Besetzung aufzubauen.

Heute besteht die Band aus Paolo Avanzini an der Gitarre und den Backing Vocals – ein außergewöhnlicher Musiker und einer meiner engsten Freunde. Wir arbeiten bereits seit vielen Jahren im Musiktheater zusammen und haben unzählige Erlebnisse auf und neben der Bühne geteilt. Am Bass steht Fortunato De Negri, ein großartiger Musiker mit hervorragendem Gespür für Musik, während Daniele Motta hinter dem Schlagzeug mit enormer Energie und Präzision überzeugt. Luca Birocco ergänzt das Line-up an der Gitarre und bereichert unseren Sound mit seiner herausragenden Technik und seinem ganz eigenen Stil. Unsere Liveshow wird außerdem durch zwei Tänzerinnen ergänzt: Jessica Ciuffreda und Sophie Guadalmuche. Wir verstehen A COLD PARADISE als weit mehr als nur ein Konzert. Unser Ziel ist es, ein Gesamterlebnis aus Musik, Choreografie, Kostümen, visuellen Elementen und einer starken theatralischen Atmosphäre zu schaffen. Mein Hintergrund im Musiktheater hat diese Herangehensweise ganz natürlich geprägt.

Was mich persönlich betrifft, kennen mich viele von ALL FOR METAL sowie aus verschiedenen Musicalproduktionen in Deutschland, darunter Jesus Christ Superstar und dem Friedrichstadt-Palast in Berlin. Unser Gastsänger Bené Monteiro, der auf ‚Once Upon A Dream‘ zu hören ist, steht derzeit außerdem bei MJ – Das Musical in Hamburg auf der Bühne. Letztendlich geht es bei A COLD PARADISE darum, talentierte Menschen zusammenzubringen, die dieselbe Vision teilen: modernen Metal zu erschaffen, der kraftvoll, melodisch und emotional ehrlich ist – sowohl auf dem Album als auch live auf der Bühne.

Tobias:
Der Sound von A COLD PARADISE unterscheidet sich deutlich von deiner bisherigen Band. Modern Metal, atmosphärische Arrangements und elektronische Elemente prägen das Album. Was war eure Vision für dieses Projekt und wie schwierig war es, die richtige Balance zu finden, ohne die Songs zu überladen?

Antonio:
Genau diese Balance war wahrscheinlich die größte Herausforderung – und gleichzeitig der spannendste Teil bei der Entstehung dieses Albums. Von Anfang an wollte ich keine Musik schreiben, die sich sauber in ein bestimmtes Subgenre einordnen lässt. Meine Vision für A COLD PARADISE war es, alles miteinander zu verbinden, was mich im Laufe der Jahre inspiriert hat: emotionale Melodien, die ich liebe, die Kraft des Modern Metal, elektronische Produktionen, cineastische Klanglandschaften und eingängige Hooks, die einem schon nach dem ersten Hören im Kopf bleiben. Die Gefahr besteht natürlich darin, am Ende zu viele Ideen in einen einzigen Song zu packen. Deshalb haben wir uns während des gesamten Songwriting-Prozesses immer wieder dieselbe einfache Frage gestellt: Dient dieses Element der Emotion des Songs? Wenn ein elektronischer Part, ein orchestrales Arrangement oder ein Breakdown den Song stärker gemacht hat, durfte er bleiben. Wenn etwas nur deshalb enthalten war, weil es cool klang, haben wir es wieder gestrichen.

Ich glaube, genau deshalb wirkt das Album abwechslungsreich und trotzdem in sich geschlossen. Jeder Song besitzt seine eigene Identität, gleichzeitig gehören aber alle zur selben musikalischen Welt. Auch mein Hintergrund hat diese Herangehensweise geprägt. Durch meine Arbeit im Musiktheater denke ich automatisch in Geschichten und Dynamik. Nicht jeder Moment muss hart sein. Manchmal sorgt gerade eine ruhige, emotionale Passage dafür, dass der nächste Breakdown umso heftiger einschlägt. Mit genau diesen Kontrasten zu spielen, macht mir besonders viel Spaß. Letztendlich sehen wir Melodie und Härte nicht als Gegensätze. Für uns ergänzen sie sich perfekt. Genau das ist für mich die große Stärke des Modern Metal: Er erlaubt es dir, ganz selbstverständlich zwischen diesen Welten zu wechseln. Und genau dafür soll A COLD PARADISE stehen.

Tobias:
Mit ‚Here I Rise‘ eröffnet ihr das Album eindrucksvoll. Du hast den Song selbst als Statement bezeichnet. Was macht gerade dieses Lied zum perfekten Einstieg in die Welt von A COLD PARADISE und welche Botschaft steckt dahinter?

Antonio:
Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass es einen besseren Opener hätte geben können. ‚Here I Rise‘ ist das Manifest von A COLD PARADISE. Schon in den ersten Sekunden stellt der Song alles vor, wofür wir stehen: kraftvolle Melodien, moderne Produktion, schwere Breakdowns und eine Botschaft voller Stärke und Widerstandskraft. Lyrisch geht es darum, die Kraft zu finden, wieder aufzustehen, nachdem man unterschätzt, zurückgewiesen oder ausgebremst wurde. Im Laufe meiner Karriere gab es immer wieder Momente, in denen sich Türen geschlossen haben, Menschen meine Fähigkeiten infrage gestellt oder mir gesagt haben, bestimmte Träume seien unrealistisch. Ich glaube, dass sich jeder Mensch auf die eine oder andere Weise in diesem Gefühl wiederfinden kann.

Der Song handelt jedoch nicht von Wut oder Rache, sondern von Entschlossenheit. Es geht darum, den Punkt zu erreichen, an dem man aufhört, sich von den Meinungen anderer definieren zu lassen, und stattdessen sagt: „Ich bin hier. Das bin ich.“ In vielerlei Hinsicht spiegelt der Song auch den Beginn von A COLD PARADISE wider. Dieses Album ist unser erstes Statement als Band und ‚Here I Rise‘ ist der perfekte Auftakt dieser Reise. Es ist unsere Art, uns der Welt vorzustellen und zu sagen: Das sind wir – und das ist erst der Anfang.

Tobias:
Wie autobiografisch sind die Texte und war das Schreiben dieser Songs für dich auch eine Möglichkeit, die vergangenen Monate zu verarbeiten?

Antonio:
Die Texte sind sehr autobiografisch. Ich schreibe nicht gerne über Dinge, die ich selbst nie erlebt habe oder über Gefühle, die ich nicht wirklich empfinde. Jeder Song beginnt mit etwas Echtem – sei es eine persönliche Erfahrung, eine Beziehung, ein schwieriger Moment oder ein Gefühl, das mich über lange Zeit begleitet hat. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Text eins zu eins einem Tagebucheintrag entspricht. Manchmal arbeite ich mit Metaphern oder fiktiven Bildern, um die Emotionen universeller wirken zu lassen, sodass die Hörer ihre eigene Bedeutung in den Songs entdecken können. Der emotionale Kern ist jedoch immer authentisch.

Interessanterweise entstand der Großteil des Albums bereits, bevor sich die Ereignisse der vergangenen Monate überhaupt entwickelt hatten. Deshalb war das Songwriting nicht wirklich eine Möglichkeit, meinen Abschied von ALL FOR METAL zu verarbeiten. Tatsächlich hatten einige Songs beinahe etwas Vorausschauendes. Wenn ich heute auf die Texte zurückblicke, interpretiere ich manche Zeilen ganz anders als zu dem Zeitpunkt, an dem ich sie geschrieben habe. Für mich war Songwriting schon immer eine Form der Selbstreflexion. Es hilft mir dabei zu verstehen, was ich fühle, und gibt diesen Emotionen einen Platz, an dem sie existieren dürfen. Wenn Menschen unsere Musik hören und darin einen Teil ihres eigenen Lebens wiederfinden, dann haben wir etwas wirklich Bedeutungsvolles erreicht. Ich möchte den Hörern niemals vorschreiben, was sie fühlen sollen – ich möchte Songs schreiben, die sie zu ihren eigenen machen können.

Tobias:
Mit ‚El Perdón‘ habt ihr euch an einen internationalen Megahit gewagt. Viele Metalbands machen einen großen Bogen um solche Songs. Was hat euch gerade an diesem Stück gereizt und wie schwierig war es, den ursprünglichen Charakter zu bewahren und gleichzeitig eure eigene Handschrift einzubringen?

Antonio:
Ich war schon immer der Meinung, dass ein großartiger Song unabhängig vom Genre ein großartiger Song bleibt. ‚El Perdón‘ besitzt eine unglaublich starke Melodie und einen emotionalen Kern. Als ich den Song zum ersten Mal hörte, dachte ich sofort: „Daraus könnte eine fantastische Modern-Metal-Version werden.“

Unser Ziel war nie, eine Parodie daraus zu machen oder einfach nur das Original mit verzerrten Gitarren nachzuspielen. Wir wollten den Song komplett neu interpretieren und gleichzeitig genau jene Emotion bewahren, die ihn überhaupt erst so erfolgreich gemacht hat. Genau das ist bei einem Cover die größte Herausforderung: Man muss dem Original den nötigen Respekt entgegenbringen und den Hörern gleichzeitig einen guten Grund liefern, warum sie sich gerade die eigene Version anhören sollten.

Gesanglich gehörte der Song außerdem zu den anspruchsvollsten Stücken des gesamten Albums. Wir haben ihn ganz bewusst deutlich höher arrangiert als das Original, was mich bei den Aufnahmen technisch jedes Mal an meine Grenzen gebracht hat. Bis heute zählt er auch live zu den schwierigsten Songs für mich. Genau solche Herausforderungen liebe ich allerdings, weil sie mir die Möglichkeit geben, das gesamte Spektrum meiner Stimme auszuschöpfen. Gleichzeitig bringt ‚El Perdón‘ perfekt auf den Punkt, wofür A COLD PARADISE steht. Der Song verbindet eingängige Melodien mit schweren Gitarren, elektronischen Elementen und kraftvollen Breakdowns und zeigt, dass wir keinerlei Berührungsängste haben, Genregrenzen bewusst verschwimmen zu lassen. Genau das zeichnet uns als Band aus. Und schließlich war die Aufnahme auf Spanisch auch eine Hommage an die großartige spanischsprachige Rock- und Metal-Community. Wir haben großen Respekt vor diesem Publikum und empfanden dies als eine ehrliche Möglichkeit, eine Verbindung zu diesen Fans aufzubauen, ohne dabei unsere eigene Identität aus den Augen zu verlieren.

Tobias:
Während des gesamten Albums wechseln sich schwere Riffs, eingängige Melodien und elektronische Klangwelten immer wieder ab. Wie läuft bei euch das Songwriting ab? Entsteht zunächst eine musikalische Idee oder entwickeln sich Texte und Arrangements gemeinsam?

Antonio:
Dafür gibt es tatsächlich keine feste Formel – und genau das gefällt mir. Jeder Song erzählt seine eigene Geschichte und hat meistens auch seinen ganz eigenen Ausgangspunkt. Manchmal beginnt alles mit einer Melodie, die mir plötzlich in den Kopf kommt. Ein anderes Mal steht am Anfang ein Satz, eine Textidee oder einfach ein Gefühl, das ich ausdrücken möchte. Sobald ich weiß, was der Song erzählen soll, beginne ich, die musikalische Welt um genau diese Emotion herum aufzubauen. Eines ist uns dabei jedoch immer besonders wichtig: die Emotion. Wir fügen niemals einen Breakdown, elektronische Elemente oder orchestrale Arrangements ein, nur weil sie gerade modern oder angesagt sind. Jedes einzelne Element muss die Aussage des Songs unterstützen. Wenn es die Emotion nicht verstärkt, hat es im Song nichts verloren.

Genau deshalb unterscheiden sich unsere Songs auch so deutlich voneinander. Manche entwickeln sich ganz natürlich zu härteren Stücken, während andere mehr Raum für Melodie oder Atmosphäre lassen. Wir setzen uns nie mit dem Gedanken hin: „Lasst uns einen Metalcore-Song schreiben.“ Stattdessen fragen wir uns immer: „Was braucht dieser Song?“ Auch mein Hintergrund im Musiktheater hat meinen Schreibstil stark beeinflusst. Ich denke automatisch in Geschichten, Dynamik und emotionalen Entwicklungen. Deshalb betrachte ich einen Song oft wie eine Filmszene. Das Arrangement wächst um die Geschichte herum – mit Spannungsbögen, Momenten der Erleichterung und bewussten Kontrasten. Letztendlich beschreibt genau das A COLD PARADISE wahrscheinlich am besten: Jeder Song wird zuerst von seiner Emotion getragen. Alles andere – von den Riffs bis hin zu den elektronischen Elementen – dient ausschließlich dazu, diese Emotion noch intensiver zu machen.

Tobias:
Produziert wurde das Album von Jarno Bellasio. Welche Rolle hat er bei der Entstehung gespielt und in welchen Bereichen hat er euch vielleicht noch einmal neue Perspektiven eröffnet?

Antonio:
Jarno war weit mehr als nur der Produzent dieses Albums – ich würde sogar sagen, dass er ein zusätzliches Mitglied von A COLD PARADISE ist. Er ist mein Partner in Crime, wenn es um dieses Projekt geht. Während des gesamten kreativen Prozesses haben wir unglaublich eng zusammengearbeitet und permanent Ideen ausgetauscht, bis wir für jeden Song das richtige Arrangement, die passende Atmosphäre und vor allem die richtige Emotion gefunden hatten. Wir fordern uns gegenseitig immer wieder kreativ heraus und genau deshalb funktioniert unsere Zusammenarbeit so gut. Jeder von uns bringt eine andere Perspektive ein und gemeinsam holen wir aus jeder Idee das Maximum heraus.

Von Anfang an hat Jarno die Vision hinter A COLD PARADISE verstanden. Ich kam mit der Idee zu ihm, modernen Metal, elektronische Elemente, cineastische Klangwelten und große Melodien miteinander zu verbinden. Anstatt dieses Konzept zu vereinfachen, hat er uns sogar ermutigt, noch einen Schritt weiterzugehen und gleichzeitig darauf zu achten, dass am Ende alles wie aus einem Guss wirkt. Eine seiner größten Stärken besteht darin zu erkennen, wann ein Song mehr braucht – und wann weniger. Gerade bei modernen Produktionen ist die Gefahr groß, ein Arrangement zu überladen. Jarno hat uns jedoch immer wieder daran erinnert, dass jeder einzelne Sound der Emotion des Songs dienen muss. Genau diese Balance zwischen Wucht, Melodie und Klarheit hat er auf dem gesamten Album entscheidend mitgeprägt.

Er hat mich außerdem als Sänger immer wieder herausgefordert. Anstatt einfach nur nach höheren Tönen oder noch mehr Kraft zu verlangen, hat er mich dazu motiviert, mit unterschiedlichen Klangfarben, Dynamik und Emotionen zu arbeiten. Ich glaube, genau dadurch sind die Gesangsaufnahmen deutlich ausdrucksstärker geworden und jeder Song hat seine ganz eigene Identität erhalten. Vor allem aber liegt ihm diese Band wirklich am Herzen. Für ihn war das nie einfach nur ein weiterer Produktionsauftrag. Er hat A COLD PARADISE zu seinem eigenen Projekt gemacht und empfindet für diese Songs genauso viel wie wir selbst. Es sind seine Babys genauso wie unsere. Deshalb sehe ich ihn nicht nur als Produzenten, sondern als Teil unserer Familie.

Tobias:
Wer dich bisher vor allem aus deiner Zeit bei ALL FOR METAL kennt, entdeckt auf diesem Album viele neue Facetten deiner Stimme. Hattest du das Gefühl, dich gesanglich neu erfinden zu können, oder schlummerten diese Möglichkeiten schon lange in dir?

Antonio:
Ich würde nicht sagen, dass ich mich neu erfunden habe – vielmehr haben die Menschen jetzt endlich das vollständige Bild von mir. Im Laufe meiner Karriere hatte ich das Privileg, in den unterschiedlichsten musikalischen Bereichen zu singen. Das Musiktheater hat mir Vielseitigkeit, das Erzählen von Geschichten und stimmliche Kontrolle vermittelt. ALL FOR METAL gab mir die Möglichkeit, auf großen Bühnen zu stehen und die epische, Power-Metal-orientierte Seite meiner Stimme zu zeigen. Doch jedes Projekt besitzt ganz natürlich seine eigene künstlerische Identität und als Sänger besteht deine Aufgabe darin, genau dieser Vision zu dienen.

Mit A COLD PARADISE gab es zum ersten Mal keinerlei Grenzen. Zum ersten Mal konnte ich genau das schreiben und singen, was ich wirklich fühle, ohne mich in ein bereits bestehendes Konzept einfügen zu müssen. Dadurch konnte ich alle Facetten meiner Stimme ausleben – von intimen und emotionalen Passagen über große melodische Refrains bis hin zu aggressiven Momenten und sogar cineastisch geprägten Interpretationen. Ich war schon immer der Überzeugung, dass die Stimme der Emotion eines Songs dienen sollte und nicht dem Ego des Sängers. Wenn ein Flüstern die Geschichte besser erzählt als ein hoher Ton, dann flüstere ich. Wenn ein Song Kraft verlangt, dann gebe ich alles, was ich habe. Genau diese Freiheit ist wahrscheinlich der größte Unterschied, den die Menschen auf diesem Album hören werden. In gewisser Weise fühlt es sich so an, als würden die Hörer mit A COLD PARADISE Antonio Calanna zum ersten Mal völlig ungefiltert erleben. Dieses Album vereint alles, was ich über die Jahre gelernt habe – aus dem Musiktheater, aus dem Metal, aus der Popmusik und aus der klassischen Musik – zu einer einzigen künstlerischen Identität. Deshalb sehe ich es nicht als Neuerfindung, sondern als die Möglichkeit, den Menschen endlich zu zeigen, wer ich als Sänger und Künstler wirklich bin.

Tobias:
Nicht jede Band schafft es, moderne Elemente einzusetzen, ohne dabei an Härte oder Identität zu verlieren. Was ist für euch die größte Herausforderung, wenn elektronische Sounds und Metal miteinander verschmelzen sollen?

Antonio:
Ich denke, die größte Herausforderung besteht darin, sicherzustellen, dass die elektronischen Elemente den Song bereichern und nicht mit ihm konkurrieren. Heutzutage ist es sehr einfach, Synthesizer, Samples oder programmierte Sounds einzusetzen, nur weil sie verfügbar sind. Für uns dürfen diese Elemente jedoch niemals bloße Dekoration sein. Jeder elektronische Klang muss eine Aufgabe erfüllen. Er soll Atmosphäre schaffen, die Emotion unterstützen oder einen bestimmten Moment noch intensiver wirken lassen.

Dasselbe gilt auch für die harten Passagen. Wir schreiben keine Breakdowns, nur weil moderner Metal angeblich einen Breakdown braucht. Wenn ein solcher Part emotional nicht zum Song passt, dann lassen wir ihn konsequent weg. Ich glaube, genau darin liegt der Schlüssel, um die richtige Balance zu finden. Für uns sind elektronische Elemente und Metal keine Gegensätze, sondern ergänzen sich gegenseitig. Ein cineastischer Synthesizer kann ein schweres Gitarrenriff noch gewaltiger erscheinen lassen, und ein mächtiger Breakdown entfaltet eine noch größere Wirkung, wenn ihm zuvor eine emotionale oder atmosphärische Passage vorausgeht. Mit genau diesen Kontrasten zu spielen, macht uns besonders viel Spaß, weil dadurch die musikalische Reise für den Hörer wesentlich dynamischer wird.

Letztendlich ist es nie unser Ziel, modern zu klingen, nur um modern zu wirken. Wir verwenden elektronische Elemente, weil sie ein fester Bestandteil unserer musikalischen Identität sind. Ich höre selbst sehr viel EDM, Techno und cineastische Musik und diese Einflüsse fließen ganz automatisch in mein Songwriting ein. Gleichzeitig möchten wir aber nie, dass die Menschen vergessen, dass A COLD PARADISE in erster Linie eine Metal-Band ist. Die Riffs, die Energie und die Emotion stehen immer an erster Stelle – die elektronischen Elemente sind lediglich dazu da, all das noch stärker zu machen, nicht es zu ersetzen.

Tobias:
Ein Debütalbum ist immer auch eine Visitenkarte. Welche Eigenschaften sollen Hörer nach „A Cold Paradise“ mit eurer Band verbinden und gibt es bereits Ideen, wohin sich eure Musik auf einem möglichen zweiten Album entwickeln könnte?

Antonio:
Ich hoffe, dass die Menschen nach dem Hören dieses Albums nicht nur ein paar Songs in Erinnerung behalten, sondern vor allem das Gefühl, das sie dabei empfunden haben.  Ich wünsche mir, dass A COLD PARADISE künftig mit Authentizität, Emotion und dem Mut verbunden wird, konsequent unseren eigenen Weg zu gehen. Wir möchten uns nicht in eine vorgegebene Schublade stecken lassen oder irgendwelchen Trends hinterherlaufen. Unser Ziel ist es einfach, Musik zu schreiben, die Menschen berührt – sei es durch einen großen Refrain, einen schweren Breakdown oder eine Textzeile, in der sie sich selbst wiederfinden. Außerdem hoffe ich, dass die Hörer erkennen, dass wir keine Angst davor haben, Risiken einzugehen. Dieses Album verbindet Modern Metal, cineastische Arrangements, elektronische Einflüsse und große Melodien. All diese Elemente sind jedoch nur aus einem einzigen Grund vorhanden: Sie sollen den jeweiligen Song bestmöglich unterstützen. Wenn jemand nach dem letzten Song denkt: „Ich wusste überhaupt nicht, was mich erwartet, aber diese Band besitzt eine ganz eigene Identität“, dann haben wir genau das erreicht, was wir uns vorgenommen haben.

Gleichzeitig ist dies unser Debütalbum und ich glaube, dass jede erste Platte immer auch ein Lernprozess ist. Während des Songwritings, der Aufnahmen und der gesamten Produktion lernt man unglaublich viel. Wir haben dabei auch über uns selbst als Musiker und Songwriter eine Menge erfahren. Rückblickend gibt es bereits Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie künftig noch besser machen können – und genau das empfinde ich als motivierend und nicht als frustrierend. Die gute Nachricht ist, dass wir bereits am zweiten Album arbeiten. Nachdem wir nun die Identität von A COLD PARADISE geschaffen haben, können wir mit deutlich mehr Selbstvertrauen nach vorne blicken. Die musikalische Richtung ist heute klarer denn je. Wir werden die Ideen dieses Debüts konsequent weiterentwickeln, die elektronischen und cineastischen Elemente noch stärker ausbauen und gleichzeitig den Melodien und Emotionen treu bleiben, die unsere Musik ausmachen. Dieses Debüt bildet das Fundament. Das zweite Album wird kein Richtungswechsel sein, sondern die konsequente, stärkere und fokussiertere Weiterentwicklung all dessen, wofür A COLD PARADISE steht.

Tobias:
Wie sehen die kommenden Monate für A COLD PARADISE aus? Dürfen sich eure Fans auf eine Tour freuen und wird man euch in naher Zukunft auch auf deutschen Bühnen erleben können?

Antonio:
Auf jeden Fall! Die kommenden Monate werden für uns unglaublich spannend. Zur Veröffentlichung unseres Debütalbums gehen wir im September auf unsere zweite kleine Headliner-Tour durch Deutschland. Bereits im März dieses Jahres haben wir unsere ersten eigenen Konzerte gespielt und es war ein großartiges Gefühl zu sehen, dass rund 200 Menschen gekommen sind, um eine völlig neue Band zu unterstützen. Das hat uns noch einmal zusätzlich motiviert, A COLD PARADISE Schritt für Schritt weiter aufzubauen.

Dieses Mal spielen wir am 18. September in Donauwörth und am 19. September in Villingen-Schwenningen – gemeinsam mit unseren Freunden von Tales Of Tomorrow und Drop Damage. Das wird die perfekte Gelegenheit sein, das neue Album erstmals live zu präsentieren und den Menschen zu zeigen, wofür A COLD PARADISE auf der Bühne wirklich steht. Unsere Liveshow besteht nämlich nicht nur daraus, die Songs zu spielen. Wir möchten ein Gesamterlebnis schaffen – mit energiegeladenen Performances, Choreografien, Kostümen und einer cineastischen Atmosphäre. Über den September hinaus ist unser Ziel ganz klar: Wir möchten A COLD PARADISE auf so viele Bühnen wie möglich bringen. Wir würden unglaublich gerne auf Festivals spielen, größere Tourneen begleiten und uns Schritt für Schritt in Deutschland und ganz Europa etablieren. Uns ist bewusst, dass die Konkurrenz groß ist, aber wir sind bereit, hart für jede einzelne Chance zu arbeiten.

Tobias:
Vielen Dank für deine Zeit und das Interview! Ich wünsche dir und der Band viel Erfolg mit „A Cold Paradise“. Die letzten Worte gehören natürlich dir.

Antonio:
Zunächst einmal vielen Dank, Tobias, für die großartigen Fragen und dafür, dass du uns die Möglichkeit gegeben hast, A COLD PARADISE deinen Leserinnen und Lesern vorzustellen. Es hat wirklich großen Spaß gemacht. An alle, die dieses Interview gelesen haben: Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit genommen habt, uns kennenzulernen. Wenn ihr neugierig auf Modern Metal mit großen Melodien, cineastischen Klangwelten und jeder Menge Energie seid, dann hoffe ich sehr, dass ihr unserem Album eine Chance gebt. Wir haben unser ganzes Herzblut in diese Platte gesteckt und ich bin überzeugt, dass jeder, der ehrliche, emotionale und kraftvolle Musik liebt, darin etwas für sich entdecken kann.

Wenn euch gefällt, was ihr hört, dann unterstützt eine junge Band am besten, indem ihr unsere Musik teilt, zu unseren Konzerten kommt oder euren Freunden von uns erzählt. Das macht einen viel größeren Unterschied, als viele Menschen vielleicht glauben. Und natürlich würden wir uns freuen, euch im September auf unserer Release-Tour zu sehen. Wir spielen am 18. September in Donauwörth und am 19. September in Villingen-Schwenningen – gemeinsam mit Tales Of Tomorrow und Drop Damage. Kommt vorbei, sagt nach der Show Hallo. Wir freuen uns immer darauf, die Menschen kennenzulernen, die unsere Musik unterstützen. Noch einmal vielen Dank für euren Support. Ich hoffe, dass dies erst der Anfang einer langen Reise für A COLD PARADISE ist.

See you on the Road!
Antonio Calanna
A COLD PARADISE

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: A COLD PARADISE/Promo