NEPHILA
Titel: HULDRA
Label: Majestic Mountain Records
Spieldauer: 38:14 Minuten
VÖ: 28. August 2026
Musik bildet. Ich weiß jetzt, wer Huldra ist. Oder eine davon. Irgendwie dachte ich schon an die Folklore Skandinaviens. Ich erwartete eigentlich, eine Göttin aus dem Umkreis von Thor kennenzulernen. Weit gefehlt. Eine Huldra ist ein Naturgeist der nordischen Folklore. Meist eine wunderschöne Waldfee mit langen blonden Haaren, betört sie Männer mit ihrem Gesang und bringt sie vom Weg ab. Dabei versteckt sie ihren Schweif, der je nach Region dem einer Kuh oder eines Fuchses ähnelt. Huldras gelten als Schutzgeist der Köhler, wachen über deren Meiler und wecken die Köhler bei Gefahr. Wirft oder schießt ein Mann eiserne Gegenstände über den Kopf einer Huldra, muss er sie heiraten. Bei liebevoller Behandlung bringt sie Kindersegen und Reichtum, bei schlechter Behandlung verwandelt sich die Huldra in eine hässliche und boshafte Furie. Manche Sagen berichten von Huldras, die Männer verführen und jene, die sie sexuell befriedigen konnten, belohnen, die anderen jedoch töten. Dies und mehr ist zu erfahren, einfach nur auf der einschlägigen Wissensseite.
Nach ihrem starken Debüt von 2021 war es lange still um die schwedische Truppe NEPHILA. Das dort enthaltene ´Belladonna´ war für mich einer der Songs des Jahres. Und auch das neue Werk macht mir unheimlich Laune. Mit „Huldra“ schenken sie uns ein Album, das von genau diesen mystischen Wesen erzählt.
NEPHILA verbinden geschickt ihre Einflüsse aus Hard Rock, Psychedelia, Folk und Pop. Ich würde es als gelungene und eingängige Mischung aus Deep Purple, Procol Harum und ABBA beschreiben. Letzteres vor allem auch wegen der beiden starken Sängerinnen, Josephine Asker und Linn Edlund.
Pompös und getragen gelingt der Einstieg. ´Mother Of The Woods´ fesselt. Vor allem mit diesen wunderbaren Harmoniefolgen, dem ausladenden Chorus und diesem wundervollen Gitarrensolo. Mit dem fetten 70er Groove hat die Band mich danach endgültig ´In Her Hand´. Darunter liegt diese fette Hammond, die einen in andere Zeiten entführt. ´TheHidden Folk´ hat einen dieser schönen poppigen Refrains. Das rasante ´Ash Their Bones´ weckt Erinnerungen an das Debüt der Blues Pills. Das instrumentale ´Capercailles Hymn´ hat was von nordischen Tanzweisen zum Mittsommer. Zumindest spüre ich darin diese Freude.
Der folgende Titelsong ist dann das düstere Pendant. Der Tanz der Hexen in der Walpurgisnacht, okkult, magisch und doch bezaubernd. EIne der schönsten Balladen des laufenden Jahres ist ganz sicher ´Solar Eclipse´. Dafür hat ´The Living Grave´ einen Hauch Southern Rock. Fahren wir halt nicht durch Alabama sondern durch das Värmland. Auch ´F.I.N.N.´, das letzte Stück rockt amtlich durch die Gehörgänge.
Mit „Huldra“ haben NEPHILA alles richtig gemacht. Dass die Aufnahmen stellenweise unter keinem guten Stern standen, durch personelle Veränderungen etwa oder die Insolvenz des ursprünglichen Labels, das hört man in keiner Weise. Im Gegenteil. Mir scheint die Band ob der Umstände sogar noch stärker, als ohnehin. Was mir jetzt noch fehlt? NEPHILA einmal hier bei uns Live zu erleben. Bis dahin huldige ich eben daheim der ´Mother Of The Woods´.
Mario Wolski vergibt 9 von 10 Punkten


