A COLD PARADISE
Titel: A COLD PARADISE
Label: Perception (RPM)
Spieldauer: 38:19 Minuten
VÖ: 28. August 2026
Als Antonio Calanna seinen Abschied von ALL FOR METAL bekannt gab, war ich ehrlich gesagt ziemlich überrascht. Gerade seine markante und großartige Stimme gehörte für mich zu den Dingen, die diese Band so besonders machten. Umso größer war meine Freude, als bekannt wurde, dass er mit A COLD PARADISE ein neues musikalisches Kapitel aufschlägt. Entsprechend gespannt bin ich auf das selbstbetitelte Debütalbum. Die 2025 gegründete italienische Modern-Metal-Band veröffentlicht ihr Debüt am 28. August über Perception – powered by Reigning Phoenix Music. Produziert wurde das Album von Jarno Bellasio, während Nat Enemede für das stimmungsvolle Cover-Artwork verantwortlich zeichnet. In der Info zum Album wird die Band so beschrieben:
„A COLD PARADISE verbindet Modern Metal mit atmosphärischen Klangwelten, großen Melodien und emotionaler Tiefe. Schwere Riffs treffen auf cineastische Arrangements und gezielt eingesetzte Elektro-Elemente, die den Songs zusätzliche Intensität verleihen. Zwischen Verletzlichkeit und brachialer Kraft entsteht dabei ein moderner Sound, der sich stilistisch irgendwo zwischen Alternative Metal, Metalcore und melodischem Modern Metal bewegt, ohne dabei seine eigene Identität zu verlieren.“
Neben Antonio Calanna am Mikrofon gehören Paolo Avanzini (Gitarre, Vocals), Luca Birocco (Gitarre), Fortunato De Negri (Bass) und Daniele Motta (Drums) zur Band. Gemeinsam präsentieren die fünf Musiker auf ihrem Debüt zwölf Songs, die sich mit persönlichen Kämpfen, Selbstreflexion und dem Wunsch nach Veränderung beschäftigen. Ich gebe allerdings offen zu, dass mich die angekündigten Elektro-Elemente etwas skeptisch machen – nun ist es an A COLD PARADISE mich zu überzeugen. Also Lautsprecher an und los geht die Reise mit dem Opener ‚Here I Rise‘, so heißt die Nummer, passenderweise.
Antonio über den Song:
„‚Here I Rise‘ ist ein Statement. Nach unseren ersten Liveshows haben wir die Verbindung mit dem Publikum gespürt und wussten, dass das erst der Anfang ist. Dieser Song fängt genau das ein, wofür A COLD PARADISE stehen: den Willen zu wachsen, aufzusteigen und Emotionen in etwas Kraftvolles zu verwandeln. Er ist roh, energiegeladen und kompromisslos intensiv.“
Los geht’s mit ‚Here I Rise‘ – und ja, zunächst einmal mit etwas „Elektro-Gefrickel“. Das stört mich hier jedoch überhaupt nicht, denn ich mag den Druck, den die Nummer im weiteren Verlauf entfacht. Genau das ist die Art von Modern Metal, die ich hören möchte: kraftvoll, eingängig und mit ordentlich Wucht. So darf es gerne weitergehen! ‚Are You Holding Me Back?‘ beginnt ähnlich, kommt insgesamt aber nicht ganz so knackig angeschossen. Dennoch bewegt sich der Song in dem Bereich, der an diesem Genre Bock macht: technisch, unberechenbar und energiegeladen. In ‚The Prettiest Girl On Earth‘ nehmen A COLD PARADISE den Fuß keineswegs vom Gaspedal. Sie kredenzen Tempo, Druck und Breakdowns, während Antonio mit seiner markanten Stimme der Geschichte zusätzlich Nachdruck verleiht. In ‚El Perdón‘ wagen sich A COLD PARADISE an den internationalen Megahit von Nicky Jam und Enrique Iglesias. Sie transferieren den Latin-Pop-Charakter in eine härtere Nummer, die absolut stimmig für ihren modernen Metal-Sound ist – Urlaubsgefühle inklusive. Happy Vibes hat ‚Once Upon A Dream‘ in seiner DNA. ‚Is It Really Over?‘ ist eine 74 Sekunden lange Brücke zum kämpferischen ‚Claws Of The Lion‘, das mit einer starken Gitarrenpassage punktet und ohnehin zu den Hits der Scheibe gehört. Nach der Power-Ballade ‚Kill U Softly‘ ist ‚Impatient‘ der erste Song, der ohne die Elektro-Vibes in meiner Bewertung besser weggekommen wäre, denn die braucht das Lied definitiv nicht. ‚Talking To The Moon‘, ‚Waking Up‘ und das sanfte, stellenweise fast schon kitschige ‚Your Lullaby‘ beschließen das Debütalbum von A COLD PARADISE.
Modern Metal mit ausgeprägten Elektro-Vibes gehört normalerweise nicht zu den Favoriten in meinen Playlisten. Wenn man Antonio Calanna zudem von ALL FOR METAL kennt, fällt es zunächst nicht leicht nachzuvollziehen, warum er diesen Schritt gegangen ist. Nach dem Hören des Albums wird das allerdings verständlicher, denn hier kann er andere kreative Ideen verwirklichen und einen anderen musikalischen Fokus setzen. Nicht jede Elektro-Spielerei hat mich überzeugt, und an der einen oder anderen Stelle wäre für meinen Geschmack etwas weniger mehr gewesen. Dem gegenüber stehen druckvolle Songs, starke Breakdowns, eingängige Melodien und eine abwechslungsreiche Platte, die zeigt, dass A COLD PARADISE ihren eigenen Weg gehen wollen. Fans von ALL FOR METAL sollten dem Album trotz der stilistischen Unterschiede unbedingt eine Chance geben, denn hier lernen sie eine andere, aber durchaus interessante Seite von Antonio Calanna kennen. Ein gelungenes Debüt, das Lust darauf macht, wohin die Reise als Nächstes geht.
Tobi Stahl vergibt 7,5 von 10 Punkten


