Nach zehn Jahren ohne neues Studioalbum schlagen FEJD mit „Nifelheim“ (Release am 21. August 2026) ein neues Kapitel auf. Im Gespräch spricht Esko Salow über die lange Entstehungszeit der Platte, die Herausforderungen nach dem Ausstieg des E-Gitarristen, den kreativen Prozess innerhalb der Band und darüber, warum es FEJD trotz der langen Pause nie an Ideen oder Inspiration gefehlt hat. Außerdem verrät er, welche Bedeutung die nordische Mythologie heute noch für die Band besitzt, weshalb die schwedische Sprache ein unverzichtbarer Teil ihrer Identität bleibt und warum die Arbeiten am nächsten Album bereits in den Startlöchern stehen.
Tobias:
Hallo Esko! Herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung von „Nifelheim“. Zehn Jahre sind seit „Trolldom“ vergangen. Wie fühlt es sich an, endlich wieder ein neues FEJD-Album mit euren Fans teilen zu können?
Esko:
Es ist wirklich fantastisch und ein großartiges Gefühl, endlich wieder neue Musik mit unseren Fans teilen zu können.
Tobias:
Zehn Jahre sind im Musikgeschäft eine kleine Ewigkeit. Was waren die entscheidenden Gründe für diese lange Pause und gab es Momente, in denen ihr selbst nicht wusstet, ob es überhaupt noch einmal ein neues FEJD-Album geben würde?
Esko:
Nein, eigentlich nicht. Auch wenn wir lange kein Album aufgenommen haben, waren wir die ganze Zeit über aktiv – sowohl beim Songwriting als auch auf der Bühne. Deshalb fühlt es sich für uns gar nicht so lange an, wie es tatsächlich gewesen ist.
Natürlich hatten wir in diesen Jahren alle unsere Höhen und Tiefen, und das hat uns stärker ausgebremst, als wir zunächst gedacht hatten. Hinzu kam, dass wir uns von Ewo (E-Gitarre) getrennt haben. Einige Songs waren ursprünglich mit einer E-Gitarre im Hinterkopf geschrieben worden, sodass wir zunächst einen Weg finden mussten, diese Stücke entsprechend umzugestalten.
Tobias:
Wenn man „Nifelheim“ hört, hat man nie das Gefühl, dass ihr zehn Jahre weg wart. Im Gegenteil – das Album klingt frisch, inspiriert und gleichzeitig unverkennbar nach FEJD. Wie seid ihr an das Songwriting für dieses Comeback herangegangen?
Esko:
Wie bereits erwähnt, waren wir nie wirklich weg. Wir haben ganz normal weitergespielt und Songs geschrieben, so wie wir es schon immer getan haben. Tatsächlich haben wir inzwischen sogar genug Material, um sofort mit den Arbeiten an einem weiteren Album zu beginnen. Es mangelt uns weder an Riffs noch an Ideen oder Inspiration. Die größte Herausforderung besteht vielmehr darin, gemeinsam genügend Zeit zu finden, um alles umzusetzen.
Jeder von uns hat neben der Band auch ein normales Leben mit Verpflichtungen, die Zeit und Aufmerksamkeit verlangen. Gleichzeitig gibt uns das neue Album das Gefühl, wiedergeboren zu sein. Die Motivation innerhalb der Band ist derzeit größer denn je.
Tobias:
Mit dem Titelsong ‚Nifelheim‘ eröffnet ihr das Album eindrucksvoll und führt den Hörer direkt in die Welt der nordischen Mythologie. Warum war gerade dieser Song für euch der perfekte Opener und was bedeutet Nifelheim für euch persönlich?
Esko:
‚Nifelheim‘ war einer der letzten Songs, die wir für das Album geschrieben haben, gleichzeitig basiert die Grundidee auf einer der ältesten Kompositionen aus Patriks Fundus. Die ursprüngliche Idee zu ‚Nifelheim‘ stammt aus einem Thrash-Metal-Song, den Patrik bereits Anfang der 2010er-Jahre geschrieben hatte. Mit einigen Anpassungen hatten wir das Gefühl, dass sich daraus der perfekte Opener für dieses Album entwickeln ließ. Außerdem wollten wir gleich zu Beginn zeigen, dass wir auch ohne E-Gitarren problemlos einen schweren und kraftvollen Song schreiben können.
Tobias:
Die nordische Mythologie und schwedische Folklore ziehen sich seit jeher durch eure Musik. Was fasziniert euch nach all den Jahren noch immer an diesen Geschichten und wie entscheidet ihr, welche Mythen oder Sagen ihren Weg auf ein neues FEJD-Album finden?
Esko:
Die Texte entstehen bei uns meistens als Letztes. Wenn wir schließlich an den Punkt kommen, Worte für die Musik zu finden, ergibt sich das Thema meist ganz von selbst. Der Song gibt uns dabei eine bestimmte Richtung vor. Gleichzeitig geht es nicht immer nur um Mythen und Sagen. Manchmal handeln unsere Texte auch von bestimmten Orten oder von ganz persönlichen Themen.
Tobias:
Eure Texte sind komplett auf Schwedisch geschrieben. Für eure schwedischen Fans ist das selbstverständlich, viele Hörer aus anderen Ländern – mich eingeschlossen – verstehen jedoch leider die schwedische Sprache nicht. Wie wichtig ist es euch, dass die Geschichten und Botschaften hinter den Songs trotzdem verstanden werden? Könnt ihr euch vorstellen, künftig offizielle Übersetzungen oder Hintergrundinformationen zu euren Texten bereitzustellen?
Esko:
Das haben wir tatsächlich zu Beginn gemacht. Damals haben wir Übersetzungen angefertigt und auf unserer Website veröffentlicht. Schwedisch fühlt sich für uns einfach natürlich an. Es gibt viele Wörter und Formulierungen, die sich nicht sinnvoll ins Englische übersetzen lassen. Das würde sich weder richtig anfühlen noch den eigentlichen Inhalt korrekt wiedergeben. Manche Passagen haben eine Bedeutung, die sich ohne zusätzliche Erklärungen oder Anmerkungen gar nicht vollständig übersetzen lässt.
Tobias:
Auch wenn ich die Texte sprachlich nicht verstehe, transportieren Songs wie ‚Nifelheim‘ oder ‚Svarta Tjärn‘ unglaublich viele Emotionen. Glaubst du, dass Musik manchmal stärker sein kann als Sprache und Gefühle auch ohne jedes verstandene Wort beim Hörer ankommen?
Esko:
Absolut. Musik ist eine universelle Sprache. Selbst wenn man kein einziges Wort versteht, sprechen die Gefühle oft für sich.
Tobias:
Mit ‚Einar Blå‘ findet sich auf dem Album auch ein rein instrumentales Stück, das die traditionellen Folk-Instrumente besonders in den Mittelpunkt rückt. Welche Bedeutung haben solche Instrumentalstücke für FEJD und wie entstehen sie?
Esko:
Instrumentale Ausflüge waren schon immer ein wichtiger Bestandteil unserer Musik. Bereits auf unseren ersten Demo-EPs gab es Instrumentalstücke und seitdem findet sich auf jedem Album mindestens eines. Für mich ist das eine andere Art, eine Geschichte zu erzählen. Man lässt die Musik selbst sprechen und gibt den Hörern die Möglichkeit, mit ihrer eigenen Fantasie ihre ganz persönliche Geschichte entstehen zu lassen.
Tobias:
Bemerkenswert ist die personelle Kontinuität eurer Band. Auch nach 25 Jahren besteht FEJD im Kern noch aus den Musikern, die die Band gegründet haben. Was ist euer Geheimnis für diese außergewöhnliche Beständigkeit?
Esko:
Ich weiß nicht, ob es dafür wirklich ein Geheimnis gibt. Wir hatten im Laufe der Jahre unsere Meinungsverschiedenheiten – die Götter wissen das nur zu gut. Wir streiten uns, aber am Ende finden wir immer eine Lösung. Wir sind nicht immer einer Meinung, aber ich glaube, das ist wie in jeder Beziehung. Man muss daran arbeiten und darf nicht zu schnell aufgeben. Musikalisch passen wir hervorragend zusammen und verstehen uns sehr gut. Und wenn einer von uns eine schwierige Zeit durchmacht, versuchen wir, uns gegenseitig zu unterstützen.
Tobias:
Eine Veränderung gab es allerdings: Gitarrist Per-Owe Solvelius gehört inzwischen nicht mehr zur Band. Möchtest du erzählen, warum sich eure Wege getrennt haben und weshalb ihr euch entschieden habt, als Quintett weiterzumachen?
Esko:
Die Kommunikation hat einfach nicht mehr funktioniert. Per-Owe (Ewo) und der Rest der Band hatten unterschiedliche Vorstellungen und irgendwann waren wir an einem Punkt angekommen, an dem es keine gemeinsame Lösung mehr gab. Wir haben alles offen besprochen und uns schließlich entschieden, so weiterzumachen wie vor Ewos Einstieg. Sollten wir in Zukunft wieder Songs mit E-Gitarre machen wollen, wissen wir, dass Patrik diese problemlos selbst einspielen kann. Und ansonsten sind auch Thomas und Lennart hervorragende Gitarristen.
Tobias:
„Nifelheim“ wirkt auf mich wie ein natürlicher Neustart, ohne eure Wurzeln zu verleugnen. Hattet ihr beim Schreiben bewusst das Ziel, FEJD weiterzuentwickeln, oder ist diese Entwicklung ganz automatisch entstanden?
Esko:
Ich glaube, diese Entwicklung ist ganz natürlich entstanden. Die Songs sind über einen sehr langen Zeitraum hinweg geschrieben worden, deshalb denke ich nicht, dass sich unsere Art zu komponieren grundlegend verändert hat. Wir haben lediglich den Basssound etwas angepasst, um den Wegfall der verzerrten Gitarren auszugleichen. Ansonsten klingen wir einfach so, wie FEJD eben klingt.
Ich denke, der größte Unterschied auf diesem Album besteht darin, dass wir sehr genau wussten, wie wir selbst klingen möchten. Unser Ziel war ein Sound, der genauso klingt wie im Proberaum – und nicht so, wie andere glauben, dass FEJD klingen sollten.
Tobias:
Nach zehn Jahren Pause warten viele Fans natürlich darauf, die neuen Songs endlich live erleben zu können. Welche Stücke von „Nifelheim“ werden den Weg auf die Bühne finden?
Esko:
Eigentlich war es keine Pause – zehn Jahre ohne neues Album trifft es wohl eher. 😉 – das stimmt, sorry dafür. (Anm. des Autors)
Der Plan ist, früher oder später alle Songs live zu spielen.
Momentan haben wir bereits vier Stücke des neuen Albums im Live-Set. Welche Songs wir spielen, hängt natürlich auch von der Länge des jeweiligen Konzerts ab. Bei längeren Shows werden sicherlich noch weitere hinzukommen. Die größte Herausforderung ist eher, ältere Songs aus dem Programm zu nehmen – vor allem, wenn unser gesamter Katalog eigentlich nur aus Hits besteht.
Tobias:
Mit „Nifelheim“ habt ihr eindrucksvoll bewiesen, dass FEJD nichts von ihrer Faszination verloren haben. Welche Bedeutung hat dieses Album für euch persönlich innerhalb eurer inzwischen 25-jährigen Bandgeschichte?
Esko:
Zuallererst ist es eine große Erleichterung, dass das Album endlich veröffentlicht wurde.
Eigentlich wollten wir es schon vor rund sechs Jahren herausbringen. Es war nie als Jubiläumsalbum zum 25-jährigen Bestehen gedacht. Vielmehr hatten wir einfach das Gefühl, dass es endlich erscheinen musste, bevor noch ein weiteres Jahr vergeht.
Ich kann nur hoffen, dass wir auf das nächste Album nicht wieder so lange warten müssen.
Unsere Fans haben in all den Jahren unglaublich viel Geduld bewiesen und dafür sind wir ihnen auf ewig dankbar.
Tobias:
Wie sehen die kommenden Monate für FEJD aus? Dürfen sich eure Fans auf Festivals, Konzerte oder vielleicht sogar eine größere Tour freuen?
Esko:
Da „Nifelheim“ erst relativ spät im Jahr erscheint, richtet sich unser Hauptfokus bereits auf 2027. In diesem Jahr stehen noch einige Konzerte an. Im August spielen wir beim Månegarm Open Air und im September eine Release-Show in Göteborg gemeinsam mit unseren Freunden von GRIMNER, die ebenfalls ein neues Album veröffentlichen. Für Februar 2027 sind außerdem Auftritte beim Cernunnos Pagan Festival in Paris sowie beim Heathen Strikes Over Brno in Tschechien geplant. Darüber hinaus laufen bereits Gespräche über Konzerte in Polen im weiteren Verlauf des Jahres 2027. Alles Weitere wird sich nach und nach ergeben.
Tobias:
Bevor wir zum Ende kommen: Haben wir aus deiner Sicht alles Wichtige rund um „Nifelheim“ angesprochen oder möchtest du unseren Leserinnen und Lesern noch etwas mit auf den Weg geben?
Esko:
Ich denke, wir haben das Wichtigste abgedeckt. Falls nicht, bist du jederzeit mit weiteren Fragen willkommen. Und natürlich hoffe ich, dass ihr euch euer eigenes Exemplar von „Nifelheim“ sichert. Eure Unterstützung bedeutet uns wirklich alles.
Tobias:
Vielen Dank für deine Zeit und das Interview! Ich wünsche euch viel Erfolg mit „Nifelheim“. Die letzten Worte gehören natürlich dir.
Esko:
Vielen Dank, Tobias! Wir hoffen, schon bald wieder auf Deutschlands Straßen unterwegs zu sein und unsere deutschen Fans live zu sehen.
Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Anna Lynx

