MOTÖRHEAD
Titel: KISS OF DEATH (20TH ANNIVERSARY EDITION)
Label: BMG
Spieldauer: 98:45 Minuten
VÖ: 03. Juli 2026
Ich erinnere mich, als sei es gestern gewesen: Beginn der Sommerferien 2006. Gerade zum zweiten Male die achte Klasse durchgepaukt und endlich – mit Hängen und Würgen – bestanden, ging’s nach der Zeugnisausgabe mit Mutti direkt zum Mainzer Kartenhäuschen, um die versprochenen Tickets für die just angekündigte Tournee im Spätjahr abzuholen. Am nächsten gelegener Tourstopp: Trier, gute 120 Kilometer Fahrtweg. Doch Vater hält sein Wort und am 9. Dezember 2006 soll das Konzert auf der Deutschlandtour zu „Kiss Of Death“ mein Leben für immer verändern. Meine Entscheidung, als Instrument endgültig den Bass auszuwählen, erleichtern. Als wäre dem nicht genug, ist in diesem Sommer sämtliche Musikpresse – gerade wurde beim Rock Hard frisch ein Abo vom Taschengeld abgeschlossen – voll mit Lobeshymnen zur „neuen MOTÖRHEAD“. Und dann schaffe ich es zu allem Überfluss sogar – wie auch immer – noch Wochen vor Release an die Songs zu kommen. Die Ferien waren jedenfalls gerettet und „Kiss Of Death“ wurde zum Dauerbrenner beim Sommerpicknick mit Freunden bei ausgeglichener Schonkost und Sprudel ;-).
Es wirkt fast surreal und zeigt hemmungslos das eigene Altern auf, dass diese Geschichten mittlerweile 20 Jahre auf dem Buckel haben; und nun zum Jubiläum groß gefeiert wird. Schon mit dem Opener ´Sucker´ knallt uns das Trio einen schonungslosen Hammer vor den Latz, der sich gewaschen hat. Von düsteren, metallischen Stampfern wie ´Living In The Past´ über rockige Nummern wie ´One Night Stand´ bis hin zu geradezu fröhlichen Tracks a lá ´Christine´ oder einem klassischen Lemmy Aufreißer Song wie ´Be My Baby´. Doch mein unangefochtener Favorit auf „Kiss Of Death“ wird stets ´God Was Never On Your Side´ bleiben, denn eine bessere und ernstere (Halb-)Ballade hat Mr. Kilmister – auch wenn ´Till The End´ („Bad Magic“, 2015) gefährlich nah dran kommt – nie geschrieben. Erinnerungen über Erinnerungen, da fließt manchmal auch schon mal ein Tränchen beim Anhören.
Als Bonus gibt’s einen Livemitschnitt vom Lowlands Festival aus Biddinghuizen im August 2007, wo nicht nur die üblichen Kracher im Fokus stehen und mit ´Snaggletooth´ (von „No Remorse“, 1984) ein sehr rarer Song direkt als Opener herhält (das muss scheinbar eine sehr kurze Zeitspanne gewesen sein und ich kann mich nicht dran erinnern, den jemals live gehört zu haben…). Neben seinerzeit brandaktuellen Songs wie ´One Night Stand´ oder ´Be My Baby´ schmuggelte Lemmy damals auch gerne ´I Got Mine´ von „Another Perfect Day“ (1983) ins Set; ich erinnere mich dank Trier auch an eine ´Rosalie´ Coverversion von Thin Lizzy; passt ja bezüglich Brian Robertson. Auch die Single B-Seite ´Over The Top´ war in den 2000ern live immer wieder eine heiße Nummer. Von den „großen Hits“ ist hier schlussendlich nur ´Killed By Death´ und – Überraschung! – ´Ace Of Spades´ enthalten. Der Soundqualität hat natürlich gut Dampf und ist druckvoll abgemischt; mit gut hörbarem Bass. MOTÖRHEAD waren eben eine Liveband; und es tut mittlerweile in der Seele weh, sich auf Archive stürzen zu müssen.
Butter bei die Fische: Nach dem schon überragenden Vorgänger „Inferno“ zwei Jahre zuvor setze das Trio in ihrem zweiten Frühling einen weiteren Hochkaräter drauf, der bei jedem Durchlauf selige Jugenderinnerungen aufblitzen lässt. Auf der CD Version sind noch drei weitere Bonustracks enthalten: das legendäre METALLICA Cover ´Whiplash´ – nur in den wirklich allerwenigsten Fällen ist eine Coverversion besser als das Original, doch Chef hat’s damals gepackt – sowie die Huldigung ´R.A.M.O.N.E,S.´ in einer Liveversion sowie einer Neuaufnahme, die mehr noch einmal mehr im Sound der namensgebenden Legende neu eingezimmert wurde. Just in case: REST IN POWER, Lemmy & Phil!!!
Marius Gindra vergibt keine Bewertung


