Du betrachtest gerade FINSTERFORST – Zwischen Stille, Schatten und den Abgründen der menschlichen Seele

FINSTERFORST – Zwischen Stille, Schatten und den Abgründen der menschlichen Seele

  • Beitrags-Autor:

Mit “Still” melden sich FINSTERFORST sieben Jahre nach ihrem letzten Studioalbum eindrucksvoll zurück. Das am 31. Juli 2026 über AOP Records erscheinende Werk verbindet auf knapp 78 Minuten atmosphärischen Black Forest Metal mit Melancholie, monumentalen Arrangements und tiefgründigen Texten über Natur, Krieg, Einsamkeit und die menschliche Psyche. Zwischen gewaltigen Klanglandschaften und einem 24-minütigen Longtrack bleibt sich die Band treu und erweitert ihren eigenen Stil zugleich um neue Facetten. Grund genug, mit Olli und Simon über die Entstehung von “Still”, die lange Zeit seit “Zerfall”, die Bedeutung des Schwarzwalds, die Geschichten hinter den Songs und die Herausforderungen zu sprechen, ein so vielschichtiges Album auf die Bühne zu bringen.

Tobias:
Hallo Olli! Hallo Simon! Erst einmal herzlichen Glückwunsch zu “Still”. Sieben Jahre mussten eure Fans auf ein neues Studioalbum warten. Wie fühlt es sich für euch jetzt an, dieses Kapitel ab dem 31. Juli mit euren Fans und Hörern teilen zu können? Überwiegt die Erleichterung, der Stolz oder vielleicht sogar eine gewisse Nervosität, weil dieses Album doch eine sehr lange Reise hinter sich hat?

Olli:
Hallo Tobias! Ich kann ja in die anderen nicht reingucken, aber bei mir überwiegt auf jeden Fall der Stolz. Ich finde “Still” einfach Bombe – auf ganz vielen Ebenen. Ein bisschen Nervosität ist immer dabei, weil man letztlich erst bei den ersten Gigs nach dem Release zu hören bekommt, wie die Fans das Album finden. Ich muss aber die sieben Jahre relativieren. Natürlich ist es das erste Album seit “Zerfall”, aber unsere EP “Jenseits” war ja auch ein ziemlich fetter Brocken, der ein eigenes Kapitel der Bandgeschichte darstellt. Live ging mit “Zerfall” und “Jenseits” wegen Corona einfach viel zu wenig, insofern fühlt sich “Still” jetzt wie das erste Release unter Normalbedingungen an. Mal gucken, wer sich noch für uns interessiert.

Tobias:
Zwischen “Zerfall” und “Still” liegen sieben Jahre – eine Zeit, in der sich musikalisch, gesellschaftlich und wahrscheinlich auch persönlich vieles verändert hat. Hattet ihr schon kurz nach “Zerfall” eine klare Vorstellung davon, wohin die Reise gehen soll, oder ist “Still” tatsächlich erst nach und nach gewachsen und hat seinen eigenen Weg gefunden?

Simon:
Wie Olli schon gesagt hat, waren diese sieben Jahre alles andere als still. 🙂 In dieser „Pause“ nahm das Kapitel “Jenseits” durchaus sehr viel Zeit und Arbeit in Anspruch. Nebst der Musik tat sich bei uns im privaten Umfeld auch viel. Man wurde älter, Familien wuchsen und auch sonst hatte man mit neuen Gegebenheiten zu tun. “Still” wurde dann erst vor zwei Jahren in die Wege geleitet. Das Songwriting erwies sich hier und da als ziemlich intensiv, aber das Endergebnis ist für uns der Hammer. Eine klare Vorstellung, wohin es mit diesem Album gehen sollte, hatten wir zu Beginn nicht wirklich – eine grobe Richtung oder Vision im Kopf zu haben, reicht aus. Das Gemälde findet dann schon seine Form.

Tobias:
Der Albumtitel besteht lediglich aus einem einzigen Wort – “Still”. Nach mehreren Durchläufen hatte ich allerdings das Gefühl, dass dieser Titel unglaublich viele Bedeutungen annehmen kann. Er steht für Ruhe, für Einsamkeit, für Tod, für Natur, aber manchmal auch für Hoffnung oder Akzeptanz. Welche Bedeutung hat “Still” für euch persönlich und weshalb beschreibt ausgerechnet dieses Wort das Album am besten?

Olli:
Wir stehen einfach auf kurze, prägnante Albumtitel. Das war sonst etwas einfacher, weil wir lyrisch immer ein relativ klares Konzept hatten, was diesmal nicht der Fall ist. Aber “Still” war dann einfach das Wort, das sich aufgrund der von dir genannten Bedeutungen wie eine Klammer um das ganze Ding legen ließ. Persönlich genieße ich gerne Momente der Stille im Sinne von Ruhe und Akzeptanz, allein mit meinen Gedanken, bis der Kopf sich beruhigt. Die Welt ist unheimlich hektisch und häufig rational kaum noch nachzuvollziehen, da braucht das Hirn auch mal Pausen.

Tobias:
Das Cover von Yaroslav Gerzhedovich hat mich irgendwie in seinen Bann gezogen. Es wirkt ruhig und beinahe friedlich, gleichzeitig aber auch geheimnisvoll und bedrückend. Je länger ich das Album gehört habe, desto stärker hatte ich das Gefühl, dass Artwork und Musik eine gemeinsame Geschichte erzählen. Welche Verbindung besteht zwischen dem Cover und den Themen, die sich durch “Still” ziehen?

Olli:
Ich stelle Gegenfragen. Wo ist die Figur? Wo guckt sie hin? Was ist ihr Ziel? Für wen steht sie? Die Songs sind thematisch alle recht offen, es bleibt immer ein gutes Stück Interpretationsspielraum, den auch das Cover anbietet. Auch der Sound hat diese Weite, die aber nur selten beruhigend wirkt. All das hat das Bild für uns einfach perfekt wiedergegeben, sodass wir uns zwischen Yaroslavs bereits bestehenden Werken dafür entschieden haben. Yaroslav hat uns dann noch das Backcover gestaltet und wir waren nicht minder in den Bann gezogen als du.

Tobias:
Ihr beschreibt eure Musik seit vielen Jahren als „Black Forest Metal“. Für Außenstehende klingt das zunächst wie eine Stilbezeichnung. Wenn man sich aber intensiver mit euren Texten beschäftigt, entsteht der Eindruck, dass der Schwarzwald weit mehr ist als nur eure Heimat. Natur scheint bei euch fast zu einem eigenen Charakter zu werden. Welche Rolle spielt diese Landschaft heute noch für eure Musik und euer Denken?

Olli:
Tatsächlich gibt uns die Bezeichnung Black Forest Metal vor allem die Freiheit, uns ohne die Erwartung von Genregrenzen zu entwickeln. Die ganzen anstrengenden Gatekeeper-Diskussionen kennen wir wohl alle, damit fallen die Fakten bei uns einfach weg. Der Schwarzwald ist ja nicht mal meine Heimat (vom Rest allerdings), aber er hat schon etwas sehr Majestätisches und auch Mystisches an sich. Und die Natur ist natürlich (hehe) ein eigener Charakter. Am Ende sind wir doch nur felllose Affen und damit Teil der Natur, egal wie oft wir uns verhalten, als wären wir über sie erhaben. Man merkt es diesen Sommer ja deutlich: Wir haben die Natur nicht im Griff, sondern sind ihr letztlich unterworfen und müssen uns anpassen, wenn wir weiter gut leben wollen.

Tobias:
Beim Hören des Albums ist mir aufgefallen, dass Natur bei FINSTERFORST eigentlich nie romantisiert wird. Wälder, Nebel, Herbst, Wind oder Felsen wirken vielmehr wie Spiegel der menschlichen Seele. Sie erzählen von Angst, Einsamkeit, Hoffnung oder Zerfall. Entsteht diese Verbindung zwischen Mensch und Natur ganz bewusst oder passiert sie beim Schreiben eher intuitiv?

Olli:
Natur ist auch nicht romantisch. Sie ist einfach da. Sie war vor uns da und wird nach uns da sein. Aber da wir hier Kunst und keine wissenschaftlichen Arbeiten schreiben, betten wir sie auf diese Art ein. Mal bewusster, mal intuitiver.

Tobias:
Was mich an “Still” besonders fasziniert hat, ist die Tatsache, dass sich fast jeder Song mit den dunkleren Seiten des Menschen beschäftigt. Isolation, Manipulation, Krieg, Wahnsinn, innere Leere oder die Suche nach Halt ziehen sich wie ein roter Faden durch das Album. Was reizt euch daran, gerade diese menschlichen Abgründe immer wieder zu beleuchten?

Olli:
„Reizen“ ist in der Hinsicht der falsche Begriff. Es ist einfach omnipräsent und beschäftigt mich. In den Texten verarbeite ich Teile davon rational, das Singen beziehungsweise Growlen erledigt den emotionalen Part. Dazu passt es einfach zur Stimmung der Musik, zumindest zu der von mir interpretierten oder erlebten Stimmung.

Tobias:
Gleichzeitig wirken eure Texte nie belehrend. Vieles bleibt offen und lässt Raum für eigene Interpretationen. Gerade das hat mir beim Hören sehr gefallen, weil jeder seine eigenen Bilder im Kopf entstehen lassen kann. Ist euch diese Offenheit wichtig oder gibt es Songs, bei denen ihr durchaus hofft, dass die Hörer eine ganz bestimmte Botschaft erkennen?

Olli:
Für mich persönlich sind die Texte schon eindeutig, aber ich schreibe ja keine Anleitung, sondern Songtexte. Die sollen Bilder und Emotionen entstehen lassen und im besten Fall auch zum Denken anregen, aber nichts vorgeben. Trotzdem glaube ich, dass man schon herauslesen kann, dass wir jetzt eher nicht zur konservativen Fraktion gehören.

Tobias:
‘Obduktion’ ist für mich einer der stärksten Albumopener, die ich in diesem Jahr gehört habe. Der Song beginnt vergleichsweise ruhig und entwickelt sich langsam zu einer enormen Intensität. Gleichzeitig zieht er den Hörer in diese düstere Welt hinein. Warum war gerade ‘Obduktion’ der richtige Einstieg in “Still” und welche Geschichte steckt für euch hinter diesem Stück?

Olli:
Warum ‘Obduktion’ der Opener ist, muss Simon erklären, das ist die Abteilung Musik. Die Geschichte dahinter ist die eines wohnungslosen jungen Mannes, der leider viel zu jung gestorben ist. Ich bin Sozialarbeiter und erlebe so etwas leider immer wieder und es interessiert die Öffentlichkeit nicht wirklich. Also schaffe ich auf diese Art hoffentlich ein bisschen mehr Öffentlichkeit und Bewusstsein dafür, dass es in unserer Gesellschaft chancenlose Verlierer gibt, weil wir uns politisch immer wieder dafür entscheiden, ihnen keine Chancen zu geben.

Simon:
Musikalisch kam kein anderer Song als Opener infrage. Das kurze Intro von ‘Obduktion’ baut sehr kurz und effizient Spannung auf, bevor es dann schwer und langsam losknallt – nichts Schnelles oder Hektisches. Laut, hart und tief – jedem einzelnen Schlag kann hier die volle Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Tobias:
Ein Song, der mich emotional besonders beschäftigt hat, ist ‘Stille Nacht’. Ihr erzählt darin nicht vom Krieg selbst, sondern vielmehr von seinen Folgen für die Menschen. Gerade dadurch wirkt das Stück unglaublich bedrückend und ehrlich. Wie entstand dieser Song und weshalb war es euch wichtig, genau diese Perspektive einzunehmen?

Olli:
Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat mich sehr beschäftigt. Wir haben mehrmals in der Ukraine gespielt und dort Kontakte. Von einem Tag auf den nächsten waren in den sozialen Medien plötzlich Bilder von bekannten Gesichtern in voller Montur oder beim Packen irgendwelcher Hilfsgüter und Ähnlichem zu sehen. Das ist einfach ganz nah dran und der allgegenwärtige Vormarsch nationalistischer Strömungen bedeutet am Ende immer Konflikte zwischen Staaten. Staaten sind aber nicht die in ihnen lebenden Personen, diese werden auf verschiedenste Arten Opfer von Krieg. Mir war es wichtig, die Sinnlosigkeit von Krieg zu verdeutlichen und zu zeigen, wem er letztlich dient: nur sehr wenigen Menschen, die selbst keine Waffe in die Hand nehmen.

Tobias:
Über ‘Leere’ müssen wir natürlich sprechen. 24 Minuten Spielzeit wirken zunächst fast einschüchternd. Nach mehreren Durchläufen hatte ich aber nie das Gefühl, dass der Song künstlich gestreckt wurde. Stattdessen fühlt er sich wie eine Reise durch unterschiedlichste emotionale Zustände an – fast wie ein eigener Film innerhalb des Albums. Mich würde interessieren, wo dieses Stück seinen Ursprung hatte und welche Geschichte ihr mit ‘Leere’ erzählen möchtet.

Olli:
Musikalisch darf Simon ran, diesen Wahnsinn kann nur er erklären. 😉 Der Text ist eigentlich eine Art Fortsetzung von “Jenseits”. Es geht um die Leere, die wir ständig selbst produzieren und überspielen. Wir leben in einer Zeit, in der sich viele sehr damit beschäftigen, wie sie nach außen wirken, während sie innerlich immer leerer werden und sich selbst verlieren. Da der Song ja ein bisschen länger ist, habe ich verschiedene Geschichten erzählt, die letztlich alle zu dem Punkt führen, an dem die Leere nicht mehr zu ertragen ist.

Simon:
Sorry, Olli, aber diesen Wahnsinn kann ich auch kaum erklären, haha! Also ‘Leere’ ist nicht der erste etwas längere Track, den ich geschrieben habe. Es existieren ja durchaus längere Beispiele, aber keines davon könnte ich jetzt irgendwie mit dem aktuellen Werk vergleichen. Ich weiß nur, dass ich jedes Mal bei so einem größeren Lied an einen Punkt komme, an dem ich mir selbst zusichern will, so etwas nicht mehr zu schreiben, da es schlichtweg irgendwann sehr anstrengend wird, hehe. Jedoch hat man gesehen beziehungsweise gehört, dass ich hin und wieder dann doch ausarten will oder muss. Ich kann dir leider nicht sagen, wo genau der Beginn von ‘Leere’ war oder was mich da genau angetrieben hat. Es ist jedoch wie immer: Ich habe eine Idee. Egal, ob das anfänglich Gitarren oder ausschließlich ein Schlagzeugrhythmus sind – das ganze Ding ist dann ein großes Puzzle mit sehr vielen Teilchen, die nach und nach durch die mir zufliegende Kreativität entstehen. An manchen Tagen klappt das sehr gut und effektiv, manchmal jedoch gar nicht. Insgesamt gesehen ist der Prozess des Songwritings – egal in welche Richtung – sehr komplex und hier und da schmerzhaft anstrengend. Aber eben auch absolut geil. Und wenn du dann am Ende ein starkes Ergebnis hast, lohnt sich das zu 100 Prozent!

Tobias:
Gerade bei ‘Leere’, aber eigentlich auf dem gesamten Album wechseln sich Growls, Klargesang und teilweise fast gesprochene Passagen immer wieder ab. Als Hörer wirkt das nie zufällig, sondern als würde jede Stimme eine bestimmte Aufgabe übernehmen. Wie läuft dieser kreative Prozess bei euch ab? Entscheidet ihr gemeinsam, welche Emotion welche Stimme transportieren soll, oder entwickelt sich das ganz natürlich während des Songwritings?

Olli:
Simon hat beim Schreiben der Musik schon gewisse Vorstellungen, für manche Stellen sind diese auch sehr genau. Aber beim Großteil bin ich relativ frei und letztlich entscheidet dann das Zusammenspiel aus Musik, Text und spontanen Ideen und Versuchen im Studio, wo genau wir landen. Auch der Klargesang hat diesmal unfassbar viele verschiedene Nuancen in Sachen Stimmung und Emotion, da hat vor allem Hannes echt grandios abgeliefert.

Tobias:
Olli und Johannes ergänzen sich gesanglich hervorragend. Mich würde interessieren, wie diese Zusammenarbeit im Studio konkret aussieht. Arbeitet ihr die Gesangslinien gemeinsam aus, probiert verschiedene Varianten aus oder steht schon während des Komponierens fest, wer welche Passage übernehmen wird?

Olli:
Das ist ähnlich wie bei der Frage vorher. Der Klargesang ist beim Songwriting schon dabei, das schreibt Simon, wobei es im Studio auch immer mal zu kleinen Abweichungen kommt, weil es leicht geändert noch ein bisschen geiler ist. Bei den Growls bin ich eigentlich komplett frei, es gibt nur einzelne Stellen, bei denen vorher klar ist, dass dort zum Beispiel nur wenig Text hin soll. Wer dann was singt, ist anfangs an vielen Stellen noch offen. Wir probieren einfach aus, wer es am geilsten trifft. Da ist zum Glück auch sehr wenig Ego im Spiel, es geht um das Ergebnis.

Tobias:
Ein weiteres Markenzeichen von FINSTERFORST sind natürlich das Akkordeon, die monumentalen Chöre und die orchestralen Arrangements. Sie wirken auf “Still” noch organischer als früher und nie wie bloße Verzierung. Wann entstehen diese Ideen eigentlich? Sind sie bereits Teil der ersten Songskizzen oder wachsen sie erst während der Studioarbeit?

Simon:
All diese Elemente werden auch schon beim Songwriting geschrieben. Im Studio kann es, wie Olli schon gesagt hat, hier und da natürlich zu Veränderungen oder Modifizierungen kommen. Mal muss eine Silbe versetzt werden, dann fügt man noch ein paar andere Stimmen hinzu. Im Aufnahmeprozess nutzen wir auf jeden Fall die Zeit, um noch an Details zu feilen und Sachen auszuprobieren. Aber grundsätzlich steht das Ding vorher fast komplett.

Tobias:
Christoph Brandes begleitet euch inzwischen seit vielen Jahren. Mich würde interessieren, wie eng die Zusammenarbeit heute geworden ist. Ist er mittlerweile fast schon ein zusätzlicher Produzent, der eigene Ideen einbringt, oder versteht er seine Aufgabe eher darin, eure Vision möglichst unverändert einzufangen?

Olli:
Christoph macht auf jeden Fall um einiges mehr, als einfach nur auf Aufnahme zu drücken. Er hat ein sehr gutes Gespür dafür, wann er sich komplett rausnehmen kann und wann er Input geben muss, um uns auf die Sprünge zu helfen. Dabei kommt er dann durchaus auch mit eigenen Ideen, was natürlich ein Geschenk ist, weil er mit so vielen geilen Künstlern zusammengearbeitet hat, dass er wirklich hilfreiche Tipps und Ideen beisteuern kann.

Simon:
Zudem sind wir einfach gut befreundet und wissen, wie wir zusammen arbeiten können. Es macht einfach Spaß mit ihm und die Atmosphäre im Studio ist jedes Mal wunderschön bekloppt, hehe.

Tobias:
Mit ‘Another Brick In The Wall Pt. II’ wagt ihr euch an einen der berühmtesten Songs der Rockgeschichte. Das dürfte viele Hörer zunächst überraschen. Wie entstand die Idee zu diesem Cover und was hat euch daran gereizt, diesen Klassiker so konsequent in eure eigene Klangwelt zu übertragen?

Simon:
Wir hatten zunächst etwas längere Diskussionen innerhalb der Band, als es um die Auswahl des Coversongs ging. Man wollte etwas Klassisches aus der Rockgeschichte und so fiel dann irgendwann die Wahl darauf, da ich mir den Kinderchor aus dem Original gut vorstellen konnte. Ich denke, unsere Interpretation war eine Art Experiment und hat Spaß gemacht. Gegen Ende des Songs lassen wir das Ganze dann noch in eine gewisse Epik ausarten. 🙂

Tobias:
“Still” lebt von unglaublich vielen Details, langen Spannungsbögen und einer dichten Atmosphäre. Gleichzeitig seid ihr eine Band, die von ihren Live-Auftritten lebt. Wie groß ist die Herausforderung, diese Klangwelten auf die Bühne zu bringen? Gibt es Songs, bei denen ihr schon jetzt wisst, dass sie live völlig anders funktionieren werden als auf dem Album?

Olli:
Völlig anders weiß ich nicht, aber ich habe im Moment Probleme, mir die Umsetzung von ‘Leere’ vorzustellen. Ansonsten versuchen wir einen guten Spagat zu schaffen. Die Atmosphäre und der Bombast sollen live schon rüberkommen, aber natürlich soll es auch Live-Energie haben. Wann immer wir regelmäßig spielen, gelingt uns das, glaube ich, auch sehr gut. Nur längere Pausen sind immer schwierig, weil wir aufgrund der Entfernung und unserer privaten Verpflichtungen nicht so wahnsinnig oft proben können.

Tobias:
Stehen rund um die Veröffentlichung bereits Konzerte oder Festivalauftritte fest – außer dem Gig beim Wacken? Und dürfen sich eure Fans darauf freuen, möglichst viele Songs von “Still” schon bald live erleben zu können?

Olli:
Wir hatten eine Pre-Release-Show in Freiburg im Juni, bei der wir ‘Obduktion’, ‘Im Wind’, ‘Herbstwanderung’ und ‘Stille Nacht’ sowie das IMMORTAL-Cover gespielt haben. Also ja, wir spielen die Songs ab jetzt auch live. Nach Wacken ist bis jetzt noch nichts fest geplant, aber wir haben auch gerade erst einen Deal mit Dragon Productions gemacht. Die letzten Jahre waren wir ohne Booking-Agentur unterwegs, wodurch natürlich nicht so viel ging.

Tobias:
Bevor wir zum Ende kommen: Haben wir aus eurer Sicht alle wichtigen Aspekte rund um “Still” angesprochen oder gibt es noch etwas, das euch besonders am Herzen liegt und das ihr unseren Leserinnen und Lesern unbedingt mit auf den Weg geben möchtet?

Olli:
Ich fand das Interview tatsächlich ziemlich tiefgehend und cool, danke! Also nein, wenn wir nicht jeden Takt auf dem Album durchgehen wollen, dann gibt es nichts, was unbedingt noch ergänzt werden muss.

Tobias:
Vielen Dank für eure Zeit und eure ausführlichen Antworten! Die letzten Worte gehören natürlich euch.

Olli:
Vielen Dank für das Interesse! Und allen viel Freude und alle anderen Emotionen, die “Still” bei euch so auslöst. Wir sehen uns hoffentlich bald live – ich hab Bock!

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Oliver König