Mit „Worlds To Conquer“ kehren IRONFLAME mit ihrem sechsten Studioalbum zurück und setzen den Weg fort, den sie seit 2017 konsequent beschreiten. Erneut hat Andrew D’Cagna nahezu alle Aspekte der Produktion selbst übernommen, während die Live-Besetzung zusätzliche Gitarrensoli beisteuert und die Songs auf die Bühne bringt. Im Vergleich zu „Kingdom Torn Asunder“ wirkt das neue Album noch fokussierter, härter und entschlossener, ohne dabei den klassischen Heavy-Metal-Geist zu verlieren, der längst zum Markenzeichen von IRONFLAME geworden ist. Zeit also, in das Königreich zurückzukehren und über Songwriting, Produktion, epische Melodien und das nächste Kapitel von IRONFLAME zu sprechen.
Tobias:
Hallo Andrew! Schön, wieder mit dir zu sprechen – nach unserem Interview zu „Kingdom Torn Asunder“. Herzlichen Glückwunsch zu „Worlds To Conquer“! Wenn du auf die vergangenen zwei Jahre zurückblickst: Wie hat sich das Königreich IRONFLAME seit unserem letzten Gespräch weiterentwickelt?
Andrew:
Hallo Tobias! Schön, ebenfalls wieder mit dir zu sprechen. Bei IRONFLAME läuft eigentlich alles wie gewohnt. Wir stecken mitten in der Konzertsaison und es läuft wirklich gut. Gleichzeitig bereiten wir uns auf die Veröffentlichung des neuen Albums vor und können es kaum erwarten, dass unsere Fans es endlich zu hören bekommen.
Tobias:
Als ich „Worlds To Conquer“ gehört habe, hatte ich sofort das Gefühl, dass das Album noch fokussierter und kraftvoller klingt als sein Vorgänger. War das etwas, das du beim Schreiben der Songs ganz bewusst angestrebt hast?
Andrew:
Vielen Dank für die netten Worte. Deine Meinung bedeutet mir viel und ich weiß das wirklich zu schätzen. Tatsächlich war es eher das Gegenteil. Als ich mit dem Schreiben der Songs begann, wusste ich selbst noch nicht genau, worauf ich hinauswollte. Das eigentliche Konzept hat sich erst während des Songwriting-Prozesses herauskristallisiert. Jetzt, wo das Album fertig ist und ich darauf zurückblicken kann, stimme ich dir zu. Auch ich finde, dass es fokussierter und kraftvoller geworden ist als das vorherige Album.
Tobias:
Zum ersten Mal hast du außerdem das Mixing und Mastering selbst übernommen. Was hat dich dazu bewogen, diese zusätzlichen Aufgaben zu übernehmen, und welchen Einfluss hatte das auf den finalen Sound des Albums?
Andrew:
Lass mich zunächst eine Kleinigkeit zu deiner Frage klarstellen. Tatsächlich habe ich die meisten IRONFLAME-Alben selbst gemischt und gemastert. Lediglich „Kingdom Torn Asunder“ wurde von einem Studio in Deutschland bearbeitet. Alle anderen Alben habe ich selbst gemischt und gemastert.
Das bedeutet aber nicht, dass ich mit dem Ergebnis des vorherigen Albums unzufrieden gewesen wäre – ganz im Gegenteil. Ich war sogar sehr zufrieden damit. Letztlich war es eine finanzielle Entscheidung. Dieses Mal hatte ich schlicht nicht das Budget, um das Mixing und Mastering erneut an jemand anderen zu vergeben.
Allerdings habe ich während der Zusammenarbeit mit dem Studio und dem Toningenieur in Deutschland viel gelernt. Viele der dort verwendeten Techniken habe ich auf „Worlds To Conquer“ angewendet, und ich denke, das hat dem Album enorm geholfen. Es klingt deutlich kraftvoller, und ich glaube nicht, dass es ohne die Tipps und Techniken der Point Break Studios in Köln so druckvoll geworden wäre.
Tobias:
Obwohl du nach wie vor fast alles selbst schreibst und einspielst, fühlt sich IRONFLAME längst nicht mehr wie ein Ein-Mann-Projekt an. Welche Bedeutung haben Jesse Scott, Quinn Lukas, James Babcock und Noah Skiba inzwischen für die Identität der Band?
Andrew:
Es freut mich sehr, dass du das so empfindest. Für mich sind die Live-Mitglieder von IRONFLAME die Band, und ohne sie wäre ich nichts. Sie machen es überhaupt erst möglich, diese Musik in den USA und darüber hinaus auf die Bühne zu bringen. Sie sind allesamt fantastische Musiker – ehrlich gesagt sogar deutlich bessere Musiker als ich selbst. Ich bin unglaublich dankbar, von so talentierten Menschen umgeben zu sein, die meine Musik genauso lieben wie ich und bereit sind, sie gemeinsam mit mir live zu spielen.
Tobias:
Was ich an IRONFLAME besonders schätze, ist, dass jedes Album dem klassischen Heavy Metal treu bleibt, ohne einfach den Vorgänger zu kopieren. Wie findest du die Balance zwischen Beständigkeit und dem Anspruch, jedes Album frisch klingen zu lassen?
Andrew:
Diese Balance zu finden, ist unglaublich schwierig – besonders, je länger eine Band existiert. Als Songwriter führe ich ständig einen inneren Kampf: Einerseits möchte ich die Identität der Band bewahren, andererseits alles dafür tun, mich musikalisch nicht zu wiederholen. Ich achte sehr genau auf Melodien, Riffs, Gesangslinien und ähnliche Dinge. Wie man sich vorstellen kann, wird das mit der Zeit immer schwieriger. Nach allem Feedback, das ich bisher erhalten habe, klingt es aber immer noch nach IRONFLAME – und genau das ist für mich das Wichtigste.
Tobias:
Songs wie ‘Night Closes In’, ‘Legion Of Fire’ und ‘Dynasties Fall’ packen den Hörer sofort mit eingängigen Melodien und treibenden Rhythmen. Was ist für dich persönlich die wichtigste Zutat eines großartigen IRONFLAME-Songs?
Andrew:
Am Anfang lag mein Hauptaugenmerk bei IRONFLAME auf den Gitarrenmelodien. Sie waren auf den ersten Alben die eigentlichen Hooks der Songs. Irgendwann hatte ich jedoch das Gefühl, mich mit dieser Herangehensweise zu wiederholen. Deshalb habe ich meinen Ansatz nach einigen Alben verändert und den Fokus stärker auf die Riffs gelegt. Diese Arbeitsweise nutze ich bis heute. Natürlich spielen Melodien und Harmonien weiterhin eine wichtige Rolle, aber die Songs sind heute nicht mehr so stark von ihnen abhängig wie früher.
Heutzutage dreht sich vieles mehr um das Riff. Ich würde sagen, dass die wichtigste Zutat eines IRONFLAME-Songs heute der Ort ist, an den er den Hörer mitnimmt. Ich versuche, mit meinen Texten möglichst lebendige Bilder entstehen zu lassen. Es geht mir dabei nicht unbedingt darum, eine Geschichte zu erzählen, sondern den Hörer an einen bestimmten Ort, in eine Welt oder eine Atmosphäre zu versetzen und ihm die Möglichkeit zu geben, diese selbst zu entdecken.
Tobias:
Mich hat besonders ‘Valhalla Is Calling’ fasziniert. Der Song erzeugt eine unglaublich dichte Atmosphäre und lässt sofort Bilder der nordischen Mythologie entstehen. Was war die Inspiration hinter diesem Stück?
Andrew:
Mein Gitarrist Jesse begeistert sich schon immer für die nordische Mythologie, und mit ‘Fighting Onward’ haben wir bereits einen Song zu diesem Thema geschrieben. Es ist einer unserer Lieblingssongs für die Bühne, aber seit unserem Debütalbum haben wir diese Thematik nicht mehr aufgegriffen. Die Riffs und Melodien von ‘Valhalla Is Calling’ haben mich an eine kalte nordische Landschaft erinnert – deshalb habe ich mich entschieden, genau darüber zu schreiben.
Außerdem fiel mir auf, dass sich viele Songs über die nordische Mythologie mit den Göttern beschäftigen, während die Walküren nur selten im Mittelpunkt stehen. Deshalb wollte ich ihnen und ihrer Stärke mit diesem Song eine Hommage widmen.
Tobias:
Der Titelsong ‘Worlds To Conquer’ wirkt wie das Herzstück des Albums. Wann war dir klar, dass dieser Song nicht nur der Titeltrack, sondern auch der Name des gesamten Albums werden sollte?
Andrew:
Den Titel ‘Worlds To Conquer’ hatte ich schon lange im Kopf. Der Song ist sehr episch angelegt und fasst viele der Themen zusammen, die sich durch das gesamte Album ziehen. Ursprünglich hatte ich allerdings gar nicht vor, auch das Album so zu nennen. Erst als alle Songs fertig waren, wurde mir klar, dass „Worlds To Conquer“ eigentlich die naheliegendste Wahl war.
Tobias:
Beim Hören des Albums musste ich stellenweise an klassische europäische Heavy-Metal-Bands wie HAMMERFALL denken – vor allem wegen der epischen Melodien. Ist europäischer Heavy Metal ein wichtiger Einfluss für IRONFLAME, oder stammen deine Inspirationen überwiegend aus der amerikanischen Szene?
Andrew:
Ich lasse mich von Bands aus der ganzen Welt inspirieren. Mein größter amerikanischer Einfluss ist ohne Frage SAVATAGE. Gleichzeitig ist aber ebenso offensichtlich, dass viele meiner wichtigsten Einflüsse aus Europa stammen. Darüber hinaus haben mich auch andere Metal-Genres geprägt. Ich bin mit Death Metal, Grindcore und Black Metal aufgewachsen, und gerade die skandinavische Death-Metal-Szene der frühen Neunziger hat mein Songwriting nachhaltig beeinflusst.
Tobias:
Das Album steckt voller Songs, die geradezu nach einer Live-Bühne schreien. Wenn IRONFLAME „Worlds To Conquer“ morgen komplett live spielen würden – welche Songs hätten deiner Meinung nach die größte Wirkung auf das Publikum?
Andrew:
Das Lustige daran ist, dass man nach dem Schreiben eines Albums natürlich versucht vorherzusagen, welche Songs live am besten funktionieren werden. Aus meiner Erfahrung heraus liege ich mit diesen Einschätzungen allerdings nur selten richtig.
Oft sind es gerade die Songs, von denen ich überzeugt bin, dass sie live hervorragend funktionieren werden, die sich auf der Bühne als deutlich schwieriger erweisen als erwartet und dadurch nicht ganz so stark wirken. Umgekehrt passiert häufig genau das Gegenteil: Die Songs, bei denen ich zunächst Bedenken hatte, entwickeln sich live sofort zu echten Highlights und klingen vom ersten Moment an kraftvoll, souverän und überzeugend. Darüber scherze ich regelmäßig mit den anderen Bandmitgliedern, wenn wir neue Songs gemeinsam einstudieren.
Tobias:
IRONFLAME veröffentlichen seit Jahren in bemerkenswerter Regelmäßigkeit neue Alben. Woher kommt diese beständige Kreativität, und verspürst du manchmal den Wunsch, zwischen zwei Veröffentlichungen etwas kürzerzutreten?
Andrew:
Tatsächlich hat sich mein Songwriting in den vergangenen Jahren deutlich verlangsamt. Ich glaube einfach, dass ich meine Veröffentlichungen sehr gut plane und dadurch der Eindruck entsteht, ich würde ständig neues Material schreiben. Die Wahrheit ist jedoch, dass ich seit 2020 gar nicht mehr so viele neue Songs geschrieben habe.
Ich nehme mir ganz bewusst bestimmte Zeiten im Jahr, in denen ich mich ausschließlich auf das Songwriting konzentriere. Früher konnte ich ein IRONFLAME-Album innerhalb weniger Wochen schreiben. Heute dauert dieser Prozess eher mehrere Jahre – und das ist völlig in Ordnung. Ich habe das Gefühl, dass ich heute wesentlich mehr Zeit, Mühe und Herzblut in die Songs investiere als früher, und ich denke, das hört man den neueren Alben auch an. Trotzdem hoffe ich natürlich, dass das nächste Album nicht länger als zwei Jahre auf sich warten lässt.
Tobias:
Wenn du auf euren gesamten Katalog zurückblickst: Wo ordnest du „Worlds To Conquer“ innerhalb der Geschichte von IRONFLAME ein? Ist dieses Album für dich ein weiterer Schritt nach vorne – auch als Songwriter?
Andrew:
Ganz allgemein würde ich sagen, dass jedes IRONFLAME-Album eine kontinuierliche Weiterentwicklung zeigt. Das Debüt klang noch sehr jung, ehrgeizig und experimentierfreudig. Damals hatte ich überhaupt keine Vorstellung davon, wohin sich das Projekt entwickeln würde. Eigentlich war IRONFLAME zu diesem Zeitpunkt nicht einmal eine richtige Band, sondern lediglich ein kleines Spaßprojekt, das schließlich deutlich größer wurde.
Als mir klar wurde, wohin die Reise gehen würde, habe ich jedes weitere Album ernster genommen. Ich denke, diese Entwicklung lässt sich über die Jahre deutlich nachvollziehen. „Worlds To Conquer“ steht für mich aktuell an der Spitze. Dieses Album führt IRONFLAME an Orte, die wir zuvor noch nie betreten haben, und ich glaube, diese Weiterentwicklung ist vom ersten Ton an hörbar.
Tobias:
Bevor wir zum Schluss kommen: Gibt es noch etwas, worüber wir bisher nicht gesprochen haben und das du unseren Leserinnen und Lesern gerne mit auf den Weg geben möchtest?
Andrew:
Ich denke, ich habe alles gesagt. Deine Fragen waren interessant und präzise, und ich weiß die Gelegenheit zu diesem Gespräch sehr zu schätzen. Alles, was ich unseren Leserinnen und Lesern noch mitgeben möchte, ist: Geht gut miteinander um und lasst die Köpfe weiter kreisen. Cheers!
Interview: Tobias Stahl
Photocredit: IRONFLAME

