CASTLE ROCK 2026 – The Final Chapter
DIE LEGENDE VON NORD – SNOW WHITE BLOOD – THE OTHER – TANZWUT – NACHTBLUT – EIGENSINN – WISBORG – HEIMATAERDE – SAGENBRINGER – HAGGEFUGG – ALL FOR METAL – CREMATORY – LORD OF THE LOST
03. & 04. Juli 2026
Mülheim a.d. Ruhr, Schloss Broich
Tag 1: Freitag, 03. Juli 2026
NACHTBLUT – TANZWUT – THE OTHER – SNOW WHITE BLOOD – DIE LEGENDE VON NORD
Das war es also. Das allerletzte Castle Rock Festival in Mülheim, das nach 26 Jahren zum letzten mal seine Mischung aus Gothic, Folk und Metal in der Kulisse des Schloss Broichs und in herzlicher, familiärer Atmosphäre über die Bühne gehen ließ. Das Besondere war vielleicht, dass hier ein Team von Ehrenamtlern über zweieinhalb Jahrzehnte ein hochprofessionelles Festival organsiert hatte und somit eine echte Institution für die regelmäßigen Besucher und auch die Bands schuf. Und so ging keine Band von der Bühne, die sich nicht herzlich von Michael Bohnes, dem Kopf des Festivals, verabschiedet und bedankt hatte.
DIE LEGENDE VON NORD
Die Festivaleröffnung hatten die norddeutschen DIE LEGENDE VON NORD inne, die bereits auf eine ansehnliche Zuschauermenge trafen. Und mit ihrer Mixtur aus groovenden
Folk Metal Parts und atmosphärisch dunklen Klangelementen zogen sie das Publikum schnell auf ihre Seite. Im Mittelpunkt stand dabei Frontmann Emu, der ausgestattet mit reichlich Requisiten, wie Kandelaber, Maske, Zylinder und Fahnen die Blicke auf sich zog und Songs wie “ Alles geht zu Ende“ , dem Hammondorgel-Track “Tanz mit Mir“ oder “ Bösewicht“ tadellos performte. Dass hier (wie so oft) wieder reichlich Keyboards und Geigen zu hören waren, bei einer Besetzung bestehend aus Gitarre, Bass und Schlagzeug, sei verziehen, denn DIE LEGENDE VON NORD unterhielt das Publikum mit ihren melodisch-eingängigen Tracks einfach gut. Kurz gesagt, Mission erfüllt, die Band war einfach ein prima Opener.
SNOW WHITE BLOOD
Danach sorgen die hessischen Symphonic Metaller SNOW WHITE BLOOD für einen ebenso ungewöhnlichen wie
sympathischen Anblick, denn kein Geringerer als Marcus Bischoff (Heaven Shall Burn) verdingt sich hier als Roadie, Kameramann und Wasserträger. Natürlich ganz im Dienste seiner Verlobten Sarah Pfannenschwarz, welche mit ihrer kraftvollen Stimme im Mittelpunkt des Fünfers steht. Orchestrierungen (natürlich aus der Konserve) und harte Gitarren treffen auf opernhafte Vocals und Tracks wie `Loss Of Innocence´, den ganz neuen Song `The Anticipation Of Fear´ und den balladesken `Barden Song´ und finden durchaus den Geschmack und das Wohlwollen der schon so früh anwesenden Fans.
THE OTHER
Im Anschluss erweisen sich die recht kurzfristig für Elli Berlin eingesprungenen Kölner
Horrorpunker von THE OTHER abermals als die perfekte Festivalband. Zum einen ist der eingängige, tanzbare Goth Punk/Rock der gemeinsame Nenner, auf den sich viele Anwesende an diesem sonnigen Julitag einlassen können. Zum anderen sorgen Songs wie der Opener `Hellfire´, `Hier Sein´ und das etwas ältere `Tarantula´ unmittelbar für gute Stimmung und machen live einfach Spaß. Auch die beiden Favoriten des Autors dieser Zeilen (`I Give You The Creeps´ und `A Ghost From The 80s´) dürfen in der heutigen Setliste nicht fehlen. Mit dem packenden `Beware Of Ghouls´ und `Back To The Cemetery´ endet eine schwungvolle, wie im Flug vergangene Dreiviertelstunde.
TANZWUT
Mit TANZWUT betraten dann der heimliche Freitags-Headliner die Bühne, bei dem erwartungsgemäß der Mülheimer Bär tanzte. Dabei war Bandkopf Teufel schon in den letzten 20 Jahren beim Castle Rock ein gern gesehener Gast, wenn auch mit wechselnden Mannschaften. Dieses mal gaben TANZWUT nicht ganz so viel Gas wie schon zuvor, da der Auftritt noch mit der Setlist der “Achtung Mensch“ Tour bestückt war. Sei es drum an
Energie hat es den Berlinern noch nie gefehlt und ein Showact erster Klasse sind die “Spielmänner“ zweifelsfrei. So kamen auch die neuen Songs wie `Bis zum Meer` ordentlich fett von der Bühne und werden natürlich nicht einfach nur angesagt, sondern mit entsprechenden Hinweis versehen. `Freitag der 13`wurde kurzerhand zum offiziellen TANZWUT Feiertag erklärt und der aktuelle Titeltrack `Achtung Mensch!` wurde mit “Wir werden nur von Wahnsinnigen regiert“ eingeleitet, bevor Teufel zur wehmütigen Halbballade `Noch Eine Flasche Wein` über unser mögliches Ende philosophiert. Alles nur ruhig? Nein, denn mit ` Roter Mohn` und `Pack`gab es wieder ordentlichen Druck und `Narziss` nimmt all die „wunderschönen Menschen, macht doch mal ein Selfie“ noch einmal auf die musikalische Schippe. Fazit: Klasse Show trotz weniger Vollgas.
NACHTBLUT
Nicht zum ersten Mal im Schloss Broich vertreten sind auch die nordrheinwestfälischen Dark Metaller von NACHTBLUT, die sich innerhalb von drei Jahren jedoch vom „Geheimtipp“ zum Headliner des heutigen Tages gemausert haben. Mit ihrem angeschwärzten, deutschsprachigen, extremen und doch eingängigen Soundmix sowie Songs wie `Von
Hass getrieben´, `Der Tod ist meine Nutte´ und `Leierkinder´ räumt die Truppe dann auch dementsprechend im Schatten der einbrechenden Dunkelheit ab. Konnte man anhand der vielen Bandshirts über den Tag schon erahnen, dass dem Vierer die Sympathien nur so zufliegen werden, sieht man sich nun durch die euphorischen Reaktionen der Fans bestätigt, welche die musikalisch eher simplen, aber packenden Stücke der Band gebührend abfeiern. Und bei mitreißenden und zum vielfachen Mitgröhlen geeigneten Tracks wie `Todschick´, `Amok´, `Multikulturell´ sowie dem unvermeidlichen Die Prinzen Cover `Alles Nur Geklaut´ kann man sich sogar als „neutraler Beobachter“ ein wenig davon anstecken lassen.
Tag 2: Samstag, 04. Juli 2026
LORD OF THE LOST – CREMATORY – ALL FOR METAL – HAGGEFUGG – SAGENBRINGER – WISBORG – HEIMATAERDE – EIGENSINN
EIGENSINN
Das süddeutsche Trio EIGENSINN, begann, wie schon vor zehn Jahren , den zweiten Tag, vor einer noch recht überschaubaren Kulisse um 12:00, was die dreiköpfige Band aber nicht davon abhielt ihren harten “DDR Rock meets NDH“ und Dark Ausflügen ausgesprochen engagiert ins langsam anwachsende Publikum zu drücken. DDR Rock? Ja das Ganze hatte live etwas von „Nina Hagen auf hart“, ohne allerdings die Opernhaften stimmlichen Fähigkeiten der exaltierten Diva. Insbesondere Frontfrau Nemesis wurde nicht müde, die Anwesenden immer wieder anzufeuern und zog mit ihren beiden Mitmusikern, Songs wie `Die Waldfee`, ´Son Of A Bitch – Fahr zur Hölle` oder `Die Wahrheit` durch, als seien sie in einer Arena. Optisch kam mal die NVA Uniform oder auch die Domina Peitsche zum Einsatz. Einige Fans hatte die Band mit ihrem Auftritt begeistert und so immerhin einen Achtungserfolg erzielt.
WISBORG
Sehr gefreut hatte ich mich auf die Goth Rocker von WISBORG über die und von denen ich schon sehr viel Gutes gehört hatte, die heute aber für eine kleine Enttäuschung sorgten.
Zum einen wollten düstere Songs wie `Schmerz vereint´, `Kreatur der Nacht´ und `Totentanz´ nicht so recht zum lichtdurchfluteten Areal und zur positiven Stimmung der Anwesenden passen, zum anderen wirkte die Performance seltsam müde und zurückhaltend. Vielleicht lag es aber auch am verwaschenen Sound der Vocals. Da war noch fast das Spannendste am ganzen Auftritt, ob der Bassist das Erklimmen des Boxenturms heil übersteht. An diesem durchwachsenen Eindruck konnte auch das solide Placebo Cover `Bitter End´, bei dem man allerdings den Gesang auch nur aufgrund der Kenntnis des Songs erahnen konnte, nicht mehr viel ändern.
HEIMATAERDE
Ganz anders die folgenden HEIMATAERDE mit ihrem wuchtigen Mix aus Mittelalter-Rock, Dark Elektro , EBM und NDH Sounds, die erste von drei großen positiven Überraschungen des
heutigen Tages. Mit Texten und Gewändern aus der Zeit der Kreuzzüge blies die Band Songs wie `König von Thule´ und `Hoch hinaus´ oder mitsingfähiges Material wie `Heute ist ein guter Tag´ sowie die beiden neuen Songs `Vergesst uns nicht´ und `Todeswille´ in die hungrige und feierwütige Meute. Der finalen Ausgabe des Festivals angemessen sollte es bei `Hick Hack Hackebeil´ einem Mitarbeiter der Stadt Mülheim an den Kragen gehen. Der Kopf blieb zwar am Ende dran, aber dafür floss eine Menge (Kunst-)Blut. Hier überzeugten abgeschlossen mit dem tanzbaren `Dark Dance´ sowohl die kraftvollen Songs, als auch die Optik und Publikumsnähe mit augenzwinkernden Ansagen und der stimmige und unterhaltsame Gesamteindruck.
SAGENBRINGER
Bei SAGENBRINGER von der Insel Sylt stand der Folk/Pagan Metal Party dann nichts mehr im Wege. Mit viel Tempo und den aufgrund der aggressiven Vocals allerdings schwer
verständlichen deutschen Texten gab es schlachtenerprobte Nummern wie `Valkyrensturm´, `Berserker´ und `Walpurgisnacht´ auf die Ohren und die Zwölf. Weitere mitreißende, aber auch ein wenig gleichförmige und nicht allzu abwechslungsreiche Kompositionen wie `Reiter Rohans´ und `Der Metdrache´ sorgten unter dem Strich für einen überzeugenden, dynamischen Auftritt.
HAGGEFUGG
Die Kölschen Folk Mittelalterrocker HAGGEFUGG setzten hier allerdings spielend noch einen drauf. Wie liebenswert, leidenschaftlich und authentisch kann eine Band sein? Optisch wie eine
zusammengewürfelte Truppe aus einem leicht pausbäckigen Sänger, einem Basser im Biker mit Iro Look sowie einem ungleichen Dudelsack-Duo aus großgewachsenem Schönling und dem genauen Gegenteil mit Bäuchlein wirkend, präsentieren sie sich musikalisch als eingespielte Einheit und ziehen das Publikum mit ihren eingängigen Songs, humorvollen Texten und sympathischen Ansagen in ihren Bann. Großartige Samstag-Nachmittag-Unterhaltung!
ALL FOR METAL
Den Auftritt der internationalen Power/True Metaller ALL FOR METAL könnte man unter dem Motto Der Schöne und das Biest zusammenfassen. Musikalisch würde das den
beiden leichtbekleideten Front-Vikingern allerdings in keinster Weise gerecht, denn die Mischung aus dem tiefen Timbre von Tim „Tetzel“ Schmidt und seinem erst in diesem Jahr eingestiegenen Kollegen Amerigo Vitiello, der sich vor allem in den hohen Lagen und Screams als begnadeter Sänger entpuppt, sorgt mit Songs wie `Gods Of Metal´, `Fury Of The Gods´, `Mountain Of Power´ und `Raise Your Hammer´ für eine energiegeladene, kurzweilige Show. Als weiterer Blickfang entpuppt sich Basser Florian Toma, der mit Maske und stechendem Blick vollkommen in seiner Rolle aufgeht und zudem mit einem Solo für Unterhaltung sorgt. Mit insgesamt acht Songs stand nicht das aktuelle Album “Gods Of Metal“, sondern das Debüt “Legends“ im Fokus der packenden Setliste. `Path Of The Brave´ beginnt nur mit Vitiello und akustischen Klängen von Gitarristin Sheena, bevor `Run´ und `Born In Valhalla´ wieder so richtig Gas geben. Die beiden Zugaben `All For Metal´ und `Goddess Of War´ runden eine rundum gelungene, für Band und Publikum gleichermaßen spaßige Stunde ab, welche ihren Ruf als packender Live-Act auf ganzer Linie bestätigt.
CREMATORY
Bereits zum fünften Mal rockten die Dark Metaller CREMATORY, deren Sänger Felix Stass ja ohnehin zum festen Inventar von Schloss Broich und als Stammgast zum Castle Rock gehört, den Burghof und mausern sich spielfreudig, als eingeschworene musikalische Einheit und bestens gelaunt zu einem weiteren Highlight des zweiten Festivaltages.
Frontmann Felix und Gitarrist Rolf Munkes präsentieren sich gut bei Stimme und Markus (Drums) und Kartin (Keys) Jüllich als Felsen in der Metal-Brandung, die Tracks wie den Opener `Destination´, `Höllenbrand´, `Tick Tack´ und natürlich das viel umjubelte `Tears Of Time´ punktgenau ins Rund feuern und sich von ihrer Crowd gebührend abfeiern lassen, natürlich nicht ohne ihrem Dank an Michael Bohnes sowie ihr Bedauern über das Ende des Festivals Ausdruck zu verleihen. Insgesamt werden passend zum gerade veröffentlichten Greatest Hits Album in einer Art Best-Of-Setliste acht Songs von sieben verschiedenen Studioalben gespielt plus die beiden neuen Tracks `Born´ und `Blind´, die sich nahtlos ins Gesamtgefüge einpassen. Mit `Rise And Fall´ beendeten die Gothic Metaller einen starken Gig und gleichzeitig mit nicht nur einer Träne im Knopfloch den vorletzten Auftritt des Castle Rock überhaupt.
Vor dem Auftritt von LORD OF THE LOST kam dann die emotionale und bejubelte Verabschiedung des Veranstalters bei dem er auch ein großen Teil des Teams vostellte . Das dicht gedrängte Publikum bedankte sich mit lauten „Castle Rock“ Sprechchören und viel Applaus. Dazu gab es sogar ein großes „Danke Michael“ Plakat, die Fotografenrunde bedankte sich mit einem selbstgefertigtem Erinnerungsbildband und Vieles mehr. So war der gefeierte Veranstalter sichtlich gerührt, als er zum fünften mal in der Geschichte des Festivals LORD OF THE LOST auf die Bühne bat.
LORD OF THE LOST
Die Band ,die gerade ohne die frisch ausgestiegenen Mitglieder PI und Class auskommen musste, zeigte bereits mit dem Einstieg `Bazaar Bizarre`, `Damage` und `Forever Lost`
warum sie der unumstrittene Headliner des Festivals waren. Kurzum Bandkopf Chris Harms und seine Truppe legten einen kraftvollen und musikalisch abwechslungsreichen Gig hin, der den allergrößten Teil des Schlosshofs in seinen Bann zog und schlichtweg Begeisterung auslöste. Sei es nun mit neueren “Opus Noir“ Songs oder Bandklassikern wie `Prison`oder `Drag Me to Hell`. Chris ließ es sich auch nicht nehmen, noch einmal Michael Bohnes auf die Bühne zu holen und sich dafür zu bedanken, dass er sie schon als kleine Band unterstützt hatte und ihnen so den späteren Erfolg mit ermöglicht hatte. Die Band bedankte sich für die jahrelange Unterstützung mit einem gravierten und ihm gewidmeten “Nummer eins Award“ des Erfolgsalbums “Blood & Glitter“ , was dann letztlich auch zu Tränen führte.

Das Finale läutetem dann eben `Blood & Glitter`, das finnische Käärijä Cover `Cha cha cha`, inklusive der LOTL eigenen „Wall of Death“ im Publikum, sowie `Schrei nach Liebe` von den Ärzten. Zum letzten Song `Light Can Only Shine in the Darkness`bat Chris das Publikum, die Handies zu züke („das was alle Band sonst hassen“) was die Kulisse zum Abschluss in ein stimmungsvolles Lichtermeer verwandelte. Damit war der sprichwörtliche „letzte Vorhang“ gefallen.
Uns bleibt nichts weiter zu sagen als Danke Castle Rock, Danke Michael. Ihr werdet uns fehlen.
Text: Michael Gaspar, Sven Bernhardt
Photo Credits: Sven Bernhardt












































































































