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DARK PLAGUE – Hinter den Masken von “Masquerade”

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Mit “Masquerade” veröffentlichen DARK PLAGUE am 7. August 2026 ihr sechstes Studioalbum und knüpfen nahtlos an den gefeierten Vorgänger “The Threshold Of Death” an. Erneut verbinden die Franzosen kompromisslosen Black Metal mit düsteren Melodien und einer Prise Death Metal. Inhaltlich dreht sich auf “Masquerade” alles um Heuchelei, falsche Fassaden und die Masken, hinter denen sich Menschen im Alltag verstecken. Grund genug, mit der Band über das neue Album, den Songwriting-Prozess, das Konzept hinter “Masquerade” und die Zukunft von DARK PLAGUE zu sprechen.

Tobias:
Bereits 2024 hat mich “The Threshold Of Death” nachhaltig beeindruckt. Nun schlägt “Masquerade” das nächste Kapitel auf. Wenn ihr beide Alben miteinander vergleicht – worin seht ihr selbst die größte Weiterentwicklung der Band?

Lord of Misery:
Für mich muss jedes Album zunächst einmal eine gewisse Weiterentwicklung mit sich bringen. Das bedeutet nicht zwangsläufig einen kompletten Bruch, aber es sollte immer etwas Neues bieten. Seit unseren ersten Veröffentlichungen haben wir uns stark weiterentwickelt. Ich höre unglaublich viel Musik und mein Ziel ist es, all diese Einflüsse einfließen zu lassen. Dieses Album ist musikalisch vielseitiger und ich wollte stärker zwischen Hitze und Kälte wechseln, indem ich auch mehr Midtempo-Passagen eingebaut habe. Mit dem Vorgänger hatten wir in Sachen maximaler Intensität bereits einen Höhepunkt erreicht, der sich kaum noch steigern ließ. Deshalb wollte ich diesmal mehr Kontraste schaffen – mit einem Wechsel zwischen Midtempo-Parts und entfesselten Blastbeats.

Tobias:
Der Albumtitel “Masquerade” und die Texte drehen sich um Masken, Heuchelei und die dunklen Seiten unserer Gesellschaft. Wie entstand dieses Konzept und warum war es euch wichtig, genau dieses Thema aufzugreifen?

Lord of Misery:
Die Idee kam mir, als ich das Gemälde “Allegory of Simulation” („Allegoria della simulazione“) betrachtete. Darauf hält eine Frau eine Maske in den Händen – ganz ähnlich, wie wir es später für die Figur auf unserem Artwork umgesetzt haben. Ich war auf der Suche nach einem visuellen Konzept für das nächste Album und dieses Bild hat mich sofort gepackt. Als wir anschließend gemeinsam darüber gesprochen haben, hat die dahinterstehende Idee sofort bei uns allen Anklang gefunden.

Wer musste im Leben noch nie eine Maske tragen? Das Leben in unserer Gesellschaft bedeutet doch, sich hinter unzähligen Masken zu verstecken und sie zu nutzen, um die eigene wahre Natur zu verbergen. Nehmen wir nur den Arbeitsplatz als Beispiel: Ständig müssen wir unsere Worte abschwächen, aus Angst vor Konsequenzen oder davor, jemanden zu beleidigen. Gerade heute solltest du besser der „Mr. Konsens“ sein, wenn du in dieser Welt bestehen willst. Selbst die harmlosesten Aussagen können inzwischen gegen dich verwendet werden. Das verlangt permanente Selbstkontrolle. “Masquerade” handelt von diesem tief verwurzelten Hass, der in unserer Natur verborgen liegt und nur darauf wartet, auszubrechen. Aber seien wir ehrlich: Die Maske ist auch eine Waffe, mit der wir andere umso wirkungsvoller täuschen können.

Tobias:
Musikalisch verbindet ihr erneut kompromisslosen Black Metal mit Death-Metal-Einflüssen. War von Anfang an klar, dass ihr diesen Weg weitergehen wolltet, oder habt ihr auch darüber nachgedacht, euren Sound stärker zu verändern?

Lord of Misery:
Wie ich bereits gesagt habe, geht es nicht darum, immer wieder dasselbe Album neu aufzunehmen. Unser Ziel ist es, DARK PLAGUE weiterzuentwickeln und gleichzeitig die DNA der Band zu bewahren, die ich als brutalen melodischen Black Metal beschreiben würde. Die Melodie steht für mich immer im Mittelpunkt der Kompositionen. Das nächste Album ist übrigens bereits geschrieben und ich kann jetzt schon verraten, dass es wieder anders klingen wird – unter anderem mit noch etwas mehr Midtempo-Passagen.

Tobias:
Songs wie ‘Overwhelmed’ beginnen zunächst sehr ruhig, bevor sie ihre volle Intensität entfalten. Wie wichtig ist dir diese Dynamik beim Songwriting?

Lord of Misery:
Damit sprichst du etwas an, das ich wirklich liebe: gewaltige Kontraste zu erschaffen – entweder durch riesige Spannungsbögen oder radikale Brüche. Bei diesem Song war das Ziel beispielsweise, mit einem vollkommen friedlichen Arpeggio zu beginnen, anschließend ein sehr melodisches Solo einzubauen und erst mit dem Einsatz des Gesangs alles explodieren zu lassen. Am Ende folgt dann eine lange, extrem intensive Blastbeat-Passage. Ich finde, dadurch entstehen Überraschung, Tiefe und eine gewisse Radikalität. Ich liebe Songs wie ‘Modern Lament’, die dir drei Minuten lang mit unaufhörlichen Blastbeats das Gesicht einschlagen, bevor plötzlich das Tempo wechselt – genau in dem Moment, in dem du dir ohnehin schon den Nacken brechen willst.

Tobias:
Mit ‘Make War Great Again’ habt ihr einen Songtitel gewählt, der sofort Aufmerksamkeit erregt. Welche Botschaft steckt hinter diesem Stück?

Daimon:
Für diesen Text brauchte ich einen prägnanten Aufhänger und starke Symbole. Deshalb lag es nahe, sich mit dem mächtigsten Imperium der Welt und dessen Anführer auseinanderzusetzen. Diese Mischung aus Heuchelei und Halbwahrheiten hat mich fasziniert. Innerhalb dieses Rahmens ließ sich der Text beinahe wie von selbst schreiben: Ein Volk, das auf eine glorifizierte Vergangenheit stolz ist und von Versprechen angetrieben wird, die letztlich unerfüllt bleiben. Wenn man die aktuellen Ereignisse betrachtet, hat dieser Text inzwischen eigentlich keine versteckte Bedeutung mehr.

Tobias:
Das Album wurde erneut in den BLACK LODGE STUDIOS aufgenommen, während du selbst das Mixing und Mastering übernommen hast. Wie wichtig ist es euch, möglichst viel Kontrolle über euren eigenen Sound zu behalten?

Lord of Misery:
Ich war bei meinen früheren Erfahrungen mit Mixing und Mastering oft frustriert. Nicht unbedingt wegen des Endergebnisses, sondern wegen des gesamten Prozesses. Man verbringt unzählige Stunden mit den Aufnahmen und schickt anschließend alles an jemanden, der das Material innerhalb kürzester Zeit aus der Ferne bearbeitet. Man kann vielleicht ein paar Ideen äußern, am Ende setzt diese Person aber ihren eigenen Stil durch. Das Album von Anfang bis Ende gemeinsam mit einem Tontechniker im Studio zu produzieren, wäre natürlich das Beste gewesen, aber diese Möglichkeit hatten wir nicht. Also habe ich mir dieses Handwerk selbst beigebracht. Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos und ich hatte unglaublich viel Spaß dabei. Vor allem konnte ich mir die Zeit nehmen, alles auszuprobieren, bis das Album genau so klang, wie ich es mir vorgestellt hatte: ein brutaler Mix, der jedem einzelnen Instrument gerecht wird.

Tobias:
Kévin Paradis sitzt erneut als Session-Drummer hinter dem Schlagzeug. Was bringt er deiner Meinung nach in den Sound von DARK PLAGUE ein?

Lord of Misery:
Das ist mittlerweile das dritte Album, das wir mit Kévin aufgenommen haben, und sein Einfluss ist enorm. Ich erinnere mich noch gut daran, als wir zum ersten Mal seine Drumspuren bekamen. Unsere Reaktion war nur: „Heilige Scheiße!“ Das knallt einfach unglaublich. Mit ihm klingt unsere Musik sofort brutaler. Während wir auf den ersten drei Alben eher im Raw Black Metal zu Hause waren, haben wir mit ihm definitiv einen Gang höher geschaltet. Sein Spiel ist verheerend und unglaublich vielseitig. Er ist einer dieser Schlagzeuger, die ihre Parts so komponieren, dass das Schlagzeug weit mehr ist als nur das rhythmische Fundament. Man ertappt sich dabei, ausschließlich auf seine Patterns zu hören. Genau das liebe ich. Das ist wie bei MGŁA oder PANZERFAUST – Bands, bei denen man komplette Alben hören kann und sich dabei fast ausschließlich auf das Schlagzeug konzentriert.

Tobias:
Das Artwork von Ludot Godot passt perfekt zur düsteren Atmosphäre des Albums. Wie eng wart ihr in die Entwicklung des visuellen Konzepts eingebunden und welche Bedeutung hat das Cover für das Gesamterlebnis?

Lord of Misery:
Genau wie mit Kévin ist dies bereits unsere dritte Zusammenarbeit mit Ludot Godot. Ich bin ihm eher zufällig auf einer Ausstellung in einer alten, verlassenen Fabrik in Roubaix begegnet – die Atmosphäre dort war einfach perfekt. Sein Stil hat mich sofort angesprochen. Es waren Kohlezeichnungen, aus denen eine tiefe Dunkelheit sprach – genau dieselbe Dunkelheit, die auch in mir steckt. Das Artwork ist für mich von grundlegender Bedeutung. Es sagt unglaublich viel über die Denkweise einer Band aus und ist das Tor zu unserem Universum. Noch bevor überhaupt eine CD im Player liegt, prägt das Cover bereits das Hörerlebnis. Der erste Eindruck ist der wichtigste. Ich möchte, dass die Menschen sofort gepackt werden und ein klares Bild im Kopf haben. Ich kann jedem nur empfehlen, sich seine Facebook-Seite anzusehen. Er ist ein echter Künstler, der mutig ist und sich mit voller Hingabe seiner Kunst verschrieben hat.

Tobias:
Black Metal lebt häufig mehr von Atmosphäre und Emotionen als von technischer Perfektion. Was steht für dich beim Schreiben neuer Songs an erster Stelle – die Riffs, die Atmosphäre oder die Botschaft?

Lord of Misery:
Immer zuerst die Musik. Häufig lasse ich alles, was ich in der Zeit vor einem Album gehört habe, in die neuen Songs einfließen. Nach und nach entsteht daraus eine grobe Richtung – Riff für Riff. Wenn das Album in einer ersten Fassung komplett geschrieben ist, wissen wir oft noch gar nicht, welches Konzept oder Thema dahinterstehen wird. Erst dann machen wir uns darüber Gedanken und beginnen, diese Idee in das Album einzuarbeiten. Wir schicken alles sozusagen durch den Fleischwolf unseres Konzepts und schreiben anschließend die Texte sowie die Arrangements so, dass daraus ein geschlossenes Gesamtwerk entsteht.

Tobias:
Beim Hören von “Masquerade” hatte ich das Gefühl, dass jeder Song seine eigene Identität besitzt und sich das Album dennoch wie eine zusammenhängende Reise anfühlt. Legt ihr bewusst Wert darauf, ein Album als geschlossenes Gesamtwerk zu erschaffen und nicht einfach nur einzelne Songs aneinanderzureihen?

Lord of Misery:
Das habe ich eben schon teilweise beantwortet, aber ja – für mich muss ein Album ein geschlossenes Ganzes sein. Ich hasse die Vorstellung, einfach einen Song nach dem anderen zu schreiben und sie am Ende zu einer Platte zusammenzustellen. Schon in der ersten Entwurfsphase wissen wir ungefähr, welchen Platz jeder Song auf dem Album einnehmen wird. Außerdem komponiere ich ein Album möglichst in einem kurzen Zeitraum. Es soll exakt meine damalige Gedankenwelt widerspiegeln. Wenn sich der Prozess über zu lange Zeit hinzieht, verändert sich auch die eigene Einstellung. Man beginnt zu zweifeln und möchte ständig Dinge verändern. Dadurch geht genau diese spontane Geschlossenheit verloren, die ich einem Album geben möchte. So kann ich den Spannungsbogen viel besser kontrollieren und die Hörer auf eine Reise mitnehmen, deren Verlauf wir ganz bewusst geplant haben.

Tobias:
Mit sechs Studioalben gehört DARK PLAGUE inzwischen längst zu den etablierten Bands der Underground-Szene. Welche Ziele habt ihr euch für die kommenden Jahre gesetzt?

Lord of Misery:
Ich bin verrückt nach Black Metal. Meine Leidenschaft ist es, Musik zu komponieren, neue Emotionen zu finden, neue Songstrukturen zu erschaffen und unseren Stil mit allem zu bereichern, was ich höre. Unser Ziel ist es, die schwarze Flamme am Brennen zu halten, unsere düsteren Melodien über diese Welt zu tragen und Herzen bluten zu lassen – genau wie unsere eigenen.

Tobias:
Gibt es rund um die Veröffentlichung von “Masquerade” bereits Pläne für Konzerte oder Tourneen? Können die Fans in Deutschland darauf hoffen, DARK PLAGUE in naher Zukunft live zu erleben?

Lord of Misery:
Im Moment leider noch nicht. Ich kann euch im Augenblick nur weitere Alben versprechen!

Tobias:
Bevor wir zum Ende kommen: Haben wir aus eurer Sicht alles Wichtige rund um “Masquerade” angesprochen oder gibt es noch etwas, das ihr unseren Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben möchtet?

Lord of Misery:
Eigentlich gibt es nichts mehr hinzuzufügen. Ich habe nur einen Rat: Wenn ihr euch das Album anhört, dann dreht die Lautstärke bis zum Anschlag auf!

Tobias:
Vielen Dank für eure Zeit und eure Antworten! Die letzten Worte gehören natürlich euch.

Lord of Misery:
Es war mir eine Freude, Tobias. Vielen Dank für deine Unterstützung. Alles Weitere gibt es dann am 7. August – holt euch eure Dosis hochoktanigen Black Metal!

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Dark Plague