NACHTKREATUR
Titel: KREATURENKRANKHEIT
Label: Fetzner Death Records
Spieldauer: 44:01 Minuten
VÖ: 26. Juni 2026
NACHTKREATUR gehören zu den noch jungen Vertretern der deutschen Black-Metal-Szene und gehen dabei bewusst ihren eigenen Weg. Erst 2024 gegründet, widmet sich das Duo um Graf Ares und Køldbrynger den dunklen Abgründen der menschlichen Psyche und verbindet rohen, experimentellen Black Metal mit einer verstörenden Atmosphäre. “Kreaturenkrankheit” erschien ursprünglich am 31. Oktober 2025 in Eigenregie ausschließlich als digitales Full-Length-Album. Am 26. Juni 2026 erfährt das Debüt über FETZNER DEATH RECORDS schließlich seine erste physische Veröffentlichung und erscheint als CD im Digipak inklusive zwölfseitigem Booklet. Thematisch dreht sich alles um Entmenschlichung, Wahnsinn, Verfall und Kreaturen, die irgendwo zwischen Schmerz, Hunger und körperlicher Degeneration gefangen sind. Hochglanz sucht man auf “Kreaturenkrankheit” vergebens – und das ist auch genau so gewollt. Schauen wir also einmal, welche düsteren Klangwelten NACHTKREATUR auf ihrem Erstling erschaffen haben. Hinter NACHTKREATUR stehen Graf Ares und Køldbrynger. Während Graf Ares die Vocals übernimmt und einen Großteil der Texte beisteuert, zeichnet Køldbrynger für Gesang, Gitarren, Bass, Drum-Programming und das Songwriting verantwortlich. Darüber hinaus kümmerte er sich um Mix, Mastering und gestaltete auch das Cover-Artwork. Unterstützung bekommt das Duo auf dem abschließenden Albumtrack von Pianist Svartscorpio. Inhaltlich erzählt jeder Song die Geschichte einer eigenen Kreatur, die zwischen Schmerz, Hunger, Wahnsinn und körperlichem Verfall gefangen ist. Themen wie Kannibalismus, Gewalt, Satanismus, psychischer Zusammenbruch und Metamorphose ziehen sich dabei durch das gesamte Album. Die bewusst rohe und ungeschliffene Produktion passt hervorragend zu dieser finsteren Atmosphäre und verleiht “Kreaturenkrankheit” seinen ganz eigenen Charakter.
‘Kreaturenkrankheit’ – wie roh kann ein Album beginnen? NACHTKREATUR geben im Opener die passende Antwort. Ohne Umschweife schleudert die Band den Hörer in ihre düstere Welt. Die Lyrics zeichnen das Bild einer unaufhaltsamen Seuche, die Körper und Seele gleichermaßen zerfrisst und aus Menschen willenlose Nachtkreaturen macht. Musikalisch unterstreicht die Band diese apokalyptische Stimmung mit einer kompromisslosen Gangart, die vom ersten Ton an keine Gefangenen macht. Ein brutaler Auftakt, der die Marschrichtung des Albums klar vorgibt. Bereits bei ‘Mein Himmel’ muss ich sagen, dass ich den Text ohne die abgedruckten Lyrics wohl kaum verstanden hätte. Sowohl der Opener als auch der zweite Song besitzen hörbar Democharakter, wodurch die Vocals sehr tief im Klangbild sitzen und ein Großteil der Texte nur schwer zu entschlüsseln ist. Das ist schade, denn gerade die Lyrics rund um Misanthropie, Leid, Wahn und die düstere “Kreaturenutopie” tragen viel zur Atmosphäre des Albums bei und hätten es verdient, deutlicher wahrgenommen zu werden. ‘Nacht der Dämonen’ startet mit genau der Räudigkeit, die man bereits von den ersten beiden Songs kennt. Neu hinzu kommt das höllische Gekreische, das durchaus einen ordentlichen “Creep”-Faktor entwickelt und der Nummer zusätzliche Finsternis verleiht. Weniger überzeugen können mich dagegen die extrem hohen Quietschvocals. Ich verstehe davon ehrlich gesagt 0,0 und sie klingen für meine Ohren stellenweise so, als würde jemand mit Turnschuhen über einen Hallenboden rutschen. Das nimmt dem Song leider komplett die Wirkung, obwohl die kompromisslose Atmosphäre und die infernalische Grundstimmung ansonsten absolut passen. Dieses Muster zieht sich leider auch durch den weiteren Verlauf des Albums. ‘Dämmerfluss’, ‘Stahlwerk Satans’, ‘Letzter Schrei’, ‘Totenschlange’, ‘Teufelswache’, ‘Meine hasserfüllten Schwingen’, ‘Schattenschänder’, ‘Verblutet und vergessen’, ‘Fahlgestalt’ sowie teilweise auch ‘Schlaflied’ leiden unter derselben Problematik. Die Songs besitzen durchaus Atmosphäre, rohe Energie und interessante Ideen, doch der sehr raue Democharakter und die schwer verständlichen Vocals verhindern immer wieder, dass sich ihr eigentliches Potenzial vollständig entfalten kann.
NACHTKREATUR bringen auf diesem Album durchaus interessante Ansätze mit. Die düstere Atmosphäre, die kompromisslose Grundausrichtung und die thematischen Ideen zeigen, dass hier Potenzial vorhanden ist – man müsste es nur konsequenter nutzen. Ich habe definitiv offene Ohren für experimentellen Black Metal und bin vieles gewohnt, doch hier überschreitet die Produktion, insbesondere durch den extremen Democharakter und die kaum verständlichen Vocals, meine persönliche Grenze des Ertragbaren. Mit einer klareren Produktion und einem ausgewogeneren Klangbild könnten die starken Ideen deutlich besser zur Geltung kommen. So bleibt am Ende ein Album, das zwar Mut zum Anderssein beweist, sein vorhandenes Potenzial aber leider nicht vollständig ausschöpft.
Tobi Stahl vergibt 3 von 10 Punkten


