CENTRAL PARK
Titel: TIME SHADOW
Label: Independent
Spieldauer: 52:49 Minuten
VÖ: 22. Mai 2026
Was haben New York und München gemeinsam? Einen CENTRAL PARK. Der in New York ist einer der bekanntesten innerstädtischen Parks der Welt. München punktet hingegen mit einer der dienstältesten Prog Bands des Landes. Immerhin gründete sich die Combo schon 1983. Trotz zwischenzeitlicher Auflösung ist man vor allem seit den 2000ern sehr aktiv. Aktuell mit Sängerin Bärbel Kober sind CENTRAL PARK eine sehr eigenständige Stimme der deutschen Rockmusik.
Rockmusik ist so vielfältig wie die Parks und Gärten dieser Welt. Parks und Gärten gibt es, seit es Menschen gibt. Ein paar Beispiele. Schon in der Bibel wird der Garten Eden erwähnt. Die Hängenden Gärten Babylons gelten als eines der Sieben Weltwunder der antiken Welt. Die mittelalterlichen Klostergärten waren eine Fundgrube an (nicht nur) Heilkräutern, deren Wirkung auch von Hildegard von Bingen beschrieben wurde. An barocken Höfen wollte der Mensch beweisen, dass er die Natur untertan gemacht hat. Pflanzen, Bäume, Beete wurden in ungewöhnliche Formen gebracht, die Anlagen symmetrisch geplant. Später brachte Fürst Pückler von Muskau, der Namensgeber des Eises, den englischen Landschaftsgarten nach Deutschland. Künstlich angelegte Parks sollten aussehen, wie naturbelassen, wurden ausstaffiert mit Tempeln, Wasserfällen und künstlichen Ruinen. Der japanische Zengarten, der ausschließlich aus Sand und Steinen besteht, Pflanzen nur in Form von Moosen zuläßt, dient der Meditation.
Hierzulande gibt es Bundes- und Landesgartenschauen. Dafür wurde anfangs der 90er etwa in Paderborn der komplette Lauf der Pader von der Quelle bis zur Mündung in die Lippe grün gerahmt. Allerdings ist die Pader immer noch der kürzeste Fluß Deutschlands. Der Mannheimer Luisenpark existiert gefühlt schon ewig. Er dient der Erholung, ist die grüne Lunge der Stadt. Aber er ist auch ein Ort des Lernens mit dem Bauernhof, dem Aquarium, dem Tropenhaus. Und ein Ort des Genuss mit Seebühne und Restaurants oder dem Grillplatz.
Gärtnern des kleinen Mannes ging immer in der Datsche, im Kleingarten. Heute sogar auf dem Dach oder auf dem Balkon. Wie weit ist man in Holland mit der Begrünung von Städten, auch in Form von grünen Fassaden. Urban Gardening ist ein recht neuer Trend. In manchen Städten findet man Mikrowälder. Die sollen das Stadtklima günstig beeinflussen. Wie wichtig das sein kann, hat die Hitzewelle vom Ende Juni bewiesen.
Sorry für das weite Ausholen. Das brauche ich aber, um meine Gedanken zu „Time Shadow“ bildhaft und klar machen zu können. Denn dies Album ist wie eine Mischung aus allen dieser Gärten. Oder wie ein Blick bei mir hinters Haus. Da ist vieles wild durcheinander. Da stehen Töpfe mit Kräutern, Tomaten, Paprika und Gurken. Ein alter Apfelbaum bietet Schatten. Die Lärche ist so alt, sie ist schon schief und bucklig. Der Kirschbaum hat so voll getragen, wir konnten nicht alles ernten. Ein wahres Büffet für Vögel. Zuchtbrombeeren und Triebe wilder Brombeeren wachsen ineinander.
Die Wiese wurde zu teilen noch gar nicht gemäht in diesem Jahr. Darum konnten darin auch wilde Erdbeeren gedeihen. Eine wilde Malve hat sich ausgesät. Efeu umrankt einen alten Baumstumpf. Auf Steinen sonnen sich Eidechsen. Igel und Grünspecht, Amseln und Spatzen sind regelmäßige Gäste. Wildbienen nutzen ihr Hotel, im Boden haben sich wilde Hummeln eingegraben. Hinten, am Zaun zum Nachbarn, wo dessen Hühner scharren, ist ein Wald von Brennnesseln. Schmetterlinge, manchmal auch Libellen surren durch die Lüfte. Abends sieht man die Fledermäuse kreisen.
So ein Garten, so fühlt sich für mich „Time Shadow“ an. Ziemlich schräge Melodieverläufe. Momente zwischen Yes und King Crimson, Van der Graaf Generator und Gong. Man muss sich Zeit nehmen. Genau zuhören. Genießen. Ganz für sich. Versunken im Garten, versunken in der Musik.
Mario Wolski vergibt 10 von 10 Punkten


