Mit “Souls Of The Fallen” meldet sich die schwedische Heavy-Metal-Band PRIME CREATION mit ihrem vierten Studioalbum zurück und schlägt das nächste Kapitel einer Reise auf, die bereits 2015 begann. Seit ihrem selbstbetitelten Debüt hat die Band ihren Sound stetig weiterentwickelt und modernen Heavy Metal, melodischen Power Metal und eingängige Hooks zu einem Stil vereint, der unverkennbar ihr eigener geworden ist. Nach der positiven Resonanz auf “Tell Freedom I Said Hello” nahm sich PRIME CREATION bewusst Zeit, einen würdigen Nachfolger zu erschaffen. Erneut produziert von Niels Nielsen und mit Artwork von Giannis Nakos liefert “Souls Of The Fallen” acht Songs voller Melodie, Power und Energie. Zeit also, einen genaueren Blick hinter das Album, die Entwicklung der Band, die Themen der Songs und die Ideen zu werfen, die dieses Werk geprägt haben.
Tobias:
Hi Esa! Herzlichen Glückwunsch zur Veröffentlichung von “Souls Of The Fallen”. Wie geht es dir im Moment und wie sind die bisherigen Reaktionen auf das Album?
Esa:
Hi Tobias! Vielen Dank! Mir geht es wirklich gut und ich bin gespannt darauf, wie unser neues Album bei den Leuten ankommen wird.
Tobias:
PRIME CREATION feiert in diesem Jahr das zehnjährige Bestehen der Band. Wenn du auf die Reise von den Anfängen bis heute zurückblickst – welche Momente waren für dich die wichtigsten Meilensteine in der Bandgeschichte?
Esa:
Zunächst einmal würde ich sagen, dass wir für fast jedes unserer Alben einen Plattenvertrag bekommen haben. Das fühlt sich gerade in der heutigen Zeit wie eine große Leistung an.
Ein weiterer besonderer Moment war die Support-Tour für MASTERPLAN. Unvergesslich war natürlich auch unser erster Festivalauftritt in Schweden beim “Skogsröjet” zusammen mit Bands wie EUROPE, W.A.S.P. und NESTOR. Und in den letzten Jahren war unsere Spanien-Tour definitiv ebenfalls ein großes Highlight.
Tobias:
Du bist erst nach der Gründung zu PRIME CREATION gestoßen. Was hat dich damals überzeugt, Teil dieser Band zu werden, und wie hat sich deine Rolle innerhalb der Gruppe im Laufe der Jahre entwickelt?
Esa:
Ich glaube, es war vor allem die Vergangenheit der Jungs bei MORIFADE. Außerdem spielte damals noch Mathias Kamijo als zweiter Gitarrist mit, der zuvor bei PAIN und HYPOCRISY aktiv gewesen war. Das hat auf mich einen großen Eindruck gemacht – Musiker, die schon lange im Metal-Zirkus unterwegs waren. An meiner Rolle hat sich eigentlich nicht viel verändert. Wir sind ein Team und treffen alle Entscheidungen gemeinsam.
Tobias:
Nach der Veröffentlichung von “Tell Freedom I Said Hello” vergingen rund drei Jahre bis zu “Souls Of The Fallen”. Habt ihr euch bewusst mehr Zeit für das Songwriting genommen oder hat sich das Album einfach in seinem eigenen Tempo entwickelt?
Esa:
Eigentlich nicht. Wenn man sich unsere bisherigen Alben anschaut, liegt zwischen ihnen immer ungefähr ein Zeitraum von drei Jahren. Wir haben alle normale Jobs, Familien und Kinder. Ich würde sagen, genau diese Dinge sorgen dafür, dass sich dieser Drei-Jahres-Rhythmus ergibt.
Tobias:
Rückblickend: Wie stark hat die Pandemie PRIME CREATION beeinflusst? Die geplanten Touren nach “Tears Of Rage” konnten damals nicht stattfinden. Hat euch diese frustrierende Zeit am Ende vielleicht sogar kreativer gemacht?
Esa:
Ja, wir hatten damals eine Wochenendtour durch Großbritannien geplant. Die Flüge waren bereits gebucht und am Freitag sollte es direkt nach Edinburgh zum ersten Konzert gehen. Am Donnerstag wurde dann wegen der Pandemie praktisch die ganze Welt geschlossen … verdammt! Das hat uns erst einmal ziemlich zurückgeworfen. Wir haben das Geld für die Flüge nicht zurückbekommen, aber gleichzeitig hatten wir plötzlich jede Menge Zeit. Der zweite Rückschlag kam, als wieder Konzerte möglich waren. Zuerst wurden natürlich alle verschobenen Touren und Festivals neu angesetzt. Dadurch standen wir ganz hinten in der Warteschlange. Ich glaube, unter den Folgen leiden wir teilweise heute noch.
Tobias:
Erneut habt ihr mit Produzent Niels Nielsen zusammengearbeitet. Was macht die Zusammenarbeit mit ihm so erfolgreich und welchen Einfluss hatte er auf “Souls Of The Fallen”?
Esa:
Er ist Live-Keyboarder bei IN FLAMES und hat das erste Album von GHOST aufgenommen. Trotzdem ist er eigentlich gar kein typischer Metal-Typ. Mit seiner Band MCC bewegt er sich eher im Alternative Rock. Dadurch bringt er manchmal Ideen ein, auf die ein klassischer Metal-Produzent wahrscheinlich gar nicht kommen würde. Meistens orientiert sich das Endergebnis aber sehr stark an unseren Demos.
Tobias:
Das Album beginnt mit ‘Galactic Rebirth’, das zunächst mit atmosphärischen Synthesizer-Klängen startet, bevor es in einen kraftvollen Heavy-Metal-Song übergeht. Warum habt ihr euch entschieden, gerade diesen Titel als Album-Opener zu wählen?
Esa:
Weil wir dachten, dass der Song für PRIME CREATION etwas Unerwartetes ist. Das Eröffnungsriff erinnert fast an AMARANTHE und der Refrain hat für uns ein bisschen etwas von SABATON. Genau deshalb eignet sich der Song perfekt als Augenöffner für das Album.
Tobias:
Beim Hören des Albums hatte ich das Gefühl, dass Songs wie ‘Ghosts’, ‘Blood Harvest’ und der Titeltrack genau die Mischung aus Melodie, Härte und Eingängigkeit verkörpern, die PRIME CREATION über die Jahre entwickelt hat. Würdest du sagen, dass diese Songs die aktuelle Identität der Band am besten widerspiegeln?
Esa:
Ja, das denke ich schon. Wir arbeiten bereits an neuem Material und das geht in genau dieselbe Richtung. Der Grund dafür ist ganz einfach: Wir möchten den Abstand bis zum nächsten Album verkürzen und nicht wieder drei Jahre warten.
Tobias:
‘Blood Harvest’ ist für mich einer der energiegeladensten und eingängigsten Songs des Albums. Was kannst du über den Titel erzählen und warum ist er für dich zu einem so wichtigen Bestandteil der Platte geworden?
Esa:
Ich weiß es gar nicht genau. Vielleicht gerade deshalb, weil der Song erst in letzter Minute für dieses Album entstanden ist – ähnlich wie damals ‘Paranoid’ von BLACK SABBATH. Wenn du mich fragst, ist das im Moment sogar mein persönlicher Lieblingssong.
Tobias:
Der Titelsong ‘Souls Of The Fallen’ verbindet klassischen Heavy Metal mit leichten True-Metal-Einflüssen und klingt trotzdem modern. Was war die Inspiration hinter dem Song und warum wurde er zum Titel des Albums?
Esa:
Ich glaube, Robin, der alle Songs schreibt, mag einfach diese Mischung aus klassischen Einflüssen und einem modernen Sound – so ein bisschen JUDAS PRIEST trifft auf IN FLAMES. Henrik, der alle Texte schreibt, schlug schließlich den Titel vor. Wir fanden ihn einfach cool – so einfach war das.
Tobias:
Einer der Songs, der mich textlich besonders angesprochen hat, ist ‘Ashes Of Trust’. Die Themen Verrat, Narben und die Kraft, trotzdem weiterzumachen, wirken sehr greifbar. Wie wichtig ist es PRIME CREATION, in den Texten echte Emotionen und Erfahrungen zu verarbeiten?
Esa:
Für Henrik, der das Schreiben von Texten liebt und darin seine große Leidenschaft gefunden hat, ist das sehr wichtig. Für mich ist es dagegen wichtiger, dass die Worte zur Melodie passen und dem Sänger die besten Voraussetzungen geben, seine Leistung abzurufen. Was ich allerdings überhaupt nicht mag, sind Texte nach dem Motto: „Baby, ich liebe dich.“ Da bin ich ganz auf Henriks Seite und vertraue seiner Vision.
Tobias:
Als Sänger bist du dafür verantwortlich, diese Geschichten und Emotionen zum Leben zu erwecken. Wie gehst du dabei vor, unterschiedliche Stimmungen und Themen in deine Gesangsperformance zu übertragen?
Esa:
Meistens passiert das ganz natürlich. Robin hat allerdings für jeden Song und jeden einzelnen Part eine klare Vorstellung. Ich versuche dann einfach, diese Vision so gut wie möglich umzusetzen.
Tobias:
Das Artwork von Giannis Nakos fällt sofort ins Auge. Wie eng wart ihr in die Entwicklung des visuellen Konzepts eingebunden und wie wichtig ist das Artwork für das Gesamterlebnis eines Albums?
Esa:
Wir haben ihm die Texte gegeben und ihm anschließend völlig freie Hand gelassen, damit er seine eigene Interpretation und Kreativität einbringen konnte.
Tobias:
Schweden hat im Laufe der Jahre unzählige einflussreiche Heavy-, Power- und Melodic-Metal-Bands hervorgebracht. Fühlt ihr euch dieser Tradition verbunden und welche schwedischen Bands haben PRIME CREATION bei der Entwicklung des eigenen Sounds am stärksten beeinflusst?
Esa:
Nicht bewusst. Ich habe oft darüber nachgedacht, warum Schweden in so vielen Rock- und Metal-Genres weltweit eine führende Rolle spielt. Eine wirkliche Antwort habe ich bis heute nicht – das bleibt für mich ein Rätsel. MASTERPLAN, IN FLAMES, NOCTURNAL RITES, EVERGREY, THE HALO EFFECT und AVATAR gehören definitiv zu den Bands, die uns beeinflusst haben.
Tobias:
PRIME CREATION gelten als eine sehr aktive Liveband. Auf welche Songs von “Souls Of The Fallen” freut ihr euch live am meisten und gibt es einen Titel, der die Fans auf der Bühne vielleicht besonders überraschen könnte?
Esa:
Im Moment liebe ich tatsächlich alle Songs – ob du es glaubst oder nicht. Wenn ich mich entscheiden müsste, wären es wahrscheinlich ‘Blood Harvest’ oder ‘Ashes Of Trust’. Welcher Song die Fans live am meisten überraschen wird, kann ich im Moment allerdings wirklich noch nicht sagen.
Tobias:
Nach Stationen bei Labels wie MIGHTY MUSIC, ROCK OF ANGELS RECORDS und jetzt ROAR habt ihr verschiedene Kapitel eurer Karriere erlebt. Warum war ROAR für “Souls Of The Fallen” der richtige Partner?
Esa:
Dort steht die Musik und die Band wirklich im Mittelpunkt. Sie glauben an alle Spielarten des Metal. Natürlich muss am Ende auch Geld verdient werden, aber ich denke, dass ROAR, FIREFLASH RECORDS und ihre Sublabels eine sehr gute Zukunft vor sich haben.
Tobias:
Wenn du eure ersten Aufnahmen mit PRIME CREATION mit “Souls Of The Fallen” vergleichst – wo siehst du die größte Entwicklung der Band als Musiker, Songwriter und Menschen?
Esa:
Ich denke, unsere Refrains mit den Gesangsmelodien sind inzwischen zu unserem Markenzeichen geworden – ähnlich wie bei ABBA, QUEEN oder den EAGLES.
Tobias:
Welche Ziele stehen als Nächstes für PRIME CREATION auf dem Plan? Gibt es bereits Pläne für Tourneen, Festivals oder vielleicht neue Länder, in denen ihr bisher noch nicht gespielt habt?
Esa:
Wir möchten vor allem noch mehr live spielen – nicht nur in Schweden, sondern weltweit. In Schweden gibt es einfach nicht genügend Venues oder Publikum, um Bands aus dem unteren und mittleren Bereich dauerhaft tragen zu können.
Tobias:
Mit dem Wachstum der Band: Ist eine größere Headliner-Tour etwas, das ihr in den kommenden Jahren unbedingt erreichen möchtet?
Esa:
Ja! Halleluja! Amen dazu!
Tobias:
Bevor wir zum Ende kommen: Gibt es noch etwas, worüber wir nicht gesprochen haben und das du unseren Leserinnen und Lesern gerne mit auf den Weg geben möchtest?
Esa:
Helft uns dabei, auf Facebook, Spotify und in den Playlists weiter nach oben zu kommen. Das würde für die Band wirklich einen großen Unterschied machen!
Tobias:
Vielen Dank für deine Zeit und die ehrlichen Antworten! Die letzten Worte gehören dir.
Esa:
Wie jede Band würde ich sagen: Hört euch “Souls Of The Fallen” an, kauft das Album und unterstützt die Band – damit macht ihr wirklich einen Unterschied! Und schaut euch auch unsere früheren Alben an und hört sie euch an. Sie sind genauso gut wie “Souls Of The Fallen”. Cheers!
Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Roger Johansson

