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RAUHBEIN – Unterwegs mit Henry auf der Autobahn

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Eigentlich sollte es ein ganz normales Interview werden. Am Ende entwickelte sich daraus jedoch ein sehr lockeres Gespräch, das weit über das neue Album “Rebellen & Helden” hinausging. Während ich zu Hause vor dem Rechner saß, befand sich Henry bereits auf der Heimreise vom Auftritt beim Hörnerfest – UBad Open Air in Brande-Hörnerkirchen. Trotz der langen Autofahrt nahm er sich Zeit für einen ausführlichen Videocall. Erstaunlicherweise funktionierten Bild und Ton während des gesamten Gesprächs ausgesprochen gut. Klar gab es hier und da einen kleinen Aussetzer – das deutsche Mobilfunknetz ließ grüßen –, insgesamt lief die Verbindung aber erstaunlich stabil.

Henry wirkte dabei ausgesprochen entspannt. Ausgeschlafen, gut gefrühstückt und – wie er lachend erzählte – hatte er an diesem Morgen auf der Autobahn sogar schon drei Meetings hinter sich. Beste Voraussetzungen also für ein ausführliches Gespräch über das neue Album, die anstehende Tour und vieles mehr.

Tobias:
Hi Henry! Wo erwische ich dich gerade?

Henry:
Ich bin gerade auf der Autobahn und auf dem Heimweg vom Auftritt gestern beim Hörnerfest – UBad Open Air in Brande-Hörnerkirchen.

Tobias:
Gestern noch auf der Bühne, heute schon wieder auf der Autobahn Richtung Heimat. Wie geht’s dir nach dem Gig?

Henry:
Sehr gut. Ich bin ausgeschlafen, habe gut gefrühstückt und heute Morgen auf der Autobahn tatsächlich schon drei Meetings hinter mich gebracht.

Tobias:
Bevor wir über “Rebellen & Helden” sprechen, muss ich dir noch etwas erzählen. Ich hatte vor Kurzem auf Instagram die drei bisherigen RAUHBEIN-Alben gepostet und mich gefreut, dass der Beitrag von deinem Account gelikt wurde.

Henry:
Da muss ich dir etwas gestehen. (lacht) Das war gar nicht ich. Rund um einen Albumrelease, die Tourvorbereitungen, Interviews, Videodrehs und alles, was sonst noch dazugehört, bin ich so eingespannt, dass ich das gar nicht mehr selbst schaffe. Deshalb übernimmt Mario bei uns einen Großteil der Social-Media-Arbeit. Ich kümmere mich um den Content, aber alles andere wäre zeitlich kaum zu schaffen.

Tobias:
Die Resonanz war auf jeden Fall richtig gut. Viele freuen sich schon auf das neue Album. Besonders schön fand ich den Kommentar einer Rollstuhlfahrerin, die ein gemeinsames Foto mit euch gepostet und geschrieben hat, wie sympathisch ihr als Band seid. Solche Rückmeldungen liest man gerne.

Henry:
Das freut mich sehr.

Tobias:
Neben dem ganzen Stress rund um den Albumrelease – wie groß ist inzwischen die Vorfreude, “Rebellen & Helden” endlich den Fans präsentieren zu können?

Henry:
Die ist riesig. Wir haben bereits zwei oder drei Warm-up-Shows für die Festivalsaison gespielt und dort einige der neuen Songs zum ersten Mal live ausprobiert. Gerade diese Konzerte sind wichtig, um zu sehen, wie die Stücke beim Publikum ankommen und ob sie live genauso funktionieren, wie wir uns das vorgestellt haben.

Am Merchandise-Stand war das anschließend schon ganz witzig. Immer wieder kamen Leute zu mir und wollten das neue Album direkt mitnehmen. Da musste ich sie leider vertrösten und sagen, dass es erst nächste Woche erscheint. Einerseits ist das natürlich schade, andererseits zeigt es uns, wie groß die Vorfreude auf die neue Platte ist.

Tobias:
Ich habe als Redakteur zwar den Vorteil, viele Alben schon vor der Veröffentlichung hören zu dürfen. Trotzdem freue ich mich jedes Mal darauf, wenn eine Platte, die mich wirklich überzeugt hat, endlich offiziell erscheint. Bei “Rebellen & Helden” ist das genauso. Songs wie ‘Mein Kaff’ oder auch der Titeltrack haben mich sofort abgeholt. Gerade ‘Mein Kaff’ dürfte jeder nachvollziehen können, der selbst aus einem kleinen Dorf kommt. Und “Rebellen & Helden” hat mich direkt an meine eigene Jugend erinnert.

Henry:
Super.

Tobias:
Der Albumtitel “Rebellen & Helden” wirkt auf den ersten Blick fast wie ein Widerspruch. Wenn man die Platte noch nicht kennt, könnte man meinen, dass beides Gegensätze sind. Du hast in der Promotion aber erklärt, dass das für dich zusammengehört. Was verbindet für dich Rebellen und Helden?

Henry:
Für mich steckt da viel von meiner eigenen Geschichte drin. Es gibt diese rebellische Phase, die wahrscheinlich viele Menschen kennen. Man passt nicht überall rein, stellt Dinge infrage und geht seinen eigenen Weg. So war das bei mir auch. Ich bin auf dem Land aufgewachsen, war der Typ mit den langen Haaren und irgendwie immer ein bisschen der Außenseiter. Ehrlich gesagt habe ich diese Rolle sogar genossen. Mir hat das gefallen, nicht mit dem Strom zu schwimmen und meine eigene Meinung zu vertreten.

Mit den Jahren verändert sich das aber. Jeder erlebt Phasen, in denen es ihm nicht gut geht oder das Leben schwierig wird. Irgendwann muss man Verantwortung für sich selbst übernehmen. Man muss sein eigener Held werden und sein Leben selbst in die Hand nehmen. Deshalb gehören für mich Rebellen und Helden zusammen – das ist keine Gegenüberstellung, sondern eher eine Entwicklung.

Tobias:
Das finde ich spannend. Ich habe vor unserem Gespräch noch einmal alle RAUHBEIN-Alben hintereinander gehört. Im Redaktionsalltag nimmt man sich diese Zeit viel zu selten. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich durch alle Alben ein roter Faden zieht. Ich glaube, viele Menschen ziehen Kraft aus deinen Texten und lassen sich davon motivieren. Man hört den Songs einfach an, dass sie aus eigenen Erfahrungen entstehen. Das ist etwas anderes, als wenn jemand über Wikinger singt und noch nie auf einem Drachenschiff gestanden hat.

Henry:
Genau das ist mir wichtig. Ich schreibe über Dinge, die ich selbst erlebt oder empfunden habe. Dadurch sind die Songs authentisch und die Leute merken das auch.

Tobias:
Ich muss noch einmal auf ‘Mein Kaff’ zurückkommen. Ich stelle mir vor, dass der Song live eine unglaubliche Energie entwickelt. Haben die Leute bei den ersten Konzerten schon mitgesungen?

Henry:
Ja, tatsächlich. Gestern habe ich mir vor dem Song sogar einen kleinen Spaß erlaubt und mit dem Publikum darüber gesprochen, dass ich selbst aus einem kleinen Kaff komme. Das kam richtig gut an. Beim Refrain habe ich die Leute natürlich zum Mitsingen animiert und das hat sofort funktioniert.

Ich will mich noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber ich habe langsam das Gefühl, dass ‘Mein Kaff’ so etwas wie der heimliche Hit des Albums werden könnte. Auch in den sozialen Medien hat der Song schon viele Reaktionen ausgelöst. Das freut mich besonders, weil das Schreiben unglaublich viel Spaß gemacht hat. Der Song ist mit einem Augenzwinkern entstanden und genau das kommt offenbar auch bei den Leuten an.

Tobias:
Das Album hat viele positive und energiegeladene Momente. Mit ‘Gevatter Tod’ kommt dann aber plötzlich ein sehr nachdenklicher Song. Für mich fühlte sich das fast wie ein bewusster Bruch zur ausgelassenen Stimmung der vorherigen Stücke an. War das so geplant?

Henry:
So bewusst haben wir das eigentlich gar nicht geplant. Der Song existiert, weil das einfach das echte Leben ist. Solche Situationen passieren ständig und wir erleben sie alle.

Erst gestern kam nach dem Konzert eine langjährige Besucherin zu mir. Sie erzählte mir, dass ihre Mutter vor zwei Wochen gestorben ist und die beiden immer gemeinsam unsere Musik gehört haben. Sie haben zusammen gelacht, gesungen und schöne Momente erlebt. Genau das zeigt doch, worum es geht. Es kann jeden Tag vorbei sein. Das sollte man sich zumindest immer ein Stück weit bewusst machen und sein Leben entsprechend leben.

Tobias:
Passiert es häufiger, dass Fans dir so persönliche Geschichten erzählen oder dir Nachrichten schreiben, auf die du dann auch antwortest?

Henry:
Ja, das kommt tatsächlich oft vor. Organisatorisch ist es natürlich kaum möglich, alles zu beantworten, weil einfach unglaublich viele Nachrichten kommen. Aber wenn ich merke, dass jemand gerade in einer wirklich schweren Situation steckt, versuche ich, mir die Zeit zu nehmen und zu antworten oder irgendwie zu reagieren. Außerdem gehe ich nach den Konzerten nach wie vor selbst an den Merchandise-Stand. Mir ist der direkte Austausch mit den Leuten wichtig. Dort bekomme ich oft das ehrlichste Feedback.

Tobias:
Nimmst du dir in solchen Fällen bewusst Zeit für deine Fans? Es gibt ja sicherlich viele Nachrichten oder E-Mails, in denen Menschen ihre persönlichen Geschichten mit dir teilen.

Henry:
Ja, das passiert tatsächlich häufiger. Organisatorisch ist das natürlich nicht immer einfach, weil einfach unglaublich viele Nachrichten zusammenkommen. Ich versuche aber, mir gerade für solche Situationen Zeit zu nehmen und den Leuten zu antworten oder zumindest irgendwie zu reagieren. Nach den Konzerten gehe ich nach wie vor selbst an den Merchandise-Stand, unterhalte mich mit den Leuten und hole mir direkt Feedback. Das ist mir wichtig. Natürlich kann ich nicht jede WhatsApp-Nachricht oder jede E-Mail beantworten, dafür ist es inzwischen einfach zu viel geworden. Aber ich gebe mir Mühe, so viel wie möglich selbst zu machen.

Tobias:
Das kann wahrscheinlich auch niemand erwarten. Trotzdem finde ich es bemerkenswert, dass du dir diese Zeit nimmst. Es gibt durchaus Künstler, bei denen solche Nachrichten komplett von anderen Leuten beantwortet werden oder gar keine Reaktion kommt. Gerade wenn deine Songs Menschen in schwierigen Situationen helfen, finde ich diesen direkten Kontakt unglaublich wichtig. Für mich macht genau das einen großen Teil der Authentizität aus, die heute leider nicht mehr selbstverständlich ist.

(An dieser Stelle machte uns kurz das Mobilfunknetz einen Strich durch die Rechnung. Die Verbindung stockte für einige Sekunden, bevor wir unser Gespräch fortsetzen konnten.)

Tobias:
Es passiert also tatsächlich häufig, dass Menschen dir erzählen, ein bestimmter Song habe ihnen in einer schweren Zeit geholfen?

Henry:
Ja, das kommt wirklich oft vor. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mich solche Geschichten nicht berühren. Ich kenne solche Situationen ja selbst. Auch ich habe in meinem Leben Musik gebraucht, um mich zu motivieren oder wieder aus einem Loch herauszukommen. Deshalb kann ich das sehr gut nachvollziehen.

Tobias:
Wenn du neue Songs schreibst – hast du dabei schon im Hinterkopf, wie sie später live funktionieren könnten?

Henry:
Das ist ganz unterschiedlich. Mal entsteht zuerst die Musik, mal zuerst der Text. Das kann man gar nicht pauschal sagen. Grundsätzlich schreibe ich die Songs aber schon mit einer Vorstellung davon, wie sie am Ende klingen oder wirken sollen. Bei ‘Mein Kaff’ hatte ich zum Beispiel dieses leicht deutsch-englische Hinterwäldler-Feeling sofort vor Augen. Während des Schreibens wusste ich teilweise schon, wie ein mögliches Video aussehen könnte. Manchmal entsteht so ein Song fast komplett im Kopf, manchmal muss man sich alles Schritt für Schritt erarbeiten.

Tobias:
Ist es eigentlich schon einmal passiert, dass ein Label oder jemand aus deinem Umfeld gesagt hat: “Mach das lieber anders”? Dass man versucht hat, Einfluss auf deine Songs oder Texte zu nehmen?

Henry:
Zum Glück genieße ich bei solchen Dingen große künstlerische Freiheit. Ich habe immer das letzte Wort. Wenn mir etwas nicht gefällt, dann wird es auch nicht gemacht. Natürlich gab es in der Vergangenheit Situationen – etwa bei Produktionen oder Songwriting-Partnerschaften –, in denen man gemerkt hat, dass man kreativ nicht mehr auf derselben Wellenlänge liegt. Dann habe ich irgendwann entschieden, neue Wege zu gehen und mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten. Mir ist wichtig, dass ich mich als Künstler frei weiterentwickeln kann. Ich möchte mich inspirieren lassen, neue Dinge ausprobieren und mich nicht verbiegen müssen. Diese Freiheit habe ich glücklicherweise – und darüber bin ich sehr froh.

Tobias:
Das kann ich gut nachvollziehen. Wenn dir jemand vorschreiben würde, wie deine Songs zu klingen haben, wäre das im Prinzip das Gleiche, als würde mir jemand sagen, wie ich meine Reviews schreiben soll. Da würde ich auch sagen: “Nein, mache ich nicht.” Am Ende lebt das Ganze doch von der Authentizität.

Henry:
Genau. Als Künstler denkst du zuerst darüber nach, was du erzählen möchtest und welche Geschichte du transportieren willst. Erst danach kommt die Frage, wie das Ganze am Ende funktioniert oder ob es profitabel ist. Natürlich möchtest du deine Musik veröffentlichen und den Menschen zeigen, was du geschaffen hast. Du willst hören, was sie davon halten. Heute hat sich die Musikbranche aber komplett verändert. Von seiner Musik leben zu können und sich ausschließlich darauf konzentrieren zu dürfen, ist inzwischen ein echter Luxus. Früher wurden Platten anders verkauft und konsumiert als heute. Mittlerweile brauchst du gute Partner, ein starkes Netzwerk und viele Menschen, die gemeinsam daran arbeiten, damit deine Musik überhaupt ihr Publikum erreicht. Erst dann hast du die Chance, davon leben zu können und weiter Musik zu machen. Ich bin unglaublich dankbar, dass ich heute an diesem Punkt stehe. Aber man darf sich nichts vormachen – das ist alles andere als ein Zuckerschlecken. Gerade wenn man sich anschaut, wie sich die Branche in den letzten Monaten und Jahren entwickelt hat, braucht man schon ein ziemlich dickes Fell.

Tobias:
Ich würde mir nie anmaßen, behaupten zu können, dass ich genau nachvollziehen kann, wie das Leben als Musiker aussieht. Jeder hat schließlich seinen eigenen Alltag und seine eigenen Herausforderungen. Aber auch als Redakteur und Konzertbesucher bekommt man mit, wie sehr sich die Branche verändert hat. Ich selbst höre Musik am liebsten von Vinyl oder CD. Natürlich nutze ich auch Streamingdienste – manchmal ist das mit meiner Gehbehinderung einfach praktischer. Trotzdem wird mein Plattenschrank ständig voller und meine Frau fragt sich regelmäßig, warum der Paketbote schon wieder eine neue LP bringt. (lacht)

Jeder hat eben seinen eigenen Kampf zu führen. Deshalb finde ich es wichtig, auch einmal die Perspektive des Gegenübers einzunehmen. Heute sind viele Meinungen sehr festgefahren. Man konsumiert etwas und urteilt sofort darüber, ohne sich zu fragen, wie die Situation auf der anderen Seite aussieht. Das erlebe ich selbst häufig auf Konzerten. Ich bin mit dem Rollstuhl unterwegs und es kommt immer wieder vor, dass sich Menschen einfach vor mich stellen, ohne darüber nachzudenken. Wenn ich dann höre: “Du siehst doch trotzdem noch etwas”, denke ich mir oft: Setz dich doch einfach selbst einmal dauerhaft in einen Rollstuhl, dann reden wir noch einmal darüber.

Gerade deshalb ist mir aufgefallen, dass ihr inzwischen die RAUHBEIN Foundation gegründet habt. Darüber würde ich gerne noch sprechen, weil ich finde, dass dieses Thema unbedingt in unser Interview gehört. Was steckt hinter der Foundation?

Henry:
Danke, dass du das ansprichst. Das ist für mich wirklich eine Herzensangelegenheit.

Die Idee zur RAUHBEIN Foundation entstand genau aus den Erfahrungen, über die wir gerade gesprochen haben. Gerade in kleineren Clubs, aber auch später in größeren Hallen, habe ich immer wieder erlebt, dass Menschen mit körperlichen Einschränkungen nicht selbstverständlich mitgedacht werden. Das hat mich von Anfang an unglaublich gestört. Mit der Foundation möchten wir genau dort ansetzen. Natürlich ist unser System noch lange nicht perfekt und wir stehen selbst vor vielen Herausforderungen. Aber wir möchten wenigstens einen Ansprechpartner bieten. Wer Unterstützung braucht, kann sich bei uns melden und sagen, welche Einschränkungen oder Bedürfnisse bestehen. Dann versuchen wir gemeinsam mit den Veranstaltern eine Lösung zu finden – sei es ein besserer Platz, ein leichterer Zugang oder die Bereitstellung von Hilfsmitteln. Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit einem Veranstalter aus der Zeit, als wir noch in sehr kleinen Clubs gespielt haben. Er sagte damals ganz offen zu mir: “Ich könnte ein Podest mit Rampe bauen, aber dadurch verliere ich zehn oder fünfzehn zahlende Plätze. Das kann ich mir wirtschaftlich einfach nicht leisten.” Genau an solchen Punkten möchten wir ansetzen. Wenn wir wissen, dass in einem kleinen Club beispielsweise ein Podest mit Rampe aufgebaut werden muss und dadurch Plätze wegfallen, möchten wir versuchen, diese Ausfälle zu kompensieren. Das ist im Moment noch eher eine Vision als ein fertiges System, aber irgendwo muss man anfangen.

Deshalb sammeln wir über die Foundation Unterstützung und bauen gleichzeitig Kooperationen auf. Ein befreundetes Sanitätshaus hilft uns beispielsweise dabei, Rollstühle, Rollatoren, Rampen oder andere Hilfsmittel bereitzustellen. Gemeinsam versuchen wir dann, individuelle Lösungen zu finden. Jeder, der auf solche Hilfsmittel angewiesen ist, weiß schließlich, wie teuer das alles ist.

Die kommende “Rebellen & Helden”-Tour ist tatsächlich die erste Tour, bei der wir bereits konkrete Anfragen von Menschen bekommen haben, die Unterstützung benötigen. Ich hoffe sehr, dass wir das finanziell alles so umsetzen können, wie ich mir das vorstelle. Das wäre großartig – vor allem für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, aber auch für blinde oder andere beeinträchtigte Konzertbesucher.

Ich sage ganz bewusst, dass wir versuchen, das so gut wie möglich umzusetzen. Wir sind schließlich keine riesige Organisation mit unbegrenzten Möglichkeiten. Trotzdem stelle ich mich dieser Aufgabe gerne. Und selbst wenn wir zunächst nur erreichen, dass mehr Menschen über dieses Thema sprechen und dafür sensibilisiert werden, dann ist das bereits ein wichtiger erster Schritt. Die Resonanz auf die Foundation zeigt uns jedenfalls, dass immer mehr Menschen bereit sind zu helfen und sich zu engagieren.

Tobias:
Genau das finde ich so bemerkenswert. Ehrlich gesagt ist das das erste Mal, dass ich erlebe, dass eine Band dieses Thema aktiv aufgreift und sagt: “Wir kümmern uns darum.” Normalerweise hört man eher Sätze wie: “Wir schauen mal.”

Henry:
Ein schönes Beispiel dafür war unser erster Blutspende-Marathon. Insgesamt kamen 130 Blutspender zusammen, darunter 30 Erstspender. Darauf sind wir wirklich stolz. Mit diesen Spenden konnten wir rechnerisch bis zu 60 Menschen helfen. Genau solche Aktionen zeigen uns, dass man gemeinsam wirklich etwas bewegen kann.

An dieser Stelle endete unser Zoom-Gespräch leider abrupt, weil das Zeitlimit der kostenlosen Version erreicht war. Da Henry und ich dieses Thema jedoch unbedingt zu Ende bringen wollten, telefonierten wir anschließend weiter. Die folgenden Aussagen stammen deshalb aus meinem Gesprächsprotokoll.

Henry erzählte, dass mit den 130 Blutspenden rechnerisch bis zu 60 Menschen geholfen werden könne. Genau darum gehe es ihm mit der RAUHBEIN Foundation: Menschen sensibilisieren, Freude bereiten, Probleme sichtbar machen und Verantwortung übernehmen.

Wer in der Öffentlichkeit stehe, trage aus seiner Sicht auch Verantwortung. Man müsse mit gutem Beispiel vorangehen, offen bleiben, andere Menschen respektieren und nach dem Motto “Leben und leben lassen” handeln. Natürlich gebe es dafür auch Kritik. Damit müsse man umgehen können. Für ihn sei das jedoch kein Grund, seinen Weg zu verlassen.

Zum Abschluss richtete Henry noch einige Worte an die Leserinnen und Leser sowie an alle RAUHBEIN-Fans. Er freue sich darauf, die Menschen auf der kommenden Tour wiederzusehen, wünsche allen viel Spaß mit dem neuen Album “Rebellen & Helden” und bedankte sich für die großartige Unterstützung.

Für mich war dieses Gespräch etwas Besonderes. Eigentlich war es gar kein klassisches Interview, sondern vielmehr ein lockerer Austausch mit einem Musiker, der mit beiden Beinen fest im Leben steht. Wir sprachen längst nicht nur über Musik, sondern auch über Verantwortung, Zusammenhalt und den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Genau diese Bodenständigkeit und Authentizität machen Henry und RAUHBEIN für mich so sympathisch.

Die RAUHBEIN Foundation

Mit der RAUHBEIN Foundation möchte die Band Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen den Zugang zu Konzerten erleichtern. Ziel ist es, gemeinsam mit Veranstaltern individuelle Lösungen zu finden und Konzertbesuche für möglichst viele Menschen barriereärmer zu gestalten. Darüber hinaus unterstützt die Foundation soziale Projekte und möchte Menschen für Themen wie Inklusion, gesellschaftliche Verantwortung und Zusammenhalt sensibilisieren.

Weitere Informationen sowie die Möglichkeit, die Foundation zu unterstützen, findet ihr unter:

https://www.rauhbein-foundation.de

https://www.rauhbein-foundation.de/projekte/

Vielen Dank an Henry für das offene und angenehme Gespräch. Ich freue mich schon darauf, RAUHBEIN im Dezember auf der “Rebellen & Helden”-Tour in Saarbrücken wiederzusehen.

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Moritz Ziegler