CRUSADE OF BARDS – TALES OF DISTANT WORLDS

CRUSADE OF BARDS

Titel: TALES OF DISTANT WORLDS

Label: NOCUT ENTERTAINMENT/OPEN

Spieldauer: 48:35 Minuten

VÖ: 24. Juli 2026

Die 2016 gegründeten spanischen Symphonic Metaller CRUSADE OF BARDS habe ich schon seit einigen Jahren auf dem Schirm. Spätestens seit der Zusammenarbeit mit Goldkehlchen Fabio Lione bei `Lies & Ashes` auf ihrem zweiten Dreher “Tales of the Seven Seas“ (2022) rückte die von Paolo Andreotti (Keyboards & Gesang) und Eleanor Tenebre (Gesang) aus der Taufe gehobene Band in meinen Fokus.

Während beim Debütalbum “Tales of Bards & Beasts“ (2019) klassische und volkstümliche Instrumentierungen mit modernen Metalsounds verschmolzen, orchestrale Klänge auf Folk-Melodien trafen, Chöre und traditionelle Instrumente sowie heavy Riffs bewegende Balladen und streitlustige Hymnen ausmachten, stand beim bereits erwähnten Nachfolger sowohl musikalisch als auch konzeptionell der Aspekt des maritimen Symphonic Pirate Metal im Vordergrund.

Nun erscheint mit “Tales Of Distand Worlds“ das dritte Studioalbum und gleichzeitig der Abschluss der Tales-Trilogie. Mit zwei Gesangsstimmen (männlich/weiblich), die zudem sehr variabel zwischen Klar-, Metal und Operngesang sowie Growls agieren, anspruchsvollen Orchestrierungen, Folk- und Pagan-Anklängen und einer dramatischen Fusion aus Chören und Metal kreiert das Sixpack aus dem Großraum Madrid erneut einen unverwechselbaren Sound aus  Symphonic, Folk, Gothic, Pagan und gar Melodic Death Metal Einflüssen.

Hinzu kommen dramatische, theatralische Elemente, symphonische Größe und die Energie und Power des Metal, welche auch die abzüglich Intro elf neuen Songs ausmachen. Dunkel, episch und ausgereift wenden sich die neuen Tracks „in ätherische Reiche, dunkle Emotionen und die verborgenen, esoterischen Aspekte des Daseins“. Weg von den äußeren Seeabenteuern blickt man „stattdessen in innere Landschaften, schattenhafte Visionen und mystische Reflexionen“.

Musikalisch wird die Pompösität und folkige Erhabenheit früherer Veröffentlichungen durch einen mystisch-introspektiven, härteren und zugleich feierlicheren, atmosphärischen Stil abgelöst: schwerere Stimmungen, düstere Melodien, mitreißende Chöre. Aber keine Bange, hier wird auch weiterhin aus allen symphonischen Rohren gefeuert und großartige Kompositionen wie die packende Vorabsingle `Her Scarlet Bouquet´ sind an der Tagesordnung und profitieren vor allem von den ungemein variablen Vocals. Da darf auch die Sängerin neben ihrem opernhaften Gesang mal ein paar Growls auspacken (`Curator´s Lair´) und ihrer inneren Heidi Sheperd freien Lauf lassen, während ihr Kollege auch cleane Vocals und Harmonien beisteuert, was das ein oder andere Mal auch zu packenden Duett-Passagen führt.

Folk- und Pagan-Anklänge gibt es vor allem in diversen Instrumentierungen sowie in Form von weiblichen, kanon-artigen, mehrstimmigen Gesängen (`November´s Ode´) und der kräftigen, tiefen, männlichen Vocals im melancholisch-eindringlichen Finale `Ten Steps To The Gallows´. Da ist Gänsehaut programmiert.

Insgesamt wirkt das Ergebnis beinahe feierlich sowie ernst, tiefgründig und reif. Die musikalischen Weiterentwicklungen und grandioses Songwriting führen zu ungemein abwechslungsreichen, kurzweiligen, nachhaltigen Arrangements und einem homogenen, mitreißenden Langeisen für Fans von theatralischem Symphonic Metal mit Seele, Tiefgang und Atmosphäre.

Bis hin zum dezent-dunklen Coverartwork macht die Band hier einfach mal sehr sehr vieles goldrichtig. Sollte also an der oft gehörten Behauptung, die dritte Scheibe sei das „Make It Or Brake It/Do Or Die“ Album, etwas dran sein, dann muss 2026 das Jahr von CRUSADE OF BARDS werden!

Michael Gaspar vergibt 9 von 10 Punkten