WARNING
Titel: RITUALS OF SHAME
Label: RELAPSE RECORDS
Spieldauer: 45:06 Minuten
VÖ: 19. Juni 2026
Darf man nach dem Jahrtausendalbum Watching from a Distance der UK-Doomer noch eine Steigerung erwarten? Eine schwierige Frage deren Beantwortung auch 20 Jahre nach dem Opus Magnum von WARNING schlichtweg unmöglich erscheint. Mit „Rituals of Shame“ kommt ein Comeback, dass wie auch immer unter kritischen Blicken bleiben wird. Der Versuch einer Einordnung der Scheibe.
Gleich der Titeltrack startet mit knapp 13 Minuten diese emotionale Reise. WARNING versuchen erst gar nicht ihr Meisterwerk zu kopieren. Allerdings laufen die Doomsters jetzt nicht jauchzend über die sommerliche Blumenwiese und tanzen ihre Namen. Eher ist „Rituals of Shame“ typischer denn je für WARNING. Patrick Walkers tief gehende Vocals, die stellenweise immer noch schief wirken aber mittlerweile deutlich geordneter klingen. Und dennoch versprühen sie diese ewige Trostlosigkeit und Trauer. Vielleicht etwas weniger diese schiere Verzweiflung aber immer noch unter die Haut gehend. Eingebettet ist das Ganze in Schwere und Langsamkeit.
Das Gitarrenspiel von Walker und Wayne Taylor formt die emotionalen Risse, der Rhythmusfraktion aus Andy Prestige (Drums) und Marcus Hatfield (Bass) obliegt das soundtechnische Fundament. Der Sound lässt keine Wünsche offen und songwriterisch ist den Jungs aus Harlow, Essex, wieder eine jederzeit schwermütige, teils verträumte aber auch hypnotische Platte gelungen. Die verzweifelte Fiebrigkeit des Vorgängers findet man selten und eher in abgewandelter Form. WARNING setzen also ihre Entwicklung fort und wiederholen sie nicht. Ihr schwerer Doom ist geblieben, ihr Schwermut fühlt sich aufgeräumter aber nicht weniger tiefgründig an.
Und auch wenn die Platte wirklich gutklassig geworden ist, so weist sie doch die ein oder andere Länge auf, gerade in der zweiten Albumhälfte. Das ist kein Beinbruch und vielleicht auch Ausdruck der evolutionären Entwicklung von WARNING. Und auch wenn es unmöglich erscheint ein Album wie Watching from a Distance zu toppen, kann „Rituals of Shame“ seine eigenen Duftmarken setzen. Die Relevanz und Stärke der Scheibe ist an keiner Stelle fraglich. Und manchmal schimmert doch noch ein Funken Hoffnung durch.
Ingo Holzhäuser vergibt 8,5 von 10 Punkten


