Mit Nadine von SPACE PARASITES spreche ich über das neue Album “Make Me Evil”, die Entwicklung der Berliner seit ihrer Gründung im Jahr 2017 und darüber, wie aus einer Thrash-Metal-Truppe Schritt für Schritt eine Heavy-/Thrash-Metal-Macht aus der Hauptstadt geworden ist. Nach Veröffentlichungen wie “A Date With Thrash Doctor”, “Raw And Violent” und “The Spellbound Witch” steht nun das nächste Kapitel der Bandgeschichte an. Mit “Make Me Evil” schicken SPACE PARASITES zehn neue Songs ins Rennen, die zwischen Heavy Metal, Thrash, Hexen, Horror, Wahnsinn und jeder Menge Druck auf dem Kessel pendeln. Natürlich sprechen wir nicht nur über das Album selbst. Es geht auch um die Entwicklung des Bandsounds, die Geschichten hinter Spitznamen wie “Danger Dine”, “Iron”, “Massaker” oder “Terror”, den Weg zum Metal, Lieblingsformate zwischen Vinyl, CD, Kassette und Streaming sowie die Frage, was man als Metalhead in Berlin eigentlich unbedingt gesehen haben sollte. Und weil wir schon in der Hauptstadt unterwegs sind, klären wir natürlich auch die vielleicht wichtigste Frage überhaupt: Hertha oder Union?
Tobias:
Hallo nach Berlin! Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für meine Fragen nehmt. Wie geht es euch aktuell rund um die Veröffentlichung von “Make Me Evil”?
Nadine:
Hallo Tobias und vielen Dank für die Einladung! Uns geht es aktuell sehr gut. Die Veröffentlichung eines Albums ist immer eine aufregende Zeit, weil man so lange darauf hinarbeitet und plötzlich der Moment da ist, an dem die Songs nicht mehr nur uns gehören, sondern auch den Hörern. Wir sind gespannt, erleichtert und ein kleines bisschen nervös. Schließlich haben wir viel Zeit in “Make Me Evil” investiert. Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem wir die Platte auf die Welt loslassen und hoffen, dass sie ein wenig Chaos anrichtet. Gleichzeitig sind wir auch erleichtert, dass das Album nun fertig ist und veröffentlicht wird. Die Aufnahmen liegen hinter uns, und jetzt können wir uns darauf konzentrieren, die Musik unter die Leute zu bringen. Wir freuen uns auf die Reaktionen der Fans, auf Reviews, Interviews und hoffentlich auch darauf, die neuen Songs bald live spielen zu können. Insgesamt überwiegt aber vor allem die Vorfreude. Wir sind stolz auf das Album und können es kaum erwarten zu sehen, welchen Weg “Make Me Evil” nun gehen wird.
Tobias:
SPACE PARASITES sind inzwischen seit 2017 aktiv. Wenn ihr auf die Anfangstage zurückblickt: Was waren damals eure Ziele und wie stark unterscheiden sie sich von dem, was die Band heute ausmacht?
Nadine:
Ich glaube, unsere Ziele haben sich gar nicht so sehr verändert. Wir wollen spielen, unsere Musik nach draußen tragen, mit unseren Fans und Freunden eine gute Zeit haben und neue Leute sowie neue Bands kennenlernen. Am Anfang hatten wir allerdings keine Ahnung, ob das alles überhaupt funktionieren würde. Wir haben uns einfach getroffen, geprobt und geschaut, wohin die Reise geht. Richtig ernst wurde es für uns wahrscheinlich mit “The Spellbound Witch”. Da haben wir gemerkt, dass wir mehr wollten. Wir haben viele Konzerte gespielt, sind als Band zusammengewachsen und die Bühne hat uns endgültig in ihren Bann gezogen. Seitdem wissen wir, dass wir genau das machen wollen. Und genau deshalb wollen wir auch wieder zurück auf die Bühne.
Tobias:
Euer Sound hat sich über die Jahre hörbar verändert. Die frühen Veröffentlichungen waren noch deutlich stärker im Thrash Metal verwurzelt, während heute auch klassischer Heavy Metal eine größere Rolle spielt. Wie kam es zu dieser Entwicklung?
Nadine:
Ich glaube, das liegt vor allem an Matti. Er hat einfach noch einmal einen anderen Einfluss mit in die Band gebracht. Das war vielleicht genau das Tüpfelchen auf dem i, das uns noch gefehlt hat. Auch die Wechsel im Line-up haben sich bemerkbar gemacht. Mit der Zeit wächst man als Band zusammen und kann sich viel stärker auf die Feinheiten konzentrieren. Man wird zu einem eingespielten Team. Daschke und Matti spielen inzwischen zusammen wie ein altes Ehepaar. Wir haben mit “The Spellbound Witch” viele Konzerte gespielt. Auf Tour und bei den Shows lernt man sich kennen, wächst zusammen, tauscht sich aus – über Musik, Lieblingsbands und natürlich auch über das Lieblingsbier. Dabei entstehen neue Ideen, neue Einflüsse und irgendwann entwickelt sich daraus ganz organisch ein neuer Sound. Es war tatsächlich spannend zu beobachten. Plötzlich klang alles etwas runder, etwas kraftvoller. Eben heavier. Und am Ende macht es auf der Bühne einfach unglaublich viel Spaß.
Tobias:
Mit “Make Me Evil” veröffentlicht ihr euer erstes Album über Fetzner Death Records. Wie kam der Kontakt zustande und wie zufrieden seid ihr bisher mit der Zusammenarbeit?
Nadine:
Wir hatten schon länger mit dem Gedanken gespielt, uns nach einem neuen Label umzusehen. Duck von IRON SHIELD RECORDS hat uns dabei ein Stück weit den Weg geebnet. Nach einigem Hin und Her habe ich mich eines Abends hingesetzt und verschiedene Labels angeschrieben. Alexander hat sich ebenfalls zurückgemeldet und sich gefreut, dass wir dabei auch an ihn gedacht haben. Bisher war die Zusammenarbeit mit Alexander Fetzner und FETZNER DEATH RECORDS absolut erstklassig. Die Kommunikation funktioniert hervorragend, er kümmert sich wirklich um seine Bands und man merkt sofort, dass er mit viel Herzblut und Leidenschaft bei der Sache ist. Er ist ein toller Typ – geduldig, zugänglich und immer bereit, Fragen ausführlich und kompetent zu beantworten. Wir fühlen uns dort sehr gut aufgehoben und freuen uns darauf, gemeinsam zu sehen, wohin die Reise mit “Make Me Evil” führt.
Und mal ehrlich: Ein Label mit “Death” im Namen ist ohnehin unfreiwillig extraklasse cool.
Tobias:
Thematisch bewegt ihr euch erneut zwischen Hexen, dunklen Mächten, Wahnsinn und Vergeltung. Woher kommt eure Faszination für diese düsteren Themenwelten?
Nadine:
In der Theorie wollten wir schon immer etwas düster und gruselig daherkommen. Boooohoooo, ich bin gruuuuselig! Bei “Raw And Violent” lag die Inspiration noch stärker bei den Low-Budget-Horrorfilmen der Achtzigerjahre. Da war Iron Daschke die treibende Kraft. Als wir dann mit “The Spellbound Witch” angefangen haben, fragte mich Iron Daschke, ob ich die Texte übernehmen möchte. Das habe ich natürlich getan. Als großer Fan düsterer Autoren längst vergangener Zeiten fiel mir das sogar recht leicht. Für mich fühlte sich das oft an wie ein ganz persönlicher Traum im Hexenhaus. Der Wahnsinn war allerdings schon vorher da. Davon habe ich selbst mehr als genug. Als Kind habe ich einmal einen Damhirsch auf einer Waldlichtung gesehen. Wir haben uns angesehen, und ab diesem Moment habe ich beschlossen, anders zu sein. Warum? Keine Ahnung. Aber so war es. Danach kamen die Gruselhefte: “Vampirella”, “John Sinclair” und vieles mehr. Später folgten Autoren wie H. P. Lovecraft, Edgar Allan Poe, Algernon Blackwood und Stephen King. Und wir alle schauen gerne Horrorfilme. Die alten. Die richtig alten. Und ganz ehrlich: Wer kann schon Vincent Price widerstehen?
Vincent Price …
Tobias:
Die Spitznamen innerhalb der Band fallen sofort ins Auge: “Danger Dine”, “Iron”, “Terror” oder “Massaker”. Wie sind diese Namen eigentlich entstanden und steckt hinter dem einen oder anderen vielleicht eine gute Geschichte?
Nadine:
Naja, Iron Daschke – eigentlich besser bekannt als der sanfte Sebastian – fand, dass sich etwas mit “Iron” im Namen einfach deutlich cooler anhört. Vor allem, wenn man eine Vorliebe dafür hat, mit metallischem Suspensorium auf die Bühne zu gehen. Da passt “der sanfte Sebastian” einfach nicht so recht dazu. Wobei: Sanft ist Iron Daschke tatsächlich beim Tätowieren. Für euch ausprobiert! Matti fand es schon immer cool, dass wir überhaupt Bühnennamen haben, und wollte deshalb natürlich auch einen. Irgendetwas mit “Ma” am Anfang sollte es sein. Matti Maserati klang irgendwie nicht ganz richtig. Matti Massaker dagegen schon. Und wer ihn spielen sieht, weiß sofort, warum aus Matti Maserati schließlich Matti Massaker wurde. T-Moes Name stammt noch aus seiner alten Band. Ihm wurde damals schändlicherweise unterstellt, er hätte Rhythmusgefühl – sein Mojo sozusagen. Das doppelte “T” zieht sich ohnehin durch sein Leben. T-Error bei Fehlern, die Isle of Man TT, Motorradrennen allgemein. Irgendwann war “Terror” einfach die logische Konsequenz und passt bis heute erstaunlich gut zu ihm.
Und dann wäre da noch Danger Dine. Hahaha. Ja. Wer mich kennt …
Als wir uns damals Bühnennamen überlegen sollten, habe ich meinen besten Freund Lenin angerufen und mit ihm sämtliche möglichen Varianten durchgesponnen. Danger Dine blieb am Ende hängen. Da steckt einfach alles drin. Schließlich gibt es auch Darth Dine. Und Darth Dine beherrscht bekanntlich den Machtwürgegriff.
Tobias:
Erinnerst du dich noch daran, wie du überhaupt zum Metal gekommen bist? Gab es eine bestimmte Band, ein Album oder einen Moment, der den berühmten Schalter umgelegt hat?
Nadine:
Wir haben alle ziemlich früh angefangen, Metal zu hören. Aus vielen Gesprächen weiß ich, dass es bei Iron Daschke mit Bands wie W.A.S.P., Alice Cooper und seiner absoluten Lieblingsband MEGADETH angefangen hat. Bei Matti Massaker sieht es ganz ähnlich aus. Bei mir war es dagegen mein Papa. Er hat mich musikalisch stark geprägt. Einmal hat er mich nachts gegen vier Uhr geweckt, weil gerade “Quadrophenia” im Fernsehen lief. Ich war damals zwölf Jahre alt. Der nächste Schultag war eine totale Katastrophe, aber es hat sich gelohnt. Wegen ihm war die erste CD, die ich mir gekauft habe, “The Last In Line” von DIO. Und irgendwie hat mich diese Musik seitdem nie wieder losgelassen.
Tobias:
Wenn du privat Musik hörst: Vinyl, CD, Kassette oder Streaming – womit kann man dich am ehesten glücklich machen und warum?
Nadine:
Eigentlich mit allem. Beim Arbeiten läuft bei mir meistens irgendein Streaming-Dienst. Da möchte ich nicht ständig aufstehen oder lange nach Musik suchen. Es soll einfach laufen. Abends greife ich aber auch gerne mal zu einer Platte. Ich mag Vinyl sehr. Eine Schallplatte aufzulegen ist für mich ein bewussteres Musikerlebnis. Man nimmt sich Zeit dafür, hört das Album von Anfang bis Ende und beschäftigt sich vielleicht sogar noch mit dem Artwork. Trotzdem habe ich nichts gegen CDs oder Kassetten. Am Ende zählt für mich die Musik und nicht das Format.
Aber ja – eine schöne Platte macht mich schon glücklich. Die haben einfach etwas Authentisches.
Tobias:
Ihr kommt aus Berlin. Angenommen, ein Metalhead besucht die Hauptstadt zum ersten Mal – welche Clubs, Kneipen, Plattenläden oder Orte sollte man deiner Meinung nach unbedingt gesehen haben?
Nadine:
Oh Mann, schwierige Frage. Es gibt viele Orte – und irgendwie auch wieder nicht. In Berlin gibt es Clubs, in denen abends ein Metal-Konzert stattfindet, und sobald die letzte Band von der Bühne ist, wechselt das Publikum und es läuft Techno. Kein Witz. Natürlich wäre da das Halford in Friedrichshain. Wer es kennt, weiß Bescheid. Ich mag den Laden. Nette Leute, gute Musik und – erschlagt mich ruhig – alkoholfreies Bier vom Fass. Das finde ich großartig. Auch das Brutz & Brakel ist definitiv einen Besuch wert. Was Konzerte angeht, würde ich einfach schauen, was gerade läuft. In Berlin findet man eigentlich immer irgendwo eine gute Show, und danach geht es ohnehin noch in die Kneipe. Bei Plattenläden wird es für mich schwieriger. Das Problem ist, dass inzwischen viele ihre Musik nur noch digital kaufen. Ich kenne tatsächlich Leute, die nicht einmal mehr einen CD-Player zu Hause haben. (An dieser Stelle lege ich demonstrativ ein Tape ein, das ich von meinem besten Freund zum Geburtstag bekommen habe.) Die alten Plattenläden gibt es aber noch. Wer gerne stöbert, wird in Berlin definitiv fündig. Und dann wäre da noch das Ramones Museum. Außerdem gibt es immer mal wieder Ausstellungen rund um Rock und Metal, die einen Besuch wert sind.
Berlin hat sich über die Jahre allerdings sehr verändert. Deshalb wohne ich heute in Mecklenburg-Vorpommern.
Tobias:
Und weil wir gerade bei Berlin sind: Hertha oder Union – oder macht ihr um Fußball lieber einen großen Bogen?
Nadine:
Das fällt bei uns tatsächlich sehr unterschiedlich aus. Iron Daschke interessiert sich überhaupt nicht für Fußball. Matti Massaker würde vermutlich sofort und möglichst laut „Hansa Rostock!“ rufen. T-Moe Terror entspannt lieber bei Motorradrennen oder Martial Arts. Und ich? Vancouver Canucks. All the effing way. Wir sind also wahrscheinlich die falsche Band für die Frage „Hertha oder Union?“.
Tobias:
Zurück zu euch als Band: Wie wichtig ist für euch der Live-Aspekt? Gibt es bereits konkrete Pläne, “Make Me Evil” auf möglichst viele Bühnen zu bringen?
Nadine:
Ja, auf jeden Fall. Im Moment müssen wir allerdings erst einmal einen fähigen und coolen Drummer finden. Ohne Schlagzeuger wird es mit den Live-Plänen bekanntlich etwas schwierig. Aber natürlich wollen wir die Songs von “Make Me Evil” auf die Bühne bringen. Live zu spielen gehört für uns einfach dazu. Die Energie, die Atmosphäre und die direkte Reaktion des Publikums kann kein Studio und keine Streamingplattform ersetzen. Mir persönlich brennt es schon förmlich in den Kniekehlen. Ich habe jede Menge Ideen und kann es kaum erwarten, die neuen Songs endlich live zu präsentieren. Sobald die Besetzung wieder komplett ist, wollen wir definitiv möglichst viele Bühnen unsicher machen.
Tobias:
Habe ich etwas Wichtiges vergessen oder gibt es rund um “Make Me Evil” und SPACE PARASITES noch etwas, das ihr unseren Lesern unbedingt mit auf den Weg geben möchtet?
Nadine:
Eigentlich nicht. Ich glaube, wir haben euch inzwischen genug zugetextet. 🙂 Hört euch “Make Me Evil” an, unterstützt eure lokale Underground-Szene und passt auf euch auf. Mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.
Tobias:
Vielen Dank für eure Zeit und die offenen Antworten. Die letzten Worte gehören euch: Was möchtet ihr euren Fans und unseren Lesern noch sagen?
Nadine:
Support your local underground! Geht auf Konzerte, unterstützt Bands und haltet die Szene am Leben. Und kontrolliert eure Brüste. Meine hatten letztes Jahr Mordpläne. Schaltet den Fernseher aus und die Musik an. Bleibt gesund, bleibt hoffnungsvoll, bleibt laut und bleibt Metal. Passt auf euch auf.
Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Diana Hauck Fotodesign, Space Parasites

