Mit seinem neuen Album “Snowbound Horror” meldet sich Rogga Johansson mit RAVAGED BY THE YETI eindrucksvoll zurück. Nach dem vielbeachteten Debüt “Apex Predator” schien das Kapitel der ungewöhnlichen Death-Metal-Truppe zwischenzeitlich bereits beendet, doch die frostige Bestie aus den verschneiten Bergen war offensichtlich noch lange nicht bereit für den Winterschlaf. Gemeinsam mit Michael “Mike” Borders und Jon Rudin präsentiert Johansson nun elf neue Songs voller Groove, Brutalität und eisiger Atmosphäre.
Wir unterhalten uns über die Wiedergeburt von RAVAGED BY THE YETI, langjährige Freundschaften im Death-Metal-Untergrund, den Wandel vom grindcorelastigen Debüt hin zu einem deutlich groovigeren Sound und natürlich über die Frage, wie man überhaupt auf die Idee kommt, eine Band rund um Yetis, Schneestürme und blutige Bergexpeditionen aufzubauen. Außerdem verrät Rogga, warum der Yeti für ihn eher Antiheld als Bösewicht ist, weshalb die nächste Attacke der Schneebestie bereits in Arbeit ist und welche Rolle Bands wie OBITUARY oder SIX FEET UNDER für den Sound von “Snowbound Horror” gespielt haben.
Tobias:
Hallo Rogga! Schön, wieder mit dir sprechen zu können. Anfang des Jahres haben wir bereits ausführlich über EYE OF PURGATORY und “Darkborne” gesprochen. Wie geht es dir aktuell und wie zufrieden bist du mit den bisherigen Reaktionen auf “Snowbound Horror”?
Rogga Johansson:
Hey, ebenfalls schön, wieder mit dir zu sprechen. Da das Album zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht wurde, habe ich bisher noch nicht allzu viel Feedback bekommen. Alles, was ich bislang weiß, ist, dass das Label das Album liebt – und wir natürlich auch, haha. Die Reaktionen auf die bisher veröffentlichten Songs waren allerdings großartig. Es scheint, als würde die Veränderung im Sound den Leuten genauso gut gefallen wie uns.
Tobias:
Nach “Apex Predator” hatten vermutlich viele Fans den Eindruck, dass RAVAGED BY THE YETI Geschichte sein könnten. Wann wurde dir klar, dass die Bestie doch noch nicht begraben ist?
Rogga Johansson:
Ja, das Debütalbum erschien bei einem Label, das sich ehrlich gesagt überhaupt nicht um Promotion gekümmert hat. Daher konnten die Leute durchaus annehmen, dass das alles gewesen wäre. Wir hatten allerdings noch viele gute Ideen und wollten das Konzept weiterverfolgen. Deshalb haben wir beschlossen, weiterzumachen.
Tobias:
Das Debüt umfasste satte 24 Songs, während “Snowbound Horror” deutlich kompakter ausfällt. War das eine bewusste Entscheidung oder ergab sich das ganz natürlich während des Songwritings?
Rogga Johansson:
Das Debüt war stark vom Grindcore geprägt, wobei einige groovige und besonders schwere Songs dazwischen eingestreut waren. Auf dem neuen Album wollten wir den Fokus bewusst auf diese groovige Seite legen. Dadurch wurden die Songs automatisch länger als zuvor. Das ist letztlich die einfache Erklärung dafür, warum wir diesmal bei elf Songs gelandet sind und nicht bei mehr als doppelt so vielen.
Tobias:
Für Leser, die die Band noch nicht kennen: Kannst du uns das aktuelle Line-up vorstellen und erklären, wie Michael Borders und Jon Rudin ihren Weg zu RAVAGED BY THE YETI gefunden haben?
Rogga Johansson:
Ich bin Rogga Johansson und spiele Gitarre und singe. Mike übernimmt den Bass und Jon sitzt hinter dem Schlagzeug. Wir alle – inklusive Jonny, der noch auf dem Debütalbum dabei war – waren in den vergangenen Jahren gemeinsam bei MASSACRE aktiv. Irgendwann wollten wir einfach noch etwas Zusätzliches zusammen machen und fanden die Idee für dieses Projekt ziemlich cool.
Tobias:
Im Promotext wird mehrfach betont, dass die aktuelle Besetzung auf langjährigen Freundschaften basiert. Würdest du sagen, dass persönliche Beziehungen heute wichtiger sind als noch vor zwanzig oder dreißig Jahren?
Rogga Johansson:
Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich versuche grundsätzlich immer, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die ich als Freunde betrachte. Natürlich kennt man sich am Anfang oft noch nicht besonders gut, aber daraus entwickelt sich mit der Zeit eine Freundschaft. Und wenn das nicht passiert, arbeitet man meistens irgendwann auch nicht mehr zusammen. Das war früher meiner Meinung nach genauso.
Tobias:
Du bist an einer beeindruckenden Zahl von Bands und Projekten beteiligt. Was macht RAVAGED BY THE YETI für dich besonders? Warum braucht es diese Band neben PAGANIZER, RIBSPREADER, EYE OF PURGATORY und all deinen anderen Projekten?
Rogga Johansson:
Ja, es ist vielleicht wirklich ein bisschen viel, haha. Aber wir hatten einfach Spaß daran, gemeinsam Musik zu machen, und das ist die wichtigste Voraussetzung überhaupt. Dazu kommt das ungewöhnliche Konzept, das ebenfalls seinen Reiz hat. Mit dem neuen Album haben wir außerdem einen Sound gefunden, der uns richtig gut gefällt. Deshalb hat dieses Projekt definitiv seinen festen Platz neben meinen anderen Bands. Wir haben Spaß daran und lieben die Musik, die wir gemeinsam erschaffen. Tatsächlich arbeiten wir bereits am nächsten Album.
Tobias:
Kommen wir zur wichtigsten Frage des Interviews: Woher stammt überhaupt die Idee, Death Metal mit Yetis, Eis und Schneestürmen zu verbinden? Gab es einen konkreten Auslöser oder einfach die Lust auf etwas völlig Beklopptes?
Rogga Johansson:
Ich glaube, Mike erzählte irgendwann, dass sein Bruder ein Buch mit dem Titel “Ravaged By The Yeti” hatte. Der Name war einfach verdammt cool und sofort war das gesamte Konzept geboren. Eine Grindcore-Band über Yetis, die sich durch Bergexpeditionen hacken und fressen? Deal! Haha. Da war sofort klar: Das müssen wir machen. Und genau das haben wir dann auch getan.
Tobias:
Innerhalb eurer Geschichte und eures Konzepts: Ist der Yeti eigentlich das Monster, der Bösewicht oder eher eine Art Antiheld?
Rogga Johansson:
Vielleicht eher ein Antiheld, denn meistens sind es die Menschen, die in das Gebiet des Yetis eindringen. Die Menschheit verhält sich oft wie ein Parasit gegenüber allem. Wenn die Natur irgendwann die Nase voll hat, muss sie eben zurückschlagen.
Tobias:
“Snowbound Horror” klingt herrlich old school, besitzt aber gleichzeitig viele starke Groove-Momente. Wie wichtig ist Groove für euren Death Metal und welche Bands haben euch diesbezüglich besonders beeinflusst?
Rogga Johansson:
Das Debüt war deutlich stärker vom Grindcore geprägt, aber auch dort hatten wir schon viele dieser groovigen Passagen und Songs eingebaut. Diesmal wollten wir genau darauf den Fokus legen und einfach ein Album machen, das groovt, brutal schwer ist und gleichzeitig im Ohr bleibt. Alte SIX FEET UNDER, OBITUARY und ähnliche Bands waren definitiv ein wichtiger Einfluss darauf, wie das Album klingen sollte. Gleichzeitig gibt es aber auch viele Riffs, die im Grunde klassischer Heavy Metal sein könnten – nur eben tiefer gestimmt, mit Doublebass und Growls darüber.
Tobias:
Mit Songs wie ‘Vengeance In Fur’, ‘Tusk Of The Yeti’, ‘Death By Icicle’ oder dem Titeltrack ‘Snowbound Horror’ finden sich einige großartige Songtitel auf dem Album. Welcher Song repräsentiert die Platte deiner Meinung nach am besten?
Rogga Johansson:
Ich neige eigentlich immer dazu, meinen Lieblingssong an den Anfang eines Albums zu stellen, und diesmal war das nicht anders. Ich liebe ‘Vengeance In Fur’. Aber ehrlich gesagt sehe ich auf diesem Album keinen schwachen Song. Die Platte fließt einfach wunderbar und nimmt den Hörer mit auf eine schwere, groovige und brutale Reise voller Riffs, die sich direkt festsetzen.
Tobias:
Wenn du “Snowbound Horror” einem Fan deiner anderen Bands beschreiben müsstest: Was bekommt er hier, was er bei PAGANIZER, RIBSPREADER oder EYE OF PURGATORY nicht bekommt?
Rogga Johansson:
Mehr Groove, mehr entspannte Schwere. Ich glaube sogar, dass dieses Album jemanden ansprechen könnte, der normalerweise gar keinen Death Metal hört und dann plötzlich sagt: “Hey, das ist wirklich cool, das gefällt mir.” Zumindest hoffe ich, dass ich damit richtigliege, haha.
Tobias:
Wie sieht die Zukunft von RAVAGED BY THE YETI aus? Ist das Projekt langfristig angelegt oder entscheidet ihr von Album zu Album, ob die Schneebestie erneut aus ihrer Höhle kriecht?
Rogga Johansson:
Wir haben einfach unglaublich viel Spaß an dieser Band. Tatsächlich haben wir bereits mit dem nächsten Album begonnen und es ist sogar fast fertig. Es gibt keinerlei Pläne, das Projekt auf Eis zu legen. Die Songs kommen einfach immer weiter. Ich finde sogar, es sollte mehr Bands geben, die so stark auf Groove, Eingängigkeit und gleichzeitig auf Brutalität setzen. Hoffentlich sorgt dieses Album dafür, dass einige Leute das ähnlich sehen.
Tobias:
Kleiner Off-Topic-Ausflug: In unserem letzten Interview hast du erzählt, dass du gerne Horrorfilme schaust, Bier trinkst und klassische Nintendo-Spiele spielst. Gibt es aktuell einen Film, eine Serie, ein Spiel oder vielleicht sogar ein Album, das du unseren Lesern empfehlen würdest?
Rogga Johansson:
Ich lese auch sehr gerne Bücher, hauptsächlich Horror, und grille gerne, haha. Die Familie hatte durchaus Spaß mit “Five Nights At Freddy’s”. Der erste Film war unterhaltsam, der zweite dagegen eher weniger. Bei Serien lieben wir aktuell “FROM”. Diese unheimliche Atmosphäre macht die Serie wirklich stark. Spiele ich heute nur noch selten, und wenn, dann meistens alte Nintendo-Klassiker aus der 8- oder 16-Bit-Ära. “The Goonies II” wird für mich vermutlich nie übertroffen werden, haha. Musikalisch laufen bei mir aktuell vor allem die neuen Alben von SIX FEET UNDER und JUNGLE ROT. Beide sind großartig. Außerdem finde ich die letzten beiden GREEN-CARNATION-Alben fantastisch.
Tobias:
Und weil diese Frage einfach gestellt werden muss: Yeti, Bigfoot oder Nessie – welches dieser legendären Wesen gewinnt den Kampf um die Krone der Kryptiden?
Rogga Johansson:
Wenn ich als Kind hätte entscheiden müssen, wäre es definitiv Nessie gewesen. Ich habe damals unglaublich viel über Loch Ness gelesen. Natürlich auch über Yetis, Bigfoot, Chupacabras, Alien-Entführungen und all diese Dinge. Aber Loch Ness hatte für mich immer etwas, das sich irgendwie real anfühlte. Vielleicht liegt es daran, dass die Tiefsee und große Gewässer generell dieses Gefühl vermitteln, dass dort unten noch unbekannte Dinge lauern könnten.
Tobias:
Vielen Dank für deine Zeit und die offenen Antworten! Die letzten Worte gehören dir: Was möchtest du den Fans von RAVAGED BY THE YETI und den Lesern von OBLIVEON noch mit auf den Weg geben?
Rogga Johansson:
Ich kann jedem, der auf schwere, groovige und trotzdem brutale Musik steht, nur empfehlen, dem neuen Album eine Chance zu geben. Ich glaube, die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich hoch, dass es euch gefallen wird!
Interview: Tobias Stahl
Photocredit: RAVAGED BY THE YETI/Promo

