MYTHEMIA
Titel: WOLKENJÄGER
Label: NoCut
Spieldauer: 41:00 Minuten
VÖ: 17. Juli 2026
Wer MYTHEMIA kennt, weiß längst, dass die Folkrocker aus Nordrhein-Westfalen ihre Zuhörerschaft nur ungern mit beiden Beinen auf dem Boden stehen lassen. Stattdessen geht es regelmäßig hinaus in fantastische Welten voller Abenteuer, Sehnsucht, Fernweh und Geschichten, die man am liebsten bei einem – oder fünf – Met am Lagerfeuer oder vor einer Festivalbühne erlebt. Nach dem Vorgänger “Nimmerland” melden sich die Spielleute nun mit ihrem vierten Studioalbum “Wolkenjäger” zurück und bleiben ihrer Linie dabei treu. Verspielter Folk trifft auf melodischen Rock, eingängige Texte auf mitreißende Refrains und immer wieder schwingt dieses Gefühl von Freiheit mit, das die Musik von MYTHEMIA auszeichnet. Diese tolle Musik bringt das eingespielte Quintett um Sänger Rodrigo Mansilla, Geiger Thomas Pukrop, Bassist Marc Brode, Gitarrist Felix Tenten und Schlagzeuger Cedric Sowade auf die Bühne, in eure Wohnzimmer, in eure Herzen. Gemeinsam erschaffen sie eine Klangwelt, die gleichermaßen zum Träumen, Mitsingen und Tanzen einlädt. Inhaltlich dreht sich auf “Wolkenjäger” vieles um Abenteuerlust, Aufbruchsstimmung, Gemeinschaft und den Blick über den eigenen Horizont hinaus. Gleichzeitig positioniert sich die Band klar für Offenheit, Toleranz und Vielfalt – Werte, die sich nicht nur in einzelnen Texten, sondern auch in der grundsätzlichen Ausrichtung der Platte widerspiegeln.
Die Reise beginnt mit ‘Land In Sicht’. Ein flotter, tanzbarer Opener, der direkt gute Laune verbreitet und die Zuhörerschaft zum Mitsingen animiert. Alltag aus, Abenteuer an. Nach ‘Wenn Nicht Jetzt?’ folgt mit dem Titeltrack ‘Wolkenjäger’ eines der großen Highlights der Platte. Verträumt, lyrisch stark und musikalisch wunderbar umgesetzt, entwickelt sich die Nummer zu einer Hymne auf Freiheit und Unabhängigkeit, die künftig auf keiner Setlist fehlen sollte. ‘Nachtgeläute’ punktet mit einer sympathischen Botschaft gegen Vorurteile und für Offenheit. Besonders gelungen sind hier die Chorgesänge, die dem Song zusätzlichen Charme verleihen. Überhaupt verstehen es MYTHEMIA immer wieder, Gemeinschaft nicht nur textlich, sondern auch musikalisch hörbar zu machen. Das zeigt sich ebenfalls bei ‘Schlechte Heuer, Guter Wind’, dessen Herrenchor hervorragend funktioniert. Mit ‘Teufelskerl’ folgt ein Song, der direkt in Ohr und Bein geht. Kaum hat man den Refrain gehört, erwischt man sich beim Mitwippen. ‘Juwelenfieber’ schlägt dagegen etwas romantischere Töne an und präsentiert sich als charmantes Liebeslied mit besonders schönen Geigenmelodien. Überhaupt bleibt die Geige eines der wichtigsten Markenzeichen von MYTHEMIA und sorgt immer wieder für die folkige Seele der Platte. Klare Kante zeigt die Band bei ‘Der Horizont Ist Bunt!’. Die Botschaft ist eindeutig: Ausgrenzung und braune Ideologien haben keinen Platz. Stattdessen setzen MYTHEMIA auf Vielfalt und Zusammenhalt. Musikalisch bleibt die Nummer dabei ebenso eingängig wie ihre Aussage deutlich. Mit ‘Ahoi’ geht der Blick anschließend wieder in die Ferne. Fernweh, Abenteuerlust und die Sehnsucht nach neuen Horizonten prägen den Song und passen perfekt zum Grundgedanken des Albums. ‘Loreley’ dürfte aufgrund seines Titels zunächst falsche Erwartungen wecken. Wer hier eine klassische Vertonung der bekannten Sage erwartet, liegt allerdings daneben. Stattdessen liefern MYTHEMIA einen ebenso unterhaltsamen wie eingängigen Ohrwurm. Auch ‘Darauf Trinken Wir’ bleibt schnell hängen und entwickelt sich zur Hymne auf Freundschaft, Zusammenhalt und gemeinsame Erinnerungen.
Zum Ende der Reise gibt es mit ‘Heute Hier, Morgen Dort’ noch einmal echtes Vagabundenfeeling, bevor ‘Der Barde’ den Schlusspunkt setzt. Die Neuinterpretation des älteren Bandklassikers transportiert die Geschichte gekonnt ins Jahr 2026 und sorgt mit ihrem augenzwinkernden Blick auf mittelalterliche Bestrafungsmethoden für einen gelungenen Abschluss. Mit “Wolkenjäger” liefern MYTHEMIA genau das Album ab, das Fans der Band erwarten dürften. Die Mischung aus Folk, Rock, Abenteuerlust, Lebensfreude und klaren Botschaften funktioniert hervorragend. Die Songs laden zum Mitsingen, Tanzen und Träumen ein, ohne dabei beliebig zu wirken. Wer dem Alltag für knapp 41 Minuten entfliehen und sich auf eine musikalische Reise voller Sehnsucht, Freiheit und Gemeinschaft begeben möchte, sollte den Wolkenjägern unbedingt an Bord folgen.
Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten


