STRETTA
Titel: BACK FROM THE ABYSS
Label: Eigenveröffentlichung
Spieldauer: 44:26 Minuten
VÖ: Juni 2026
Mit ihren neu eingespielten Quasi-Best-of-Album „Back From The Abyss“ geben die bereits vor über 35 Jahren gegründeten Darmstädter Thrasher STRETTA (endlich) wieder ein richtig fettes Lebenszeichen von sich, das sich die Aufmerksamkeit eines größeren Publikums meiner Meinung nach mehr als verdient hat.
Persönlicher Hintergrund
Wir schreiben das (noch internetlose) Jahr 1993: In seinem kleinen hessischen Kaff bzw. im stillen Kämmerlein wächst im damals 16jährigen Verfasser mit Unterstützung einiger Mags (RockHard, Iron Pages, Heavy, oder was? etc.) ein immer größeres Faible für eher abgedrehtere bis leicht proggige (Thrash-)Bands wie Voivod, Anacrusis, Thought Industry oder auch Devastation und Atheist heran.
Guter Dinge macht sich der junge Metalhead mit zwei Kumpels in die nahegelegene „große“ Stadt Hanau auf, um dort seine punk-thrashigen Kaff-Kumpels namens Subjected abzufeiern. Und um dann von der damaligen Hanauer Vorband komplett weggeblasen zu werden. Die Täter: STRETTA. Das Album: Alone In The Blue. Allein schon die Tatsache, dass eine lokale Band eine CD veröffentlicht, imponiert zu dieser Zeit immens. Und die Songs sind irgendwie so wunderbar außerhalb jeder Norm und direkter Vergleichbarkeit, dass ich mir die CD bis heute immer wieder gerne reinfahre.
STRETTA
Leider ging es mit STRETTA danach nicht mehr so richtig weiter und lag spätestens seit dem Tod von Gitarrist und Gründungsmitglied Norbert Kramarek nach 1998 erstmal auf Eis. Die restlichen Mitglieder waren dazwischen auch mit der Darmstädter Kultband Kalögena unterwegs – aus denen später immerhin Bands wie Abandoned, Bösedeath, Lunatic Dictator oder letzten Endes auch Roxxcalibur entstanden sind. 2014 gab es dann zwei digitale Compilations mit alten Demosongs (In Cold Blood – cool) und unveröffentlichten Neuaufnahmen (Dirty Little Gods – mäßig), die sicher etwas Kultcharacter haben, aber sonst eher für Diehard-Fans interessant sind.
Viel interessanter ist es, dass Gründungsmitglied, Sänger und Gitarrist Raphael Piatkowski mit seinen ehemaligen Kalögena-Kumpels Peter Teicher und Florian Decher die Band seit 2020 wieder reaktiviert hat und mit „Back From The Abyss“ nach einigen Anlaufschwierigkeiten eine komplett neu eingespielte und arrangierte sowie zeitgemäß produzierte „Best of“ alter Glanztaten an den Start bringt und wie ein neues Album wirken lässt.
BACK FROM THE ABYSS
Die vier Songs ‚Into The Abyss‘, ‚Changing Places‘, ‚Dance Of Lies‘ und ‚Third Strike‘ sind die besten Songs der ersten Demos der Band knallen gerade im neuen Soundgewand richtig geil und speedig ins Gebälk. Schon hier sorgen diverse Midtempo-Passagen und vereinzelte Akustik-Einsprengsel für Abwechslung zwischen Exodus-mäßigem Geriffe und einigen recht eingängigen Refrains.
‚Holidaze‘, ‚Cup Of Reason‘ sowie die abschließenden ‚Among Thorns‘ und ‚Big Letters‘ stammen vom oben genannten Kult-Album „Alone In The Blue“, wurden um einiges kompakter eingespielt, sind aber weiterhin noch etwas progressiver als die alten Demo-Klassiker. Mir persönlich fehlt bei den Neueinspielungen ein wenig der Charme der „frickeligen“ Originale – im Gesamtkontext aber auch in diesen Versionen saugeil.
Dazu gesellen sich mit den beiden kompakten Dreiminütern ‚Skin‘ und ‚Spit‘ noch zwei neuere Songs, die im Direktvergleich mit dem alten Material simpler und grooviger, fast schon „modern“ rüberkommen. Hauen ganz gut rein und sorgen zwischen den alten Songs für perfekte Abwechslung und neue Nuancen. Muss aber auch ehrlich sagen: Ein komplettes Album in diesem Stil bräuchte ich nicht zwingend.
Anspieltipps aus allen drei Welten: ‚Into The Abyss‘, ‚Skin‘ und ‚Holidaze‘ – wer mit diesen drei Songs klarkommt, sollte auch den Rest des Albums mögen.
Fazit
Allen Fans von nicht wirklich mainstreamigen, teils groovigem, teils progressiven, teils speedigen Thrash möchte ich dieses Album wirklich ans Herz legen. Thrash-Fans, deren Horizont über Bands wie Metallica, Slayer, Exodus und Co. hinaus reicht als auch Freunde von deutschen Underground-Thrash-Bands wie Odium oder Silent Decay dürfen hier derbe Spaß haben.
Auf meine (möglichst) objektive Bewertung des Albums an sich gebe ich persönlich übrigens noch fette 1,5 Punkte aus reiner Nostalgie und musikalischem Underground-Thrash-Worshipping obendrauf. Geil, dass STRETTA überhaupt wieder – und dann auch noch gleich mit einem richtig toll produzierten physikalischen – Tonträger am Start sind – und zu allem Überfluss auch noch Interesse an Live-Auftritten verkünden.
Die CD (Cardsleeve mit Einleger) von „Back From The Abyss“ gibt es quasi gratis für 3 Euro Versandkosten. Vinyl (200 schwarz, 100 rot) wird voraussichtlich ab Juni 2026 erhältlich sein und ist für 20 Euro + 5 Euro Versandkosten bei der Band zu bestellen. Kontakt: stretta@devilmusic.de.
Joe Nollek vergibt 7,5 von 10 Punkten


