KEOPS – BITTER STORY FOR HUMANITY

KEOPS

Titel: BITTER STORY FOR HUMANITY

Label: NoCut

Spieldauer: 44:28 Minuten

VÖ: 22. Mai 2026

In Rijeka, im schönen Kroatien gelegen, genauer in der Kvarner-Region, kommen KEOPS her. Die Band hat ihre Roots im Metal, die sie kontinuierlich weiterentwickelt – daraus heraus begaben sie sich auch in eine Phase der Neuorientierung und somit zurück zum härteren Sound, stellten auf englische Texte um und zogen das Ganze deutlich intensiver und internationaler auf. Auch dadurch wurde ich auf die Kroaten aufmerksam und durfte “Road To Perdition” (2022, NoCut/SPV) besprechen, wo KEOPS genau diesen Wandel eingeläutet haben. Während die ersten beiden Releases noch stark in Richtung Pop-Rock gingen und in der Muttersprache gehalten waren, präsentierte sich die Band hier erstmals komplett auf Englisch und deutlich härter. Elf Songs, klar im Heavy Metal verankert, mit ordentlich Dynamik, starken Riffs und eingängigen Hooks – gefiel mir und deswegen gab es auch eine gute Bewertung. Hier ein Ausschnitt aus der damaligen Review:

Tracks wie ‘Keops’ und ‘Unconscious Mind’ haben direkt gezeigt, wo es hingeht: nach vorne, mit Druck und ordentlich Headbanger-Potenzial. Der Titeltrack ‘Road To Perdition’ lebte vor allem von der variablen Stimme von Zvonimir Špacapan, die von kraftvollen Shouts bis hin zu emotionalen Passagen alles abdecken konnte. Dazu kamen Nummern wie ‘Rise Again’, die mit Wucht aus den Boxen kamen, oder ‘Restless Waves’ als starke Power-Ballade. Auch ‘My Soul Released’ mit seinen düsteren, leicht progressiven Vibes und Tracks wie ‘When I Remember’ sind hängen geblieben – nicht zuletzt, weil sie auch inhaltlich nachwirken. Unterm Strich war “Road To Perdition” ein Album mit konstant hohem Niveau, fetten Gitarrensoli und genug Material, um sowohl Luftgitarristen als auch Headbanger glücklich zu machen. In der Band gab es auch personelle Veränderungen: 2025 wechselte man die Stimme – weg von “Male Fronted” hin zu “Female Fronted” mit Vana Beara. Natürlich gibt das der Band eine neue Stimme und auch eine andere Dynamik – gemeinsam mit Bruno Mičetić und Branimir Habek (Gitarren), Zoran Ernoić (Bass) und Adam Miler (Drums) geht man jetzt in die nächste Runde – und wir checken, wie sich das anhört und anfühlt! Doch vorher kommen KEOPS zu Worte, die über “Bitter Story for Humanity” sagen:

“Dieses Album ist zutiefst persönlich – ein emotionales Zeugnis dessen, wie viel uns Musik und diese Band bedeuten. Die Entstehung dieses Albums war intensiv. Wir haben alles in den Songwriting- und Aufnahmeprozess gesteckt, nur um dann einen Wendepunkt zu erleben: Unser Leadsänger verließ die Band kurz nach Fertigstellung des Albums. Anstatt aufzugeben, nahmen wir die Veränderung an. Nach mehreren Castings begrüßten wir mit Vana Beara als unserer neuen Frontfrau ein aufregendes neues Kapitel. Ihr kraftvolles Vorsingen und ihre mitreißende Bühnenpräsenz – die wir bei Winter-Clubkonzerten und Sommerfestivals erleben durften – ließen keinen Zweifel. Ihre Gesangsleistung auf diesem Album ist schlichtweg phänomenal. Dies ist unsere zweite Veröffentlichung für den europäischen Markt, und wir könnten nicht aufgeregter sein. Die Songs transportieren rohe, persönliche Botschaften – insbesondere der Titeltrack Bitter Story For Humanity. Musikalisch haben wir auf dem Groove-Metal-Fundament unseres vorherigen Albums aufgebaut, symphonische Elemente eingewoben und uns weiter in progressive Gefilde vorgewagt. Die Resonanz unserer Fans auf diese neue Richtung war überwältigend, und wir sind überzeugt, dass diese Weiterentwicklung noch mehr Anklang finden wird. An unsere treuen Fans: Vielen Dank für eure Unterstützung! An alle, die Keops gerade erst entdeckt haben: Herzlich willkommen in der Familie! Wir freuen uns darauf, dieses nächste Kapitel mit euch zu teilen.“

Die gut 40 Minuten KEOPS-Metal starten mit ‘Walk Of Death’ – mit einem gewissen Maß an “Rotz” und melodischem Druck. Die Stimme von Vana passt hier 1A zum Drive der Küsten-Metaller aus Rijeka. Ins Abenteuer stürzen wir uns mit KEOPS in ‘Breath Of Fire’ – ein klassischer “Slay the Monster”-Song, aber mit genug Spielraum, um ihn auch als Metapher für den eigenen Kampf zu sehen: Ziel vor Augen, Hindernisse im Weg, keine “Anleitung” zur Hand – der Sieg kommt am Ende trotzdem, aber nicht ohne selbst Wunden davon zu tragen. Die Wucht von ‘Misery Memento’ und die treibenden Beats von ‘Bitter Story For Humanity’, das einen ziemlich direkten Blick auf eine Welt wirft, die sich falsch anfühlt, wissen die Hörer mitzureißen. Im letzteren Lied befinden wir uns zwischen Sinnsuche, Frust und der Erkenntnis, dass das “bessere Leben” nicht einfach irgendwann kommt. ‘Bitter Story For Humanity’ ist ein toller, stimmungsvoller und nachdenklicher Song über Stillstand, Zweifel und den Versuch, in all dem (menschlichen) Chaos irgendwie klarzukommen. Mit ‘Sacred Land’ servieren KEOPS einen astreinen Power-Metal-Song, der on top ein bockstarkes Gitarrensolo als Topping mitbringt. ‘The Rite’ kommt ein bisschen düsterer angerauscht, dafür ist ‘She Sells Sanctuary’ ein starker Rocker im Stile von THUNDERMOTHER oder THE GEMS, der absolut Spaß macht und zum Grooven einlädt – toller “Good Vibrations”-Vibe, den KEOPS da verschießen. Eher kritisch und dunkler als der Vorgänger ist ‘False Gods’ gehalten – ich mag Vana und ihre Stimme total, wenn sie aber etwas “schwärzer” klingt, ist das brutal gut. Die beiden finalen Lieder ‘The Machine’ und ‘Sinner’ kommen als deftige Neckbreaker mit ähnlicher Mood wie in ‘False Gods’ – ein tolles, ruppiges Songtriple zum Abschluss des ersten Albums mit Frontfrau Vana, die super mit Bruno Mičetić und Branimir Habek (Gitarren), Zoran Ernoić (Bass) und Adam Miler (Drums) harmoniert.

Rau wie das Adriameer, melodisch wie ein Sonnenuntergang am Kap Kamenjak und so authentisch wie die herzlichen Kroaten selbst – genau so klingt “Bitter Story for Humanity” für mich. KEOPS gehen mit “Bitter Story for Humanity” ihren eingeschlagenen Weg weiter, haben mit Sängerin Vana eine Frau mit Power in der Stimme gefunden, die gleichzeitig frischen Wind reinbringt. Die neue Dynamik, die sie einbringt, verleiht den Songs eine andere Tiefe, ohne die Wucht und den Drive der Band zu verlieren. Zwischen druckvollen Nummern wie ‘Walk Of Death’, dem starken Titeltrack ‘Bitter Story For Humanity’ und den düsteren Highlights wie ‘False Gods’ zeigen KEOPS, dass sie sowohl Härte als auch Atmosphäre können. Dazu kommen mit ‘Breath Of Fire’ und ‘Sacred Land’ Tracks, die hängen bleiben und live garantiert zünden werden.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten