ELEGANT WEAPONS
Titel: EVOLUTION
Label: Exciter Records
Spieldauer: 54:11 Minuten
VÖ: 24. April 2026
“Horns For A Halo” wurde 2023 veröffentlicht und war, ist und bleibt eine absolut starke Platte, welche die “Supergroup” um Richie Faulkner (Gitarre, Songwriting), Ronnie Romero (Gesang), Rex Brown (Bass) und Scott Travis (Drums, Percussion; als Gast: Christopher Williams – Drums (additional), Percussion (additional)) bei Nuclear Blast veröffentlichte. Am 24.04. melden sich ELEGANT WEAPONS mit “Evolution” (Exciter Records) zurück – und das mit einem Line-up, das sich sehen lassen kann: Richie Faulkner (JUDAS PRIEST), Ronnie Romero (RAINBOW, MSG), Dave Rimmer (URIAH HEEP) und Christopher Williams (ACCEPT). Auch bei den Gästen wird nicht gekleckert: Jared James Nichols ist auf ‘Thrown To The Wolves’ zu hören, während Adam Wakeman bei ‘Keeper Of The Keys’ und ‘Come Back To Me’ die Keys beisteuert. Besonders sticht dabei ‘Rupture’ heraus – ein Instrumental, das nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich Gewicht hat. Der Track steht in direktem Zusammenhang mit Faulkners medizinischem Notfall im Jahr 2021 während eines Auftritts mit JUDAS PRIEST – und genau diese Erfahrung spiegelt sich auch in der Atmosphäre des Songs wider.
Faulkner kommentiert:
“Der Song basiert auf der Vorstellung, an Maschinen angeschlossen zu sein und um das eigene Leben zu kämpfen. Man hört den Herzschlag, aber auch Hoffnung und Anspannung. Am Ende bleibt nur noch Stille.”
Hell yes – hätte man mich rufen hören, wäre ‘Evil Eyes’ und das Opening-Solo nicht so laut aufgedreht gewesen. Genau so (!) muss man ein Album eröffnen, wenn man Leute wie Romero, Faulkner, Rimmer und Williams im Line-up hat. Inhaltlich geht es laut Richie Faulkner um eine Person, die Freude daran hat, anderen zu schaden – und dabei auch noch gesehen werden will. Groovy gehen ELEGANT WEAPONS in ‘Generation Me’ zu Werke, einem Song, der sich kritisch mit Social Media und Generationendenken auseinandersetzt. Mir machen jedoch die saustarken Gitarren und die warme Stimmlage so viel Spaß, dass der Hintergrund des Liedes tatsächlich erstmal in den Hintergrund rückt. Den musikalischen Bogen zum Opener bekommt das Quartett in ‘Bridges Burn’. Auch wenn der Song nicht ganz so wuchtig ist, bietet er tolle und eingängige Riffs zum Mitrocken und entstand laut Faulkner eher aus dem Moment heraus – was man der Energie auch anhört.
Nach ‘Holy Roller’, einem weiteren Rocker, ist ‘Come Back To Me’ eine feine, rockig-bluesige Ballade, die zum Relaxen geradezu prädestiniert ist – unterstützt von den Keyboards von Adam Wakeman. Ausgiebige Faulkner-Soli, starke Keyboard-Passagen und insgesamt mehr Härte packen die vier in ‘The Devil Calls’ – yes Sir, so macht Hardrock Bock! Den Bock wirft man am besten nicht den Wölfen vor, aber der Song ist definitiv ein Earcatcher: ‘Thrown To The Wolves’ ist die nächste “ich mach das Verdeck auf und rocke im Cabrio”-Hymne, bei der die Luftgitarre nicht fehlen darf – mit einem Gastbeitrag von Jared James Nichols. Ein paar kleinere Maiden-Vibes sind in ‘Shooting Shadows’ verbaut, einer vor Power nur so strotzenden Anthem.
Mit ‘Rupture’ schlagen ELEGANT WEAPONS einen anderen Ton an: Im Gegensatz zu den restlichen Songs des Albums handelt es sich hier um ein reines Instrumentalstück – und genau das verleiht dem Track zusätzliches Gewicht. Der Titel bezieht sich direkt auf Richie Faulkners lebensgefährliche Aortenruptur, die er 2021 während eines Auftritts mit JUDAS PRIEST beim Louder Than Life Festival erlitt. Musikalisch zeigt sich ‘Rupture’ entsprechend emotional und atmosphärisch. Der Song ist ein musikalisches Verarbeiten dieser Erfahrung und der darauffolgenden Genesung und bricht bewusst mit dem sonst riffgetriebenen, energiegeladenen Sound. In ‘Mercy Of The Fallen’ hauen ELEGANT WEAPONS wieder gewohnt auf die Drums, shredden Gitarren und Bass, und an der Front steht “die wohl beschäftigste” Stimme im Rockbereich und macht Eindruck. Inhaltlich greift der Song Themen wie inneren Kampf und Durchhaltevermögen auf – alles wie gehabt? Nein, alles ist bockstark und ungewöhnlich fesselnd.
Bei ‘Keeper Of The Keys’ ist mit Adam Wakeman (OZZY OSBOURNE, BLACK SABBATH) erneut ein starker Gast am Start, der dem Song mit einem markanten Keyboard-Intro direkt seinen Stempel aufdrückt. Im weiteren Verlauf zieht sich sein atmosphärisches Hammond-Orgel-Spiel durch den gesamten Track und gibt ihm eine eigene Note. Musikalisch trifft hier Orgel auf Gitarre und sanften Gesang – mit einem durchaus ernsten Hintergrund: Es geht um Internet-Trolle und Online-Gatekeeper, die anderen das Gefühl vermitteln, nicht gut genug zu sein. Das Thema zieht sich dabei auch über den Song hinaus und findet sich ebenfalls in ‘Generation Me’ wieder.
ELEGANT WEAPONS liefern mit “Evolution” ein Album ab, das von vorne bis hinten sitzt. Starke Songs, ein stimmiges Gesamtbild, top eingespielte Musiker – hier greift alles ineinander, ohne Leerlauf, ohne Ausfälle. Die Mischung aus eingängigen Hooks, starken Riffs, Atmosphäre und Spielfreude funktioniert durchgehend, dazu kommen Highlights wie ‘Evil Eyes’, ‘Rupture’ oder ‘Keeper Of The Keys’, die nochmal extra Akzente setzen. “Evolution” ist ein Brett, das man hört, fühlt, laut aufdreht und sich die Musik am liebsten direkt in die Adern injizieren würde.
Tobi Stahl vergibt 9,5 von 10 Punkten


