YOTH IRIA
Titel: GONE WITH THE DEVIL
Label: METAL BLADE RECORDS
Spieldauer: 46:17 Minuten
VÖ: 08. Mai 2026
Das neueste musikalische Statement der griechischen Black-Metal-Truppe YOTH IRIA trägt den Titel “Gone With The Devil“ und ist das dritte Studioalbum des Attica-Quartetts nach dem Debüt “As The Flame Withers“ (2021) und dem hypnotischen “Blazing Inferno“ (2024).
Düsterer, unmittelbarer, griechischer Black Metal trifft auf frische Klänge, vielseitige musikalische Elemente und haufenweise Atmosphäre, die Emotionen bestimmen die Strukturen, instinktiv und ohne künstlerische Beschränkungen:
„Es ist eine Mischung aus Aggression, tiefen Kontrasten und diesem ‚alten Staub‘, den das Land trägt. Es ist nichts, das man bewusst zu imitieren versucht – es steckt in unserer DNA. Hellenischer Black Metal besitzt Melodie, Theatralik, Geheimnis und eine Art Magie, die sich anderswo nicht leicht reproduzieren lässt. Griechenland gibt uns ein Fundament aus Mythologie, Tragödie, Symbolismus und Spiritualität. Wir suchen nicht danach, die klassische Antike wiederzubeleben; wir interpretieren sie durch eine dunklere, ritualistische, fast dämonische Linse. In unserer Musik kehrt die Antike nicht als Geschichte zurück – sie kehrt als Geist zurück.“
Es folgen neun abwechslungsreiche Tracks mit packenden Soli und sich duellierenden Harmonien, wie der packende Opener `Dare To Rebel´ bereits belegt. “Gone With The Devil“ ist ein Album der Kontraste: leichter zugängliche, klassische Heavy-Metal-Einflüsse und elegante, geschmeidig fließende Arrangements treffen auf dynamische Tempowechsel, düstere Riffs, einprägsame Melodien, fesselnde Leads und gnadenlose Blastbeats. Die Vocals wechseln zwischen heiseren Growls, fiesem Gekeife und melodischem Klargesang.
Ruhige Passagen wiegen den Hörer in Sicherheit, aber so entfalten die wilden Ausbrüche, wenn sie kommen, wie während des mittleren Teils des eindringlichen `The Blind Eye Of Antichrist´, eine noch verheerendere Wirkung. Der Track glänzt außerdem mit mediterraner Folklore und gotischen Kadenzmustern, großen Melodien und einem majestätischen Chor, bevor das mitreißende `I, Totem´ mit rhythmischen, tribalartigen Trommeln und hypnotischen Gesängen aufwartet, bevor die Black Metal Raserei startet.
In den Texten geht es thematisch um das Paradox von Macht und Glauben, was wir die Band am besten noch einmal selbst erläutern lassen:
„Diejenigen, die die Welt beherrschen, behaupten, Göttern zu dienen, Religionen aufrechtzuerhalten und Konzepte von Sünde und Strafe zu definieren – doch sie selbst erschaffen die Hölle, vor der sie andere warnen. Sie pflegen das Bild eines ‚Teufels‘ als einer Kraft des Bösen, während sie in Wahrheit ihre eigene Korruption auf diese Figur projizieren. In [der Geschichte des Albums] ist Luzifer kein Symbol des Schreckens, sondern des Lichts – eine Wahrheit, die von denen absichtlich verborgen wird, die vom Dunkel profitieren. Dieses Konzept bildet das Rückgrat des Albums und ist der Grund für den Titel Gone With The Devil.“
Mit `3am`ist der Band ein wahrer, treibender, atmosphärischer Black Metal Ohrwurm gelungen, gefolgt vom genialen Banger `Give `Em Beautiful Hell´ und nicht zu vergessen der epischen Vorabsingle `Blesses Be He Who Enters´.
Auch wenn nicht alle Tracks ganz diese Qualität erreichen und die heiseren Vocals auf die Dauer, vor allem in der zweiten Albumhälfte ein wenig eintönig geraten ist „Gone With The Devil“ unter dem Strich ein großartiges, modernes Stück Atmospheric Black Metal mit der nötigen Dunkelheit, begeisternden Mystik, spiritueller Intensität und musikalischer Spannung. Es hält permanent das „Gleichgewicht zwischen alt und modern, Gut und Böse, Harmonie und Dissonanz“ und unterhält den Hörer über die gesamte Spielzeit mit seiner musikalischen Klasse, seiner Melodik, Einfachheit, Dramatik und seinem ritualistischen Charakter.
Michael Gaspar vergibt 8,5 von 10 Punkten


