HYPOCRISY – ABBATH – VOMITORY – VREID – “Mass Hallucination“ Tour 2026

HYPOCRISY, ABBATH, VOMITORY & VREID

23. April 2026

Essigfabrik, Köln

Fans des extremen Metals zog es am Donnerstagabend in den Süden von Köln-Deutz wo – zweimal mit unerbittlichem Todesblei, zweimal mit eher schwarzer Energie – vier Vertreter des Genres, angeführt von den innovativen, schwedischen Death Metal Titanen HYPROCRISY mit mehr als drei Dekaden Historie auf dem Buckel, zur Show der gemeinsamen „Mass Hallucination“ Tour 2026 luden.

VREID

Besonders gespannt durfte man auf den heutigen Opener, die Extreme Metaller VREID und ihren intensiven Mix aus Black Metal, 70s Rock, Thrash sowie einem Schuss Prog, Punk und Folk in der Live-Umsetzung sein. Vielseitige Songs wie `Pitch Black´, das atmosphärische `Into The Mountains´ und der `Lifehunger´ Titelsong (2018) mauserten sich zu einem gelungenen, stimmungsvollen, düsteren Einstieg in einen schweißtreibenden Konzertabend. Basser Jarle „Hváll“ Kvåle versuchte immer wieder, die Menge anzufeuern, während Sänger/Gitarrist Sture Dingsøyr sich auf sein Kerngeschäft konzentrierte und lediglich eine kurze Vorstellung der Norweger übernahm. Zudem musste der Tieftöner launig vom obligatorischen Kölner Touri-Programm des Tages, welches offenbar aus einer Schweinshaxe und der Besichtigung des Doms bestand, berichten, bevor die Truppe den Opener `From These Woods´ sowie den Titelsong ihrer aktuellen Scheibe „The Skies Turn Black“, den sie als Ozzy Tribute ankündigen und verstanden wissen wollen, zum Besten geben. Gelungener Auftakt!

VOMITORY

Kaum zu glauben aber wahr, die schwedischen VOMITORY stehen bereits seit 1989 in diversen Line-Ups auf den Bühnen und dreschen ihren Death Metal der alten Schule. So natürlich auch in der Essigfabrik, denn das, was die Gustafsson Brüder sowie Fronter Erik Rundqvist bieten ist einfach nur purer, derber Schweden Death. Keinerlei Mätzchen, kein Theater keine großartige Interaktion, sondern immer in die sprichwörtliche Fresse. Zwischendurch den Songtitel und gut ist es weitgehend. Lediglich die Ansage dass`Rage Of Honour` dem letztens  verstorbenen Actionheld Chuck Norris gewidmet sei, unterbricht die reine Leere. Schade nur, dass an diesem Abend der Sound, ganz milde gesagt, völlig undifferenziert durch die Halle fegte, denn so verkamen einige der acht Brutalo-Tracks fast zu schierem Gebolze. Dennoch, die Banger freuten sich über neue und ältere Songs wie`Revelation Nausea`,`Terrorize Brutalize Sodomize`, den “In Death Throes“ Song `For Gore and Country` oder  auch `Chaos Fury` weitgehend gleichermaßen. Kurzum eine Old School Band mit einem Old School Gig der den Namen Death Metal alle Ehre machte.

 

ABBATH

Nach dem völlig puren Auftritt von VOMITORY erscheinen ABBATH, die in dichten Nebelschwaden wesentlich mehr Show bieten. Mit wilden, theatralischen Posen und einem beinahe überdimensionierten ABBATH Schriftzug auf der Bühne  startet die Band mit dem ersten Klopper `To War!`, und auch `Hecate` und `Acid Haze` bringen die Kölner Meute ins Schwitzen.  Natürlich steht Mastermind und Fronter ABBATH aka Olve Eikemo höchstselbst, mit Charisma und  gewohnt grimmiger Miene im Mittelpunkt, der Rock’n` Roll Show im Black Metal Gewand aber auch die Mannschaft, Langzeitgitarrist Raud, Drummer Ukri Suvilehto sowie ihr Tourbassist bangten und posten ordentlich und wirkten alles andere als statisches Beiwerk.

Bei den insgesamt zehn Songs, die einen gerade live immer wieder an die Venom und Bathory Ursprünge des Genres erinnern,  durfte auch die eigene Vergangenheit nicht fehlen und so kamen mit `In My Kingdom Cold`und `All Shall Fall` auch zwei Immortal Klassiker zum Einsatz, die beim dicht gedrängten Publikum entsprechende gute Reaktionen einfuhren. Professionell, agil und mit schneidendem Sound donnert die Band durch ihren Slot, der von `Dread Reaver`, `The Artifex`und `Winterbane` beendet wird. Die Fans waren sichtbar und unüberhörbar zufrieden mit der Performance und auch der ABBATH selbst schien es genossen zu haben.

 

HYPROCRISY

Bereits vor den ersten Tönen vom Opener `They Will Arrive´ wird klar, für wen der überwiegende Teil der Anwesenden heute Abend hier ist. Da bleibt kein Auge trocken, keine Faust ungeballt und kein Arm ungereckt. Peter Tägtgren und seine Truppe glänzen mit alten und neuen Songs und mit ihrem einzigartigen Death Metal Mix aus Härte, Melodie, Groove, vielseitigen Vocals und den typischen „PAIN Vibes“. Harte, schnelle Nummern wie ` Chemical Whore´ oder das „uralte“ `Inferior Devoties´ werden genauso abgefeiert wie das deutlich eingängigere `Children Of The Gray´. HYPOCRISY sorgen für viel Bewegung vor der Bühne, während das Ganze auf der Stage insgesamt recht statisch wirkt. Die üppige Lightshow, das schicke Backdrop sowie passende Videosequenzen, welche über etliche Displays rund um das Drumkit flimmern, sind dem Headliner des Abends aber definitiv würdig.

Die Band zieht die Menge mit insgesamt vierzehn Songs, die durch neun Alben der Bandgeschichte streifen, in ihren Bann, so dass für jeden etwas dabei ist. Unser Vordermann beispielsweise scheint sehnlichst auf `End Of Disclosure´ gewartet zu haben, während Fans der ersten Stunde wohl eher ein schneller Track wie `Killing Art´ glücklich macht. Die bangende, tobende, singende Meute ist sich aber einig, hier und heute die richtige Wahl getroffen zu haben und bildet dann gemeinsam den donnernden Chor zur Anfangsmelodie des eindringlichen `Deathrow (No Regrets)´, bevor das ultraschnelle `Adjusting the Sun´ den regulären Set beendet. Das Encore wird durch das viel umjubelte `Fractured Millennium´ eröffnet, während das unverzichtbare `Roswell 47´ als letzte von drei Zugaben den energiegeladenen, glücklich machenden Abend beschließt.

 

Text: Michael Gaspar,

Photo Credits: Sven Bernhardt