VANDERLUST – THE HUMAN FARM

VANDERLUST

Titel: THE HUMAN FARM

Label: ROCKSHOTS RECORDS

Spieldauer: 47:43 Minuten

VÖ: 17. April 2026

Diese Rezension dreht sich um das neue Album der italienischen Galactic Cosmic Prog Metaller VANDERLUST, die Sci-Fi Metal Opera Scheibe „The Human Farm“, der zweite Longplayer des Vierers nach dem selbstbetitelten Debüt aus dem Jahr 2022.

Die klare künstlerische Vision der Band ist es, Science Fiction mit der Sprache der Musik, einem Mix aus Melodic, Power, Heavy und Progressive Metal erlebbar zu machen und Songs zu erschaffen, die auf einem metallischen Fundament mit progressiven Strukturen und atmosphärischen Texturen die Vorstellungskraft des Hörers anregen und futuristische Geschichten erzählen.

Im kreativen Fokus steht dabei Gitarrist Francesco Romeggini, Bassist David Cantina ist seit 2025 neu mit an Bord. Bei aller Power und Dynamik steht stets die Balance zwischen technischen Details und emotionaler Tiefe im Vordergrund. Power Metal erscheint vor allem in den Vokalphrasierungen, während progressive Elemente und Einflüsse in den Strukturen, Arrangements und der Rhythmik hörbar werden und nicht unbedingt die Länge der eher kompakten Songs betreffen. Last but not least werden Sci-fi Atmosphäre und cinematisches Storytelling durch elektronische Schichten, das ein und andere orchestrale Arrangement und eine Erzählstimme befeuert.

Die elf Tracks des vorliegenden Sci-Fi Konzeptwerks drehen sich als fortlaufende Erzählung, die im Jahr 2500 n. Chr. spielt, um eine uralte außerirdische Spezies namens Coelacanth, welche der Menschheit Schutz und Wohlstand zu einem festen Preis anbietet: im Alter von vierzig Jahren muss jeder Einzelne eliminiert werden.

Das Album ist eine musikalische Reise, die, um Flow und erzählerische Kontinuität zu genießen und seinen Inhalt vollständig zu erfassen, eigentlich in seiner Gesamtheit gehört werden muss, aber auch über eingängige Songs verfügt, die sehr gut als Singles funktionieren, aber im Rahmen einer kompletten Hörerfahrung noch wirkungsvoller sind.

Zudem sorgen zwei Gastbeiträge für Furore. Francesco Londino (S91) trägt Keyboard-Parts über das gesamte Album bei, darunter auch und vor allem sein Solo bei dem wichtigen Song `Reborn … Again´. Martina Barreca (Mess Excess) übernimmt die Rolle der „Coelacanths“ und liefert sowohl Growls als auch weibliche, opernhafte Backing Vocals. Nach dem symphonischen Prolog `Humanity 2.0 – The Human Farm´, der den dystopischen Rahmen des Albums absteckt, werden ihre Growls direkt im grandiosen, schnellen Power Metal Banger `Golden Shackles´ hörbar, der zudem den ersten entscheidenden Bruch in der Handlung beschreibt. Lange nachdem die Menschheit das Leben in der sogenannten „Human Farm“ angenommen hat, beginnt der Protagonist Abe, die vermeintliche Perfektion und Sicherheit des Systems in Frage zu stellen.

`The Turning Point´ ist auch so eine faszinierende Nummer, Tool meets Power Metal, wenn wir so wollen, atmosphärisch und modern proggend und modern geht es auch direkt weiter mit der der packenden Rhythmik und dem verschachtelten Aufbau von `Connection Failed´, eingängig und anspruchsvoll zugleich mit symphonischen Chören und einem hymnischen Chorus.

`Viral Escape´ bietet hohes Tempo, kraftvolle US Metal Riffs und mitreißende Melodien, bevor auch `Battlefield´ mit Vollgas und beinahe thrashig um die Ecke kommt, intensiv und energetisch und mit einem weiteren eingängig-melodischen Refrain sowie vereinzelten Growls. `Drive´ ist eine verträumte, hoffnungsvolle Powerballade mit erneut einem sehr guten Chorus und das wie erwähnt riff-/piano- und synthielastige `Reborn … Again´ ein weiterer aufbauender, melodischer Track vor dem eindringlichen Finale, das Happy End ist beinahe schon in Sicht.

Für ein Album dieser Art sicherlich unerlässliche Interludes wie `… Find Them´, eine Konversation zwischen zwei Charakteren, oder das Instrumental `From The Cave – Fuga´ (musikalisch tatsächlich wie eine Fuge, also als die zeitliche versetzte Wiederholung eines musikalischen Themas in verschiedenen Stimmen auf jeweils unterschiedlichen Tonhöhen, angelegt) dienen der Story und der Atmosphäre, bringen das Ganze aber auch ein wenig ins Stocken und der finale Epilog `Humanity 3.0 – The New Canaan´, noch dazu das längste und  progressivste Stück der Scheibe sorgen für einen doch eher sperrigen Ausklang.

VANDERLUST präsentieren ein ausgereiftes, dynamisches, unterhaltsames und komplexes Werk mit den erwähnten herausragenden Songs sowie mit Tiefe, Emotion und Atmosphäre. Es steht aber zu befürchten, dass sie sich stilistisch ein wenig zwischen die Stühle setzen, da “The Human Farm“ für reine Progfans noch anspruchsvoller und vertrackter sein könnte, während es für Melodic/Power Metaller bereits zu stark Richtung Prog tendiert. Freunde aller genannten Genres sollten dieser talentierten Truppe aber mal eine Chance geben.

Michael Gaspar vergibt 8,5 von 10 Punkten