UNEARTHLY RITES – TORTURAL SYMPHONY OF THE FLESH

UNEARTHLY RITES

Titel: TORTURAL SYMPHONY OF THE FLESH

Label: Svart Records

Spieldauer: 40:01 Minuten

VÖ: 03. April 2026

UNEARTHLY RITES entstammen der finnischen DIY-Punk- und Hardcore-Szene und sind dort verwurzelt. Am 03. April 2026 veröffentlichen sie ihr zweites Full-Length-Album “Tortural Symphony Of The Flesh” über Svart Records, und das auf CD, LP und digital. Gegründet haben sich UNEARTHLY RITES im Jahr 2020; zuvor hat die Band eine EP (s/t, 2021) sowie ein Full-Length-Album (“Ecdysis”, 2024) veröffentlicht, das dystopische Visionen von kolonialistischer Gier und Ökozid erforschte. Im aktuellen Line-up stehen Sisli (they/them) am Mikro, Simo (he/him) und Santtu (he/him) an den Gitarren, Jennika (she/her) am Bass sowie Tapio (he/him) am Schlagzeug; laut begleitender Albuminfo präsentiert “Tortural Symphony of the Flesh” einen totalen Zusammenbruch von Natur, Mensch und Maschine sowie von Grenzüberschreitung, Lust und Macht, entwickelt musikalisch die erdrückenden Riffs und die charakteristisch modrig-düstere Atmosphäre der Band konsequent weiter hin zu einer noch bösartigeren und brutaleren Klanglandschaft und dokumentiert nicht nur die Gräueltaten der kapitalistischen Gesellschaft, sondern ruft ausdrücklich zum Handeln auf – zur Verteidigung der Natur sowie der Rechte ethnischer, geschlechtlicher und sexueller Minderheiten.

Die Band kommentiert:
“Tortural Symphony of the Flesh” vertieft unsere Kritik an kapitalistischer Unterdrückung als eine Kraft, die durch Ökozid die Natur zerstört, die Rechte von Minderheiten untergräbt und eine konservatorische Ideologie fördert, die letztlich kolonialistische Machtstrukturen stärkt. Natur und Mensch sind untrennbar miteinander verschmolzen in Bildern aus Metall, Wurzeln, Schlamm, Fleisch und Eis und formen eine unmittelbare Zurückweisung der fossil-industriellen Gesellschaft. Queere BDSM-Lust und die Worte von William Blake werden als Gegenmittel zur christofaschistischen Entwicklung angeboten.“

UNEARTHLY RITES werden ihr kommendes Album zunächst im März mit ausgewählten Shows in Finnland auf die Bühne bringen, bevor sie im Anschluss zu einer umfangreichen Release-Tour durch Europa aufbrechen, die sich über April und Mai erstreckt; begleitet werden sie dabei von Sonic Poison, die mit kompromisslosem Combat-Grind und brachialer Höchstgeschwindigkeit für die passende klangliche Eskalation sorgen. Ich habe reingehört und erzähle euch, was “Tortural Symphony Of The Flesh” drauf hat und was euch in der 40:01 Spielzeit erwartet.

Der Opener ‘Tuonen tulijat, manan menijät’ klingt in “lyrischer” Hinsicht, als hätten ein paar Zombies aus The Walking Dead eine Death-Metal-Band gegründet – musikalisch passt die Düsternis 1a zum “Gesang”; zugegeben, ein etwas ungewöhnlicher erster Song, der aber etwas Cooles hat, da wusste ich aber noch nicht wie es weitergeht. Der Titel ‘Tuonen tulijat, manan menijät’ entstammt der finnischen Mythologie und beschreibt sinngemäß jene, die aus dem Reich des Totengottes Tuoni kommen, sowie jene, die in die Unterwelt Manala hinabgehen, und greift damit eine düstere Bildsprache rund um Tod, Übergang und Jenseits auf.

Räudig wie der Winter Norwegens knallen die Finnen euch und mir ‘Sokli Fields Forever / A Radiative Picnic’ in die Fresse – atmosphärisch ist an der Nummer bis auf das gespenstische Wispern am Ende nichts, auch der gestöhnte Gesang, der sich teilweise anhört wie eine Truppe röhrender Hirsche mit Stimmbandentzündung, ist absolut nichtssagend; hier und während ‘Solstice’ “sprechen” die Instrumente die klare Sprache und laden ein, sich den Hypnosounds aus Gitarrengeschrammel und Schlagzeuggekloppe “hinzugeben”. In ‘A Stygian Winterscape’ strafen die Finnen mich ein bisschen ab; hier gibt es schon tolle Momente, die dem übrigen Sumpf aus ranzigem Gesang und rottigem Instrumentalgekloppe in keiner Weise ähneln – ein toller Kontrast, wie ich finde. Was in ‘Tortural Symphony of the Flesh’ abgeht, könnt ihr euch vorstellen, nämlich genau das Gleiche wie in den anderen Nummern: nicht viel. Über sieben Minuten Spielzeit bringt ‘Ignis fatuus’ mit, und das helle Gekreische bringt mich wirklich an eine Grenze, an der ich den “Song” nur mit etwas Selbsthypnose ertragen kann. Das Geschrammel geht in ‘Metalli, liha, kone’ weiter, während ‘Absurd Transgression’ mein Lieblingssong ist, denn in den knapp 35 Sekunden Spielzeit können UNEARTHLY RITES nicht allzu viel Vernichtung anrichten. Eventuell ist der Name des nächsten Liedes – ‘Not for the Weak’ – Programm und Ansage zugleich; ich bin froh, als ich die – erneut über sieben Minuten – Spielzeit überstanden habe, und stehe auch noch das Finale ‘The Notion of Emerging Totalitarianis’ durch, dann sind die 40 Minuten vorbei.

Ich bin wirklich am Suchen, damit ich etwas Positives über “Tortural Symphony of the Flesh” schreiben kann, aber außer den teilweise ganz okay klingenden Instrumenten und dem Gesang in ‘A Stygian Winterscape’ kann ich nichts finden, was mich annähernd dazu bewegen könnte, dieses Album noch einmal anzuhören, sorry. Nach einem Durchlauf reicht es mir ehrlich gesagt auch schon, denn dieses permanente Gegrunze geht mir einfach nur auf die Gehörnerven und macht es extrem schwer, überhaupt einen Zugang zu den Songs zu finden. Da hilft auch die stellenweise solide Instrumentalarbeit nichts, wenn der “Gesang” über weite Strecken abschreckt.

Natürlich wird es Fans geben, die genau auf diesen rohen, kompromisslosen Sound stehen – und das ist auch völlig okay so –, aber für mich funktioniert das Ganze einfach nicht und lässt mich ziemlich kalt zurück.

Tobi Stahl vergibt 4 von 10 Punkten