“Hell Is Here, Hell Is Home” heißt die neue Platte von BODYSNATCHER – und schon der Titel macht klar, wohin die Reise geht. Die Deathcore-Band aus Melbourne, Florida steht seit 2014 für kompromisslose Härte, brutale Grooves und Songs, die ohne Umwege in die Magengrube schlagen. Mit ihrem vierten Longplayer legt das Quartett um Kyle Medina (Gesang), Kyle Carter (Gitarre), Kyle Shope (Bass) und Chris Whited (Drums) noch einmal nach – wütender, persönlicher und direkter als zuvor. Was sofort auffällt: Die Platte wirkt fokussierter, düsterer und emotional aufgeladener. Themen wie Verlust, Wut, Verrat und persönliche Abgründe ziehen sich durch das gesamte Album und werden nicht nur angerissen, sondern bis ins Letzte ausgereizt. Gleichzeitig bleibt der typische BODYSNATCHER-Sound erhalten – massive Breakdowns, rohe Energie und ein Groove, der live komplett eskalieren dürfte.
Zeit also, genauer hinzuhören: Wie ist “Hell Is Here, Hell Is Home” entstanden? Was hat sich bei BODYSNATCHER verändert? Und wie viel Wut steckt wirklich in diesen Songs? Ich habe bei Kyle Medina nachgefragt.
Tobias:
Hi Kyle, danke, dass du dir die Zeit nimmst. Wo erreichst du meine Fragen gerade – im sonnigen Florida oder bist du unterwegs?
Kyle:
Ich bin tatsächlich gerade mit der Band auf Europa-Tour! Wir headlinen aktuell die Tour mit INGESTED, PSYCHO-FRAME und BIG ASS TRUCK! Ich bin gerade an unserem freien Tag in Polen.
Tobias:
“Hell Is Here, Hell Is Home” steht kurz vor der Veröffentlichung – wie fühlt sich dieser Moment für dich an und wie würdest du die letzten Monate für dich und die Band zusammenfassen?
Kyle:
Oh man, so viel ist in dieses Album geflossen und es hat so viele Opfer gefordert; wir waren fünf Wochen am Stück im Studio, haben Songs auseinander genommen und neu aufgebaut, dann aufgenommen; danach sind wir direkt für weitere fünf Wochen mit THE ACACIA STRAIN auf Tour gegangen, also war es ein ziemlich intensiver Prozess. Es war ein kompletter Wirbel aus ständigem Beschäftigtsein. Wir haben diese Tour beendet, waren einen Monat zu Hause und sind dann direkt wieder auf Tour gegangen, um WHITECHAPEL zu supporten, also fühlt es sich so an, als hätten wir eigentlich nie wirklich Zeit zum Durchatmen gehabt, haha. Aber wir sind sehr stolz auf das Album und ich denke, alle Songs sind extrem stark.
Tobias:
Wenn jemand BODYSNATCHER bisher noch nicht kennt – welcher Song von “Hell Is Here, Hell Is Home” würde am besten zeigen, wofür ihr heute steht?
Kyle:
Mein persönlicher Lieblingssong vom Album ist ‘Survive Or Die’. Ich finde, er hat alle Elemente, die die Band ausmachen: aggressive Riffs und Breakdowns, sehr wütende und aufgeladene Lyrics, und alle Parts gehen ineinander über und sind klar für die Live-Umsetzung und Moshpits gedacht.
Tobias:
Der Opener ‘The Maker’ geht direkt voll auf die Zwölf – roh, aggressiv und ohne Gefangene zu machen. Worum geht es in dem Song und würdest du sagen, dass er den Ton des Albums gut widerspiegelt?
Kyle:
Definitiv; ich denke, die Essenz von BODYSNATCHER ist immer Aggression und harte Breakdowns, die alles zerschmettern; Slam-Riffs, die sofort explodieren; und Riffs, die dich zum Grooven und Headbangen bringen sollen. Der Song handelt davon, einfach komplett angepisst und wütend auf die Gesellschaft und ihre Degeneration zu sein; im Grunde ein großes “Ich hasse euch”. Er fasst den Ton des Albums gut zusammen, es gibt keine “traurigen” oder “motivierenden” Songs, alles ist Wut und Aggression.
Tobias:
Viele Tracks fühlen sich persönlicher an als früher – gerade ‘May Your Memory Rot’ geht ziemlich tief unter die Haut. War es schwer, so offen zu sein, und ist diese Intensität eher ein Ergebnis des Schreibprozesses oder persönlicher Entwicklung?
Kyle:
Nein, es ist definitiv nicht schwer, offen zu sein. Wenn man sich unsere anderen Alben anhört, sind wir sogar noch viel tiefer ins Persönliche gegangen; deshalb fühlte es sich ganz natürlich an und es steckte nicht viel bewusstes Nachdenken dahinter. Ich denke, in gewisser Weise wird es inzwischen auch von uns erwartet, persönliche Geschichten in unserer Musik zu teilen.
Tobias:
Ihr behandelt Themen wie Wut und Rache, aber nie völlig ziellos. Wie wichtig ist es euch, dass hinter der Aggression auch eine Form von Verarbeitung oder ein klares Ziel steckt?
Kyle:
Ja, das gesamte Thema des Albums ist Rache und Wut. Vergeltung, Hass. Das sind die Emotionen und Themen, in denen die Band am stärksten ist; deshalb haben wir uns für dieses Album genau darauf konzentriert.
Tobias:
Mit Scott Vogel von TERROR auf ‘Survive Or Die’ habt ihr euch wieder einen Hardcore-Veteranen geholt. Wie kam es dazu, was bedeutet euch dieses Feature und ist diese Verbindung zur Hardcore-Szene ein bewusster Teil eurer Identität, gerade nach der Zusammenarbeit mit Jamey Jasta auf “Vile Conduct”?
Kyle:
Scott und TERROR sind unglaublich einflussreiche und legendäre Namen; wir wollten auf dieser Veröffentlichung wieder eine solche Stimme dabei haben, und als der Part geschrieben war, war das sofort die naheliegende Wahl. Das ist definitiv ein Teil unserer Identität; wir alle kommen aus der Hardcore-Szene und sind damit aufgewachsen, deshalb bedeutet es uns sehr viel, solche Features auf unserer Musik zu haben.
Tobias:
Du hast erwähnt, dass der Schreibprozess nicht immer einfach war und ihr manchmal in Sackgassen gelandet seid. Was hat euch geholfen, da wieder rauszukommen, und wie entscheidet ihr am Ende, welche Songs es aufs Album schaffen?
Kyle:
Will Putney spielt dabei eine riesige Rolle. Er hat geholfen, Songs und Ideen zu straffen, Überflüssiges rauszuschneiden und alles viel klarer und direkter zu machen. Ich würde sagen, er hat sowohl bei diesem als auch beim letzten Release einen enormen Anteil daran.
Tobias:
Eure Songs haben diesen Groove, der live komplett eskaliert. Denkt ihr beim Schreiben schon an die Energie im Pit oder entsteht das eher automatisch?
Kyle:
Ja. Die Songs werden alle mit Blick auf die Live-Umsetzung geschrieben – mit Moshpit und Crowd-Energie im Hinterkopf.
Tobias:
Zum Albumtitel: Ist “Hell Is Here, Hell Is Home” eher eine Beschreibung der Realität oder ein bewusst gesetztes Statement?
Kyle:
Eher ein bewusstes Statement; und wir fanden einfach, dass es verdammt gut klingt, haha.
Tobias:
Habt ihr schon konkrete Pläne, das Album auch nach Deutschland zu bringen – können wir mit einer Tour, Shows oder Festival-Auftritten rechnen?
Kyle:
Wir sind aktuell schon mit dem Albumtitel auf Headliner-Tour unterwegs; aber ich bin mir sicher, dass wir nächstes Jahr zurückkommen und noch mehr Songs vom Album spielen werden.
Tobias:
Habe ich etwas Wichtiges vergessen zu fragen, das du noch loswerden möchtest?
Kyle:
Ich denke, wir haben alles abgedeckt!
Tobias:
Dann gehört dir das letzte Wort: Was möchtest du euren Fans und unseren Lesern mit auf den Weg geben?
Kyle:
Das neue Album “Hell Is Here, Hell Is Home” erscheint am 10. April! Checkt es auf allen Streaming-Plattformen aus; außerdem könnt ihr es über unsere Social-Media-Seiten vorbestellen und kaufen – dort findet ihr alle Links! Vielen Dank an alle, die die Band supporten!
Interview: Tobias Stahl
Photo Credit: Alyssa Moreau

