BODYSNATCHER
Titel: HELL IS HERE, HELL IS HOME
Label: MNRKheavy
Spieldauer: 34:05 Minuten
VÖ: 10. April 2026
“Hell Is Here, Hell Is Home” heißt die vierte Langrille der Deathcore-Meister von BODYSNATCHER aus Melbourne, Florida. 2024 durfte ich bereits die von Will Putney produzierte EP “Vile Conduct” besprechen und bin gespannt, was das Quartett, bestehend aus Kyle Medina (Gesang), Kyle Carter (Gitarre), Kyle Shope (Bass) und Chris Whited (Schlagzeug), diesmal zu bieten hat. Schon damals zeigte die Band eindrucksvoll, wie kompromisslos, brutal und gleichzeitig eingängig moderner Deathcore klingen kann – ein wütendes Groovemonster, das alles niederwalzte. Mit “Hell Is Here, Hell Is Home” legen BODYSNATCHER nun nach und treiben genau das weiter auf die Spitze: rohe Energie, maximale Intensität und eine Katharsis, die so laut und direkt wie möglich aus den Boxen knallt.
Die Band hatte schon immer lyrische Wurzeln in Themen wie Verrat, dem Überwinden von Schwierigkeiten und dem Umgang mit Dingen, die im Leben passieren. Seit der Gründung von BODYSNATCHER war das unser zentrales Thema. Aber ich denke, je mehr wir als Band und als Menschen gewachsen sind, desto tiefer können wir diese Themen auch ausloten. Mit mehr Lebenserfahrung hat man einfach mehr, worauf man zurückgreifen kann. – Kyle Medina
Lyrisch bewegt sich “Hell Is Here, Hell Is Home” weiterhin stark im Persönlichen, weitet den Blick aber gleichzeitig auf das große Ganze: die aktuelle, dystopische Realität unserer Welt. Dabei bleibt es nicht beim bloßen Beobachten – die Band reagiert darauf mit einer brutalen Wut, die sich kompromisslos durch das gesamte Album zieht. Wie Schlagzeuger Chris Whited treffend beschreibt, ist die heutige Welt maßgeblich in das Album eingeflossen. Die Songs sollen dabei etwas bieten, mit dem sich Hörer weltweit identifizieren können. Gleichzeitig ist ein klarer Drang zur Gegenwehr spürbar – fast so, als würde man sich bewusst für Gewalt entscheiden, um gegen eine Welt zurückzuschlagen, die sich moralisch verloren anfühlt. Mit Scott Vogel von TERROR als Gast auf ‘Survive Or Die’ setzen BODYSNATCHER ein starkes Statement und knüpfen gleichzeitig an den gefeierten Feature-Part von HATEBREED-Frontmann Jamey Jasta auf “Vile Conduct” an – zwei absolute Schwergewichte der Hardcore-Szene, die unterstreichen, welchen Stellenwert BODYSNATCHER mittlerweile in der Szene erreicht haben.
Der brachiale Nackenzerstörer ‘The Maker’ eröffnet “Hell Is Here, Hell Is Home” und lässt durchblicken, wie infernal die Platte im weiteren Verlauf wird. “Are you scared? You fucking should be” ist die geilste Stelle in der Nummer. Verdammt wütend knallen BODYSNATCHER euch ‘Writhe And Coil’ und ‘Plague Of Flies’ vor den Latz, und in ‘May Your Memory Rot’ servieren die Jungs gnadenlose Breakdowns – Futter fürs Pit und geneigte Mosher.
Chris Whited über ‘May Your Memory Rot’: Der Song entstand in der ersten Nacht im Studio. Es war Vatertag – ein Datum, das für mich viel Ballast mit sich bringt. Ich habe an meinen Neffen gedacht, der beide Eltern verloren hat, als meine Schwester an einer Überdosis starb und sein Vater ermordet wurde. Und an meine Nichten, die ihren Vater verloren haben, als mein Bruder starb.
Wie es ist, wenn pure Schlagzeug- und Gitarrenenergie aus den Boxen feuert, zeigen die Jungs während ‘Violent Obsession’. ‘No Savior’ startet verhältnismäßig “soft”, um den Hörer dann mit aller Kraft aus der Kehle von Kyle Medina plattzuwalzen. Weiter geht die tollwütige Rifforgie mit ‘Blade Between The Teeth’, dem ultra-gnadenlosen Wirbelbrecher ‘Two Empty Caskets’ und ‘Survive Or Die’ mit Scott Vogel als Gast, dem legendären Shouter von TERROR – eine verdammt starke Nummer und vielleicht der Höhepunkt des Albums, wäre da nicht der Titeltrack ‘Hell Is Home’, der lyrisch und musikalisch tief ins Fleisch schneidet und im Kopf bleibt.
“Hell Is Here, Hell Is Home” ist ein typisch intensives BODYSNATCHER-Album. Die Platte ist brutal, direkt und lässt kaum Zeit zum Atmen. Sehr positiv ist, dass die Kapelle ihren Sound gezielt weiterentwickelt, fokussierter und wütender zu Werke geht, ohne dabei zu überdrehen. Klar: Nicht jeder Moment ist völlig neu oder überraschend, aber darum geht es hier auch nicht. BODYSNATCHER setzen auf ihre Stärken – Groove, Breakdowns und diese rohe, ungefilterte Energie, die live für absolute Eskalation sorgen dürfte. Gleichzeitig verleiht die lyrische Tiefe dem Album mehr Gewicht, als man es vielleicht auf den ersten Blick erwarten würde. “Hell Is Here, Hell Is Home” ist ein stabiles Deathcore-Brett, das seine Wucht konsequent auf den Plattenteller bringt.
Tobi Stahl vergibt 8,5 von 10 Punkten


