Als ich letzten Samstagmittag während der Arbeit auf mein Smartphone schaute, traf mich die Message unseres Sängers wie ein Schlag. Phil Campbell ist tot. Der nach Lemmy wohl am längsten bei MOTÖRHEAD aktive Waliser (1983 – 2015) mag vielleicht nicht die „ganz großen“ Klassiker wie „Overkill“ (1979) und „Ace Of Spades“ (1980) eingespielt haben und dennoch ist ihm ein großer Anteil daran zu verdanken, dass MOTÖRHEAD die Jahrzehnte überlebt haben.
Kommen wir zurück zu den Anfängen seiner musikalischen Karriere. Bevor er bei MOTÖRHEAD angestellt wurde, bediente er die
Sechssaitige bei der NWOBHM Truppe PERSIAN RISK, wo er zwei Singles und eine Demo einspielte, die unter Goldgräbern noch heute Kultstatus genießen. Und dann klopfte Mitte der 80er ein gewisser Ian Fraser an…
Insgesamt 16 Studioalben ab dem wohl düstersten MOTÖRHEAD Werk „Orgasmatron“ (1986) – bis „Sacrifice“ (1995) spielte Phil Campbell an der Sechssaitigen zusammen mit Michael „Würzel“ Burston (R.I.P. 2011) – lieferte er für die „Gods Of Röck’n’Roll“ ab. Hierüber wurde genug geschrieben, da muss ich jetzt nicht genauer drauf eingehen. Außer vielleicht, dass er bei dem wohl wichtigsten Konzert meines Lebens – meiner ersten MOTÖRHEAD Show im Dezember 2006 – nur wenige Meter vor einem vollkommen eskalierenden, wahnsinnigem Teenager 90 Minuten alles gab. Auch das Treffen bei der Frankfurter Musikmesse 2007 (siehe Foto) ist mir bis heute in Erinnerung, wo er mir ein knallgrünes MOTÖRHEAD Plektrum überreichte.

Nach dem Tod Lemmys machte er unter dem Namen PHIL CAMPBELL AND THE BASTARD SONS eine neue Truppe auf, wo er mit seinen drei Söhnen insgesamt drei Alben veröffentlichte und auch viel auf Tournee war. 2019 erschien mit „Old Lions Still Roar“ ein komplettes Solowerk, bei dem Rob Halford höchstpersönlich für den Song `Straight Up` Vocals beisteuerte, der auch später live immer wieder gerne ausgepackt wurde.
Phil war derjenige, der lässig Kaugummi kauend in Wollmütze am Rand stand und die Riffs unter Lemmys wummernden Bass legte; eher ein Underdog als ein Frontmann. Und doch wären MOTÖRHEAD ohne seine Hilfe wohl nie zu den wahren Gentlemen des Rock’n’Roll aufgestiegen, die sie am Ende waren. Ein weiter Grundbaustein meiner Jugend hat sich für immer verabschiedet; und trotz Absagen auf noch kommenden Festivals wie dem No Playback im April doch irgendwie überraschend. Erst letztes Jahr hatte ich gleich drei Mal das Glück, ihn live zu sehen. Ganz besonders in Erinnerung ist mir unser letztes Aufeinandertreffen beim Neuborn Open Air Festival im Nachbarort Wörrstadt geblieben, als Phil ein reines MOTÖRHEAD Set spielte und es für mich ab dem ersten Basslauf von`Iron Fist` kein Halten mehr gab.
Sein Tod zeigt wieder schmerzlich auf, wie vergänglich doch alles ist. Deshalb: schaut Euch die alten Helden an, solange sie noch da sind.
Rest In Power, Phillip Anthony Campbell (1961 – 2026)!
Text: Marius Gindra
Photo Credits Live Pics: Sven Bernhardt

