VANIR – WYRD

VANIR

Titel: WYRD

Label: Mighty Music

Spieldauer: 45:25 Minuten

VÖ: 03. April 2026

Als ich die dänische Melodic-Death-Metal-Band VANIR entdeckte, veröffentlichte die Truppe gerade ihr Album “Sagas” (2022). Mit seinem Mix aus nordischer Mythologie, starken Hymnen und brachialen Riffs setzte die Band damals ein Ausrufezeichen. Zwei Jahre später folgte mit “Epitome” (2024) der nächste Schlag aus Dänemark, der thematisch stärker ins Mittelalter führte und musikalisch roher und düsterer ausfiel, auch wenn “Sagas” für mich weiterhin die hymnischere und eingängigere Scheibe blieb. Jetzt steht mit “Wyrd” das nächste Kapitel an. Das neue Album dreht sich thematisch um Schicksal, Krieg und die Entscheidungen der Menschen, die unsere Welt geprägt haben. Auch historisch wird es wieder: Das Cover stammt von David Troest und zeigt einen geflügelten Husaren während der Schlacht um Wien im Jahr 1683, als die polnische Kavallerie das Osmanische Reich zum Rückzug zwang. Dieses Ereignis bildet auch den Hintergrund für den Song ‘Never Surrender’. Für den Sound sorgten Demigod Recordings, wo “Wyrd” gemischt und gemastert wurde und entsprechend druckvoll aus den Boxen kommt.

Auch im Line-up hat sich etwas getan. Sänger Martin Rubini und Gitarrist Michael Lundquist, die noch auf “Epitome” zu hören waren, sind nicht mehr dabei. Neu am Mikro steht nun Martin Drageholm, während Lasse Heiberg die zweite Gitarre übernommen hat. Unverändert geblieben sind Kirk Backarach an der Gitarre, Mikael Christensen am Bass, Jon Elmquist Schmidt an den Drums sowie Stefan Dujardin an den Keyboards. Damit ist die Bühne bereitet für neun neue Schlachtgesänge aus dem Hause VANIR, die dem Viking-Metaller mit dem Opener ‘Against The Storm’ eine erste fette Breitseite verpassen – Gebrüll gegen Sturm! In ‘Never Surrender’ packen VANIR die Intensität des Openers und setzen noch einen Tacken mehr auf melodische Passagen. ‘Braavalla’ handelt von der Schlacht von Bråvalla, einer der größten Schlachten in der nordischen Heldensage und Mythologie – natürlich nach wuchtiger Art des Hauses. Diese Wucht fahren VANIR im nachfolgenden ‘Boudica’ etwas zurück, bleiben aber kraftvoll und intensiv in der Gangart.

Ein paar MANOWAR-Vibes gibt’s zum Start von ‘Da Lammet Brød det 6. Segl’, was übersetzt “Als das Lamm das sechste Siegel brach” heißt und eine biblische Referenz aus der Offenbarung des Johannes (Apokalypse) im Neuen Testament ist. Dort öffnet das Lamm Gottes (Christus) die sieben Siegel, die jeweils Ereignisse des Weltendes auslösen. Beim sechsten Siegel treten unter anderem gewaltige Erdbeben und kosmische Zeichen auf. Das Tor zu Helheim heißt ‘Helgrinidir’ und wird im gleichnamigen düsteren Groovemonster behandelt, das mit epischen Gitarrenpassagen und dem drückenden Grunzen aus Martin Drageholms Kehle überzeugen kann. Tempo nehmen die Dänen in ‘Mod & Ære’ auf, einer Nummer, die auf der “Nackenbrecher-Yoga”-Liste nicht fehlen darf. ‘De Forbandede År’ hat eine besondere Intensität in lyrischer Hinsicht, denn der Song ist in Landessprache gehalten, was ich sehr geil finde – ich mag diese Art der Authentizität sehr. Mit ‘Nine’, einem weiteren martialischen Killersong, wird die Platte, die den Vorgängern in nichts nachsteht, nach gut 45 Minuten komplettiert.

VANIR bleiben auf “Wyrd” ihrem Stil treu und liefern neun weitere starke Songs für Fans des melodischen Death Metal mit historischer und mythologischer Thematik. Druckvolle Riffs, epische Gitarrenpassagen, drückende Growls und eine ordentliche Portion nordischer Schlachtenatmosphäre sorgen dafür, dass die Platte nahtlos an “Sagas” und “Epitome” anknüpft. “Wyrd” ist eine stabile Langaxt für Melo-Death-Fans mit Faible für Geschichte, Mythen und wuchtige Hymnen – VANIR bleiben eine feste Größe im nordischen Melo-Death.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten