Mit “Total Mastery” steht bei MESSTICATOR der nächste Schlag in den Startlöchern – und nach dem bockstarken Debüt “Forthcoming Revelation” darf man durchaus von einer Ansage sprechen. Die Hamburger schrauben ihre Death-/Thrash-Maschine hörbar nach oben, drehen an Tempo, Aggression und Atmosphäre und bleiben dabei trotzdem klar sie selbst. Grund genug, genauer nachzufragen – und zwar Maik und Marvin von MESSTICATOR. Moin nach Hamburg – schön, dass ihr euch die Zeit nehmt!
Tobias:
Wie würdet ihr die Entwicklung von “Forthcoming Revelation” hin zu “Total Mastery” in eigenen Worten beschreiben?
Maik:
Ich glaube, man hört einen deutlichen Unterschied zwischen den beiden Alben. Mit “Total Mastery” haben wir deutlich was draufgelegt. Das Songwriting ist insgesamt etwas raffinierter, die Songs sind härter und auch schneller. Es fühlt sich an, als wären wir als Band mit dem neuen Album etwas gereift und haben über die Jahre auch unsere spielerischen Fähigkeiten ausgebaut.
Marvin:
Mit “Forthcoming Revelation” haben wir ausgelotet, worauf wir musikalisch Bock haben. Etwas Thrash hier, ein bisschen Death da und vielleicht noch eine Prise Black obendrauf. Bei “Total Mastery” wollten wir von allem mehr! Neben der musikalischen Entwicklung hat sich aber auch das ganze Drumherum angepasst. Wir arbeiten inzwischen professioneller und zielgerichteter. Das Management der Band, des Merch, der Show … da haben wir auch Sprünge gemacht.
Tobias:
Wie lief euer Songwriting, was hat euch am meisten angetrieben, was oder wer hat euch inspiriert?
Maik:
Bevor wir anfangen zu proben, jammen wir uns immer irgendwie warm. Dabei gab es ganz oft den Moment, an dem wir besonders geile Sachen aufgenommen und gesammelt haben. Und da wir alle viel Musik hören, wurden wir unweigerlich von den Sachen inspiriert, die wir gern hören. Aber das eigentliche Songwriting und die Ideen kommen von Marvin.
Marvin:
Die Grundgerüste der meisten Songs entstanden bei mir im Homestudio. Ich sitze gerne in Ruhe an Riffs und Songideen, probiere rum, schiebe Parts hin und her und arbeite Details aus. Manche Riffs entstanden spontan beim Jammen im Proberaum, die nehme ich dann auch mit nach Hause, um weiter an ihnen zu arbeiten. Die Songideen habe ich dann Maik und Phil gezeigt und wir haben sie gemeinsam im Proberaum gespielt. Manche Parts habe ich im Anschluss wieder mitgenommen, um etwas zu ändern, manche Parts fanden wir sofort geil. Probe für Probe haben wir die Songs dann fertig geschrieben.
Tobias:
Mit dem martialischen Intro ‘The Pit Awaits…’, dem verzögert explodierenden Nackenbrecher ‘…The Pitslayer’ und dem wuchtigen ‘High Ground’ legt ihr einen Einstieg hin, der keine Gnade kennt – war euch von Anfang an klar, dass die Platte genau mit dieser Songreihenfolge eröffnet werden muss?
Maik:
Sowas ist bei uns ein Prozess. Wir haben die Reihenfolge der Songs immer wieder diskutiert und angepasst, bis wir das Gefühl hatten, dass sie perfekt passt und die Energie der Songs perfekt über das Album verteilt ist, um die Spannung aufrechtzuerhalten.
Marvin:
Als alle Songs des Albums standen, war für mich klar, dass “The Pit Awaits The Pitslayer” den Opener machen muss. Mit ‘High Ground’ kommt die nächste Granate gleich hinterher. Wir wollten das Energielevel direkt zu Beginn in die Höhe schrauben!
Tobias:
Nach dem wuchtigen Auftakt mit ‘High Ground’ geht ihr mit dem groovenden ‘One-Shot-Kill’ und dem variablen ‘Ruins of Reason’ direkt in die nächste Abrissphase – wie wichtig ist euch dieser Wechsel aus Vollgas, Groove und unterschiedlichen Vocal-Stilen für die Dynamik der Platte, auch wenn es nur kleinere Gesangseinlagen sind?
Maik:
Ich finde Abwechslung und wechselnde Dynamik sehr wichtig. Allein damit es nicht langweilig wird, weil es von Anfang bis Ende nur ballert oder monoton wirkt. Und ich glaube, damit hältst du die Hörer bei Laune und bindest sie für den Moment ans Album. Es soll Spaß machen und auch überraschen, das Album zu hören. Aber bloß nicht diesen “Ja, knallt, aber irgendwie klingt alles gleich”-Moment bieten.
Marvin:
Der Gedanke, auch Screams zu benutzen, kam während der Vocalaufnahmen mit unserem neuen Sänger Thomas. Ich fand es cool, dadurch wieder ein Detail mehr in die Songs zu bringen.
Tobias:
‘Bloodsport’ ist ein Groovemonster und haut mit “my favorite kind of art” eine Zeile raus, die im Kopf bleibt – wie wichtig sind euch solche Hooks inmitten des ganzen Abrisses und ist der Song eine “Verbeugung” vor dem Van-Damme-Klassiker oder steckt noch mehr dahinter?
Marvin:
Die Lyrics stammen von unserem alten Sänger Phil, ich glaube, er hatte einfach Bock auf einen Oldschool-Death-Metal-Slasher-Text. Da ist nix mit Film-Hommage oder Tiefgründigkeit. HAHA! Grundsätzlich sind gute Hooks bei uns aber immer willkommen.
Tobias:
‘Cougar Claws (Return of the Leathermilf)’ ist für mich der absolute Höhepunkt der Scheibe, weil da Groove, Hooks und Brutalität perfekt ineinandergreifen – hattet ihr beim Schreiben selbst schon dieses “Okay, der Song ist ein Monster”-Gefühl und ist genau dieser Mix aus Eingängigkeit und Vollgas das Ding, auf das ihr euren zukünftigen Sound zuspitzen wollt?
Maik:
Ganz ehrlich? Diese beiden Songs waren Jams, die wir im Proberaum aus Spaß gespielt haben. Erstmal war nicht geplant, dass daraus MESSTICATOR-Songs entstehen. Tja, und dann gab es da diesen Moment, wo wir alle das Gefühl hatten, dass die Riffs so catchy sind, dass wir unbedingt was draus machen sollten. Und inzwischen ist Leathermilf bei unseren Fans Kult. HAHA!
Marvin:
Witzig, dass du den “Bonus”-Track als Höhepunkt der Scheibe nennst. HAHA! Stilistisch bricht der Song durchaus mit dem Rest der Scheibe, da ist viel Heavy Metal drin. In erster Linie hatten wir einfach Bock, die Lore um die Leathermilf weiterzuspinnen.
Tobias:
Wo lagen für euch die größten Unterschiede im Aufnahmeprozess zum Debüt? Habt ihr bewusst etwas geändert und wie lief die Zusammenarbeit mit Timo Höcke in der Wellenschmiede?
Maik:
Die erste Scheibe haben wir in Eigenregie aufgenommen. Also alles irgendwie selfmade und leicht improvisiert. Aber das Ergebnis kann sich trotzdem sehr hören lassen, finde ich. Die Zusammenarbeit mit Timo hat aus dem Album am Ende wirklich ein druckvolles Monster gemacht. Der hat den Songs am Ende irgendwie diesen “Evil-Feinstaub” gegeben. HAHA! Der Prozess im Studio hat wirklich viel Spaß gemacht, war sehr professionell und Timo war für alle Ideen offen, die wir hatten. Bester Mann!
Marvin:
Überhaupt mit einem Toningenieur und in einem professionellen Studio zu arbeiten, war der größte Unterschied! Ich habe die Gitarren, den Bass und die Vocals wieder in Eigenregie aufgenommen. Für die Drums und das Mixing/Mastering sind wir dann bei Timo gewesen, er hat die ganze Produktion auf ein professionelles Level gehoben und war bis zum Schluss offen für Änderungen. Danke, Timo!
Tobias:
Death und Thrash halten sich bei euch ja bewusst die Waage – passiert das intuitiv beim Schreiben oder ist das ein gezielter Prozess, den ihr weiter verfeinern wollt?
Maik:
Als wir angefangen haben, haben wir für uns entschieden, in welche Richtung es gehen soll, aber auch gesagt, dass wir uns nicht limitieren. AT THE GATES standen damals als Referenz im Raum und auch die kriegen diese Mischung sehr gut hin. Beim Songwriting hat jeder sein Gefühl, was an welcher Stelle passieren muss, und bringt sein Gefühl ein. Ganz bewusst machen wir das aber eher nicht. Was sich geil anfühlt und ballert, wird probiert und geliebt.
Marvin:
Das Songwriting passiert intuitiv. Wir sitzen da nicht am Reißbrett und sagen: “Okay, da muss jetzt noch 5 % mehr Death oder Thrash rein.”
Tobias:
Wie sehen eure konkreten Live-Pläne für “Total Mastery” aus – sind Touren oder Festivals bereits in trockenen Tüchern, welche Bühnen stehen ganz oben auf eurer Wunschliste und wo seht ihr die Songs am ehesten ihre volle Wirkung entfalten: im verschwitzten Club oder auf der großen Open-Air-Bühne?
Maik:
2026 haben wir schon jetzt eine ganze Menge Shows auf dem Plan, auf die wir uns wirklich sehr freuen. Ende des Jahres könnte es eventuell noch zu einer längeren Tour kommen, aber das ist noch nicht spruchreif. Ich persönlich mag die Clubshows sehr, da wir da in direktem Kontakt mit den Leuten vor der Bühne sind und sich die Energie anders entlädt und auf uns überträgt. Auf meiner Wunschliste stehen vor allem Bühnen in Skandinavien und natürlich möchte ich auch irgendwann gern mal auf der Hauptbühne in Wacken spielen.
Marvin:
Ich finde sowohl Clubshows als auch Open Air haben ihre Reize. Bei Clubshows ist man meist dichter an den Leuten dran und kann besser interagieren. Bei Festivals gibt es drum herum immer viel zu sehen und zu entdecken, und da ist der Blick hinter die Kulissen immer spannend! Auf meiner Bucketlist steht, einmal auf jedem großen Metal-Festival in DE zu spielen, das wäre geil!
Tobias:
Nehmt uns mal mit ganz an den Anfang: Wie seid ihr persönlich zum Metal gekommen, welche Bands haben euch als Teenager die Sicherungen rausgehauen und waren das auch die Auslöser dafür, selbst Musik zu machen?
Maik:
Mein Vater und meine Onkel haben schon immer Platten gesammelt und das waren, bis auf wenige Ausnahmen, immer Rock- und Metal-Scheiben. Witzigerweise hat meine Mutter immer versucht, mich von all dem fernzuhalten, damit ich nicht auf die schiefe Bahn gerate. Einer meiner Onkel hat mir irgendwann mal die “And Justice For All” und die “Painkiller” gezeigt und das war das Krasseste, was ich bis dahin gehört hatte und hat mich total umgehauen. “Krass, sowas gibt’s und so kann Metal klingen …” Und dann habe ich durch Kumpels solche Bands wie SLIPKNOT und Co entdeckt. Ab da war es um mich geschehen.
Marvin:
Als Jugendlicher war nach meiner Techno/Scooter-Phase (“Hyper Hyper!”) SUM 41, NOFX und Ähnliches angesagt. Irgendwann kam dann METALLICA dazu, dann SLAYER, dann HEAVEN SHALL BURN. Als meine Eltern mir dann Guitar Hero für die Xbox schenkten, war klar, dass ich E-Gitarre spielen wollte! xD
Tobias:
Gibt es etwas rund um “Total Mastery”, eure Entwicklung als Band oder eure Zukunftspläne, das wir bisher noch nicht angesprochen haben, euch aber unter den Nägeln brennt?
Maik:
Wir halten immer so manche Überraschung bereit und es wird rund um das Album auf jeden Fall noch was geben.
Tobias:
Als Hamburger kommt man um die Frage nicht herum: HSV oder St. Pauli – und warum?
Maik:
St. Pauli! Ich bin zwar kein glühender Fußballfan, aber schätze die Attitüde des Vereins, das Engagement gegen Rechts und deren Arbeit für Benachteiligte sehr. Unser Sänger Thomas hingegen ist brennender HSV-Fan. Aber bis auf kleine Spitzen haben wir uns trotzdem lieb. HAHA!
Marvin:
Da ich Lübecker bin, müsste ich VfB sagen … aber ganz ehrlich? Mir egal. HAHA!
Tobias:
Zum Abschluss: Ich wünsche euch maximalen Erfolg mit der Platte – die letzten Worte gehören euch, was wollt ihr den Leuten da draußen noch mit auf den Weg geben?
Maik & Marvin:
Obey your Master & See you in the Pit!
Interview: Tobias Stahl
Photocredit: Franz Schepers

