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SAMURAI PIZZA CATS – Next Level Cat-Core

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Mit “Press Start” melden sich die SAMURAI PIZZA CATS mit ihrem nächsten Kapitel zurück und zünden erneut ein Feuerwerk aus Metalcore, ein bisschen Deathcore, elektronische Einflüsse und jede Menge Arcade-Vibes. Die knapp 30 Minuten wirken wie ein energiegeladener Run durch eine neonleuchtende Spielhalle – vom Intro ‘Insert Coin’ über Abrissbirnen wie ‘Pandastruck’ und ‘Fear No Slice’ bis hin zum zuckersüßen ‘Ramen-Man’ und dem ironisch-herzlichen Außenseiter-Statement ‘Super Zero’. Gleichzeitig markiert das Album mit dem Release über Century Media Records den nächsten Entwicklungsschritt im Cat-Core-Kosmos und zeigt die Band fokussierter und selbstbewusster denn je.

Wir sprachen mit Sebastian von den SAMURAI PIZZA CATS über Arcade-DNA, Genre-Grenzen, Katzenchaos, den Ruhrpott-Faktor und darüber, warum dieses Album in einer sehr ernsten Welt genau zur richtigen Zeit kommt.

Tobias:
Zuerst einmal Glückwunsch zu “Press Start”! Fühlt sich das Album für euch wie ein klassisches zweites Werk an – oder eher wie ein Level-Up nach “You’re Hellcome”?

Sebastian:
Es fühlt sich einfach unglaublich geil an, gerade sagen zu können, dass die zweite Platte auf dem Weg ist. Wir haben vor einer gefühlten Ewigkeit angefangen und gesagt: “Lass mal ’nen Song rausbringen”. Jetzt sind wir hier mit “Press Start” und ich könnte kaum aufgeregter sein. Also im vollkommen positiven Sinne.

Tobias:
Euer Sound war schon auf dem Debüt ein wilder Ritt, aber diesmal ist der Anteil an Elektro, Arcade-Vibes und “stilfremden” Elementen gefühlt noch größer. Inwiefern war es Absicht und zu wie viel Prozent habt ihr euch einfach treiben lassen?

Sebastian:
Bei allem, was wir machen, ist es so, dass wir das Wie und Was so produzieren oder angehen, wie wir es geil finden und wie wir immer sagen: “den Vibe spüren”. Genau dieser Mix, den du erwähnst, hat sich entwickelt, weil sich der ganze Prozess so gestaltet hat, dass wir zusammen im Studio saßen, an den Tracks gearbeitet haben und uns schon in der Situation komplette Gedanken zu einer “Was wäre, wenn das ein Video wäre”-Situation gemacht haben. So entstand eine Reihe von Konzepten zu den Songs, die darin resultieren, dass jeder Song eine eigene “Stage” im Sinne des Artworks ist und einen eigenen Charakter repräsentiert. Es ist also, als würdest du ein Spiel starten, wenn du die Platte aufklappst.

Tobias:
Mit Robin habt ihr einen neuen Mann hinter den Drums. Hat sich dadurch etwas im Rudel verändert? Sagt man Rudel bei Katzen? hmmmm

Sebastian:
Chatty sagt: Katzengruppe oder Katzenkolonie. Verrückt. Das klingt so unpersönlich. Ein guter Freund ist gegangen, ein weiterer langjähriger Freund kam dazu. Cheeche hatte seine Beweggründe, die Entscheidung für sich zu fällen, und wir sind die Letzten, die sich ihm in den Weg stellen wollten. Wir sind als Freunde in Bezug auf das Projekt auseinandergegangen. Jeder hat seine Bucket-List und das ist auch komplett fein so. Was wären wir für Freunde, dann zu sagen: “Ey! Du musst!”. Robin ist ein toller Mensch, wir kennen uns schon viele Jahre und klar ist es etwas anderes, aber im positiven Sinne.

Tobias:
Habt ihr eigentlich Haustiere – Katzen?

Sebastian:
Wir alle haben mindestens einen Hund oder eine Katze. Ich glaube, wir könnten mit unseren Tieren einen Hof beziehen.

Tobias:
Zurück zu “Press Start”. Das Album beginnt mit ‘Insert Coin’ wie ein Startbildschirm aus einer 80er-Spielhalle. Wie wichtig war euch dieses durchgehende Level-Konzept für die Platte?

Sebastian:
Das Ganze war uns superwichtig. Die Idee entwickelte sich nach den ersten Singles. Wir haben insgesamt viel in “Stages”/“Leveln” und sehr über Main-Charaktere für jeden Song nachgedacht. Da kamen wir dann auf die Idee zu sagen: “Boah, wie geil wäre es, einfach ein eigenes kleines ‘Game’ in Form eines Artworks zu entwerfen?”. Jeder Song hat seine Stage, seinen Charakter sowie seinen Humor, aber auch eine tiefergehende Intention.

Tobias:
Wie muss ich mir die einzelnen kreativen Prozesse bei euch vorstellen? Wer hat da welchen Job und wie oft gibt’s Katzenjammer, weil ihr euch uneins seid? Ich meine, auf so Titel wie ‘Pandastruck’ muss man erst mal kommen.

Sebastian:
In der Regel ist jeder im Songwriting drin. Man wirft Ideen in den Raum, entwickelt Lyrics, Visionen zu Videos und jeder bringt etwas ein. Ich glaube, das Ganze läuft insgesamt so harmonisch ab, weil wir uns schon so unglaublich lange kennen und einfach auf einer Wellenlänge sind, gerade wenn es um Realisation und Ausführung unserer Ideen geht.

Tobias:
Und gleich zu ‘Pandastruck’, der ein energiegeladener Mix aus Core, Elektro, Rap-Vibes und Mosh-Parts ist. Wie findet ihr die Balance, damit euch die Nummern nicht um die Ohren fliegen, sondern so gut klingen, wie sie klingen?

Sebastian:
Gerade Daniel und ich hören die Songs meistens superkritisch und basteln eher noch das dritte und vierte Mal an einer Idee, bevor es irgendjemand zu hören bekommt. Es ist ja nicht gesagt, dass man so ’nen Track einfach nur aufnimmt und fertig ist die Geschichte. Häufig steht das Instrumental und ich mache mir Konzept- und Vocalskizzen und überlege hin und her: “Das fühl ich, das fühl ich nicht.”

Tobias:
Mit Jessie Williams von ANKOR und BABYBEARD sind wieder sehr unterschiedliche Gäste am Start. Nach welchen Kriterien sucht ihr eure Gäste aus?

Sebastian:
Tatsächlich a) nach Sympathie und b) nach der Idee: “Ich könnte mir jetzt richtig gut das und das auf dem Song vorstellen. Fühlst du das auch?” Jedes Feature bringt einen eigenen Vibe und einen eigenen Klang mit auf so ein Album und ich bin unglaublich glücklich, dass wir so geile Artists für das Album gewinnen konnten.

Tobias:
‘Ramen-Man’ ist durch das Feature und dessen “süße” Stimmen ein kleiner Zuckerschock und trotzdem funktioniert er im Albumkontext. Denkt ihr darüber nach, wie die nicht immer so tolerante Szene auf solche Songs reagiert?

Sebastian:
‘Ramen-Man’ ist tatsächlich mein absoluter Lieblingssong auf dem Album. Ich finde gerade, dass er so schnell und ein wenig überdreht wirkt, macht ihn einfach so energetisch. Ich mag den Vibe. Wir schreiben, seitdem wir SAMURAI PIZZA CATS sind, Songs, die wir fühlen und die uns Spaß machen. Das wollen wir den Leuten zeigen.

Tobias:
‘Super Zero’ sticht für mich heraus. Ein herzlicher Song über Außenseiter, Selbstzweifel, Zugehörigkeit. Wie viel persönliche Geschichte steckt in der Nummer und trifft die Interpretation die Nummer überhaupt?

Sebastian:
Volltreffer! In allen Songs gibt es eine tiefere Bedeutung und das ist eine davon. Wir verpacken mit Humor die wichtigen Themen, die uns ständig begleiten. Ich war immer ein sehr unsicherer Mensch, hatte nicht viele Freunde und habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, wie andere Menschen mich wahrnehmen. Ja, man kann sagen, dass da schon viel Persönliches drinsteckt.

Tobias:
Mit ‘City of Gold’ habt ihr so etwas wie einen AOR-Moment mit Core-Kante. War das ein Experiment, wollt ihr “alte Leute” ködern grinst oder schlummert diese 80er-Seite schon länger in euch?

Sebastian:
Vorab muss man sagen, dass ich auf “You’re Hellcome” das erste Mal clean gesungen habe. Das ist dahingehend wichtig, weil ich noch lange – trotz Touring, trotz positiver Resonanz – unsicher war. Daniel hat mich während des Prozesses angerufen und gesagt: “Boah, ich hab hier gestern Abend etwas vorbereitet, komm mal ins Studio und leg da mal was drauf.” Ich hab den Song gleich gefühlt und gedacht: “Boah, das wird der erste Track von uns, der nur Clean-Vocals hat.” Nicht um wen zu ködern, sondern einfach, weil man den Vibe genau jetzt in diesem Song spürt.

Tobias:
Ihr kommt aus Castrop-Rauxel – wie viel Ruhrpott steckt in den SAMURAI PIZZA CATS, wenn man bedenkt, dass der Pott die Wiege des Thrash Metal ist?

Sebastian:
Ich bin hier geboren und aufgewachsen. Ich liebe das Leben hier und fühle mich meiner Heimatstadt schon krass verbunden. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich zu viel “Pott” spreche, aber dann denke ich mir: “Nee, is’ doch schön”.

Tobias:
“Press Start” erscheint über Century Media und einen Tag später steigt euer eigenes Festival in Köln, das direkt ausverkauft ist. Wie fühlt sich das alles für eine junge Band an und könnt ihr den Trubel um euch fassen?

Sebastian:
Fühlt sich einfach mega an. Neues Album, eigenes Festival und dann auch noch ausverkauft. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie dankbar wir dafür sind, das alles erleben zu dürfen.

Tobias:
Apropos Trubel: Was habt ihr denn erwartet, was auf euch zukommt, als ihr die Band – dann auch noch mit diesem “nicht so truen” Namen – gegründet habt?

Sebastian:
SAMURAI PIZZA CATS hat als Projekt angefangen, das “nur mal bisschen Mucke” machen wollte. Wir wollten zu Beginn ein bis zwei Songs bei YouTube rausbringen. Irgendwie hat das Ganze eine eigene Dynamik entwickelt, über die wir nicht glücklicher sein könnten.

Tobias:
Habt ihr einen langfristigen Plan für die SAMURAI PIZZA CATS? Wo möchtet ihr in fünf Jahren stehen?

Sebastian:
So weit möchte ich, glaube ich, gar nicht in die Zukunft denken. Das verzerrt irgendwie das, was man gerade hat und erlebt. Lieber den Moment genießen und genau so weiterarbeiten wie bisher. Das ist der Weg!

Tobias:
Pizza Hawaii? Ja oder nein?

Sebastian:
Nein.

Tobias:
Wann geht es denn auf eine größere DE-Tour? Hier im Südwesten moshen die Besten – haut raus, ob es nach eurem eigenen Event auf tierische Reise geht.

Sebastian:
Unsere eigene Tour findet im Oktober statt. Komm vorbei, dann lade ich dich zu ’nem Taxiteller und ’nem Bierchen ein!

Tobias:
Die letzten Worte gehören euch, haut raus, was ihr unseren, euren Fans sagen möchtet.

Sebastian:
Ich möchte noch mal betonen, wie unglaublich dankbar wir sind, dass wir das Privileg haben, solch geile Sachen mit euch zu erleben. Das war bisher schon alles ein wilder Ritt – lasst uns zusammen auf den Knopf drücken und das Ding starten lassen. <3

Interview: Tobias Stahl
Photocredit: SAMURAI PIZZA CATS / Promo