DARK RIDE – BLADE MANOR

DARK RIDE

Titel: BLADE MANOR

Label: Massacre Records

Spieldauer: 42:04 Minuten

VÖ: 13. März 2026

Die kalifornische Melodic-Punk-/Horror-Punk-Kapelle DARK RIDE hat mit “Blade Manor” eine neue Langrille am Start, verbindet darauf West-Coast-Punk, Horror- und Fantasy, cineastisches Storytelling und einen Todeshauch von Heavy Metal-Vibes zu einem von der 80er/90er-Pop Kultur geprägten Werk, dass Kinder dieser Zeit unbedingt hören müssen, so viel Spoiler sei erlaubt. Im Mittelpunkt steht Sänger, Songwriter und Multi-Instrumentalist Emilio Menze (siehe Infobox), der das Projekt gegründet hat und seit Jahren als umtriebiger Motor der internationalen Horror-Punk-Szene gilt. Produziert von Randy Moore und Olav Tabatabai, gemischt von Olav Tabatabai und gemastert von Zack Ohren (Castle Ultimate Productions), bringt das Album einige Collabs mit diversen Gastmusikern aus der Punk-, Horror-Punk- und Metal-Szene mit. Ein festes Band-Line-up lässt sich dabei nur bedingt ausmachen: In den Video-Credits zu ‘Coffin’ tauchen neben Menze gleich drei Gitarristen – Rob Hyodo, Ian Macpherson und Ryan Heggum – sowie Jesus Lopez am Bass und Briana Mota an den Drums auf, während bei ‘Rewind’ erneut Menze, Hyodo, Lopez und Mota genannt werden, diesmal ohne die zusätzlichen Klampfen. Die wiederkehrenden Namen deuten auf festen einen Kern hin, ob es sich jedoch um eine konstante Besetzung oder um projektbezogene Studio- und Video-Line-ups handelt, weiß ich nicht.

Infobox – Emilio Menze / DARK RIDE (ohne Gewähr):

  • Aktiv in der US-Horror-Punk-Szene mit frühen Bands, ausgedehnte Tourneen durch die USA und Europa
  • Mitglied bei STELLAR CORPSES (Band aktiv 2005–2023) – internationale Aufmerksamkeit innerhalb der Szene
  • Frontmann von PLAN 9 (MISFITS-Tribute) – Aufbau des Rufs als theatralischer Live-Performer
  • Organisation von Shows und Support anderer Bands – zentrale Figur der globalen Horror-Punk-Community
  • Entwicklung zur stilistischen Schnittstelle zwischen Horror-Punk-Underground und alternativer Szene
  • Gründung von DARK RIDE als eigenes kreatives Zentrum um Emilio Menze
  • Erste internationale Konzerte mit DARK RIDE in den USA und Europa
  • Debüt von DARK RIDE beim Wave-Gotik-Treffen (Deutschland)
  • Kontinuierlicher Aufstieg von DARK RIDE im zeitgenössischen Melodic-Punk/Horror-Punk-Umfeld

Mit “Grusel-Synthies” im positiven Sinne eröffnen die kalifornischen Melodic-Punker ihr Album; der Song heißt ‘Blade Manor’ und ist gleichzeitig auch der Titeltrack. Gesanglich kommen die Jungs fast “englisch” rüber, und man hört Sänger Emilio Menze gerne zu. Die melodischen Parts, die auch im ersten Song sehr gut mit Punk kombiniert wurden, sind in ‘Coffin’ – einer Punk-Rock-Hymne über unsterbliche Liebe und die langsam verblassende Glut einer Erinnerung, tief getränkt im Geist der klassischen UNIVERSAL-MONSTER-Filme wie “Dracula” und “Bride of Frankenstein” – ein bisschen weniger präsent, was die Nummer flotter macht, genauso wie das nachfolgende ‘Rewind’, zu dem es ein cooles Video gibt, das 80er-Horrorfans, Tennisschläger-Gitarristen und Fans der guten alten Videothekenzeiten sehen müssen! Für das Video haben sich DARK RIDE musikalisch Verstärkung ins Boot geholt und ein kleines 80s-Horror-Universum erschaffen: Carlos Cofino von GOTHAM ROAD zündet ein giftiges Guest-Solo, während CRETINs Matthew Widener mit kalten Synthies den Gruselnebel in die Bilder “zieht” und Alisha Ripatti dem Ganzen mit ihren Vocals den passenden Dark-Touch verpasst. 

Vor der Kamera treffen Diandra Lazor und Jamie Meece als “80’s Babes” in flackernder Albtraum-Ästhetik auf, eingefangen von Regisseur Adam Judd (HORRORSHOW PICTURES). Gedreht wurde stilecht zwischen Kult und Kuriositäten bei Terror Trader in Arizona, eröffnet von den herrlich schrägen Klängen von VAMPIRE STEP-DADs ‘The Cough (Where a Little Blood Comes Out)’ – mehr Retro-Horror-Feeling geht kaum. Während ‘Electrocuted’ seinen Vorgängern ähnelt, ist ‘I Bury Boyfriends’ eine Stufe direkter und druckvoller – die Gitarren haben klar die Oberhand. Das Leben am Ende des “Gruselmonats” Oktober ist für alle Horrorfans ein Fest, denn da steht Halloween an, und ‘Life at the End of October’ ist die Hymne zum Abrocken fürs ganze Jahr. ‘Seascape Samhain’ steht dem fetzigen ‘Fever Dream’ vor, und nach ‘Ruined’ liefern DARK RIDE mit ‘Rest In Pieces’, ‘Do Or Die’ und dem Finale ‘Psycho Summer’ ein buntes Punk-Potpourri aus Gitarrensoli, knackigen Drums, stimmungsvollen Synthies, wabbernden Bässen und dem von mir bereits gelobten Gesang.

“Blade Manor” lebt von seiner durchgehend kultigen 80er, 90er Horror-Atmosphäre, die nicht nur im Oktober bockt, sondern das ganze Jahr über zum Abrocken einlädt. Treibende Melodien, ein im Ohr bleibender Gesang und die liebevoll umgesetzten Videos ziehen den Hörer direkt in dieses neon-dunkle Melo-Horror-Punk-Universum. Für Hardcore-Puristen könnte das alles eine Spur zu poliert sein und dem klassischen Rocker vielleicht zu geschniegelt – genau in dieser Schnittmenge liegt aber die Stärke der Platte. Wer DARK RIDE mag, bekommt hier die Band in Reinform: catchy, filmisch, gruselig und mit ordentlich Hitpotenzial.

Tobi Stahl vergibt 8 von 10 Punkten