ENGIN – SAG MIR ALMANYA

ENGIN

Titel: SAG MIR ALMANYA

Label: Independent

Spieldauer: 37:01 Minuten

VÖ: 13. März 2026

ENGIN, ein Trio aus Mannheim, verbinden Ost und West, Europa und Asien, stehen mit einem Bein am Rhein und einem am Bosporus. Und das recht erfolgreich, wenn man sieht, wie gut ihre Touren so laufen. Dennoch haben sie ihr neues, zweites, Album via Crowdfunding finanziert. Und ein Jahr nach gelungener Finanzierung steht es jetzt in den ersten Regalen der Republik. Ich hoffe natürlich besonders oft in unserer gemeinsamen Heimatstadt.

Denn Mannheim war schon immer ein Durchzugsort von Musikern. Mozart hat hier Halt gemacht. Der englische Musikkritiker Dr. Charles Burney war hier zu Gast. Durch die amerikanischen Soldaten hielt der Rock’n’Roll hier recht früh Einzug, selbst Elvis war wohl in der Stadt. So kamen und fließen bis heute die verschiedensten Einflüsse zusammen, so wie sich hier Neckar und Rhein vereinen.

Genau das machen auch ENGIN. Ihr Indie steht zwischen Rock und Pop mit dem stärkeren Anteil von Rock. Ihre Einflüsse nehmen sie aus der Musik Westeuropas genau so wie aus dem anatolischen Rock der 70er. Wobei ich gestehen muss, sehr viel ist mir da nicht bekannt. Eigentlich steht hier nur ein Sampler unter dem Titel „Love, Peace & Poetry“, der mit anatolischen Psychedelica eine Wunderwelt eröffnet. Diese Wunderwelt ist zu Teilen auch bei ENGIN zu erleben. Wenn auch etwas zeitgemäßer, gestraffter, eingängiger. Eben auch poppiger.

ENGIN sind der namensgebende Sänger und Gitarrist Engin Devekiran, David Krevels, der für Bass, Synths und Gesang zuständig ist und Drummer & Percussionist Jonas Stiegler. Ich will es nicht beschwören, aber ich glaube, gefunden haben sie sich hier an der Popakademie. Und, egal wie man zu Pop steht, die Ausbildung an dieser Schule scheint hervorragend.

Was man auch auf „Sag Mir Almanya“ hören kann. Auch wenn alles sehr harmonisch ineinander fließt, so klingen die deutsch betitelten und getexteten Songs etwas westlicher. Die türkischen Song heben den Orient ein wenig hervor. Genau da holen sie auch Traditionals aus der Wundertüte. Das viel zu kurze ´Aman Avci Vurma Beni´, das ein türkisches Lied mit dem 60s-Flair der Spotnicks verbindet. Da muss man nur mal die Gitarre sich anhören.

Ein zweites Cover ist ´Uzun Ince Bir Yoldayim´. Metallern ist es vielleicht als „Gündüz Gece“ bekannt, das die türkischen Metaller Pentagram, später umbenannt in Mezarkabul, auf ihrem Album „Anatolia“ hatten. Hier natürlich klingt das weniger metallisch, dafür reduziert funky und gefühlig melancholisch.

Der Titelsong kommt recht entspannt Westcoastig rüber. Ein wenig muss ich hier an die Niederländer Vanderlinde denken, die diesen Sound seit Jahren durch die kleinen Läden auch hier in der Region tragen. Dabei ist der Text so gar nicht entspannt. Denn hier wird danach ganz klar gefragt, Quo Vadis Almanya? „Almanya bitte geh in Therapie„, ein starker Satz, eine starke Feststellung. Ein Blick in die Kommentarspalten in diversen sozialen Medien reicht da aus. um das zu unterstreichen.

Das treibende ´Bu Gece Kül Oldum´ führt einen durch einen orientalischen Basar. Klänge und Düfte umfangen einen. Sprachfetzen und Essensgerüche. Schweiß und exotische Gewürze. Dass David Krevels auch bei den Mannheimer Psychedelikern Spiral Drive spielt, lässt sich hier besonders stark aus. Einen Song will ich noch ans Herz legen. Das entspannt groovende ´1000 Kilometer´ erzählt von Fernweh, Fahrtwind und langen entspannten Autofahrten.

Auch wenn ENGIN vielleicht nicht mit Härte glänzen, so sollte jeder etwas weltoffene Musikhörer, der auch mal in benachbarten Garagen lauscht, diesem Trio aus Mannheim eine Chance geben.

Mario Wolski vergibt 9 von 10 Punkten